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Kurt Tucholsky
Rheinsberg
Ein Hörbuch für Verliebte
Kein Pfiff im romantischen Liebesausflug
Von
Frank Becker
Kurt Tucholskys zauberhafter
kleiner Liebesroman, der in seinen beinahe 100 Jahren seit der
Erstausgabe 1912 bei Axel Juncker (damals mit den Illustrationen von
Kurt Szafranski) schon so viele Leser glücklich gemacht hat, gehört
wohl zum Zartesten und Sympathischsten der deutschen Literatur. Viele
hübsche Ausgaben hat es seither gegeben, denken wir an die aus dem
Gebrüder Weiss Verlag mit den zarten Zeichnungen von Max Schwimmer oder
die rororo- Taschenbuchausgabe mit den Bildern von Wilhelm M. Busch.
Die Kurt Hoffmann- Verfilmung 1967 mit Cornelia Froboess (Claire) und
Christian Wolff (Wolfgang) setzte bildlich wie akustisch eine weitere
Marke, die zu erreichen jedem Schauspieler oder Sprecher ein Ansporn
sein muß.
Nun
also legt der Diogenes Verlag eine Hörbuchfassung vor, die von der
lange in der Schweiz engagierten, jetzt in Berlin lebenden
Schauspielerin Helene Grass gelesen wird. Sie tut das zwar recht
ordentlich, doch ohne den Pfiff oder das charmante Feuer, das notwendig
wäre, um diesem außerordentlich filigranen Text gerecht zu werden. Als
Tucholsky seinen kleinen Roman mit dem Untertitel "Bilderbuch für
Verliebte" schrieb, war das zu dieser (kaiserlichen) Zeit und ihrer
muffigen Moral ein unerhört freches Unterfangen. Nicht ohne Grund
lehnten -zig Verlage das Skript ab, bevor Axel Juncker es für sage und
schreibe 125 Reichsmark mit allen Rechten erwarb - und ein Vermögen
damit machte. Die Welt hatte nämlich nach einem solchen kleinen
Skandal, dieser Auflehnung gelechzt: zwei junge Leute setzen sich über
die bürgerlichen Moralvorstellungen hinweg und verbringen -
unverheiratet, doch als vorgebliches junges Ehepaar Gambetta - ein
verliebtes Wochenende im verträumten Örtchen Rheinsberg.
Tucholsky,
22 Jahre alt als er es schrieb, sagte acht Jahre später im Dezember
1920 anläßlich des 50. Tausend über sein Buch, übrigens seinen ersten
Roman: "Aber was in dem Buch da ist: das weiß ich schon. Eine bessere
Zeit, und meine ganze Jugend." Helene Grass vermag diese bessere Zeit,
die Zartheit, die in der jugendlichen Liebe steckt und die charmante
Frivolität des Textes nicht recht zu vermitteln. Alles klingt beliebig,
ja beinahe gleichgültig. Das ist schade, zumal der Verlag sich alle
Mühe gegeben hat, in das hübsch aufgemachte Digipack eine kleine
literarische Perle zu verpacken. Umschlag und Booklet sind liebevoll
mit entzückenden farbigen und schwarz-weißen Illustrationen von Tatjana
Hauptmann ausgestattet, Tucholsky wird aus dem Vorwort zum 50. Tsd. und
dem "Börsenblatt" 1921 zitiert und die Produktion ist vorzüglich. Nur
die Sprecherin scheint die delikate Aufgabe gar zu leicht zu nehmen -
und gerade das darf man bei einem scheinbar leichten Text nicht.
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Kurt Tucholsky
Rheinsberg
Ein Hörbuch für Verliebte
Gelesen von Helene Grass
1 CD
© 2006 Diogenes Verlag AG Zürich
Gesamtzeit: 1:03:00
Weitere Informationen unter:
www.diogenes.ch
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