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In wunderbaren Regionen Von Christoph Wurzel / Foto: © Andrea Kremper Bei der Uraufführung seines Konzerts für Violine, Violoncello und Orchester war Johannes Brahms 55 Jahre alt. Es ist seine letzte Orchesterkomposition, sein Opus 102, ein Alterswerk gewissermaßen. Wer es aber jüngst im Baden-Badener Festspielhaus gehört hat, erlebte das Werk so frisch und voller Temperament, dass man an Brahms als jungen Komponisten denken musste. Robert Schumann schrieb über den damals Zwanzigjährigen, seine Musik führe in "wunderbare Regionen". Der junge Brahms galt als genialer Feuerkopf. Dank der Geigerin Lisa Batiashvili, des Cellisten Maximilian Hornung, des Netherlands Philharmonic Orchestra und des Dirigats von Lorenzo Viotti war es wieder so: auch Brahms' Doppelkonzert führten sie in wunderbare Regionen. Der Beginn setzte die Maßstäbe: ein kraftvolles Orchestertutti, dann der rhapsodische Einstieg des Solocellos in jedem Ton beredt, energisch und expressiv. Auf das lyrische Bläsermotiv antwortet die Solovioline schwebend und zart. Zwischen Geige und Cello entspinnt sich ein lebhafter Dialog, bis sich beide Instrumente zu gemeinsamer Sprache zusammenfinden und erneut kraftvoll die Orchesterexposition beginnt. Es war der gleiche musikalische Geist, aus dem heraus hier das Werk entstand, mit dem Brahms ausdrücklich an die Tradition der Sinfonia concertante anknüpfte. Lustvolles, ausdrucksintensives Musizieren in jedem Takt war aufseiten der Solisten zu spüren. Das Orchester antwortete gleichermaßen engagiert und mit Verve. Lisa Batiashvili, Maximilian Hornung und das Netherlands Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Lorenzo Viotti in Baden-Baden Mit gerade einmal 34 Jahren ist Lorenzo Viotti ein echter Shootingstar unter den jungen Dirigenten, seit 2021 Chefdirigent des Orchesters und musikalischer Leiter der Nationaloper in Amsterdam. In höchsten Maße inspirierend wirkte er offensichtlich auf das Orchester und führte es in beiden Programmteilen zur Höchstleistung. Bei Brahms arbeitete er vor allem im ersten Satz die innere Logik, das Wechselspiel von Spannung und Entspannung, bezwingend heraus. Durch die Solisten entstanden immer wieder wunderbar lyrische Inseln, beide wandlungsvoll in Farbe und Tongebung: Lisa Batiashvili bis hinauf in extreme Höhen mit klarem und berückend schönem Klang, Maximilian Hornung mit sonorem, fülligen Celloton. Ganz zurückhaltend beließen sie es in der Zugabe Wassertropfengesang von Sibelius beim bloßen Pizzicato.
Seine ausgezeichnete Qualität bewies das
Orchester anschließend nochmals allein mit der 7. Symphonie von Antonín Dvořák, einem Werk starker innerer Kontraste, deren
Spannung Viotti in wechselvoller Dynamik, prägnantem Tempo und fein
austariertem Klangvolumen wie ein symphonisches Drama eindrucksvoll gestaltete.
Immer wieder leuchteten herrliche Solostellen vor allem in den Bläsergruppen
auf. In der Coda des Finalsatzes triumphierte das Orchester mit glühender
Leidenschaft. Diese setzte sich im rasanten Tempo der ersten Zugabe fort, dem
UngarischenTanz Nr. 5 von Brahms. Aber mit einer besonderen Überraschung
verabschiedete sich die Nationalphilharmonie aus Amsterdam, nämlich als
singendes Orchester und bewies mit Mozarts Ave
verum auch seine Qualitäten als
Vokalensemble: vierstimmig und lediglich begleitet von einem Doppel-Streichquartett. |
AusführendeLisa Batiashvili, Violine Maximilian Hornung, Violoncello Netherlands Philharmonic Orchestra Lorenzo Viotti, Dirigent ProgrammJohannes
Brahms Antonín
Dvořák
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