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Meisterliche Kunst Von Christoph Wurzel / Foto: © Manolo Press Michael Bode Seine Konzerte sind Kult. Aber an seinem Auftreten liegt es nicht. Kaum ein Pianist kommt so unspektakulär aufs Podium. Eine kurze, fast scheue Verbeugung und sofort beginnt Grigory Sokolov zu spielen. Die überreiche Wertschätzung, die dieser Pianist genießt, den manche für den aktuell besten halten, erwächst allein aus seiner Kunst, seiner stupenden Technik und vor allem seinen im besten Wortsinn werkgetreuen Interpretationen. All dies war wieder faszinierend zu erleben im jüngsten Konzert im Festspielhaus, in dem sich Sokolov hauptsächlich Bach und Mozart widmete. Allerdings nicht minder wichtig, wie immer bei diesem Pianisten, auch die Zugaben, in denen er stets ein kleines Best of seines Repertoires Revue passieren lässt. Von Bach zuerst die vier Duette, "Clavierübungen" mit großem Tiefgang, ausgefeilteste zweistimmige Kontrapunktik, wenige Minuten dauernde Stücke, die kaum in allen Wendungen spontan zu erfassen sind - sie zählen zu Bachs am schwersten zu verstehenden Kompositionen für Klavier. Musik für Kenner, die selten im Konzertsaal zu hören ist. Sokolov präsentiert sie mit einer verblüffenden Souveränität, zeichnet filigran die kanonischen Sequenzen nach, formuliert Stimmen und Gegenstimmen glasklar und lässt den Flügel vor allem mit seinem ungemein feinzeichnenden Anschlag klingen und singen, dass diese höchst artifizielle Musik plötzlich leicht wird und zu schweben beginnt. Da ist nichts akademisch oder spröde, alles klingt selbstverständlich, die Charaktere werden klar, das helle F-Dur des zweiten wie das in strenge Form gegossene c-Moll des vierten Stücks. Grigory Sokolov bei seinem Konzert in Baden-Baden Ohne Unterbrechung geht Sokolov zur Partita über, der Nr. 2 der Sammlung und von Bach den "Liebhabern von Allemanden, Couranten, Sarabanden und anderen Galanterien zur Gemütsergötzung" gedacht. Die Vorbilder der allbekannten Tanzsätze sind auszumachen, aber doch zu höchster Reife gebracht, die künstlerische Phantasie in weite Höhen gesteigert. Auch hier erweist sich Sokolov als treuer Sachwalter allein der Musik. Wo Pathos möglich wäre, beim gravitätischen Beginn der Ouvertüre nach französischem Vorbild etwa, bleibt sein Spiel gemessen. Präzise kommen die rasche Allemande und die vielstimmige Courante in ihrem Charakter zur Geltung. Mit fast zärtlichem Anschlag und liebevoll ausgesungen lässt Skolov die Sarabande zu einem Moment tiefer Innigkeit werden. Und attacca im großen Kontrast dazu bilden das konzertante Rondeaux und das pianistisch virtuose Capriccio das effektvolle Finale. Eine wohlbedachte Steigerung mit großer Überzeugungskraft. Mit gleicher interpretatorischer Sorgfalt und Verantwortung vor dem Werk interpretiert Grigory Sokolov die Musik von Mozart. Den explizit klassischen Tonfall der B-Dur-Sonate KV 333 trifft er in aller Klarheit. Abgeklärt im Tempo, Diskant und Bass in absolutem Gleichgewicht, eine bezwingende Phrasierung, elegant und rhetorisch subtil ausgefeilt: Mozarts Musik strahlt in hellem Licht. So und nicht anders sollte sie klingen, denkt man unwillkürlich. Zum Schluss wieder eine große Herausforderung ähnlich dem Beginn des Konzerts: Mozarts Adagio in h-Moll, ein ebenso kurzes wie in sich ungemein vielgestaltiges Stück empfindsamer Klaviermusik. Bereits im ersten Takt verschattet eine Dissonanz den Klang. Sokolov macht sie deutlich, lässt den Effekt aber im Rahmen, entwickelt die harmonischen Veränderungen subtil. Die Konfrontationen zwischen Oberstimme und Bassstimme spielt er markant heraus und obwohl der Charakter dieser Musik, der Tonart h-Moll entsprechend, zum Tragischen neigt, bleibt Sokolovs Spiel äußerlich kontrolliert, berührt aber durch die inneren Spannungen um so mehr. Jede Subjektivität des Interpreten tritt hier hinter der Aussage der Musik zurück.
In sechs Zugaben fächert Sokolov nochmals seine
hohe Kunst des Klavierspiels auf: bei Rameau sein elegant schwingendes
Rhythmusempfinden, bei Chopin eine hochsensible melodische Feinzeichnung und
bei Rachmaninow schließlich lässt er den Tastenvirtuosen in sich zu seinem
Recht kommen, aber auch hier wieder uneitel und mit feinem Geschmack.
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ProduktionsteamGrigory Sokolov, Klavier ProgrammJohann
Sebastian Bach Partita Nr. 2 c-Moll BWV 826 Wolfgang
Amadeus Mozart Adagio h-Moll KV 540 Zugaben:
Jean-Philippe
Rameau
Frédéric Chopin
Sergej Rachmaninow
Frédéric Chopin
Jean-Philippe
Rameau
Frédéric Chopin
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