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Musiktheater
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Eröffnungsgala

Gala zur Spielzeiteröffnung 2012 / 2013 mit Verleihung des Gelsenkirchener Theaterpreises
mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Gioacchino Rossini, Dmitri Schostakowitsch, Viktor Ullmann, Johann Strauss (Sohn), Giuseppe Verdi, Kurt Weill und Richard Strauss


in deutscher und italienischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 3 h 20' (eine Pause)

Aufführung im Großen Haus des Musiktheaters im Revier am 16. September 2012

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Musiktheater im Revier
(Homepage)

Star ist das Ensemble

Von Thomas Molke


Alle Jahre wieder eröffnet das Musiktheater im Revier die Saison mit einer großen Gala, bei der nicht nur neue Ensemble-Mitglieder vorgestellt werden und nahezu das komplette Ensemble einen Vorgeschmack auf die folgende Spielzeit präsentiert,  sondern auch seit mittlerweile 15 Jahren der von der Sparkasse Gelsenkirchen gestiftete Gelsenkirchener Theaterpreis für herausragende Leistungen in der vergangenen Spielzeit verliehen wird. Mit besonderer Spannung dürfte in diesem Jahr vor allem die neue Ballettdirektorin Bridget Breiner erwartet worden sein, die in der zweiten Spielzeit nach dem Weggang des langjährigen Ballettdirektors Bernd Schindowski die Tanzsparte unter dem neuen Namen "Ballett im Revier" übernimmt. Einen ersten Eindruck von ihrer Arbeit durfte man in der letzten Spielzeit bereits in dem Ballettabend Großstadt-Triptychon gewinnen (siehe auch unsere Rezension), den sie als Gast choreographierte.

Die Neuzugänge betreffen in diesem Jahr vor allem das Junge Ensemble, in das Absolventen des Studiengangs Gesang / Musiktheater von der Folkwang Universität der Künste in Essen und der Hochschule für Musik und Tanz Köln aufgenommen werden, um auf den Bühnen des Kleinen und Großen Hauses ihre Fähigkeiten im alltäglichen Vorstellungs- und Probenablauf auszubauen. Wie sehr das Musiktheater im Revier an der Förderung junger Talente interessiert ist, beweist unter anderem auch, dass der Tenor Hongjae Lim und die Sopranistin Dorin Rahardja aus dem Vorjahr in das Solisten-Ensemble übernommen worden sind. Während der Bariton Vasilios Manis beeindruckend die Schluss-Arie des Kaisers "Der Krieg ist aus, das sagst du so mit Stolz" aus Viktor Ullmanns Oper Der Kaiser von Atlantis präsentieren durfte, in der der Kaiser dem Drängen des Todes nachgibt, sein erstes Opfer zu sein, stellten sich Sun-Myung Kim und Tina Stegemann nur im Rahmen von Ensembles vor. Erklärtes Ziel des Intendanten Michael Schulz war es nämlich, bei dieser Gala, möglichst auf Solostücke zu verzichten und in zahlreichen wunderschönen Ensembles aus den Stücken der kommenden Spielzeit den Ensemble-Gedanken in Gelsenkirchen hochzuhalten. Für Schulz sei nämlich der eigentliche Star des Musiktheaters das ganze Ensemble, das während der Spielzeit in zahlreiche unterschiedliche Rollen zu schlüpfen habe und damit einen so abwechslungsreichen Spielplan möglich mache.

Als neuer erster Kapellmeister eröffnete Valtteri Rauhalammi den Abend mit der Ouvertüre aus Mozarts Le nozze di Figaro, wobei anfängliche leichte Ungenauigkeiten in den Tempi sicherlich einer gewissen Nervosität geschuldet waren. Im Verlauf der Ouvertüre und bei den folgenden Ensembles aus Le nozze di Figaro und Rossinis Il barbiere di Siviglia, die in dieser Spielzeit in der Reihenfolge ihres Entstehens und nicht in der dramaturgischen Abfolge der Handlung in Gelsenkirchen Premiere feiern werden, gewann Rauhalammis Dirigat nämlich zunehmend an Präzision. Einen musikalischen Höhepunkt stellte vor der Pause gewiss Yamina Maamars Interpretation der Katerina Ismailowa aus Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk dar, die in der Arie "Alles paart sich" ein dramatisches Plädoyer für dieses Meisterwerk des 20. Jahrhunderts ablieferte. Mit Stolz verkündete Schulz, diese großartige Mezzosopranistin als Gast für die anspruchsvolle Titelpartie in Schostakowitschs Oper gewonnen zu haben.

Nach der Pause folgte der Auftritt des neuen Ballettes im Revier. Aidan Gibson und Alina Köppen präsentierten aus dem ersten Ballettabend Der erste Gang, mit dem Bridget Breiner ihre neue Kompanie in zahlreichen kurzen Stücken von namhaften zeitgenössischen Choreographen wie zum Beispiel Edward Clug, David Dawson, William Forsythe, Marco Goecke und Cayetano Soto vorstellen möchte, ein Pas de deux aus Cayetano Sotos Choreographie "Fugaz", in dem Soto den Krebstod seines Vaters verarbeitet. Mit bewegendem Ausdruckstanz setzen Gibson und Köppen einen verzweifelten Kampf um, an dessen Ende Köppen kraftlos zusammenbricht. Im Anschluss zeigte die Ballettdirektorin, dass sie nicht nur choreographieren wird, sondern auch als Tänzerin ihr Ensemble unterstützen will. Unter dem Titel "Au'leen" legte sie zunächst zum in kanadischem Platt von ihrem Schwager gesprochenen Text, der eine Art Glaubensbekenntnis darstellt, und anschließend zu den Gospel-Klängen "I believe" ein beeindruckendes Zeugnis ihrer tänzerischen Ausdruckskraft ab. Der anschließende Ausschnitt aus ihrer Choreographie "Blau Blue Bleu" deutete zu Dvoráks amerikanischem Streicher-Quartett an, wie sie ihr Ensemble in einzelnen Soli und als Gruppe in Szene setzen wird. Für die Wertschätzung der Tanzsparte am Haus sprach auch, dass der Intendant jeden einzelne Tänzer bat, sich kurz vorzustellen.

Im Anschluss erfolgte die Verleihung des Gelsenkirchener Theaterpreises. In diesem Jahr hatte sich die Jury entschlossen, einen Hauptpreis im Wert von 5.000 Euro und zwei Förderpreise im Wert von jeweils 1.500 Euro zu vergeben. Den Förderpreis erhielten der Bariton Michael Dahmen, der sich vom Jungen Ensemble des MiR mittlerweile zu einer bedeutenden Stütze entwickelt hat und nicht nur in skurrilen Rollen wie Ubu in Sidney Corbetts gleichnamiger Oper überzeugen konnte, sondern auch in den Comedian Harmonists als Harry Frommermann glänzte, und Askan Geisler, der seit mittlerweile elf Jahren als Repetitor, Dirigent und in der vergangenen Spielzeit auch als Klavier spielender Erwin Bootz in den Comedian Harmonists sein musikalisches und darstellerisches Talent unter Beweis stellen konnte. Der Hauptpreis wurde der Sopranistin Petra Schmidt zugesprochen, die mit ihrer Interpretation der Titelpartie in Dvoráks Rusalka in der letzten Spielzeit ihre Entwicklung zu einer großartigen Charaktersängerin unter Beweis gestellt hat. Ob es Zufall war, dass Schmidt direkt danach als Elisabeth in dem Quartett "Giustizia, giustizia, Sire" aus Verdis Don Carlo gemeinsam mit Dong-Won Seo als Philipp, Piotr Prochera als Marquis Posa und Gudrun Pelker als Eboli eindrucksvoll demonstrieren durfte, dass von ihr in der kommenden Spielzeit noch weitere Höhepunkte erwartet werden dürfen, bleibt offen. Auch als am Ende des Abends aus dem Rosenkavalier von Richard Strauss das Finale "Marie-Therès! - Hab mir's gelobt" mit Schmidt als Marschallin, Anke Sieloff als Octavian und Alfia Kamalova als Sophie präsentiert wurde, unterstrich Michael Schulz noch einmal, welche Leistungen von diesem Ensemble in der kommenden Spielzeit zu erwarten sind.

Als Zugabe konnte sich Schulz eine kleine Spitze gegen das Publikum nicht verkneifen. Die Idee sei ihm gekommen, als er in der letzten Spielzeit im Winter eine Aufführung der Traviata besucht habe, von der er wegen des permanenten Hustens und Schniefens im Publikum aber nicht allzu viel mitbekommen habe. So setzte er Lars-Oliver Rühl, Noriko Ogawa-Yatake, Michael Dahmen und Joachim Gabriel Maaß auf die Bühne, die gemeinsam mit einigen im Publikum verteilten Personen, "Aases Tod" aus Edvard Griegs Peer Gynt - Suite mit Husten, Schniefen, Niesen und Knistern von Bonbonpapier so heftig störten, dass die Tragik des Stückes verloren ging, zumal Rasmus Baumann die Störungen gewissermaßen mitdirigierte. Das Publikum nahm diesen Seitenhieb mit Humor auf, ergänzte ihn um eigenes Husten und bedankte sich für den langen, aber sehr kurzweiligen Abend mit heftigem Applaus. Wie jedes Jahr wurde am Ausgang den weiblichen Besucherinnen jeweils eine Rose überreicht.

FAZIT

Der Abend macht Lust auf die kommende Spielzeit und demonstriert, dass das Gelsenkirchener Theater ein "Wir"-Gefühl vermitteln kann.

Programm des Konzertes

Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro: Ouvertüre, "Riconosci in questo amplesso" (Almuth Herbst, Alfia Kamalova, Michael Dahmen, Sun-Myung Kim, Piotr Prochera, Dong-Won Seo, Dirigent: Valtteri Rauhalammi)

Gioacchino Rossini: Il barbiere di Siviglia: Che cosa accadde, Signori miei?" (Alfia Kamalova, Noriko Ogawa-Yatake, Michael Dahmen, Hongjae Lim, Joachim G. Maaß, Vasilio Manis, Dong Won Seo, Dirigent: Valtteri Rauhalammi)

Dmitri Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk: "Alles paart sich" (Yamina Maamar), "Wer hat die Meilen gezählt" (Dong-Won Seo, Opern- und Extrachor, Dirigent: Rasmus Baumann)

Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis: "Der Krieg ist aus, das sagst du so mit Stolz" (Vasilios Manis), "Komm Tod, du unser werter Gast" (Choral) (Almuth Herbst, Tina Stegemann, Joachim G. Maaß, E. Mark Murphy, Dirigent: Dirk Erdelkamp)

Johann Strauss (Sohn): Der Zigeunerbaron: "Dschingrah - Ha, was hör' ich da für Klänge" (Almuth Herbst, Anke Sieloff, Tina Stegemann, Dorin Rahardja, Michael Dahmen, Lars-Oliver Rühl, Joachim G. Maaß, E. Mark Murphy, Opern- und Extrachor)

Ausschnitt aus "Fugaz": Choreographie: Cayetano Soto (Aidan Gibson, Alina Köppen)

"Au'leen": Choreographie: Bridget Breiner (Bridget Breiner)

Ausschnitt aus "Blau, Blue, Bleu": Choreographie: Bridget Breiner (Ballett im Revier)

Giuseppe Verdi: Don Carlo: "Giustizia, giustizia, Sire!" (Gudrun Pelker, Petra Schmidt, Piotr Prochera, Dong-Won Seo, Dirigent: Rasmus Baumann)

Kurt Weill: Street Scene: "Ein Vogel flieht das Nest" (Dorin Rahardja, Lars-Oliver Rühl), "Schlaf doch , mein Sohn" (Birgit Brusselmans, Elise Kaufman), "Seitdem ich lebe in Amerika" (Almuth Herbst, Christa Platzer, Wolf-Rüdiger Klimm, Charles E. Moulton, William Saetre, Michael Tews, Dirigent: Heiko Mathias Förster)

Richard Strauss: Der Rosenkavalier: "Ohne mich, ohne mich" (Almuth Herbst, Michael Tews), "Marie-Therès! - Hab mir's gelobt" (Alfia Kamalova, Petra Schmidt, Anke Sieloff, Dirigent: Rasmus Baumann)


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Produktionsteam

Moderation
Michael Schulz

Dirigenten
Rasmus Baumann
Dirk Erdelkamp
Heiko Mathias Förster
Valtteri Rauhalammi

 

Ballett im Revier

Opern- und Extrachor des MiR

Neue Philharmonie Westfalen

 

Solisten

Birgit Brusselmans
Almuth Herbst
Alfia Kamalova
Elise Kaufman
Yamina Maamar
Noriko Ogawa-Yatake
Gudrun Pelker
Christa Platzer
Dorin Rahardja
Petra Schmidt
Anke Sieloff
Tina Stegemann

Michael Dahmen
Sun-Myung Kim
Wolf-Rüdiger Klimm
Honjae Lim
Joachim G. Maaß
Vasilios Manis
Charles E. Moulton
E. Mark Murphy
Piotr Prochera
Lars-Oliver Rühl
William Saetre
Dong-Won Seo
Michael Tews

 

 


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