|
Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
|
|
|
|
Bedeutungen des
Phoenix Von Thomas Molke / Fotos: © Zorán VargaAm 7. März 2026 hat der zum Ende scheidende Direktor der MiR Dance Company Giuseppe Spota bereits das "große Finale" seiner siebenjährigen Amtszeit in Gelsenkirchen eingeleitet. Nun folgt noch eine weitere Premiere im Kleinen Haus, die sich in gewisser Weise ebenfalls mit Ende und Neuanfang beschäftigt. In der Mythologie steht der sagenumwobene Phoenix für eine Wiedergeburt aus dem Feuer, der aber zunächst ein Tod, also das Ende, vorausgehen muss. In drei Kreationen entwickeln zwei Choreographinnen und ein Choreograph ihre eigene Sicht auf diesen alten Mythos und setzen ihn in modernen Tanzstücken um. Den Anfang macht Akira Yoshida mit der Uraufführung Ashes to Dawn. Im Zentrum steht ein Mann, dessen Leben sich seinem Ende nähert. Er gelangt in einen tristen Raum, in dem er auf drei weitere merkwürdige Gestalten trifft. Jean-Paul Sartre Huis clos lässt grüßen. Diese drei Gestalten machen ihm den Aufenthalt an diesem Ort zunächst sehr unangenehm und versuchen, ihn zu vertreiben, bis er schließlich nach einiger Anstrengung doch zur Ruhe kommt. Spota hat gemeinsam mit Yoshida aus Materialien aus früheren MiR-Produktionen einen Raum entworfen, der die Tristesse des Ortes eindrucksvoll einfängt. Drei braune Wandelemente, von denen bereits der Putz abblättert, rahmen die Bühne ein und bilden einen geschlossenen Raum, in dem sich zwei Sofas, eine Uhr und ein Telefon befinden. Der Versuch, durch das Telefon eine Verbindung nach außen herzustellen, ist zum Scheitern verurteilt. Die Musik stammt von Donald Beteille und stellt einen monotonen Klangteppich dar, der suggeriert, dass es hier kein Entkommen gibt. Ashes to Dawn: Der Mann (Inoru Toda, 2. von rechts) inmitten der Gestalten (von links: Alessio Monforte, Marie-Louise Hertog und Ashley Affolter) Zunächst betritt Inoru Toda in der Rolle des Mannes diesen Raum und befindet sich auf der Suche. Die Bewegungen verlaufen im gleichmäßigen Rhythmus des Tickens einer Uhr. Doch dann gerät dieser Rhythmus aus den Fugen. Die Zeit bleibt stehen, überschlägt sich, was von Toda mit auf den Takt gelegten Bewegungen umgesetzt wird. In diesem rhythmischen Chaos treten auch die anderen Tänzerinnen und Tänzer (Marie-Louise Hertog, Ashley Affolter und Alessioi Monforte) auf. Besonders aggressiv agiert hier Hertog, die die abgehackten Bewegungen in Perfektion umsetzt. Immer wieder jagt sie Toda von dem Sofa, fordert Bereiche des Raumes für sich selbst ein und spielt einen sehr unangenehmen Charakter. Zwischendurch verschwinden die Figuren, tauchen plötzlich wieder auf und erzeugen auf diese Weise teilweise sehr surreale Momente, die von den Tänzerinnen und Tänzern allesamt mit großer Präzision umgesetzt werden. Am Ende macht das Stück Hoffnung, wenn Toda in diesem Raum schließlich doch seinen Frieden findet. Within Me: Auf der Suche nach sich selbst (Ensemble) Nach der Pause geht es mit der Uraufführung Within Me von Lali Ayguadé weiter, die schon in zahlreichen Projekten mit Yoshida zusammengearbeitet hat. Während Yoshidas Kreation um das Ende kreist, konzentriert sich Ayguadé auf den Neuanfang. Die drei Bühnenelemente sind gedreht und zeigen einen klinisch weißen Raum mit mehreren Fenstern und einer Tür. Wenn das Publikum in den Saal zurückkehrt, sieht man bereits eine Tänzerin (Chiara Rontini) in einem Fellmantel hinter einem der Fenster. Allmählich tauchen immer mehr Tänzerinnen und Tänzer auf, die aber bisher noch keinen Ausgang auf die Bühne finden. Den zeigt dann ein Tänzer in einer schwarzen Mönchskutte (Javier de la Asunción Soto). Er öffnet die Tür und ermöglicht den übrigen Tänzerinnen und Tänzern, den Raum zu verlassen und sich auf der Bühne zu verbreiten. Hier werden nun in verschiedenen Konstellationen unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Mit ausdrucksstarken, kraftvollen Bewegungen vermitteln die Tänzerinnen und Tänzer Eindrücke von Freude, Enttäuschung und Kampfeswillen. Das wird größtenteils von einem abstrakten Klangteppich von Miguel Marin Pavon begleitet. Dann wird es aber auch sehr konkret, wenn beispielsweise Franz Schuberts Lied "An die Kunst" erklingt, die eine Hymne auf die tröstende Kraft der Kunst darstellt, die die Tänzerinnen und Tänzer zu suchen scheinen. Am Ende kehren alle wieder hinter die Wand zurück, nachdem sie ihren Weg gefunden haben. Die drei Bühnenelemente werden zur Seite geschoben, und zwei Tänzer treten mit roten gebogenen Stangen auf, die sie wie Flügel an ihrem Rücken tragen. Über Lautsprecher wird ein Text über den Phoenix eingesprochen, was die Überleitung zum letzten Teil des Abends darstellt: Hand Made von Olivia Court Mesa. Dieses kurze, hoch konzentrierte Stück für zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer war bereits 2023 im Rahmen von #findyourmuse im Kunstmuseum Gelsenkirchen zu sehen. Nun bildet die Kreation der Gewinnerin der Rotterdam International Duet Choreography Competition 2022 den Abschluss des Tanzabends im Kleinen Haus. Die roten Stangen werden zu einem Ring auf dem Boden zusammengelegt, in dem Marie-Louise Hertog, Chiara Rontini, Alessio Monforte und Javier de la Asunción Soto in abstraktem Bewegungsvokabular mit teils verschlungenen Körpern versuchen, die Realität um sich herum zu verstehen, mit Sinn zu füllen und teilweise auch zu beeinflussen. Diese Choreographie, die von einem Sounddesign von Roey Hason begleitet wird, lässt ein wenig ratlos in ihrer Abstraktion zurück, wird aber vom Publikum wie die übrigen Teile mit großem Beifall bedacht. FAZIT Nach dem "gran finale" folgt ein weiterer Abschluss der MiR Dance Company im Sinne des mythologischen Phoenix-Vogels.
|
ProduktionsteamLicht Ton Dramaturgie
Ashes to Dawn Choreographie und Kostüme Bühne Choreographie-Assistenz Tänzerinnen und Tänzer
Ashley Affolter
Within Me Choreographie und Kostüme Bühne Choreographie-Assistenz Tänzerinnen und Tänzer
Camilla Bizzi
Hand Made Choreographie, Bühne und Kostüme Einstudierung Tänzerinnen und Tänzer*Premierenbesetzung
*Marie-Louise Hertog /
|
© 2026 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: oper@omm.de