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Salome

Oper in einem Akt
Libretto von Oscar Wilde
Deutsch von Hedwig Lachmann, eingerichtet von Richard Strauss
Musik von Richard Strauss

in deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 45' (keine Pause)

Premiere im Großen Haus am 23. Mai 2026


Logo: Theater Hagen

Theater Hagen
(Homepage)
Biblische Geschichte als Flugzeugkatastrophe

Von Thomas Molke / Fotos: © Leszek Januszewski

Die Geschichte der in Bibel noch namenlosen Prinzessin Salome, die von ihrem Stiefvater Herodes auf Anraten ihrer Mutter Herodias für einen Schleiertanz den Kopf des Propheten Johannes (Jochanaan) fordert, hat über die Jahrhunderte Kunst und Literatur fasziniert und das Bild einer unberechenbaren Femme fatale geprägt. Während der Schwerpunkt in der Literatur bis zum Ende des 19. Jahrhunderts meistens noch auf Herodias lag, wurde in Oscar Wildes einaktigem Drama Salome zur treibenden Kraft der Geschichte und löste einen Skandal aus. Die deutsche Erstaufführung in der deutschen Übersetzung von Hedwig Lachmann wurde 1902 von der Zensur untersagt und nur als Privatveranstaltung für geladene Gäste gezeigt. Unter ihnen war Richard Strauss, der nach einer Anekdote so begeistert gewesen sein soll, dass er das Stück schon bei der Premiere in seinem Kopf vertont habe. Die geplante Uraufführung der Oper in Wien wurde allerdings verboten und fand daher erst am 9. Dezember 1905 an der Semperoper in Dresden statt. Das Stück verhalf Strauss schließlich zum Durchbruch, so dass er mit seiner insgesamt dritten Oper neben Giacomo Puccini zum bedeutendsten Opernkomponisten seiner Zeit aufstieg.

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Nach dem Flugzeugabsturz: Herodes (Ks. Richard van Gemert) und Herodias (Angela Davis)

Das Regie-Team um Noa Naamat verlegt die biblische Geschichte in eine apokalyptische Jetztzeit und interpretiert Salome als Missbrauchsopfer. Die Handlung ereignet sich nach einem Flugzeugabsturz, den einige der Insassen überlebt haben. Das riesige Flugzeug, das das Bühnenbild von Bettina John im Zentrum dominiert, ist wohl von einer modernen Schickimicki-Gesellschaft um Herodes gechartert worden und nun im Nirgendwo notgelandet. Herodes erinnert dabei optisch ein wenig an den Reality-Darsteller Robert Geiss und lebt seine sexuellen Gelüste im Stück nicht nur mit seiner Frau sondern auch an einer Sklavin aus. Was er seiner Stieftochter Salome seit ihrer Kindheit angetan hat, liegt dabei auf der Hand. Der Hauptmann Narraboth, der Page der Herodias und die Sklavin verkörpern in den Kostümen von John das Kabinenpersonal, das den Absturz überlebt hat. Die beiden Soldaten treten zwar mit Pistolen auf, tragen allerdings normale Alltagskleidung. Ein wenig verwirrend wirken in diesem Ambiente die fünf Juden und die beiden Nazarener. Letztere werden von Naamat optisch als Vertreter des Christentums gedeutet. Wieso sie diesen Flug begleitet haben sollen, bleibt unverständlich. Vielleicht wollte sich Herodes zur Sicherheit mit verschiedenen Glaubensrichtungen umgeben, um in Ernstfall eine göttliche Instanz zum Schutz anrufen zu können.

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Salome (Serenad Uyar) tötet Narraboth (Anton Kuzenok, in den Armen von Insu Hwang als Jochanaan).

Salome tritt als aufreizende junge Göre in knappem Top und kurzem Rock mit hochgebundenem Pferdeschwanz auf und bewegt sich tanzend zu einer Musik, die sie wohl über Kopfhörer hört, über die Bühne. Auf die Metapher der riesigen fahlen Mondscheibe wird in Naamats Inszenierung verzichtet. Stattdessen fühlt sich "Pilot" Narraboth durch Salomes Bewegungen von ihr angezogen und sucht trotz ständiger Warnungen des Pagen ihre Nähe. Salome zeigt sich zunächst aber nicht interessiert. Erst als er ihr von Nutzen sein kann, um Jochanaan aus seinem Verlies zu holen, umgarnt sie ihn. Jochanaans Stimme schallt zunächst über Lautsprecher drohend aus dem Rumpf des Flugzeugs. Dabei verändert sich die Lichtstimmung und umrahmt die Bühne mit weißem, grellem Licht. Wenn Jochanaan schließlich zu Salome vorgelassen wird, senkt sich der Rumpf des Flugzeugs, und er schreitet mit schwarzer Augenbinde und langen Haaren an Ketten heraus. Salome zeigt sich absolut fasziniert von ihm, was Narraboth umso unglücklicher macht. Anders als im Libretto nimmt er sich hier aber nicht selbst das Leben, sondern wird von Salome erschossen.

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Salome (Serenad Uyar) mit Herodes (Ks. Richard van Gemert) beim Schleiertanz

Beim berühmten Schleiertanz glaubt Naamat nicht daran, dass Salome Herodes mit purer Erotik dazu bekommen könne, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Da müssen schon andere Geschütze aufgefahren werden, und deswegen werden darin verschiedene Stationen des kindlichen Missbrauchs aufgezeigt, die einen Erklärungsansatz dafür bieten sollen, dass Salome sich verhält, wie sie sich verhält. Herodias spielt dabei eine nicht unbedeutende Rolle, weil sie als Mutter diesen Missbrauch zugelassen und stets weggeschaut hat. Daher bemüht sie sich zunächst, diesen Tanz zu verhindern, und auch der gewissenlose Herodes bleibt von dem Tanz nicht unberührt. Da kommt zum Beispiel eine Spielzeugpuppe ins Spiel, die Salome an Herodes' Körper bis zu seinem Schritt herabführt, dann ein Band als Peitsche, das für irgendwelche Züchtigungsspiele steht. Von Runde zu Runde werden die Bilder grausamer, bis es schließlich in einer Szene mit einem Babyfläschchen kulminiert, das sich Salome zwischen die Beine hält und an dem sie Herodes nuckeln lässt. Nun kann Herodes Salome den Wunsch nicht mehr abschlagen, ihr den Kopf des Jochanaan zu präsentieren. Allerdings wird Jochanaan nicht der Kopf abgetrennt. Stattdessen wird er erschossen. Mit blutendem Mund wankt er sterbend aus dem Rumpf des Flugzeugs und landet in Salomes Armen, die das Blut verschmiert und ihn liebevoll liebkost, was von Herodes und seiner Frau angsterfüllt beobachtet wird. Wenn er schließlich den Auftrag gibt, Salome zu töten, überschüttet Salome vorher das Flugzeug und sich selbst mit Benzin und jagt am Ende alles in die Luft.

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Salome (Serenad Uyar) will den Mund des Jochanaan (Insu Hwang) küssen (im Hintergrund links: Herodias (Angela Davis) und Herodes (Ks. Richard van Gemert)).

Musikalisch kann man in Hagen stolz verkünden, dass die zentralen Partien allesamt mit Mitgliedern des Hauses besetzt sind. Da ist zunächst Serenad Uyar in der Titelpartie zu erleben, die hier zu Beginn der Spielzeit bereits als Violetta in Verdis La traviata begeisterte. Mit variablem, dramatischem Sopran, der in den Höhen enorme Durchschlagskraft besitzt, setzt sie sich gegen ein emotional aufgeladenes Orchester durch und liefert ein beeindruckendes Rollen-Porträt. Den Kopf des Propheten fordert sie mit beinahe entrücktem Sprechgesang und bricht am Ende, wenn sie den toten Jochanaan in ihren Armen wiegt, in bewusst schrille Spitzentöne aus, die Salomes Wahn nachvollziehbar machen. Ks. Richard van Gemert stattet den Tetrarchen Herodes mit gewollt scharfem Tenor aus und zeichnet ihn als absolut unsympathischen Zeitgenossen. Wenn ihm seine Stieftochter unheimlich wird, äußert sich das in fast ängstlich anmutendem Sprechgesang. Angela Davis glänzt in der Partie der Herodias mit dunkel gefärbtem Sopran und intensivem Spiel. Optisch gibt sie eine Schickimicki-Dame, die mehr schlecht als recht die Eskapaden ihres Gatten erträgt, auf den Luxus dabei aber nicht verzichten möchte. Insu Hwang gestaltet die Partie des Jochanaan mit markantem Bariton und voller Drohung.

In den kleineren Partien überzeugen Anton Kuzenok als Hauptmann Narraboth und Hyejun Melania Kwon als Page der Herodias. Mit weichem und sehr textverständlichem Tenor besingt Kuzenok Narraboths fatale Liebe zu Salome und bewältigt die Höhen dabei scheinbar spielerisch. Eindringlich und ebenfalls sehr textverständlich versucht Kwon, ihn mit weichem Mezzosopran vor der Gefahr zu warnen, die von Salome ausgeht. Für den GMD Sebastian Lang-Lessing ist es natürlich Chefsache, bei einem so anspruchsvollen Werk wie Strauss' Salome selbst am Pult des Philharmonischen Orchesters Hagen zu stehen. Mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail arbeitet er mit dem Orchester den fiebrigen Klang der Musik heraus und versetzt das Publikum in einen regelrechten Rausch, so dass es am Ende verdienten Jubel für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Dem Theater Hagen gelingt eine packende Umsetzung von Strauss' Meisterwerk, die durch die szenische Modernisierung nachvollziehbar macht, wie skandalös und dabei aber auch modern die Oper eigentlich ist.

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Sebastian Lang-Lessing

Inszenierung und Lichtdesign
Noa Naamat

Bühne und Kostüme
Bettina John

Lichtdesign
Hans-Joachim Köster

Dramaturgie
Thomas Rufin

 

Philharmonisches Orchester Hagen


Solistinnen und Solisten

Salome
Serenad Uyar

Herodes
Ks. Richard van Gemert

Jochanaan
Insu Hwang

Herodias
Angela Davis

Narraboth
Anton Kuzenok

Ein Page der Herodias
Hyejun Melania Kwon

1. Jude
Matthew Overmeyer

2. Jude
Johannes Richter

3. Jude
Nathan Fischer

4. Jude
Jorge Luis Martinez Zazuela

5. Jude
Sebastian Joest

1. Nazarener / Ein Cappadocier
Dong-Won Seo

2. Nazarener
Andrew James Neill

1. Soldat
Hagen-Goar Bornmann

2. Soldat
Tom Mehnert

Ein Sklave
Elizabeth Pilon

 


Weitere Informationen
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Theater Hagen
(Homepage)




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