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Musiktheater
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Ariadne auf Naxos
Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel
von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss


Aufführungsdauer: ca. 3h (eine Pause)

Premiere im Aalto-Theater Essen
am 9. Februar 2002


Logo:  Theater Essen

Theater Essen
(Homepage)

Irgendwo zwischen Gestern und Morgen


Von Ralf-Jochen Ehresmann / Foto von Karl Forster

Die Essener Oper scheint in bislang einmaliger Weise eine Folge phänomenaler Ausnahmeleistungen vorgelegt zu haben, wenn es um Richard Strauss geht. Dass "Ariadne" als vorläufig letzte Blume eines herrlich bunten Straußes dabei nicht unbedingt Rang 1 erringt, sagt nichts darüber aus, dass es sich hierbei nicht um eine mindestens gute Aufführung gehandelt hat, die dennoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass sie nicht völlig an die Erfolge von Elektra, Frau ohne Schatten oder Daphne anzuknüpfen vermag.
Dies liegt gewiss zum einen daran, dass die Inszenierung diesmal weder "den einen großen Gedanken" zu transportieren schien noch exzeptionelle Einzelbilder von bleibender Unvergesslichkeit hervorbrachte. Damit soll nun keineswegs die Aufführung getadelt werden, was sicher völlig ungerecht wäre; die relative Enttäuschung rührt einzig von der Diskrepanz zur kanonbildenden Meisterschaft des Aaltotheater in Sachen Strauss.

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Musiklehrer und Komponist im Disput

Klangbeispiel Klangbeispiel: Stella Kleindienst (Komponist) und Victoria Loukianetz (Zerbinetta)
(MP3-Datei)


Angesichts einer weit unterdurchschnittlichen Textverständlichkeit, blieb daher auch die Wirkung dramatisch so wichtiger Szenen wie die Annäherung von Komponist und Zerbinetta als Vertretern zweier grundverschiedener Welt- und Kunstverständnisse stark eingeschränkt, derweil die - wie wir meinen - keineswegs rein akzidentelle sondern vielmehr essentielle Aura des Wienerischen nicht sich einstellt, wo der Haushofmeister anscheinend nicht am Haus des "reichsten Manne Wiens" dient sondern am Krupp-Bungalow oder an der Villa Hügel und sicher genauso gut an einem preußischen Herrenhause aufgehoben wäre.
Bereits im Vorspiel deutete sich dies an, das etwas zu rasch und schmelzfrei daherkam und damit auch in den Streichern Unsauberkeiten provozierte.

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Foto rechts:
Scaramuccio, Zerbinetta, Harlekin, Brighella, Tanzmeister, Tenor (oben), Truffaldin und Perückenmacher bei den Vorbereitungn zu einer ungewöhnlichen Aufführung

Klangbeispiel Klangbeispiel: Victoria Loukianetz (Zerbinetta)
(MP3-Datei)


Die geöffnete Bühne gibt den Blick frei für 3 schwarze Holzkästen, die sich nach ihrer sukzessiven Öffnung als Probenräume der Primadonna und ihrer Compagnie herausstellen und dabei bestens die weltferne Abschottung vom wirklichen Leben des elitären Kunstbetriebs darstellen. Dieses bricht sich allerdings kurz vor Ende des Vorspiels auf der Bühne Bahn, wenn besagte schwarze Guckkästen sich zu Projektionsflächen umwandeln, auf welchen das betrachtende Opernpublikum sich selbst beim sektglasschwenkenden Pausenmarsch durchs Foyer des Theaters zuschauen kann.

Ariadnes wüste Insel ist ein von dunkelblauen Leuchtstoffröhren umrandetes Viereck; dort zusammengezogen als ein Knäuel unter einem Tuch kauert sie selbst , die, wenn sie endlich heraustritt, sich als wahrhaftige Primadonnengestalt im Walkürenformat präsentiert; und wenn sie bei "Es gibt ein Reich" endlich so richtig aufdreht, weiß man wieder, dass man bei Strauss in Essen sitzt.

Vergrößerung Foto links:
Ariadne will sich in den Tod trauern

Klangbeispiel Klangbeispiel: Mariana Zvetkova (Ariadne) und Albert Bonnema (Bacchus)
(MP3-Datei)


Auf ihren einzig verlautbarten Wunsch zu sterben, nimmt Zerbinettas Männerballett Bezug durch die Vorführung verschiedener Arten sich umzubringen. Nicht schlüssig ist's, was Ariadne tut, während um sie herum die Tanzshow tobt, bis sie endlich, endlich damit beginnt, sich quasi als Vorbereitung ihrer Selbstbeerdigung - wenn's schon kein anderer macht - Löcher zu buddeln, derweil Najade und Dryade sich offenbar stärker von Zerbinettas Sicht der Dinge überzeugen ließen und bereits mit männlicher Begleitung verschwunden sind. Doch genau jenes Warten Ariadnes außerhalb ihrer Gesangspassagen blieb unschlüssig und richtungslos, was wiederum trefflich dazu passt, dass sie sich zuletzt dann doch von dem nicht eben göttlichen Bacchus wie verständnislos abschleppen lässt, war er doch auf dem Rang auch nicht zu verstehen.

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Foto rechts:
Tanzmeister, Scaramuccio, Brighella, Harlekin, Truffaldin und Zerbinetta versuchen die betrübte Ariadne aufzuheitern

Rein musikalisch gilt das oben Gesagte entsprechend: Rundum gut und keinerlei Totalausfälle, aber auch eben keine Glanzlichter. Erwähnenswert der Tanzmeister, der glaubhaft zum Komponisten zu reden vermag und dessen Kompromissbereitschaft gewinnt, obwohl sich bislang keine Kommunikationsebene zwischen den Vertretern dieser ganz unterschiedlichen Genres gezeigt hatte. Zerbinetta bewältigt ihre stimmlichen Anforderungen souverän und unverkrampft und trifft mit ihrem sonstigen Gehabe genau den zu ihrer Gestalt gehörigen Ausdruck. Einzig die Interaktion zur Tanzgruppe hätte noch etwas origineller sein können.


FAZIT
Gelungene Aufführung eines großen Werkes, sehens- und hörenswert, doch empfiehlt sich besonders sorgsame vorherige Textlektüre.


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(Veröffentlichung vorbehalten)

Produktionsteam

Musikalische Leitung
Stefan Soltesz

Inszenierung
Johannes Schaaf

Bühne und Kostüme
Kathrin-Susann Brose

Licht
Hartmut Litzinger

Dramaturgie
Wolfgang Willaschek

Choreographie
Bambi Uden



Essener Philharmoniker



Solisten

Der Haushofmeister
Hans Schulze

Ein Musiklehrer
Thomas Möwes

Der Komponist
Stella Kleindienst

Zerbinetta
Victoria Loukianetz

Primadonna/Ariadne
Mariana Zvetkova

Tenor/Bacchus
Albert Bonnema

Harlekin
Heiko Trinsinger

Scaramuccio
Uwe Eikötter

Truffaldin
Almas Svilpa

Brighella
Corby Welch

Ein Tanzmeister
Rainer Maria Röhr

Najade
Christina Clark

Dryade
Gritt Gnauck

Echo
Astrid Kropp

Ein Lakai
Richard Medenbach

Ein Perückenmacher
Heinz Potztal

Ein Offizier
Alexander Bogdan Thompson

Eine Bediente Zerbinettas
Marion Hanke






Weitere Informationen
erhalten Sie vom
Theater Essen (Homepage)




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