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Operettenseligkeit in der Philharmonie Von Thomas Molke / Foto: © Simon Fowler Im Aalto Theater feiert derzeit die Operettengala Einmal möcht' ich was Närrisches tun! große Erfolge und freut sich über ausverkaufte Vorstellungen (siehe auch unsere Rezension). Nun huldigt man auch in der Philharmonie der beim Publikum so beliebten Gattung und hat dazu im Rahmen der Reihe "Große Stimmen" zwei hochkarätige Stars eingeladen, die gemeinsam mit der NDR Radiophilharmonie unter der musikalischen Leitung von Dirk Kaftan ein regelrechtes Operettenfeuerwerk entfachen: Diana Damrau und Nikolai Schukoff. Damrau ist mit ihrer ausdrucksstarken Stimme nicht nur seit vielen Jahren ständiger Gast an den international führenden Opern- und Konzerthäusern, sondern begeistert auch mit einer enormen Bühnenpräsenz und komödiantischen Fähigkeiten, was gerade für die Operette ein großer Gewinn ist, und auch Schukoff stellt seit vielen Jahren mit seinem wandelbaren Tenor unter Beweis, dass er sowohl das dramatische Fach als auch die scheinbar ach so leichte Operette beherrscht. Beide verbinden zahlreiche gemeinsame Engagements, so dass sie für den Abend in der Philharmonie ein prädestiniertes "Operetten-Paar" abgeben. Diana Damrau Der Abend ist dabei zwischen allen Beteiligten gleichberechtigt aufgeteilt. Fast jeder Block besteht aus einer Nummer für Sopran, einer Arie für Tenor, einem Duett und einem Orchesterstück, in dem die NDR Radiophilharmonie unter der Leitung von Dirk Kaftan glänzen kann. Nachdem die NDR Radiophilharmonie die Veranstaltung absolut temperamentvoll mit der Ouvertüre aus Johann Strauss' Die Fledermaus begonnen hat, folgt ein Lied der Anna-Elisa aus Lehárs Operette Paganini, das dem Abend den Titel gegeben hat: "Liebe, du Himmel auf Erden". Darin beschwört die Fürstin walzerselig ihre Liebe zu dem legendären Teufelsgeiger Paganini, dem sie eigentlich entsagen soll, wozu sie allerdings nicht bereit ist. Dass den beiden am Ende kein Happy End beschert ist, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass Paganini es in der Operette mit der Treue nicht ganz so genau nimmt. In farbenfrohem Kleid mit großen Blumenornamenten gibt sich Damrau als Anna-Elisa jugendlich-naiv und besingt die Liebe in den schillerndsten Farben. Dabei zeigt sie große Beweglichkeit in der Stimmführung und wechselt zwischen sehr zart angesetzten Tönen und kraftvollen Ausbrüchen in den Höhen. Schukoff antwortet auf diese Liebeserklärung spontan in der Rolle der Titelfigur aus Lehárs Operette und ganz im Stil des Schwerenöters: "Gern hab ich die Frau'n geküsst". Über den stellenweise sehr fragwürdigen Text sieht man bei Schukoffs strahlend fließendem Tenor und den sauber angesetzten Spitzentönen gern hinweg. Nach diesen beiden recht opernhaften Nummern geht es eher leichtfüßig weiter. Schukoff verwandelt sich beim Abgang von der Bühne in Dr. Siedler, der Im weißen Rössl am Wolfgangssee auf Ottilie, die Tochter seines Konkurrenten Giesecke, trifft, die quasi direkt mit ihm zusammenstößt. Nach einem kurzen Geplänkel stimmen Damrau und Schukoff dann "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein" von Robert Stolz an, das in Benatzkys Revue eingefügt worden ist. Hier singen und tanzen Damrau und Schukoff die Walzerseligkeit in vollen Zügen aus. Spritzig geht es dann mit der NDR Radiophilharmonie weiter, die mit Strauss' "Champagner-Polka" äußerst komische Akzente setzt. Kaftan spielt dabei am Pult den Überraschten, der dem Publikum gegenüber mutmaßt, dass der eine oder andere Musiker im Orchester wohl bei diesem Stück etwas zu viel vom Champagner gekostet haben könnte. Von Strauss geht es dann zurück zu Lehár und zu einem eher selten gespielten Werk: Friederike. Die 1928 in Berlin uraufgeführte Operette handelt von Goethes großer Jugendliebe Friederike Brion, die den Dichter freigeben musste, weil er seine Berufung an den Weimarer Hof nur ledig antreten durfte. In dem Lied "Warum hast du mich wachgeküsst" fragt sie mit wehmütiger Leidenschaft, wieso sie Goethe überhaupt begegnen musste. Die Gefühle der jungen Frau kommen in Damraus eindringlicher Interpretation wunderbar zum Ausdruck. Ihre große Wandelbarkeit zeigt sie anschließend im Duett von Paulette und Richard "Ein kleiner Flirt" aus dem Lied der Liebe, einem Werk das Erich Wolfgang Korngold nach der Musik von Strauss' Das Spitzentuch der Königin bearbeitet hat. Hier begeistern Schukoff und Damrau im komödiantischen Zusammenspiel und zeigen, wie sehr die Chemie zwischen den beiden stimmt. In den letzten Nummern vor der Pause wird es feurig. Schukoff wechselt dafür nicht nur sein weißes Sakko gegen ein samtrotes, wenn er als Tassilo aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza zum Lied "Komm Zigány" in Erinnerungen an seine glückliche Vergangenheit schwelgt, und punktet mit sauber angesetzten Höhen. Auch Damrau erinnert in ihrem neuen Kostüm an eine Schwester Carmens, wenn sie als Ilona von Körösháza aus Lehárs Zigeunerliebe "Cymbalklänge" hört. Dabei flirtet sie auch heftig mit dem ersten Geiger und dem Dirigenten. Nach der Pause geht es dann erst einmal ins Maxim. Nach dem Auftakt mit dem "Ballsirenen-Walzer", in dem zahlreiche bekannte Melodien aus Lehárs lustiger Witwe anklingen, lädt Schukoff als Danilo in das berüchtigte Etablissement ein, bevor er dann Damrau auffordert, mit ihm ins Chambre separée zu kommen. Damrau präsentiert dann im zweiten Teil zwei zunächst eher unbekannte Werke. Den Anfang macht das Lied des Grainville aus Leo Falls Der süße Kavalier, der eigentlich eine junge Dame in Männerkleidung ist, die nach Belieben zwischen den Geschlechtern wechselt und sich mit ein bisschen "Rouge et Noir" blitzschnell wieder in die Frau verwandelt, die sie eigentlich ist. Im zartrosa Kleid präsentiert sich Damrau anschließend als Elle aus André Messagers L'Amour masqué und gesteht ein bisschen schuldbewusst, dass sie zwei Liebhaber hat. In beiden Nummern stellt Damrau erneut ihr großes komödiantisches Talent unter Beweis. Auf die Spitze treibt sie es dann als Périchole aus Offenbachs gleichnamiger Operette, wenn sie mit viel Spielwitz die leichte Trunkenheit der Straßensängerin imitiert, die Kaftan als "strenger Dirigent" in ihre Schranken weisen muss. Das offizielle Programm endet dann mit dem berühmten Duett von Sylvia und Edwin aus der Csárdásfürstin von Emmerich Kálmán: "Tanzen möcht' ich". Natürlich lässt das begeisterte Publikum Damrau und Schukoff nach diesem kurzweiligen Abend nicht ohne Zugaben gehen. So gibt es nach stehenden Ovationen zunächst "Dein ist mein ganzes Herz" aus Lehárs Operette Das Land des Lächelns. Schukoff zieht hierbei noch einmal alle Register und begeistert mit kraftvoll strahlenden Spitzentönen, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen. In feuerrotem Kleid folgt dann das berühmte Lied der Giuditta, "Meine Lippen, sie küssen so heiß". Das Publikum ist so beseelt, dass es den Refrain am liebsten mitsingen möchte, und Damrau scheint das sogar zu begrüßen. Auch bei dieser Nummer stellt Damrau ihr großes Temperament unter Beweis. Natürlich darf zu einem glücklichen Happy End der Operettenseligkeit das berühmte Duett "Lippen schweigen" aus Lehárs lustiger Witwe nicht fehlen, und so setzen Schukoff und Damrau damit einen absolut gelungenen Schlusspunkt.
FAZIT Es lebe die Operette, wenn sie von so hervorragenden Stars wie Diana Damrau und Nikolai Schukoff interpretiert wird. Ihre Meinung ? Schreiben Sie uns einen Leserbrief |
AusführendeDiana Damrau, Sopran Nikolai Schukoff, Tenor NDR Radiophilharmonie Dirk Kaftan, Dirigent Werke
Johann Strauss (Sohn)
Franz Lehár
"Gern hab' ich die Frau'n geküsst"
Robert Stolz
Johann Strauss (Sohn)
Franz Lehár
Johann Strauss (Sohn)
Josef Strauss
Emmerich Kálman
Franz Lehár
"Ballsirenen-Walzer"
"Da geh ich ins Maxim"
Leo Fall
Richard Heuberger
Johann Strauss (Sohn)
André Messager
Franz Grothe
Jacques Offenbach Can-Can" aus Orpheus in der Unterwelt
Paul Lincke
Johann Strauss (Sohn)
Emmerich Kálmán
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