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Musiktheater
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Regina

Oper in drei Akten
Text und Musik von Albert Lortzing

in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 50' (eine Pause)

Premiere am 25. April 2026 im Opernhaus Leipzig

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Oper Leipzig
(Homepage)

Die Gesellschaft radikalisiert sich

Von Stefan Schmöe / Fotos von Tom Schulze

Reform oder Revolution? Im Grunde geht es in Albert Lortzings Oper Regina um diese Frage. Einen drohenden Streik der Fabrikarbeiter kann Vorarbeiter Richard gerade noch abwenden, indem er die Wohltätigkeit des Fabrikanten Simon, eine Variante des guten und weisen Herrschers, in Erinnerung ruft. Als Dank darf er sich mit Regina verloben, der Tochter des Chefs. Die steht damit zwischen zwei Männern, denn auch der radikalisiserte Arbeiter Stephan, der wegen seiner politischen Ansichten gerade noch eine Haftstrafe verbüßen musste, begehrt sie - und setzt eine wilde Entführungsgeschichte in Gang. Stellvertretend für Lortzing entscheidet sich Regina für den besonnenen Richard und erschießt den anarchischen Stephan gerade noch rechtzeitig, bevor der alles in die Luft sprengen kann. Als Lortzing die Komposition 1848 unter dem Eindruck der Revolution in Wien beendet hatte, waren die Aufständischen bereits besiegt und die revolutionäre Thematik auf der Opernbühne unerwünscht. Nach einigen entstellenden Bearbeitungen wurde Regina erstmals 1998 am damaligen Theaterverbund "Schillertheater NRW" der Städte Gelsenkirchen und Wuppertal uraufgeführt.

Szenenfoto Der Firmenchef und seine Tochter: Simon (Mitte) will Regina (im gelben Kleid) mit Vorarbeiter Richard verheiraten.

In Leipzig, wo Regina nach dem Waffenschmied in der Musikalischen Komödie am Tag zuvor die zweite Neuinszenierung innerhalb des Festivals "Lortzing 26" darstellt, spitzt Regisseur Bernd Mottl die symbolträchtige Dreieckskonstellation noch zu. Zur Ouvertüre lässt er pantomimisch darstellen, wie der Kommunist Stephan (mit Karl-Marx-Kopf auf dem T-Shirt) Regina einen Heiratsantrag macht und sie ihn offenbar auch erhört. Man liest gemeinsam ein rotes Buch, womöglich das kommunistische Manifest? Stephan wird jedenfalls umgehend verhaftet. Das macht seine Verzweiflung angesichts der Verbindung Reginas mit dem kreuzbraven Richard noch einmal deutlicher. Denn, das besingt er in einer Arie, nur die Aussicht auf die Hochzeit mit ihr hat ihn die Haft ertragen lassen. Er wäre sicher die aufregendere Wahl gewesen. Auch in musikalischer Hinsicht: Mit dem großformatigen, dämonischen Bariton von Mathias Hausmann in der Partie des Stephan kann der leichte, in der Höhe enge Tenor von Andreas Hermann als Richard nicht mithalten.

Szenenfoto

Auch Kommunist Stephan liebt Regina und entführt sie.

Mottl siedelt die Geschichte zunächst im holzgetäfelten Büro von Firmenchef Simon an, das in seinem Prunk an die Villa Hügel, den Wohnsitz der Familie Krupp in Essen, erinnert. Dort verdient man wie hier in dieser Inszenierung, viel Geld mit Waffen. Oliver Weidinger gibt dem Patriarchen des Familienunternehmens mit vollem Bass angemessene stimmliche Würde. Die Entführung Reginas durch Stephan und seine Anhänger führt die Aufrührer in der Werkskantine des Unternehmens, vielleicht 1980er-Jahre, mit schwerem Holzmobiliar der Stilrichtung "Gelsenkirchener Barock". Die Pulverkammer, die Stephan im dritten Akt in die Luft sprengen will, sieht so aus, wie Bühnenbildner Friedrich Eggert sich offenbar die Lagerhallen von heutigen Waffenproduzenten vorstellt: Moderne Sprengköpfe lagern in überdimensionierten Obstkisten. Schwer vorstellbar, dass Stephan mit einer Fackel eine Katastrophe auslösen kann, aber sicher ist sicher, denkt sich Regina, und erschießt ihn, bevor das SEK tatortmäßig den Raum stürmt. Da verliert die Regie, die ansonsten die eben doch sehr operntypischen und nicht immer einleuchtenden Wendungen der Geschichte recht gut in den Griff bekommt, die Kontrolle. Die Zeitsprünge aber verdeutlichen, dass der hier abgehandelte Stoff mehr als nur historisch ist: Er kommt der Gegenwart Szene für Szene näher.

Szenenfoto Der anfangs brave Richard wird zum Kämpfer für Regina und für's Vaterland

Es gibt viel spannende, aus der Handlung erwachsende Musik in dieser lange vergessenen Oper, was Regina sehens- und hörenswert macht. Aber es gibt eben auch manche musikdramaturgischen Schwächen. Neben großer Revolutionsdramatik stehen komische Szenen wie in der Spieloper. Wobei Lortzing sich an Vorbildern orientiert: Wenn den Entführern ein Schlafmittel ins Bier gemischt wird und Diener Kilian (mit agilem Spieltenor: Dan Karlström) ein lustiges Lied zum Einschlafen singt, fühlt man sich an Mozarts Entführung aus dem Serail erinnert, wo ja auch das harmlose Singspiel auf die tragische opera seria trifft. An vielen, wenn auch nicht an allen Stellen kann die Regie diese Ambivalenzen gut ausbalancieren. Auch Constantin Trinks am Pult des ausgezeichneten Gewandhausorchesters verbindet beide Sphären überzeugend und lässt den großen Ton der Freiheits- und Revolutionsoper nahtlos in die Welt der heiteren Spieloper hinüberklingen. Prachtvoll singt der große und klangvolle, dabei nicht massig klingende Chor (Einstudierung: Thomas Eitler de Lint).

Szenenfoto

Gefahrenabwehr: Regina erschießt Stephan, bevor der alle in die Luft sprengt.

Man erlebt, während des Stückes wie sich eine anfänglich besonnene Gesellschaft auf der Bühne immer stärker militarisiert. Darin erkennt die Regie Parallelen zu unserer Zeit. Im unerträglich pathetischen Finale, in dem Lortzing mit allen musikalischen Kräften donnernd das Vaterland und den Heldentod für selbiges beschwört, hat die feine Gesellschaft militärische Camouflage-Jacken über die Abendkleidung angezogen, und im Hintergrund werden Deutschlandfahnen geschwenkt. Regina, von Jacquelyn Wagner mit nicht zu schwerem, aber durchsetzungsfähigem Sopran gesungen, wendet sich mit Grausen ab. Mit gutem Grund, denn alsbald fallen die neuen Nationalisten übereinander her. Schade, dass die Inszenierung hier allzu dick aufträgt. Dafür gab's vom Premierenpublikum freundlich verhaltenen Beifall für die Regie und viel Applaus für die Musik.


FAZIT

Vieles geht schlüssig auf im Versuch der Regie, diese merkwürdige, alles in allem ziemlich spannende Regina auf unsere Gegenwart zu übertragen, aber ein wenig grob und am Ende arg plakativ wirkt der Ansatz doch. Es gibt viel aufregende Musik zu hören, in Leipzig auf gutem Niveau dargeboten.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Constantin Trinks

Inszenierung
Bernd Mottl

Bühne
Friedrich Eggert

Kostüme
Alfred Mayerhofer

Licht
Thomas Hupe

Chor
Thomas Eitler de Lint

Dramaturgie
Inken Meents

Komparserie der Oper Leipzig

Chor der Oper Leipzig

Gewandhausorchester Leipzig


Solisten

* Besetzung der Premiere

Simon
* Oliver Weidinger /
Peter Dolinšek

Regina
* Jacquelyn Wagner /
Netta Or

Stephan
* Mathias Hausmann /
Henryk Böhm

Richard
* Andreas Hermann /
Matthias Stier

Wolfgang
* Marian Müller /
Vincent Turregano

Kilian
* Dan Karlström /
Daniel Arnaldos

Beate
* Nora Lentner /
Mirjam Neururer

Barbara
* Marie-Luise Dreßen /
Nina Schumertl

Ein Freischärler
* Máté Gál /
Ruben Olivares



Weitere
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