Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musikfestspiele
Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum



Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

24.07.2026 - 30.08.2026


Von Thomas Molke

Bild zum VergrößernVorstellung des Jubiläum-Programms der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik im Schloss Ambras: von links: Landeshauptmann Anton Mattle, kaufmännischer Direktor Dr. Martin Lutz, künstlerische Direktorin Eva-Maria Sens, musikalischer Leiter Ottavio Dantone und Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber (© Amir Kaufmann)

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, die 2021 beim Österreichischen Musiktheaterpreis mit dem Sonderpreis in der Kategorie "Bestes Festival" ausgezeichnet worden sind, feiern in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum. Was 1976 mit einer einwöchigen Konzertreihe begann, hat sich mittlerweile zu einem Aushängeschild für die Alte-Musik-Szene entwickelt und lockt mit einem umfangreichen Programm aus Renaissance, Barock und Klassik Zuschauerinnen und Zuschauer aus nah und fern zu mehreren Festwochen in die Tiroler Landeshauptstadt. Als Gegenbewegung zum etablierten Klassikbetrieb hat man hier in dieser Zeit viel Unentdecktes in Originalklanginterpretationen hervorgebracht. Eva-Maria Sens und Ottavio Dantone, das Leitungsteam der Festwochen, haben natürlich auch für die Jubiläums-Saison ein umfangreiches Paket geschnürt. Insgesamt stehen 62 Veranstaltungen an 29 Tagen an 22 Spielorten auf dem Programm. 

Das Tiroler Landestheater von außen

Einen zentralen Punkt bilden auch in diesem Jahr wieder die szenischen Opernproduktionen. Für das Jubiläum hat man sich für ein Werk entschieden, das als "Inbegriff der barocken Hofoper" gilt und in seinen Ausmaßen als heutzutage nahezu unaufführbares Spektakel gilt. Die Rede ist von Antonio Cestis Il pomo d'oro. Mit den fünf Akten und dem vorangestellten Prolog wurde die 1668 uraufgeführte Oper über die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges mit einer Gesamtspielzeit von über acht Stunden schon damals auf zwei Abende verteilt und setzte Maßstäbe, die die meisten italienischen Opern des 17. Jahrhunderts in den Schatten stellten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Werk zu einer Legende und hat beispielsweise das gleichnamige renommierte Barockensemble zur Wahl seines Namens inspiriert. Die Unaufführbarkeit liegt nicht nur an dem enormen Aufwand und der Vielzahl an Rollen. Auch die Musik zweier Akte gilt als verschollen, so dass nur das komplette Libretto erhalten ist. Der musikalische Leiter der Festwochen, Ottavio  Dantone, hat die fehlenden Teile aus Fragmenten und anderen Werken Cestis rekonstruiert und übernimmt bei der Produktion natürlich auch die musikalische Leitung der Accademia Bizantina. Regie führt Fabio Ceresa. Die Premiere findet am 7. und 8. August 2026 jeweils um 18.30 Uhr im Großen Haus des Tiroler Landestheaters statt. (Weitere Termine: 11. und 12. August 2026 um 18.30 Uhr und 15. und 16. August 2026 um 16.00 Uhr)

Bild zum Vergrößern

Haus der Musik in Innsbruck (© Günther Egger)

Zu einem unverzichtbaren Programmpunkt hat sich seit über zehn Jahren auch das Akademie-Projekt Barockoper:Jung entwickelt. Darin erarbeiten die jungen Preisträger und Preisträgerinnen des Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti eine Oper. In diesem Jahr feiert am 21. August 2026 um 19.00 Uhr auf der Bühne der Kammerspiele im 2018 fertiggestellten Haus der Musik Georg Friedrich Händels Oper Atalanta Premiere. Anlass für die Komposition war die königliche Hochzeit des Thronfolgers Friedrich Ludwig von Hannover mit Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg im April 1736. Wegen des prunkvollen Bühnenbildes wurde das Stück aber nicht rechtzeitig fertig und gelangte erst am 12. Mai 1736 zur Uraufführung. Da es sich großer Beliebtheit erfreute, wurde es auch in der darauffolgenden Spielzeit auf Wunsch des Thronfolgerpaars wieder aufgenommen. Erzählt wird die Geschichte von der Jagd auf den kalydonischen Eber, der erst bezwungen werden kann, wenn Atalanta, die Prinzessin von Arkadien, das Untier mit einem Pfeil verletzt. In der Titelpartie ist Silvia Porcellini zu erleben. Die Partie des Meleagro übernimmt die Sopranistin Sarah Hayashi. Der Gewinner des Cesti-Preises im vergangenen Jahr, Salvador Simão, schlüpft in die Rolle des unglücklich liebenden Schäfers Aminta. Auch der dritte Preisträger, Pierre Gennaï, ist als Götterbote Mercurio mit von der Partie. Regie führt schon wie bei La fida ninfa 2023 François de Carpentries. Die musikalische Leitung des Orchesters der Schola Cantorum Basiliensis liegt in den Händen von Andrea Buccarella. (Weitere Termine: 23. August 2026 um 16.00 Uhr und 25. und 26. August 2026 jeweils um 19.00 Uhr)

Neben den bewährten Ambraser Schlosskonzerten findet auch zum vierten Mal das youngbaroque vom 2. bis 6. August 2026 statt. Bei diesem internationalen Jugendbarockorchesterfestival kommen junge Menschen zusammen und machen Alte Musik lebendig. In diesem Jahr werden sie von dem Cembalisten und Organisten Jörg Halubek angeleitet. Das Abschlusskonzert findet gemeinsam mit der Masterclass von Anna Bonitatibus am 6. August 2026 um 11.00 Uhr im Großen Saal im Haus der Musik statt.

Im Jubiläumsjahr widmet man sich auch Alan Curtis, der als Cembalist, Dirigent, Pädagoge und Musikarchäologe ein wichtiger Webereiter für die szenischen Opernproduktionen bei den Festwochen war. Mit Arien und Orchesterstücken wird am 10. August 2026 um 20.00 Uhr im Spanischen Saal auf Schloss Ambras unter dem Titel A Tribute to Alan dieses Ausnahmetalent gefeiert. Anna Bonitatibus gestaltet diesen Abend gemeinsam mit der Accademia Bizantina unter der Leitung von Ottavio Dantone.

Am 22. August 2026 sollte René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester und Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno um 20.00 Uhr im Großen Saal im Haus der Musik zu erleben sein. Aus gesundheitlichen Gründen musste Jacobs allerdings absagen, so dass Attilio Cremonesi die musikalische Leitung des Oratoriums übernimmt.

Von den weiteren Konzerte dürfte besonders das Finalkonzert des 17. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti am 30. August 2026 um 19.00 Uhr im Großen Saal im Haus der Musik von großem Interesse sein. Die Finalistinnen und Finalisten präsentieren unter anderem Arien aus Giovanni Battista Pergolesis Adriano in Siria.

Das komplette Programm  der diesjährigen Festwochen finden Sie unter www.altemusik.at.

 

 

Homepage

 

 

Rezensionen:

 

 

Il pomo d'oro Teil 1

Il pomo d'oro Teil 2

Atalanta

A Tribute to Alan

Il trionfo del Tempo e del Disinganno

 

 

 

 



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum

© 2026 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -