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Mut zum
Träumen Von Thomas Molke / Fotos: © Björn Hickmann
Flashdance gehört neben Fame und Footloose zu den Musical-Kultfilmen der 1980er Jahre, die das Bild dieser Zeit bis heute prägen. Nicht zuletzt der mit einem Oscar ausgezeichnete Song "What a Feeling" von Irene Cara und "Maniac" gehören auf jede gute 80er-Jahre-Disco. Auch der legendäre Einsatz des Wassereimers in der Tanzperformance ist im kollektiven Gedächtnis geblieben. Rund 25 Jahre nach Ausstrahlung des Films feierte auch die Musical-Produktion Flashdance - The Musical 2008 ihre Uraufführung im Royal Theatre in Plymouth. Dafür komponierte Robbie Roth weitere Musik, die er gemeinsam mit Robert Cary mit Songtexten unterlegte. Die deutschsprachige Erstaufführung in einer Übersetzung von Anja Hauptmann fand am 9. November 2013 im Théâtre Kriens-Luzern statt. Neben Tournee-Produktionen folgten auch eigene Inszenierungen im deutschsprachigen Raum am Theater Chemnitz und am Staatstheater Darmstadt. Nun widmet sich das Theater Hagen diesem Pop-Musical und dürfte damit ein breites Publikum von Jung bis Alt ansprechen und ins Haus locken. Alex (hier: Juliette Lapouthe) verliebt sich in Nick (Marius Bingel). Die Geschichte um die Schweißerin Alex, der es mit einer ungewöhnlichen Tanzperformance gelingt, Aufnahme in eine renommierte Tanzakademie zu bekommen, steht zwar auch in der Musical-Adaption neben Alex' kompliziertem Verhältnis zu ihrem Junior-Chef Nick Hurley im Zentrum der Handlung. Anders als im Film bekommen hier aber auch weitere Figuren mehr Raum, einen Charakter zu entwickeln. Da ist zum Beispiel Alex' Freundin Gloria, die gemeinsam mit Alex, Tess und Kiki in Harrys Bar als Tänzerin auftritt und von der Teilnahme in einem Musikvideo träumt. Von dem Besitzer des benachbarten Strip-Lokals C.C. wird sie unter falschen Versprechungen auf die schiefe Bahn mit Drogen gebracht, in letzter Minute allerdings von ihrem Freund Jimmy und Alex gerettet. Jimmy versucht sich als Stand-Up-Comedian in Harrys Bar, findet aber mit seinen Gags bei der Kundschaft keinen Anklang und beschließt, nach New York zu gehen, von wo er aber demotiviert zurückkehrt und gemeinsam mit Gloria beschließt, einen anderen Weg einzuschlagen. Auch Nick Hurley bekommt im Musical eine andere Nuance als im Film. Zwar macht er es in beiden Fällen mit seinen Beziehungen möglich, dass Alex einen Termin zum Vortanzen in der Shipley Academy erhält. Im Musical zerbricht aber an dieser Aktion fast die Beziehung zwischen den beiden, da Alex es aus eigener Kraft ohne fremde Hilfe schaffen will. Außerdem wird im Musical seinem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in seinem Betrieb wesentlich mehr Raum gegeben, als es im Film der Fall ist. Gloria (Sarah Steinemer, 2. von rechts) träumt von einer großen Karriere in einem Musikvideo (Tänzerinnen von links nach rechts: Maja Dickmann, Nicoletta Luna de la Casas und Carla Peters). Das Regie-Team um Florian Mahlberg bleibt der Geschichte treu und findet eine kurzweilige Umsetzung in einem flexiblen Bühnenbild von Norbert Bellen, der die Bühne in drei Teile teilt, die durch Einsatz der Drehbühne schnell neue Räume entstehen lassen. Die eine Hälfte ist in zwei Ebenen unterteilt, wobei der untere Bereich zu Beginn den Arbeitsbereich von Alex zeigt, wo sie auch das erste Mal inkognito auf Nick trifft, der sofort von ihr fasziniert ist. Mit eindrucksvollem Lichtspiel wird hier sogar ein Schweißvorgang imitiert. Später befindet sich in diesem Bereich die Tanzschule, in der Alex aufgenommen werden möchte. Auch C.C.s verruchtes Striplokal findet hier seinen Raum, während C.C. in Mafia-Manier aus der oberen Etage alles überwacht. Die Rückseite dieses Raumes ist zweigeteilt und zeigt auf der linken Seite Alex' Apartment, das recht armselig ausgestattet ist und zu dem eine Treppe herabführt. Später ist hier auch die Garderobe in Harrys Tanzbar untergebracht, in der Alex und ihre Freundinnen von einem besseren Leben träumen. Auf der rechten Seite befindet sich, abgetrennt durch eine Wand, Harrys Tanzbar mit einem kleinen Steg in der Mitte, auf dem die Mädchen auftreten und Jimmy seine misslungenen Gags präsentiert. Hier kommt dann auch der legendäre Wassereimer zum Einsatz, während man den Eimer allerdings nicht sieht, sondern vor der Pause nur ein Wasserschwall aus dem Schnürboden auf Alex in der berühmten Pose herabgelassen wird. Jimmy (Tim Stolberg, links) tritt in der Bar seines Onkels Harry (Götz Vogelgesang, rechts) auf. In diesem Ambiente feiert das Publikum in berühmten Songs eine Wiederbegegnung mit den 1980er Jahren. Neben den Hits "What a Feeling" und "Maniac" haben auch weitere Songs Einzug in die Musical-Adaption gefunden. "Manhunt", der bereits auch im Film erklingt, wird hier zum Motto der Tänzerin Kiki. "Gloria" wird im Film eigentlich nur angespielt, bekommt aber im Musical mit der Figur der Gloria eine ganz neue Bedeutung. Als "neuer" Song kommt noch "I Love Rock'n'Roll" hinzu, zu dem die Mädchen in Harrys Bar tanzen. Während diese Songs in englischer Originalsprache belassen werden, werden die neu komponierten Lieder in der deutschen Übersetzung gesungen und unterscheiden sich im Stil ein wenig von den übrigen "Party-Bangern". Die Musik von Robbie Roth ist teilweise recht klischeehaft und könnte auch aus einem romantischen Disney-Film stammen. Stimmlich fordern sie die Sängerinnen und Sänger in den Höhen an einzelnen Stellen ganz schön heraus, was in der Aussteuerung nicht immer ganz perfekt klingt. Florian Mahlbergs Inszenierung setzt auf großes Tempo und arbeitet die bewegenden Momente der Geschichte eindrucksvoll heraus. Die Choreographien von Nicole Eckenigk sind energiegeladen und lösen beim Publikum einen großen Bewegungsdrang aus. Da möchte man bei einigen Nummern am liebsten gleich mittanzen. Auch Alex' Vortanzen, mit dem sie sich den Platz in der Akademie ergattert, wird großartig umgesetzt, vor allem wenn man bedenkt, dass hier keine Tricks verwendet werden können wie im Film, in dem Jennifer Beals sich als Alex direkt von mehreren Tänzerinnen und Tänzern doubeln ließ. Hannah (Anja Frank-Engelhaupt, Mitte) motiviert Alex (hier: Juliette Lapouthe, rechts) zum Vortanzen an der Akademie (links: Nicoletta Luna de la Casas als Louise). Wenn am Tag einer Aufführung die Hauptdarstellerin der Alex krankheitsbedingt ausfällt, setzt das ein Produktions-Team natürlich enorm unter Druck. Aber das Programmheft weist für die Partien der vier Mädchen jeweils ein Cover aus, und so hat Katharina Wollmann an diesem Abend als Alex ihren ersten großen Auftritt, angeblich, so wird es vor der Vorstellung angesagt, ohne komplette Probe. Bei der Perfektion, mit der sie die Choreographien abliefert, kann man sich das allerdings kaum vorstellen. Selbst ihre Performance vor der Akademie am Ende lässt keine Wünsche offen. So wird sie zu Recht am Ende mit großem Jubel vom frenetischen Publikum gefeiert. Marius Bingel gibt den Nick Hurley mit viel Gefühl und stellt seinen Kampf um die Arbeitsplätze glaubhaft und überzeugend dar. Auch die sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung zwischen Nick und Alex wird von Wollmann und Bingel mit viel Herzblut umgesetzt. Großartig ist auch Sarah Steinemer als Gloria, die nicht nur stimmlich mit großer Kraft und Flexibilität überzeugt, sondern auch den beinahe in den Abgrund führenden Weg der jungen Frau bewegend nachzeichnet. Tim Stolberg gibt ihren Freund Jimmy als missglückten Komiker, der das Herz aber am rechten Fleck hat und am Ende auch erkennt, dass seine Liebe zu Gloria mehr zählt als sein Traum von einer Karriere als Comedian. Ks. Richard van Gemert gibt den Besitzer des Strip-Lokals C.C. herrlich unsympathisch. Mit großer Intensität überzeugt Anja Frank-Engelhaupt als kranke Hannah, die ihre Pflegerin Louise malträtiert, da sie ihr nicht zeigen will, wie sehr sie sie mag, und letztlich Alex überzeugt, am Vortanzen an der Academy teilzunehmen. Auch die übrigen kleineren Partien begeistern durch große Spielfreude und lebhafte Umsetzung der Choreographien. Andreas Vogelsberger lässt mit der sechsköpfigen Flashdance-Band aus dem Orchestergraben, über den ein Steg fast bis ins Publikum führt, mit frischem Sound die 1980er Jahre wieder lebendig werden. So gibt es stehende Ovationen im ausverkauften Haus, in dem am Ende auch mitgetanzt und mitgesungen wird. FAZIT
Diesen unterhaltsamen Abend sollte man sich nicht entgehen lassen, wenn man noch
eine Karte für die Aufführungen bis März 2026 ergattern kann. Das Theater Hagen
stellt damit einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis. |
Produktionsteam
Musikalische Leitung und Keyboard
Inszenierung
Choreographie
Bühne Kostüme
Lichtgestaltung Dramaturgie
Flashdance Band Guitar Bass
Reeds Drums Statisterie des Theaters Hagen Solistinnen und Solisten*rezensierte Aufführung Alex Nick Gloria Kiki Tess Jimmy Louise / Mrs. Wilde C. C. Hannah Harry Ensemble / Joe Ensemble / Andy Ensemble Ensemble Ensemble, Dance Captain Ensemble Ensemble
Tänzerin Tänzer
(Homepage) |
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