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Oklahoma!

Buch und Gesangstexte von Oscar Hammerstein II
Nach dem Schauspiel Green Grow the Lilacs von Lynn Riggs
Deutsch von Jens Luckwaldt
Originalchoreografie von Agnes de Mille
Musik von Musik von Richard Rodgers


In deutscher Sprache


Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pausen)


Premiere am 19. Juni 2026 auf dem Domplatz Magdeburg

 



Theater Magdeburg
(Homepage)

Klischee-Wildwest an der Elbe

Von Joachim Lange / Fotos von Andreas Lander

Für das Theater in Magdeburg ist der Domplatz der Stadt genauso eine sichere Nebenspielstätte wie es die Domstufen für die Oper in Erfurt sind. Eine Openair-Bühne vor Traumkulisse für die große sommerliche Show. Und für die Auslastungsbilanz eine sichere Bank. Zumindest, wenn das Wetter mitspielt. In Erfurt ist diese Spielstätte immer mal auch mit Opernehrgeiz programmiert, in Magdeburg fürs Musical reserviert. Seit 2008 hat man sich bei diesem DomplatzOpenAir natürlich schon durch die populärsten Exemplare des Genres gearbeitet. Cabaret, Jesus Christ Superstar und Evita, Les Misérables, die Rocky Horror Show und Hair, auch einige nicht ganz so bekannte Vertreter des Genres gab es hier schon.
Aktuell ist es Oklahoma!. Das Broadway-Erfolgsduo aus dem Komponisten Richard Rodgers (1902-1979) und dem Texter Oscar Hammerstein II (1895-1960) ist ein kongeniales Gespann, das so etwas wie eine goldene Ära des Genres von Mitte der 40er bis Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts begründete und nach ihrem Oklahoma!-Erfolg ab 1943 mit Nachschub versorgte.

Vergrößerung in neuem Fenster Wilder Westen am Dom

Mit ihrem Ausflug in den sprichwörtlichen Wilden Westen der USA, in den Norden von Texas, nach Oklahoma, landeten sie mitten im Gründungsmythos der Vereinigten Staaten. Von heute aus betrachtet und nach der Premiere in Magdeburg wundert man sich überhaupt nicht, dass es bis nach Dodge City, jener durch den TV-Serie-Dauerbrenner Rauchende Colts berühmten Stadt im Nachbarstaat Kansas, nicht allzu weit ist.
Bei Erik Petersen (Regie), Dirk Hofacker (Bühne) und Lukas Pirmin Wassmann (Kostüme) besteht das Bühnen-Arrangement aus zweistöckigen Wildwest-Holzhäusern aus dem Bilderbuch der Klischees (an denen ja meistens auch ein Fünkchen Wahrheit dran ist). Hübsch auftrittskompatibel für die Farmer (links) und die Cowboys (rechts). Allesamt geschniegelt und frisiert wie fürs Werbefoto.
Einen Gaul markieren zwei Statisten, für eine Kutsche tun’s auch Strohballen. Dazwischen gibt’s hinter den Schienen (soweit ist man schon) eine große Video-Leinwand für wogendes Korn, grandiose Sonnenuntergänge und klaren Sternenhimmel. Manchmal auch für die Magdeburger Philharmonie und ihren Dirigenten Pawel Poplawaski. In dieser Kulisse würden sich (zumindest ältere Zuschauer) nicht wundern, wenn jener Marshal Matt Dillon oder sein Gehilfe Festus um die Ecke kämen, und die imponierend lebensklug zupackende Kerstin Ibald nicht als Tante Eller, sondern als Miss Kitty ordnend auf den Plan treten würde. Aber Oklahoma ist nicht Kansas und zur Zeit der Handlung noch nicht mal Mitglied der Vereinigten Staaten. Die auf dem Boden projizierten und am Ende wieder aus der US-Flagge purzelnden Sterne deuten darauf hin.

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Curly und Laurey

Als Oklahoma! herauskam, war die Art und Weise, wie Handlung und Musik miteinander verbunden waren, neu. Wobei man sich schon fragt, ob die historische Bedeutung fürs Genre ausreicht, um sich für dieses Stück als sommerliches OpenAir zu entscheiden. Zumal auch wirklich einprägsame Hits spärlich gesät sind. Vor allem der Plot reist nicht wirklich vom Hocker.

Dass der smarte Cowboy Curly und die sich schnippisch abweisend gebende Laurey das Liebespaar sind, das sich am Ende kriegen wird, ist nicht nur Tante Eller von Anfang an klar. In Magdeburg schon deshalb, weil Sabrina Weckerlin und Nicky Wuchinger mit überzeugender vokaler Professionalität das Ensemble anführen und bei ihren Auftritten keinen Zweifel daran lassen, wer hier das erste Paar auf der Spielfläche ist. Für die Nebenhandlung steigen Kara Kemeny als flotte Ado, Jan Ungar als nicht aufs Heiraten erpichter Händler Ali Hakim und Andrew Chadwick als nicht allzu heller Cowboy Will mit Spieleifer in den Ring.

Vergrößerung in neuem Fenster Picknickkorbball

Aber mit einem Happyend fürs Liebespaar ist es nicht so einfach, weil auch der angestellte Landarbeiter in Laurey verliebt ist, und die hat ihm leichtsinniger Weise versprochen, mit ihm zur großen Picknickkorbversteigerung zu fahren. Da es bei diesem gesellschaftlichen Großereignis in der kulturellen und geselligen Wüste nicht um die Körbe, sondern um die Frauen geht, die ihn gepackt haben, ist auch die Katastrophe vorprogrammiert. Bei der Versteigerung von Laurys Korb (bei der es in Wahrheit um sie selbst geht) setzen der auf den ersten Blick als Looser zu erkennende Jud und Curly ihr gesamtes, hart erarbeitetes Erspartes ein. Curly verkauft am Ende sogar noch Sattel, Pferd und Revolver (steht also in Cowboylogik nackt da). Nur so kann er Jud überbieten. Alexander Auler darf seinem immer wie ein geprügelter Hund schlurfenden Knecht wenigstens da mal den Rücken gerade machen. Doch der von der Angebeteten Verschmähte und bei der Auktion Unterlegene macht, was der Wildwest-Amerikaner so macht und greift zum Messer.

Bereits vor der Pause brennt bei den singenden Cowboys albtraummäßig die Hütte. Beim großen (endlich auch mal mit einer mitreißenden Ensemblenummer aufwartenden) Fest scheint die Sache endlich geklärt, aber die Hochzeit von Laurey und Curley endet blutig. Erst geht Jud auf Curly los. Beim Kampf der beiden wird Jud tödlich verletzt und alle stehen plötzlich vor der Frage, was zu tun ist. Sie machen, was dem aktuellen Präsidenten gefallen dürfte. Einer wird als Richter bestimmt, und der spricht Curley frei.

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Notfalls mit Gewalt

Wenn bei diesem „Nicht"- bzw. "Nur-halb-Happyend“ jenseits jeder Rechtsstaatlichkeit die Sterne aus der Flagge des Staates purzeln, dem das künftige Oklahoma beitreten will, dann ist es nach der vollen Dosis von Klischee-Folklore (ohne das Problem der Ureinwohner und eines „Washington ist weit“-Trotzes) zu spät, um dieses Bild für einen Anflug von Infragestellung zu halten. Eigentlich fehlte hier nur noch ein Käfig, um sich dem aktuellen Washington nahe zu fühlen. Näher jedenfalls, als sich ein Zuschauer hierzulande zumuten lassen sollten. Von diesem Musical ist das wahrscheinlich zu viel verlangt.


FAZIT

Das Magdeburger Premieren-Publikum war mit der Wildwest Show zufrieden. Die Musik folgte ihrem Drive, die Darsteller mit Musicalroutine ins Kernland eines amerikanischen Selbstbildes, dem man ja nicht unbedingt rückhaltlos folgen muss (oder sollte), um sich an singenden Cowboys und Farmersfrauen zu erfreuen.



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Paweł Popławski

Inszenierung
Erik Petersen

Bühne
Dirk Hofacker

Kostüme
Lukas Pirmin Wassmann

Choreografie
Sabine Arthold

Chor
Martin Wagner

Dramaturgie
Ulrike Schröder


Opernchor des Theaters Magdeburg

Ballett des Theaters Magdeburg

Statisterie des Theaters Magdeburg

Die Magdeburgische Philharmonie


Solisten

Tante Eller Murphy
Kerstin Ibald

Laurey Williams
Sabrina Weckerlin

Curly McLain
Nicky Wuchinger

Jud Fry
Alexander Auler

Ado Annie Carnes
Kara Kemeny

Ali Hakim
Jan Ungar

Will Parker
Andrew Chadwick

Gertie Cummings
Jeanett Neumeister

Andrew Carnes
Sascha Laue

Ike
Belén Edelmann

Fred
Dominik Wojtasik

Cord
Rhys George/

Bob
Felix Klärner

Sam Miller
Pawel Stanislawow

Ensemble
Belén Edelmann
Fabio Kopf
Dominik Wojtasik



Weitere
Informationen

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Theater Magdeburg
(Homepage)



Da capo al Fine

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