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Musiktheater
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Il gran finale

Tanzabend von Antonio de Rosa & Mattia Russo, Ivar van Woenzel und Giuseppe Spota

Ort

Choreographie von Antonio de Rosa & Mattia Russo
Musik von Arca, Sheila Chandra, Aïsha Devi und Rone

s-now-s

Choreographie von Ivar van Woenzel in Zusammenarbeit mit Giuseppe Spota und den Tänzerinnen und Tänzern
Musik von Christof Littmann, Dick Gaughan und Pascal Schumacher feat. Maxime Delpierre

End?!

Choreographie von Giuseppe Spota
Musik von Locust und Christof Littmann

Aufführungsdauer: ca. 1 h 50' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus im MiR am 7. März 2026

Homepage

Musiktheater im Revier
(Homepage)

Finale mit Blick zurück

Von Thomas Molke / Fotos: © Zoran Varga

2019 hat Giuseppe Spota die Tanzsparte am Musiktheater im Revier als Direktor von Bridget Breiner übernommen und ihr mit "MiR Dance Company" nicht nur einen neuen Namen gegeben, sondern auch stilistisch einen Wechsel vom zeitgenössischen, erzählerischen Ballett hin zu eher kraftvoll akrobatischem Ausdruck vollzogen. Nach sieben überaus erfolgreichen Spielzeiten verabschiedet er sich nun mit einem Großteil der Company vom Gelsenkirchener Publikum und präsentiert ein "großes Finale", das zum einen wie in zahlreichen früheren Tanzabenden die Arbeiten von unterschiedlichen Choreographen vereint, zum anderen aber auch einen leicht nostalgischen Blick zurück auf seine vergangenen Arbeiten hier am Haus wirft. Schon vor der Vorstellung wird man auf diesen Abend eingestimmt, wenn die Tänzerinnen und Tänzer in gelben Regenmänteln, die aus der ersten abendfüllenden Choreographie Spotas für Gelsenkirchen, dem Ballettabend Momo, stammen, durch das Foyer mäandern und an einer Kleiderstange eindrucksvolle Kostüme aus früheren Produktionen "zum Anfassen" präsentieren. Begleitet wird dies von der elektronischen Klangkulisse, die hinterher im Stück wieder aufgegriffen wird. Auch der Hinweis zu Beginn der Vorstellung, dass auf Mitschnitte des Programms und Fotos während der Vorstellung verzichtet werden soll, wird dieses Mal von Spota selbst und seinem Ensemble eingesprochen und genutzt, um sich für die gemeinsame Zeit zu bedanken.

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Zufällige Begegnungen an einer Bushaltestelle (Ensemble)

Den Anfang macht die Choreographie Ort, die Antonio de Rosa und Mattia Russo in Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern des Ensembles Of Curious Nature kreiert haben. Die Uraufführung fand am 27. Mai 2022 in der Schwankhalle in Bremen statt. Nun haben die beiden Leiter und Choreographen des 2015 in Madrid gegründeten Tanzkollektivs Kor'sia dieses Stück gemeinsam mit Noémie Larcheveque und der MiR Dance Company einstudiert. Zu elektronischer Musik von Arca, Sheila Chandra, Aïsha Devi und Rone wird eine Geschichte erzählt, die an einem alltäglichen Ort spielt. An einer Bushaltestelle warten in einer gewissen Anonymität Menschen, ohne dabei in Interaktion miteinander zu treten. Das Stück entspinnt nun eine Fantasie, was passieren könnte, wenn diese Menschen plötzlich Kontakt miteinander aufnehmen würden. Zunächst geschieht dies nur zum Stroboskoplicht in kurzen Momentaufnahmen. Yordi Yasiel Perez Cardoso sitzt gelangweilt auf der Bank an der Haltestelle. Erst kommt eine junge Frau vorbei, die im nächsten Shot verträumt an seiner Seite lehnt, dann aber sofort wieder von ihm getrennt ist. Anschließend erscheint ein Mann, der den Mülleimer neben der Haltestelle durchsucht. Die einzelnen Momentaufnahmen gehen dann in verschiedene Erzählungen über.

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Ein Traum von Gemeinsamkeit an der Haltestelle (Ensemble)

In einem Terzett zwischen zwei Männern und einer Frau entspinnt sich nun eine erste längere Geschichte. Die Frau wird in recht akrobatischen Hebefiguren von den beiden Männern auf das Dach der Haltestelle gehoben und verschwindet schließlich durch einen Sprung hinter die Haltestelle ins Nichts, so wie die Menschen, denen man an einer Haltestelle begegnet, im nächsten Moment vergessen sind. Nun liefern Alessio Monforte und Inoru Toda ein eindrucksvolles Pas de deux, in dem sich zwei unbekannte Menschen näher kommen, als man es von einer zufälligen Begegnung an einer Haltestelle erwartet. Doch auch diese Fantasie löst sich auf, bis sich der Ort schließlich mit den neun Tänzerinnen und Tänzern füllt. Nun setzt Urvil Shah mit einer überbordenden Energie zu einer kraftvollen Bewegungsabfolge an, die von den übrigen Tänzerinnen und Tänzern aufgegriffen wird, und plötzlich bewegen sich alle in einer ausdrucksstarken, lebensbejahenden Harmonie und verschmelzen zu einer homogenen Masse. Doch auch dieser Moment wird als Utopie entlarvt. Allmählich gehen die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer wieder ihre eigenen Wege, und jeder bleibt isoliert an der Haltestelle zurück. Es war wohl alles nur ein Traum. Die Tänzerinnen und Tänzer setzen diese Geschichte mit starkem Bewegungsvokabular um, was von dazu absolut passender elektronischer Musik untermalt wird.

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Spiel mit den "Schneekugeln" (Ensemble)

Nach der Pause geht es mit s-now-s weiter, das Ivar van Woenzel gemeinsam mit Spota und den Tänzerinnen und Tänzern der MiR Dance Company erarbeitet hat. Van Woenzel, der zum ersten Mal eine Choreographie für eine professionelle Tanzcompany erarbeitet, hat sich als Absolvent der Codarts Circus Arts in Rotterdam vor allem mit den Disziplinen Laufkugel und Acro-Dance beschäftigt, und die Laufkugeln spielen auch in seiner Arbeit für die MiR Dance Company eine zentrale Rolle. Der Titel der Choreographie ist in mehrfacher Hinsicht ein Wortspiel. S-now lässt sich zum einen auf die weißen Laufkugeln übertragen, die wie große Schneebälle über die Bühne rollen. Zum anderen wird im weiteren Verlauf des Stückes durch herabrieselnden Schnee aus dem Schnürboden auf die winterliche Jahreszeit angespielt. Now soll den Jetztzustand andeuten, in dem sich die Tänzerinnen und Tänzer befinden, und da dieser Zustand bei jedem anders ist und auch bei den einzelnen Tänzerinnen und Tänzern in stetigem Fluss ist, spricht van Woenzel hier von Now-s. Die Komposition für den Abend stammt von Christof Littmann, der in diverse elektronische Sounds zusätzlich noch Musik von Dick Gaughan und Pascal Schumacher feat. Maxime Delpierre eingearbeitet hat.

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Kampf mit der Schneekugel (Urvil Shah)

Wenn das Publikum nach der Pause den Saal betritt, sieht man Nebelschwaden im Saal, die von der leeren Bühne herüberwehen. Man hat den Eindruck eines kalten Wintermorgens. Die Tänzerinnen und Tänzer kämpfen sich wie Sisyphus von der rechten zur linken Bühnenseite und scheinen dabei mehrere unsichtbare Hindernisse überwinden zu müssen. Der Boden schwankt und macht diesen Weg nicht einfacher. Ab und zu rollen von der linken Seite riesige weiße Kugeln von links nach rechts. Nach einer Weile versuchen einzelne Tänzerinnen und Tänzer, diese Kugeln aufzuhalten und mit ihnen zu agieren. Die einen schieben sie zurück auf die linke Seite, andere bemühen sich, auf diese Kugeln zu steigen. Allmählich gelingt es ihnen immer mehr, die Kugeln zu instrumentalisieren. Eine Tänzerin balanciert auf der Kugel von rechts nach links. Nur ein Tänzer, Urvil Shah, führt einen vergeblichen Kampf gegen die Kugel. Was Shah bewegungstechnisch hier leistet, ist unglaublich. Voller Energie springt er auf die Kugel, um sofort wieder herunterzufallen. So erlebt er eine Niederlage nach der nächsten, bis er von einer Tänzerin schließlich getröstet wird. Es entsteht eine leidenschaftliche Szene zwischen den beiden, während die anderen Tänzerinnen und Tänzer mit den Kugeln beschäftigt sind.

Nachdem alle die Kugeln mehr oder weniger bewältigt haben, ist plötzlich nur noch eine Kugel da, die sich in einer leicht abgesenkten Bühne wie in einem Becken befindet. Nun entsteht ein Kampf zwischen den Tänzerinnen und Tänzern um die Kugel, bis die Bühne sich wieder hebt und schließlich die übrigen Kugeln wieder auftauchen, so dass jeder wieder seine eigene Kugel bespielen kann. Alle klettern auf die Kugeln und balancieren eindrucksvoll über die Bühne. Nur Shah scheint, es aus eigener Kraft nicht zu schaffen. Doch nun ist das Kollektiv stark genug, ihn zu unterstützen. So heben die Tänzerinnen und Tänzer ihn auf die Kugel und die Kugel mit ihm in die Höhe. Wie Shah hierauf die Balance halten kann, ist beeindruckend.

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Großes Finale (Ensemble)

Mit diesem Bild senkt sich der Vorhang, auf den anschließend das erste "Imagevideo" projiziert wird, mit dem sich die MiR Dance Company und Spota vor sieben Jahren dem Gelsenkirchener Publikum vorgestellt haben. Dieses Video dient als Einstieg in den letzten Teil des Abends, End?! von Giuseppe Spota, in dem er zu Musik von Locust und Christof Littmann einen Blick zurück auf die vergangenen sieben Jahre wirft. Die Tänzerinnen und Tänzer treten in den gelben Regenmänteln auf, die sie bereits vor der Vorstellung im Foyer getragen haben. Darunter tragen sie Kostüme aus vergangenen Produktionen. Da dürfen der golden glitzernde Anzug aus Notre-Dame de Paris genauso wenig fehlen wie das aufwendige Fell aus Carmina burana oder die Gummistiefel aus Monteverdis L'Orfeo. Die Lichteinstellung von Thomas Ratzinger auf der ansonsten leeren Bühne fängt die Figuren in einzelnen Spots wie in einer Show ein. Mit energiegeladenem Bewegungsvokabular zeigt die Company in dieser letzten Choreographie noch einmal, was ihre Arbeit in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. In das Schlussbild reiht sich dann auch Spota ein und wird mit der Company vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.

FAZIT

Dieser Abschlussabend Spotas darf zurecht als "gran finale" bezeichnet werden.


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Produktionsteam

Licht
Thomas Ratzinger

Ton
Dirk Lansing

 

Ort

Choreographie
Antonio de Rosa & Mattia Russo

Bühne und Dramaturgie
Kor'sia

Kostüme
Luca Guarini

Einstudierung
Noémie Larcheveque

Tänzerinnen und Tänzer

*Premierenbesetzung

*Ashley Affolter
Camilla Bizzi
Javier de la Asunción Soto
*Marie-Louise Hertog
*Marta Llopis
*Alessio Monforte
Pablo Navarro Muñoz
*Douglas Oliveira
*Yordi Yasiel Perez Cardoso
Hilla Regev Yagorov
*Zsófia Safranka-Peti
*Urvil Shah
*Inoru Toda

 

s-now-s

Choreographie, Bühne und Kostüme
Ivar van Woenzel

Kostüme
Julia Tannenberg
Giuseppe Spota

Dramaturgie
Katharina Rückl

Tänzerinnen und Tänzer

Ashley Affolter
Camilla Bizzi
Javier de la Asunción Soto
Marie-Louise Hertog
Marta Llopis
Alessio Monforte
Pablo Navarro Muñoz
Douglas Oliveira
Yordi Yasiel Perez Cardoso
Hilla Regev Yagorov
Chiara Rontini
Zsófia Safranka-Peti
Urvil Shah
Inoru Toda

 

End?!

Choreographie und Kostüme
Giuseppe Spota

Dramaturgie
Katharina Rückl

Tänzerinnen und Tänzer

Ashley Affolter
Camilla Bizzi
Javier de la Asunción Soto
Marie-Louise Hertog
Marta Llopis
Alessio Monforte
Pablo Navarro Muñoz
Douglas Oliveira
Yordi Yasiel Perez Cardoso
Hilla Regev Yagorov
Chiara Rontini
Zsófia Safranka-Peti
Urvil Shah
Inoru Toda



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