Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musikfestspiele
 Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum



Innsbrucker Festwochen der Alten Musik
24.07.2026 - 30.08.2026


A Tribute to Alan

Werke von Georg Friedrich Händel, Alessandro Scarlatti, Henry Purcell, Christoph Willibald Gluck, Francesco Geminiani und Antonio Vivaldi

In italienischer und englischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1 h 55' (eine Pause)

Aufführung im Spanischen Saal auf Schloss Ambras in Innsbruck am 10. August 2026




Homepage

Erinnerung an einen großen Musiker

Von Thomas Molke / Fotos: © Amir Kaufmann / Innsbrucker Festwochen

Zum 50-jährigen Jubiläum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiert man auch einen Mann, ohne den sich die Festspiele vielleicht nicht zu dem entwickelt hätten, was sie heute sind: Alan Curtis. Der 1934 in Michigan geborene Cembalist, Musikwissenschaftler, Pädagoge und Dirigent gilt nicht nur als wichtiger Pionier der historischen Aufführungspraxis im Bereich der Barockmusik, sondern hat auch das Festival in einer über 30 Jahre dauernden intensiven Zusammenarbeit bis zu seinem unerwarteten Tod 2015 nachhaltig geprägt. Als er 1977 als Cembalist der frisch gegründeten English Baroque Soloists unter der Leitung von John Eliot Gardiner bei einer konzertanten Aufführung von Händels Acis and Galatea erstmals in Innsbruck auftrat, hatte damit wahrscheinlich noch niemand gerechnet. Aber schon zwei Jahre später leitete er in Innsbruck mit seinem Orchester Il Complesso Barocco eine Aufführung von Alessandro Stradellas Oratorium Susanna und legte damit den Grundstein für die Ausgrabung weitgehend vergessener Meisterwerke bei den Festspielen. Mit der Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, die er 2001 als Irene in einer Aufführung von Händels Tamerlano entdeckte, verband ihn bis zu seinem Tod eine langjährige Freundschaft. Für sie und viele andere junge Sängerinnen und Sänger wurde er ein "musikalischer Vater". So hat sie ein Programm zusammengestellt, um im Jubiläumsjahr auch ihren "Carissimo Alan" zu ehren.

Bild zum Vergrößern

Anna Bonitatibus und Ottavio Dantone am Cembalo

Natürlich spielt an diesem Abend Georg Friedrich Händel eine bedeutende Rolle. Schließlich gab Curtis nicht nur mit Acis und Galatea sein Debüt in Innsbruck, sondern er nahm auch mit seinem eigenen Barockorchester eine Einspielung sämtlicher Händelopern in historischer Aufführungspraxis in Angriff. Da am Anfang in Innsbruck der Musiker Curtis stand, beginnt der Abend auch mit einem Instrumentalstück: Händels Concerto grosso F-Dur op. 6 Nr. 2. Ottavio Dantone führt die Accademia Bizantina am Cembalo mit sicherer Hand durch die einzelnen Sätze und arbeitet filigran mit dem Ensemble heraus, was Curtis an der musikalischen Umsetzung der barocken Schätze so wichtig gewesen ist. Bonitatibus schließt sich mit zwei Arien aus Händel-Opern an, die für Curtis und auch für Bonitatibus von besonderer Bedeutung gewesen sind. Bei Händels Frühwerk Rodrigo leistete Curtis Pionierarbeit und konnte gemeinsam mit weiteren Händelforschern erstmals eine überzeugende Gesamteinspielung vorlegen. Seine Aufnahme von Händels letzter Oper Deidamia stellte 2003 das erste Dokument der Zusammenarbeit mit Bonitatibus dar, die darin die Partie des Ulisse interpretierte. Bonitatibus beginnt mit der Arie des Rodrigo aus dem zweiten Akt, "Siete assai superbe, o stelle". Der König der Westgoten versucht, sich darin Mut gegen die Macht der Feinde zu machen. Bonitatibus legt die Arie mit sehr beweglichen schnellen Läufen an, die den Willen zum Kampf unterstreichen. Auch als Ulisse in Händels Deidamia zeigt sie sich mit halsbrecherischen Koloraturen entschlossen, der Zurückweisung Deidamias zu trotzen.

Bild zum Vergrößern

Schlussapplaus: Anna Bonitatibus und Ottavio Dantone (in der Mitte) mit der Accademia Bizantina

Ein weiterer Komponist, für dessen Wiederentdeckung sich Curtis als einer der Ersten einsetzte, ist Alessandro Scarlatti. Allerdings hat man sich nicht für einen Auszug aus dem Oratorium Susanna entschieden, das szenisch 1979 in Innsbruck unter der musikalischen Leitung von Curtis erstmals zu erleben war, sondern für Il giardino di rose. Ottavio Dantone brachte mit seinem Orchester Accademia Bizantina 2000 eine CD unter diesem Titel mit Instrumentalkonzerten und Orchestermusik aus unterschiedlichen Oratorien Scarlattis heraus. Laut Bonitatibus war es aber Alan Curtis, der das Originalmanuskript dieses Werkes zum ersten Mal untersuchte und die Musik später in ihre Hände gab. Nach einer viersätzigen Introduzione, die die Accademia Bizantina sehr eindringlich interpretiert, so dass vor dem geistigen Auge ein pittoresker Garten mit Rosen, so wie Curtis ihn als Privatmensch liebte, regelrecht sichtbar wird, präsentiert Bonitatibus eine Arie der Speranza aus dem 2. Teil. Hier begeistert Bonitatibus mit einer sehr weichen Stimmführung, die die friedliche Atmosphäre wunderbar widerspiegelt.

Nach der Pause geht es mit Henry Purcell und Christoph Willibald Gluck weiter. Die Abschiedsarie der Dido aus Purcells Oper Dido and Aeneas macht deutlich, wie sehr Musik und Text hier eine Einheit eingehen. Bonitatibus' eindringliche Interpretation geht zusammen mit dem melancholischen Spiel der Accademia Bizantina unter die Haut. Auch Glucks Opernschaffen hat sich Curtis häufig gewidmet. So leitete er 1985 in Innsbruck eine szenische Aufführung der Reformoper Armide und brachte nach einer bedeutenden Einspielung von Glucks Ezio noch ein Jahr vor seinem Tod den völlig vergessenen Demofoonte zur Aufführung. Bonitatibus präsentiert eine Arie des Paride aus Glucks Paride ed Elena, der dritten Reformoper für Wien. Der trojanische Prinz Paris träumt darin von einer Liebe zu der schönen Helena, die allerdings mit dem spartanischen König Menelaos verheiratet ist. Bonitatibus findet mit ihrer warmen Stimmfärbung hier einen sehr sehnsuchtsvollen Tonfall.

Nach dem Concerto grosso e-Moll op. 3 Nr. 6 von Francesco Geminiani in der Fassung von 1732 geht es über zum letzten Komponisten des Abends: Antonio Vivaldi. Auch hier leistete Curtis wichtige Beiträge für die Wiederentdeckung seiner Werke. Die Wahl ist dabei auf zwei Aufzüge aus Opern gefallen, die 2023 und 2025 mit dem Akademie-Projekt Barockoper:Jung aufgeführt worden sind. Der Bezug zu Curtis mag darin begründet sein, dass er eigentlich 2016 eine Aufführung mit den jungen Sängerinnen und Sängern leiten sollte, was sein Tod 2015 allerdings verhinderte. Den Anfang macht eine Arie des Anastasio aus Vivaldis Il Giustino. Dem Kaiser ist gerade eingeredet worden, dass seine Gattin ein Verhältnis mit Giustino habe, was den Kaiser gegen seinen treuen Untergebenen aufbringt. Bonitatibus gestaltet die Stimmungsschwankungen des Kaisers mit flexibler Stimmführung. Zum Abschluss schießt Bonitatibus ein regelrechtes Koloraturfeuerwerk als Nymphe Licori aus Vivaldis La fida ninfa ab, die auch in Gefangenschaft ihrem versprochenen Osmino treu bleiben will.

Nach diesem bravourösen Abschluss lässt das begeisterte Publikum Bonitatibus und Dantone mit der Accademia Bizantina natürlich nicht ohne Zugaben gehen. Als erstes präsentiert Bonitatibus eine Arie der Agrippina aus Händels gleichnamiger Oper, "L'alma mia". Hier hat Agrippina gerade ein Netz aus Intrigen gespannt, um ihrem Sohn Nero die Thronfolge zu sichern. Bonitatibus punktet mit leicht fließenden Koloraturen. Da auch ihr die hohen Temperaturen im Spanischen Saal zugesetzt haben dürften, gibt es als zweite und letzte Zugabe nur noch ein kleines Arioso aus Vivaldis Griselda. Nach einer betörenden Einleitung durch die Accademia Bizantina legt sich die Titelheldin zu "Sonno, se pur sei sonno" erschöpft schlafen. Das Publikum bedankt sich mit frenetischem Applaus.

FAZIT

Das Konzert ehrt mit einem abwechslungsreichen Programm einen Mann, der sich um die Barockmusik und die Festwochen in Innsbruck lange Jahre sehr verdient gemacht hat.

Weitere Rezensionen zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2026




Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Ausführende

Musikalische Leitung und Cembalo
Ottavio Dantone

Anna Bonitatibus, Mezzosopran

Accademia Bizantina


Programm

Georg Friedrich Händel
Concerto grosso F-Dur op. 6 Nr. 2
HWV 320
Larghetto
Andante
Allegro
Largo
Larghetto, andante e piano
Allegro ma non troppo

Rodrigo HWV 5
"Siete assai superbe, o stelle"
Arie des Rodrigo, II, 5

Deidamia HWV 42
"No, quella beltà non amo"
Arie des Ulisse, II, 9

Alessandro Scarlatti
Il giardino di rose
Introduzione
Adagio
Presto
Largo e piano
Allegro

"Mentr'io godo in dolce oblio"
Arie der Speranza, 2. Teil

Henry Purcell
Dido and Aeneas Z 626
"Thy hand, Belinda...
When I am laid in earth"
Szene und Arie der Dido, III, 2

Christoph Willibald Gluck
Paride ed Elena Gluck WV 1.41
"La bella immagini"
Arie des Paride, II, 3

Francesco Geminiani
Concerto grosso e-Moll op. 3 Nr. 6
(Fassung 1732)
Adagio
Allegro
Adagio
Allegro
Adagio
Allegro

Antonio Vivaldi
Il Giustino RV 717
"Sento in seno ch'in pioggia di lagrime"
Arie des Anastasio, II, 1

La fida ninfa RV 714
"Alma oppressa sorte crudele"
Arie der Licori, I, 9


Zur Homepage von den
Innsbrucker Festwochen
der Alten Musik




Da capo al Fine

 Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum

© 2026 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -