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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Erinnerung an einen großen MusikerVon Thomas Molke / Fotos: © Amir Kaufmann / Innsbrucker Festwochen Zum 50-jährigen Jubiläum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiert man auch einen Mann, ohne den sich die Festspiele vielleicht nicht zu dem entwickelt hätten, was sie heute sind: Alan Curtis. Der 1934 in Michigan geborene Cembalist, Musikwissenschaftler, Pädagoge und Dirigent gilt nicht nur als wichtiger Pionier der historischen Aufführungspraxis im Bereich der Barockmusik, sondern hat auch das Festival in einer über 30 Jahre dauernden intensiven Zusammenarbeit bis zu seinem unerwarteten Tod 2015 nachhaltig geprägt. Als er 1977 als Cembalist der frisch gegründeten English Baroque Soloists unter der Leitung von John Eliot Gardiner bei einer konzertanten Aufführung von Händels Acis and Galatea erstmals in Innsbruck auftrat, hatte damit wahrscheinlich noch niemand gerechnet. Aber schon zwei Jahre später leitete er in Innsbruck mit seinem Orchester Il Complesso Barocco eine Aufführung von Alessandro Stradellas Oratorium Susanna und legte damit den Grundstein für die Ausgrabung weitgehend vergessener Meisterwerke bei den Festspielen. Mit der Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, die er 2001 als Irene in einer Aufführung von Händels Tamerlano entdeckte, verband ihn bis zu seinem Tod eine langjährige Freundschaft. Für sie und viele andere junge Sängerinnen und Sänger wurde er ein "musikalischer Vater". So hat sie ein Programm zusammengestellt, um im Jubiläumsjahr auch ihren "Carissimo Alan" zu ehren. Anna Bonitatibus und Ottavio Dantone am Cembalo Natürlich spielt an diesem Abend Georg Friedrich Händel eine bedeutende Rolle. Schließlich gab Curtis nicht nur mit Acis und Galatea sein Debüt in Innsbruck, sondern er nahm auch mit seinem eigenen Barockorchester eine Einspielung sämtlicher Händelopern in historischer Aufführungspraxis in Angriff. Da am Anfang in Innsbruck der Musiker Curtis stand, beginnt der Abend auch mit einem Instrumentalstück: Händels Concerto grosso F-Dur op. 6 Nr. 2. Ottavio Dantone führt die Accademia Bizantina am Cembalo mit sicherer Hand durch die einzelnen Sätze und arbeitet filigran mit dem Ensemble heraus, was Curtis an der musikalischen Umsetzung der barocken Schätze so wichtig gewesen ist. Bonitatibus schließt sich mit zwei Arien aus Händel-Opern an, die für Curtis und auch für Bonitatibus von besonderer Bedeutung gewesen sind. Bei Händels Frühwerk Rodrigo leistete Curtis Pionierarbeit und konnte gemeinsam mit weiteren Händelforschern erstmals eine überzeugende Gesamteinspielung vorlegen. Seine Aufnahme von Händels letzter Oper Deidamia stellte 2003 das erste Dokument der Zusammenarbeit mit Bonitatibus dar, die darin die Partie des Ulisse interpretierte. Bonitatibus beginnt mit der Arie des Rodrigo aus dem zweiten Akt, "Siete assai superbe, o stelle". Der König der Westgoten versucht, sich darin Mut gegen die Macht der Feinde zu machen. Bonitatibus legt die Arie mit sehr beweglichen schnellen Läufen an, die den Willen zum Kampf unterstreichen. Auch als Ulisse in Händels Deidamia zeigt sie sich mit halsbrecherischen Koloraturen entschlossen, der Zurückweisung Deidamias zu trotzen. Schlussapplaus: Anna Bonitatibus und Ottavio Dantone (in der Mitte) mit der Accademia Bizantina Ein weiterer Komponist, für dessen Wiederentdeckung sich Curtis als einer der Ersten einsetzte, ist Alessandro Scarlatti. Allerdings hat man sich nicht für einen Auszug aus dem Oratorium Susanna entschieden, das szenisch 1979 in Innsbruck unter der musikalischen Leitung von Curtis erstmals zu erleben war, sondern für Il giardino di rose. Ottavio Dantone brachte mit seinem Orchester Accademia Bizantina 2000 eine CD unter diesem Titel mit Instrumentalkonzerten und Orchestermusik aus unterschiedlichen Oratorien Scarlattis heraus. Laut Bonitatibus war es aber Alan Curtis, der das Originalmanuskript dieses Werkes zum ersten Mal untersuchte und die Musik später in ihre Hände gab. Nach einer viersätzigen Introduzione, die die Accademia Bizantina sehr eindringlich interpretiert, so dass vor dem geistigen Auge ein pittoresker Garten mit Rosen, so wie Curtis ihn als Privatmensch liebte, regelrecht sichtbar wird, präsentiert Bonitatibus eine Arie der Speranza aus dem 2. Teil. Hier begeistert Bonitatibus mit einer sehr weichen Stimmführung, die die friedliche Atmosphäre wunderbar widerspiegelt. Nach der Pause geht es mit Henry Purcell und Christoph Willibald Gluck weiter. Die Abschiedsarie der Dido aus Purcells Oper Dido and Aeneas macht deutlich, wie sehr Musik und Text hier eine Einheit eingehen. Bonitatibus' eindringliche Interpretation geht zusammen mit dem melancholischen Spiel der Accademia Bizantina unter die Haut. Auch Glucks Opernschaffen hat sich Curtis häufig gewidmet. So leitete er 1985 in Innsbruck eine szenische Aufführung der Reformoper Armide und brachte nach einer bedeutenden Einspielung von Glucks Ezio noch ein Jahr vor seinem Tod den völlig vergessenen Demofoonte zur Aufführung. Bonitatibus präsentiert eine Arie des Paride aus Glucks Paride ed Elena, der dritten Reformoper für Wien. Der trojanische Prinz Paris träumt darin von einer Liebe zu der schönen Helena, die allerdings mit dem spartanischen König Menelaos verheiratet ist. Bonitatibus findet mit ihrer warmen Stimmfärbung hier einen sehr sehnsuchtsvollen Tonfall. Nach dem Concerto grosso e-Moll op. 3 Nr. 6 von Francesco Geminiani in der Fassung von 1732 geht es über zum letzten Komponisten des Abends: Antonio Vivaldi. Auch hier leistete Curtis wichtige Beiträge für die Wiederentdeckung seiner Werke. Die Wahl ist dabei auf zwei Aufzüge aus Opern gefallen, die 2023 und 2025 mit dem Akademie-Projekt Barockoper:Jung aufgeführt worden sind. Der Bezug zu Curtis mag darin begründet sein, dass er eigentlich 2016 eine Aufführung mit den jungen Sängerinnen und Sängern leiten sollte, was sein Tod 2015 allerdings verhinderte. Den Anfang macht eine Arie des Anastasio aus Vivaldis Il Giustino. Dem Kaiser ist gerade eingeredet worden, dass seine Gattin ein Verhältnis mit Giustino habe, was den Kaiser gegen seinen treuen Untergebenen aufbringt. Bonitatibus gestaltet die Stimmungsschwankungen des Kaisers mit flexibler Stimmführung. Zum Abschluss schießt Bonitatibus ein regelrechtes Koloraturfeuerwerk als Nymphe Licori aus Vivaldis La fida ninfa ab, die auch in Gefangenschaft ihrem versprochenen Osmino treu bleiben will. Nach diesem bravourösen Abschluss lässt das begeisterte Publikum Bonitatibus und Dantone mit der Accademia Bizantina natürlich nicht ohne Zugaben gehen. Als erstes präsentiert Bonitatibus eine Arie der Agrippina aus Händels gleichnamiger Oper, "L'alma mia". Hier hat Agrippina gerade ein Netz aus Intrigen gespannt, um ihrem Sohn Nero die Thronfolge zu sichern. Bonitatibus punktet mit leicht fließenden Koloraturen. Da auch ihr die hohen Temperaturen im Spanischen Saal zugesetzt haben dürften, gibt es als zweite und letzte Zugabe nur noch ein kleines Arioso aus Vivaldis Griselda. Nach einer betörenden Einleitung durch die Accademia Bizantina legt sich die Titelheldin zu "Sonno, se pur sei sonno" erschöpft schlafen. Das Publikum bedankt sich mit frenetischem Applaus. FAZIT
Das Konzert ehrt mit einem
abwechslungsreichen Programm einen Mann, der sich um die Barockmusik und die
Festwochen in Innsbruck lange Jahre sehr verdient gemacht hat.
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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2026 |
AusführendeMusikalische Leitung und Cembalo Anna Bonitatibus, Mezzosopran ProgrammGeorg Friedrich Händel Rodrigo HWV 5 Deidamia HWV 42 Alessandro Scarlatti "Mentr'io godo in dolce oblio" Henry Purcell Christoph Willibald Gluck Francesco Geminiani Antonio Vivaldi La fida ninfa RV 714
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