Einen zentralen Punkt bilden auch in diesem Jahr wieder die szenischen
Opernproduktionen. Für das Jubiläum hat man sich für ein Werk entschieden,
das als "Inbegriff der barocken Hofoper" gilt und in seinen Ausmaßen als
heutzutage nahezu unaufführbares Spektakel gilt. Die Rede ist von Antonio
Cestis
Il pomo d'oro.
Mit den fünf Akten und dem vorangestellten Prolog wurde die 1668
uraufgeführte Oper über die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges mit einer
Gesamtspielzeit von über acht Stunden schon damals auf zwei Abende verteilt
und setzte Maßstäbe, die die meisten italienischen Opern des 17.
Jahrhunderts in den Schatten stellten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das
Werk zu einer Legende und hat beispielsweise das gleichnamige renommierte
Barockensemble zur Wahl seines Namens inspiriert. Die Unaufführbarkeit liegt
nicht nur an dem enormen Aufwand und der Vielzahl an Rollen. Auch die Musik zweier Akte gilt als verschollen, so dass nur das
komplette Libretto erhalten ist. Der musikalische Leiter der Festwochen, Ottavio Dantone, hat die fehlenden Teile aus Fragmenten und anderen
Werken Cestis rekonstruiert und übernimmt bei der Produktion natürlich auch
die musikalische Leitung der Accademia Bizantina. Regie führt Fabio Ceresa.
Die Premiere findet am 7. und 8. August 2026 jeweils um 18.30 Uhr im Großen Haus
des Tiroler Landestheaters statt. (Weitere Termine: 11. und 12. August 2026
um 18.30 Uhr
und 15. und 16. August 2026 um 16.00 Uhr)

Haus der Musik in Innsbruck (© Günther Egger)
Zu einem unverzichtbaren
Programmpunkt hat sich seit über zehn Jahren auch das Akademie-Projekt Barockoper:Jung entwickelt. Darin erarbeiten die jungen Preisträger und
Preisträgerinnen des Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper
Pietro Antonio Cesti eine Oper. In diesem Jahr feiert am 21. August 2026 um
19.00 Uhr auf der Bühne der Kammerspiele im 2018 fertiggestellten Haus
der Musik Georg Friedrich Händels Oper
Atalanta Premiere.
Anlass für die Komposition war die königliche Hochzeit des Thronfolgers
Friedrich Ludwig von Hannover mit Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg im
April 1736. Wegen des prunkvollen
Bühnenbildes wurde das Stück aber nicht rechtzeitig fertig und gelangte erst am 12.
Mai 1736 zur Uraufführung. Da es sich großer Beliebtheit erfreute, wurde es
auch in der darauffolgenden Spielzeit auf Wunsch des Thronfolgerpaars wieder
aufgenommen. Erzählt wird die Geschichte von der Jagd auf den kalydonischen
Eber, der erst bezwungen werden kann, wenn Atalanta, die Prinzessin von
Arkadien, das Untier mit einem Pfeil verletzt. In der Titelpartie ist Silvia
Porcellini zu erleben. Die Partie des
Meleagro übernimmt die Sopranistin Sarah Hayashi. Der Gewinner des
Cesti-Preises im vergangenen Jahr, Salvador Simão, schlüpft in die
Rolle des unglücklich liebenden Schäfers Aminta. Auch der dritte
Preisträger, Pierre Gennaï, ist als Götterbote Mercurio mit von der
Partie. Regie führt schon wie bei La fida ninfa 2023 François de Carpentries. Die musikalische Leitung des
Orchesters der Schola Cantorum Basiliensis liegt in den Händen von Andrea
Buccarella. (Weitere Termine: 23. August 2026 um 16.00 Uhr und 25. und 26.
August 2026 jeweils um 19.00 Uhr)
Neben den bewährten Ambraser Schlosskonzerten findet auch zum vierten Mal
das youngbaroque vom 2. bis 6. August 2026 statt. Bei diesem internationalen
Jugendbarockorchesterfestival kommen junge Menschen zusammen und machen Alte Musik lebendig.
In diesem Jahr werden sie von dem Cembalisten und Organisten Jörg Halubek
angeleitet.
Das Abschlusskonzert findet gemeinsam mit der Masterclass von
Anna Bonitatibus am 6. August 2026 um 11.00 Uhr im Großen Saal im Haus der
Musik statt.
Im Jubiläumsjahr widmet man sich auch Alan Curtis, der als Cembalist,
Dirigent, Pädagoge und Musikarchäologe ein wichtiger Webereiter für die
szenischen Opernproduktionen bei den Festwochen war. Mit Arien und
Orchesterstücken wird am 10. August 2026 um 20.00 Uhr im Spanischen Saal auf
Schloss Ambras unter dem Titel
A Tribute to Alan
dieses Ausnahmetalent gefeiert. Anna Bonitatibus gestaltet diesen Abend
gemeinsam mit der Accademia Bizantina unter der Leitung von Ottavio Dantone.
Am 22. August 2026 sollte René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester und
Händels
Il trionfo del Tempo e del Disinganno
um 20.00 Uhr im Großen Saal im Haus der Musik zu erleben sein. Aus
gesundheitlichen Gründen musste Jacobs allerdings absagen, so dass Attilio
Cremonesi die musikalische Leitung des Oratoriums übernimmt.
Von den weiteren Konzerte dürfte besonders das
Finalkonzert des 17. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper
Pietro Antonio Cesti am 30. August 2026 um 19.00 Uhr im Großen Saal im Haus
der Musik von großem Interesse sein. Die Finalistinnen und Finalisten
präsentieren unter anderem Arien aus Giovanni Battista Pergolesis Adriano
in Siria.