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Musiktheater
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Mittwoch aus Licht

Oper in einem Gruß, vier Szenen und einem Abschied
für neun Solisten (Flöte, Bassetthorn, Trompete, Posaune, Streichquartett, Bass mit Kurzwellenempfänger), Chor mit singendem Chorleiter, Orchester (13 Instrumentalisten-Schauspieler), einem Synthesizer-Spieler, zwei Tänzer-Pantomimen, elektronischer Musik (Tonband) und Tonprojektion
Musik und Text von Karlheinz Stockhausen

in deutscher und englischer Sprache mit deutschen und englischen Untertiteln

Aufführungsdauer: ca. 4h 35' (zwei Pausen)
Der Gruß beginnt 45 Minuten vor Aufführungsbeginn im Foyer, dort erklingt auch nach der Aufführung der Abschied

Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 19. September 2026




Deutsche Oper Berlin
(Homepage)
Allen Phantasten gewidmet

Von Stefan Schmöe / Fotos von Julian Roeder

Mittwoch ist der Tag der Intuition und Harmonie, der Tag von Liebe, Freundschaft und kosmischer Solidarität. Seine Farbe ist hellgelb, in allen Farben irisierend. Ihm zugeordnet sind die Zahl 8, der Planet Merkur, das Metall Quecksilber und das Element Luft (und noch viel mehr). Karlheinz Stockhausen hat in seinem monumentalen Zyklus Licht jedem Wochentag eine Reihe von Attributen und Merkmalen zugeschrieben. Weil der gläubige Katholik Stockhausen im Christentum nur ein Abbild einer höheren Religion, man könnte sagen: einer "Superreligion" sah, steht das Licht für das religiöse Element schlechthin. Sieben Wochentage aus Licht bedeuten rund 29 Stunden Musik, noch nie als Zyklus aufgeführt (Maxime Pascal, Dirigent dieser Aufführung, möchte das zum 100. Geburtstag von Stockhausen 2028 ändern). Das monumentale Projekt des Komponisten will dabei nicht weniger als die Menschheit auf eine höhere Stufe führen.

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Weltparlament
(Mittwoch aus Licht von Karlheinz Stockhausen, Regie: Susanne Kennedy, Premiere: 19.9.2026 Deutsche Oper Berlin, copyright: Julian Roeder)

Thematisch ringen die Erzengel Michael (der Verteidiger der göttlichen Schöpfung) und Luzifer (der Rebell) miteinander, zwischen denen Eva (das weibliche Prinzip) vermittelt. Dramatisch handelnde Personen sind sie nicht, eher antagonistische Prinzipien, meist verkörpert durch Instrumente. Es gibt keine fortlaufende Handlung. Die Licht-Opern bestehen aus autonomen, formal wie klanglich extrem unterschiedlichen Kompositionen, die mit Blick auf ihre spätere Verwendung im Zyklus entstanden sind, aber auch allein aufgeführt werden können. Die musikalische Verbindung erfolgt über "Formeln", eine (vereinfacht gesagt) Abwandlung des Wagner'schen Leitmotivs oder der Schönberg'schen Zwölftonreihe. Eva, Michael und Luzifer haben jeweils eigene Formeln, und wenn diese übereinandergelegt werden, entsteht die "Superformel". Dabei hat Stockhausen keineswegs eine Musik im Sinn, die man anhand der Partitur analysieren muss; vielmehr soll der unmittelbare akustische Eindruck beim Zuhörenden etwas auslösen. Das genaue Zuhören und Hinhören, das ist, in diese Richtung äußert sich Dirigent Maxime Pascal im Programmheft, der Schlüssel zu Stockhausen - und der Schlüssel zu etwas Größerem.

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Orchester-Finalisten
(Mittwoch aus Licht von Karlheinz Stockhausen, Regie: Susanne Kennedy, Premiere: 19.9.2026 Deutsche Oper Berlin, copyright: Julian Roeder)

Ein paar Handlungselemente gibt es trotzdem. In der ersten Szene tagt (gemäß den Regieanweisungen auf der Spitze eines Wolkenkratzers oder in einer schwebenden Glaskuppel) ein "Weltparlament", musikalisch dargestellt von einem Chor a capella (begleitet von elektronischen Zuspielungen), und sinniert über die Liebe, wobei der Text oft in unverständliche Laute aufgespalten ist. Die Sängerinnen und Sänger des Chores der Deutschen Oper gestalten die ausgedehnten Klangflächen mit großer Souveränität. Die zweite Szene gehört den "Orchester-Finalisten": Zwölf Instrumente haben (wieder unterlegt von einem elektronischen Klangteppich) einen solistischen Auftritt, wobei sich Stockhausen vorstellt, dass sie dabei im Raum schweben, bestimmten Objekten zugeordnet (so schwebt die Oboe über einer Kathedrale, das Cello über einem Flugplatz). In dieser Aufführung bleiben die Musikerinnen und Musiker des Ensembles Le Balcon fest auf dem Boden, wie auch schon das Weltparlament im Wüstensand tagte. Tatsächlich in der Luft - das Element des Mittwochs - wird in der dritten Szene das "Helikopter-Streichquartett" aufgeführt, das allerdings vorab aufgezeichnet wurde. In seiner wohl berühmtesten und spektakulärsten Komposition setzt Stockhausen die vier Mitglieder eines Streichquartetts in vier Hubschrauber und lässt sie im Flug mit Hilfe eines Zeitsignals miteinander kommunizieren. Im Wesentlichen spielen sie intensive Tremoli, die mit den Rotorgeräuschen korrespondieren. Das Streichquartett des Orchesters der Deutschen Oper Berlin (Anna Matz, Monia Rizkallah, Kirsikka de Leval Jezierski und Arne-Christian Pelz) spielt konzentriert und unerschrocken im ungewöhnlichen Ambiente. Diese Szene hinterlässt den bei weitem stärksten Eindruck, schon deshalb, weil sie weitestgehend ohne Text auskommt - anders als die vierte Szene "MICHAELION", in der man Stockhausens eigenwilligem Wortwitz nicht entkommt. Das MICHAELION ist die galaktische Zentrale für Delegierte aus allen Teilen des Universums, die einen neuen Präsidenten wählen - das "Luzikamel". Dem Tier entsteigt dann ein Mann der zum "Operator" ernannt wird. Am Ende fasst ein Vokalsextett, in den Zuschauerraum schreitend, zusammen: "Liebe auf ewig zu singen - in sorgfältiger Formel-Musik - zum Lob Gottes: HU". Wie in allen Licht-Teilen geht der Aufführung ein "Gruß" voran (45 Minuten vor Beginn der Aufführung werden über Lautsprecher im Foyer Teile der elektronischen Klangschichten eingespielt), und nach der Aufführung wird man auf gleiche Weise mit einem "Abschied" entlassen.

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Helikopter-Streichquartett
(Mittwoch aus Licht von Karlheinz Stockhausen, Regie: Susanne Kennedy, Premiere: 19.9.2026 Deutsche Oper Berlin, copyright: Julian Roeder)

Seit der Erstaufführung einer der Licht-Kompositionen stellt sich die Frage, ob man es bei Stockhausens Konzeption einer intergalaktischen Religion mit einer vergeistigten Form der Suche nach den letzten Dingen oder höherem esoterischen Blödsinn zu tun hat. Anders formuliert: Findet der Künstler hier musikalisch wie szenisch (es gibt viele konkrete Anweisungen zur Realisierung auf der Bühne in der Partitur) Bilder für das, was mit Worten nicht zu fassen ist, oder handelt es sich um eine zu belächelnde Trivialmythologie gigantischen Ausmaßes? Das Konzept für diesen Mittwoch von Susanne Kennedy (Konzeption und Regie) und Markus Selg (Konzeption und Bühnenbild) macht die Entscheidung nicht leichter, gibt aber (wohl eher unfreiwillig) einen Trend in Richtung des Letzteren. Selg hat sich von der prähistorischen Ausgrabungsstätte Göbekli Tepe in Anatolien inspirieren lassen. Vermutlich handelt es sich um eine kultische Anlage, die auf den Stern Sirius ausgerichtet ist. Damit gibt es einen direkten Bezug zu Stockhausen, der glaubte, von Sirius zu kommen und nach seinem Tod dorthin zurückzukehren. Selg setzt eine Skulptur auf die Bühne, die aus aufgerautem Beton zu bestehen scheint und ebenso an ein Kreuz wie an einen Tierschädel denken lässt - ein schlüssiges Symbol für einen allumfassenden archaischen Kult. Dahinter und in den Zwischenräumen befinden sich großflächige Monitore, auf denen computeranimierte Videos laufen (Warja Rybakova und Markus Selg), die mit großer künstlerischer Freiheit Stockhausens Gedankenspiele in Fantasy-Welten visuell aufgreifen.

Die Regie zeigt eine rituelle Handlung, wobei die Fantasiekostüme auf verschiedene Religionen und Kulte anspielen - seien es christliche Orden mit absonderlichen Nonnentrachten oder Hauben mit zopfartigen Bändern mit vager Ähnlichkeit zu unseren Vorstellungen von lateinamerikanischen Kulturen. Stockhausen hat seinen Mittwochs-Gruß "allen Phantasten gewidmet", und ein großes Maß an Phantasterei muss man schon mitbringen; man muss sich einlassen wollen (und können) nicht nur auf den gedanklichen Überbau, sondern auch auf diese Form der Ästhetik, die man sich auch in ganz schlechten Science-Fiction-Filmen vorstellen kann. Insofern bleibt das Urteil extrem subjektiv, was sich auch beim Applaus zeigte. Die musikalischen Leistungen waren unbestritten, das Helikopter-Streichquartett wurde gefeiert; das Regie- und Konzeptionsteam musste neben Beifallsbekundungen- auch massive Ablehnung hinnehmen.


FAZIT

Stockhausens Musik kann an vielen Stellen berühren (und allen Ausführenden gebührt hohes Lob). Ob man das verspielte, unscharf rituelle Handlungen andeutende szenische Konzept als Bereicherung oder Ärgernis wahrnimmt, ist Geschmacks- und Einstellungssache. Für mich handelt es sich, ganz subjektiv gesprochen, dann doch um überflüssiges Brimborium.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Maxime Pascal

Dirigent Welt-Parlament
Jeremy Bines

Konzeption
Markus Selg
Susanne Kennedy

Regie
Susanne Kennedy

Bühnenbild
Markus Selg

Kostüme
Andra Dumitrascu

Licht
Marcel Weber/MFO

Klangregie
Florent Derex

Computer Music Designer
Augustin Muller

Video
Warja Rybakova
Markus Selg

Dramaturgie
Beate Breidenbach



Mitwirkende

Performer
Tarren Johnson
Marie Groothof
Dominic Santia
Ixchel Mendoza Hernández
Laurie Young



Mittwochs-Gruß

Klangregie
Florent Derex

Weltparlament (erste Szene)

Präsident (Dirigent)
Jeremy Bines

Ersatz-Präsidentin (Koloratursopran)
Rachel Pinevska

Stimme des Hausmeisters
Jörg Schörner

Chor der Deutschen Oper Berlin




Orchester-Finalisten (zweite Szene)

Ensemble Le Balcon:

Oboe
Ye Chang Jung

Violoncello
Clotilde Lacroix

Klarinette
Ghislain Roffat

Fagott
Julien-Gérard Abbes

Violine
Michelle Ross

Tuba
Maxime Morel

Flöte
Charlotte Bletton

Posaune
Mathieu Adam

Bratsche
Grégoire Simon

Trompete
Henri Deléger

Kontrabass
Kévin Garçon


Helikopter-Streichquartett (dritte Szene)

Streichquartett des Orchesters
der Deutschen Oper Berlin:

Anna Matz, Violine
Monia Rizkallah, Violine
Kirsikka de Leval Jezierski, Viola
Arne-Christian Pelz, Violoncello

Klangregie
Florent Derex
Augustin Muller
Nicolas Widmer

Aufzeichnung vom 5. September 2026
am Flughafen Schönhagen, Berlin-Brandenburg



Michaelion (vierte Szene)

Chor: Ensemble Le Balcon

Chorleitung
Alphonse Cemin
Alain Muller

Operator (Bass mit Kurzwellenempfänger)
Robin Adams

Flöte
Julie Brunet-Jailly

Bassetthorn
Mélanie Haas

Trompete
Henri Deléger

Posaunuß (Posaune)
Mathieu Adam

Synthesizer
Alain Muller

Klangregie
Florent Derex


Mittwochs-Abschied

Klangregie
Florent Derex



Weitere
Informationen

erhalten Sie von der
Deutschen Oper Berlin
(Homepage)



Da capo al Fine

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