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Musiktheater
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Der Waffenschmied

Komische Oper in drei Akten
Text und Musik von Albert Lortzing

in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Premiere am 24. April 2026 in der Musikalischen Komödie Leipzig

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Oper Leipzig
(Homepage)

"Das wär' eine köstliche Zeit"

Von Stefan Schmöe / Fotos von Kirsten Nijhof

Leipzig rollt den roten Teppich für Albert Lortzing aus. Der Komponist kam 1833 als Schauspieler nach Leipzig, brachte hier (ohne großen Erfolg) seine Oper Zar und Zimmermann auf die Bühne (mit Lortzing als Darsteller des Peter Iwanow) und wurde 1844 zum Kapellmeister an das Stadttheater berufen - und ein Jahr später trotz heftiger Proteste von Ensemble und Publikum wieder entlassen. Damit endete die Leipziger Zeit. Die Opern, die jetzt im Zentrum des Leipziger Festivals "Lortzing 26" stehen, nämlich Der Waffenschmied (1846) und Regina (1848), entstanden während seiner Zeit als Kapellmeister am Theater an der Wien. Zar und Zimmermann sowie Undine spielt die Leipziger Oper aus dem Repertoire.

Szenenfoto Beziehungsstress: Marie und der vermeintliche Geselle Konrad, in Wahrheit der Graf Liebenau

Zum Auftakt geleitet der besagte rote Teppich in die Musikalische Komödie zur Neuinszenierung von Der Waffenschmied. Deutsche Spieloper, ein wenig behäbig, Biedermeier eben - das sind die Attribute, die dem Werk anhängen. Regisseurin Sonja Trebes bemüht sich nach Kräften, diese Klischees auszuräumen oder zumindest zu relativieren. Sie rückt das Werk in die Nähe der satirischen Operetten Jacques Offenbachs. Manche Szenen arrangiert sie als Revue mit Balletteinlagen, mitunter ohne erkennbaren Bezug zur Handlung. Warum etwa Piraten und Seeleute auf der Bühne tanzen, erschließt sich bestenfalls dadurch, dass es um Traumwelten und der Sehnsucht nach dem ganz Anderen geht (es sieht allerdings eher danach aus, als habe man im Kostümfundus nachgeschaut, was verfügbar ist). An das Operettenniveau, das Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin vorgegeben hat, reicht das nicht heran, auch wegen der vergleichsweise biederen Choreographie von Mirko Mahr. Aber der Ansatz bricht die ein wenig harmlose Erzählstruktur der Oper und öffnet den Blickwinkel.

Szenenfoto

Vater-Tochter-Konflikt: Waffenschmied Stadinger und Marie

Trebes aktualisiert den Text und münzt ihn durchaus geschickt auf die Gegenwart, ohne den Charakter der Oper zu verändern - ein in der politischen Operette nicht unübliches Verfahren. Der Konflikt zwischen Bürgertum und Adel wird umgedeutet in den Kampf des mit Herz und Traditionsbewusstsein geführten Familienunternehmens Stadinger gegen eine Investorengruppe, also den neuen Geldadel. Das gelingt weniger plump, als es sich vielleicht liest, vom etwas plakativ geratenen Finale vielleicht abgesehen. Uwe Schenker-Primus verkörpert den Waffenschmied Hans Stadinger mit dem sympathisch altväterlichen Charme des gestandenen Patriarchen. Mit großer, wenn auch nicht allzu sonorer Stimme nimmt er in manchen Zügen den Hans Sachs aus Wagners Meistersingern vorweg. Zu seinem traditionellen Menschenbild gehört allerdings auch, dass er den Ehepartner für Tochter Marie bestimmen will, womit selbige allerdings gar nicht einverstanden ist. Sie wird von Elissa Huber mit selbstbewusst burschikosem Auftreten und intensivem, leicht ins Dramatische tendierendem Sopran dargestellt. Damit ist der Konflikt vorgegeben. Die komödiantische Zuspitzung erhält er dadurch, dass weder Marie noch ihr Vater durchschauen, dass sich hinter dem attraktiven Gesellen Konrad (von Martin Hässler mit schneidigem Kavaliersbariton gesungen) in Wahrheit der Graf (und Investor) von Liebenau verbirgt.

Szenenfoto Manchmal darf es auch ein wenig Revue sein: Marie und Erzieherin Irmentraut (links)

Die daraus resultierenden Verwicklungen werden auf der Bühne nicht zuletzt durch den Gebrauch von Mobilfunktelefonen mit langen Antennen angeheizt. So kann man das Geschehen in der Nachwendezeit verorten. Betriebsübernahmen und drohende Massenentlassungen dürften als traumatische Erfahrungen dieser Jahre zumindest dem alteingesessenen Teil des Leipziger Publikums einen Wiedererkennungseffekt bereiten. Aber auch das läuft unaufdringlich nebenbei mit. Trebes bedient souverän Lortzings Komödiendramaturgie. Man lacht in Leipzig augenzwinkernd über den komischen Dialekt der Schwaben (Felix Lodel spielt den für die Intrige wie für den Lustspielfaktor zuständigen Ritter Adelhoff mit selbstironischem Witz). Untiefen des Librettos werden liebevoll als solche abgehandelt - nicht jeder Satz muss ein tiefsinniger Aphorismus sein. Absurditäten à la Monty Python sind angedeutet, hätten aber ruhig noch mehr Raum einnehmen dürfen.

Szenenfoto

Der Patriarch spricht: Stadinger und Ensemble

Die "komische" Oper darf also komisch und unterhaltsam sein und sich auch gelegentlich in die Bereiche des Flachwitzes vergaloppieren. Sven Hjörleifsson singt den Diener Georg mit leichtem, beweglichem Spieltenor, Kathrin Göring die Irmentraut, eigentlich Erzieherin Maries und hier liebestolle Haushälterin, mit hellem, zupackendem Mezzo. Chor und Chorgäste zeigen viel Spielwitz und gestalten den musikalischen Part mit vielen Nuancen (Choreinstudierung: Mathias Drechsler). Das Orchester der Musikalischen Komödie spielt unter der Leitung von Michael Nündel schwungvoll und begleitet die leisen Passagen sensibel.

Und dann gibt es ein paar nachdenkliche Momente, wobei die Bearbeitung des Textes in die richtige Richtung lenkt. Wenn Marie gegen das Diktat der Männer wettert oder Vater Stadinger gegen die Macht des (Geld-)Adels, dann gewinnt die Inszenierung der Oper sehr aktuelle Momente ab - und unterstreicht Lortzings Bedeutung als progressiver Künstler des Vormärz'. Diese Sichtweise kulminiert im populären Lied Stadingers "Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar", von der Regisseurin maßvoll umgetextet: "Ach, gäb es doch Schätze, von Geistern bewacht, / Und würde am Volk nicht gespart,/ Die Kluft nicht vergrößert, die Bildung bedacht,/ Der Hass mit dem Neid nicht gepaart […] Das wär' eine köstliche Zeit!". Mit jeder Strophe wird die Musik leiser, die Instrumentierung schlanker, der Gesang introvertierter. Uwe Schenker-Primus findet den richtigen, berührenden, zwischen Resignation und ganz leiser Hoffnung angesiedelten Tonfall. So setzt der Waffenschmied kurz vor dem Finale mit einem flammenden Appell an die Politik im Konkreten wie an die Menschlichkeit im Allgemeinen ein Zeichen. Damit ist ziemlich viel aus der Spieloper herausgeholt.


FAZIT
Die Musikalische Komödie präsentiert den Waffenschmied als muntere, repertoiretaugliche Inszenierung auf musikalisch gutem Niveau mit nachdenklich stimmenden Zwischentönen.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
* Michael Nündel /
Tobias Engeli

Inszenierung
Sonja Trebes

Choreographie
Mirko Mahr

Bühne
Dirk Becker

Kostüme
Uta Meenen

Chor
Mathias Drechsler

Dramaturgie
Dr. Kara McKechnie



Komparserie der Oper Leipzig

Ballett der Musikalischen Komödie

Chor und Chorgäste der
Musikalischen Komödie Leipzig

Orchester der Musikalischen Komödie


Solisten

* Besetzung der Premiere

Hans Stadinger
* Uwe Schenker-Primus /
Florian Spiess

Marie
Elissa Huber

Graf von Liebenau
Martin Häßler

Georg
Sven Hjörleifsson

Irmentraut
Kathrin Göring

Ritter Adelhof
Felix Lodel

Brenner
Andreas Rainer

Fräulein von Katzenstein
Tina Lender /
* Victoria Friedrich

Ritter
Sebastian Gosch /
* Florian Klaer



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Oper Leipzig
(Homepage)



Da capo al Fine

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