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Hoffmanns Erzählungen

Phantastische Oper in fünf Aufzügen
Libretto von Jules Barbier
nach dem gleichnamigen Schauspiel
von Jules Barbier und Michel Carré
Deutscher Text (1., 3. und 5. Akt): Josef Heinzelmann
Italienischer Text (4. Akt): Michael Kaye

Premiere an den Bühnen der Stadt Köln/Opernhaus
am 26. September 1998

Von Gerhard Menzel / Fotos von Klaus Lefebvre



Eine "phantastische" Produktion!

Was dem Produktionteam Günter Krämer (Inszenierung), Graeme Jenkins (Musikalische Leitung), Gottfried Pilz (Ausstattung) und auch Manfred Voss (Licht) mit diesem Hoffmann gelungen ist, ist schier sensationell.

Foto: Köln / Hoffmanns Erzählungen Foto 1:
Hoffmann (Roland Wagenführer) im Schneesturm an der Haltestelle

Die Ausstattung ist (zwar) "modern" und wird nicht jedem gefallen, aber im Gesamteindruck war diese Aufführung so stark und überzeugend, dass es am Ende einhelligen Jubel und Ovationen für alle Beteiligten gab! Das habe ich in den letzten Jahren in Köln so nicht mehr erlebt, vor allem nicht bei einer Regie von Günter Krämer! Es war nicht nur eine Freude, nach langer Zeit endlich einmal (wieder) eine rundum gelungene, konzeptionell und handwerklich stimmige Inszenierung von Herrn Krämer zu sehen, sondern auch zu erleben, dass das Publikum dieses auch honorierte.

Die Klasse der Inszenierung besteht vor allem in der ständigen Konfrontation von Realität und Phantastik. Gleich zu Beginn sieht man z.B. Obdachlose, die in einer schneereichen Winternacht Schutz an einer Strassenbahnhaltestelle suchen. Da schwebt auf einer beleuchteten Mondsichel die Muse im "Feenkostüm" aus der Höhe herab . . .

Foto: Köln / Hoffmanns Erzählungen Foto 2:
Hoffmann (Roland Wagenführer) und Izabella Labuda (Antonia) vor dem Bild bzw. Phantom: die Frau(en).

Die hier gespielte Fassung - Offenbach hinterliess Hoffmanns Erzählungen ja als Fragment - folgt wohl den neuesten Erkenntnissen der Forschung; leider steht zu diesem Thema im Programmheft nicht ein einziger Satz, was sehr bedauerlich ist.

Die Besonderheit dieser Produktion ist jedenfalls der Einfall, nur den Olympia-Akt im französischen Original zu belassen, den Giulietta-Akt dagegen in der italienisch Übersetung von Michael Kaye (jeweils mit deutschen Übertiteln) und die übrigen drei Akte in der deutschen Fassung von Josef Heinzelmann singen zu lassen. Diesen etwas extravaganten Ansatz halte ich im Prinzip zwar für überflüssig, er ist im Rahmen dieser Inszenierung aber durchaus akzeptabel.

Bemerkenswert ist auch, dass hier nicht der Alkohol oder eine andere Droge den "Untergang" Hoffmanns bewirkt, sondern einzig und allein das menschliche Scheitern an ideellen Vorstellungen und Ansprüchen.

Foto: Köln / Hoffmanns Erzählungen Foto 3:
Der Giulietta-Akt spielt vor dem eingefahrenen Kreuzfahrtschiff

Herausragendes Merkmal dieser Fassung ist die "Aufwertung" der Partie der Muse (Nicklausse), die hier schon als eigentliche Hauptfigur bezeichnet werden kann und die in Ute Döring eine herausragende Interpretin fand.

Ihr "Opfer" - Hoffmann - ist mit Roland Wagenführer ebenfalls erstklassig besetzt, obwohl er stimmlich wohl eher für das deutsche Fach geschaffen ist, was er z.B. als Max im Freischütz in Köln oder als Erik im Fliegenden Holländer in Bayreuth - wo er im nächsten Jahr auch den Lohengrin singen wird - schon unlängst bewiesen hat.

Foto: Köln / Hoffmanns Erzählungen Foto 4:
Die Strassenbahn - die die Opernbesucher nach der Aufführung des 'Don Giovanni' nach Hause fährt - droht Hoffmann, der sich auf die Schienen gelegt hat, zu überfahren. Der Muse gelingt es mit grosser Kraft, die Bahn aufzuhalten! Aber wie lange?

Auch der Rest der Besetzung ist ganz vorzüglich und auch darstellerisch äusserst engagiert und überzeugend. Da fällt die ausgeklügelte Personenregie wirklich auf fruchtbaren Boden.

Eine ganz phantastische Leistung bot auch Graeme Jenkins, unter dessen Leitung das Gürzenich-Orchester/Kölner Philharmoniker wahre Klangwunder vollbrachte.



FAZIT:

Wer sich nicht an einer etwas "modernisierten" Optik stört, sollte sich diesen Hoffmann nicht entgehen lassen!!! Eine erstklassige Personenführung und eine überwältigende musikalische Interpretation machen diese Produktion zu einem einzigartigen Erlebnis!

Logo: Bühnen der Stadt Köln

Musikalische Leitung
Graeme Jenkins

Inszenierung
Günter Krämer

Ausstattung
Gottfried Pilz

Licht
Manfred Voss

Dramaturgie
Ralf Hertling

Chor
Albert Limbach


Solisten

Stella
Claudia Rohrbach

Olympia
Natalie Karl

Antonia
Izabella Labuda

Giulietta
Alexandra Coku

Muse, Nicklausse
Ute Döring

Stimme des Grabes
Dalia Schaechter

Hoffmann
Roland Wagenführer

Lindorf, Coppelius, Miracle, Dapertutto
Donnie Ray Albert

Crespel
Dieter Schweikart

Andres, Cochenille, Franz, Pitichinaccio
Johannes Preißinger

Nathanael
John Pierce *

Hermann
Georg Heckel *

Wilhelm, Schlemil
Martin Busen *

Wolfram
Robert Schindler

Tänzer
Athol Farmer

* Mitglied des Opernstudios



Opernchor der Bühnen
der Stadt Köln

Gürzenich-Orchester
Kölner Philharmoniker




Weitere Aufführungen

September '98: 30.
Oktober '98: 2., 5., 9., 14.,
18. (16 Uhr),
21., 28.
(wenn nicht weiter
angegeben um 19 Uhr)
November '98: 28. (19.30 Uhr)

Änderungen vorbehalten.



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