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Musiktheater
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Die Zauberflöte

Eine deutsche Oper in zwei Aufzügen
Libretto von Emanuel Schikaneder, Dialogfassung von Nora Krahl
Arrangements / elektronische Kompositionen von Arno Waschk
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

in deutscher Sprache mit Übertitelung der gesungenen Texte

Aufführungsdauer: ca. 2 h 50' (eine Pause)

Premiere im Großen Haus im MiR am 9. Mai 2026

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Musiktheater im Revier
(Homepage)

Zauberflöte als Grammophonplatte

Von Thomas Molke / Fotos: © Pedro Malinowski

"Der ist beglückt, dem ewig veraltet, Nostalgie stets zur Hoffnung sich verwaltet", verkündet ein auf die Bühne projiziertes antik anmutendes Schallplatten-Cover von Mozarts Zauberflöte neben dem pittoresken Gemälde Frau am Fenster von Caspar David Friedrich. Das gleiche Bild ziert auch das Programmheft zu Mozarts Meisterwerk, das zu den am meisten gespielten Werken des Musiktheaters zählt, sich mit seinen eingängigen Melodien bei Jung und Alt großer Beliebtheit erfreut und gerne als prädestinierter Einstieg in die Welt der Oper betrachtet wird. Auch der Hinweis im Programmheft, dass das Regie-Team um Nora Krahl das Stück als "Open-World-Simulation", also als ein in Zusammenarbeit mit dem MiR.LAB von den Figuren frei begehbares Computerspiel-Universum, gestaltet wird, muss dem märchenhaften Charakter des Stückes zunächst noch nicht im Wege stehen. Doch dann kommen die problematischen Aspekte, denen man sich als Regie-Team stellen muss, wenn man das frauenfeindliche und im Sinne der Freimaurer verherrlichende Männerbild von Sarastro und seiner Bruderschaft nicht unkommentiert stehen lassen will. Und hier beginnt Krahl, sich wie zahlreiche andere Regisseurinnen und Regisseure ebenfalls zu verzetteln und eine Geschichte zu erzählen, die zum einen abstrus und zum anderen nicht im Sinne der Oper ist.

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Tamino (Khanyiso Gwenxane) mit den drei Damen der Königin der Nacht (von links: Almuth Herbst, Lina Edlin und Rebecca Davis)

Der "siebenfache Sonnenkreis", den Sarastro der "sternflammenden Königin" geraubt hat, besteht aus sieben in Gold glänzenden Grammophonen, die auf Podesten von einer Deutschland-Fahne umrahmt werden und für das Schallplatten-Label "Deutsche Grammophon" steht, das jahrelang die klassische Musikbranche in Deutschland geprägt hat. Die Zauberflöte ist dann eine Platte, die die Grammophone zum Klingen bringen soll. Die Königin der Nacht, ist als Star zahlreicher Aufnahmen genauso von dem Label geknechtet, wie andere Opernfiguren, die als Sklaven in Sarastros Reich Pamina als Caspar David Friedrichs Frau am Fenster bewachen. Hier sieht man in klassischen Kostümen von Martin Miotk Figuren wie Carmen, Bajazzo oder Hänsel. Das funktioniert bis hierhin ganz gut. Aber warum treten die Damen der Königin der Nacht nun als die drei großen Dirigenten Herbert von Karajan, Karl Böhm und Otto Klemperer auf? Sie haben als Männer schließlich lange Zeit diesen Posten als Männer-Domäne verkörpert und dazu beigetragen, dass die Kunst des Dirigierens fast bis heute hauptsächlich Männern vorbehalten ist. Da passt es eigentlich absolut nicht, dass sie auf der Seite der Königin der Nacht stehen sollen. Auch ist sicherlich fraglich, ob sie als Künstlerpersönlichkeit vom Schallplatten-Label ihres Ruhmes beraubt worden sind. Optisch sind sie von der Maske allerdings sehr realistisch gezeichnet, und werden von Rebecca Davis (als Karl Böhm), Lina Edlin (als Herbert von Karajan) und Almuth Herbst (als Otto Klemperer) mit viel Spielwitz umgesetzt.

Auch die Partie des Papageno mit Sebastian Schiller zu besetzen, wirft Fragen auf. Schiller ist zwar ein begnadeter Sängerdarsteller, der spielerisch sicher als Idealbesetzung für den Vogelfänger betrachtet werden kann. Aber sein Tenor klingt in der Partie des Papageno zumindest ungewöhnlich, zumal er auch nicht wirklich als Vogelfänger agiert, sondern vielmehr damit beschäftigt ist, die Exkremente der Tauben zu beseitigen, die in seiner Auftrittsarie "Der Vogelfänger bin ich ja" nicht nur auf zwei Stangen über ihm thronen, sondern ihm dabei auch noch im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf scheißen. Bei einem Großteil des Publikums dürfte dieser Regie-Einfall eher auf Ablehnung stoßen, da sogar Papagenos Haarpracht farblich davon in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Aber der geschmacklose Einfall mit den Exkrementen geht noch weiter. Die Königin der Nacht hat ein kleines weißes Schoßhündchen, das in eindeutiger Position aus dem Schnürboden herabgelassen wird und sich über Tamino zu Beginn der Oper erleichtert. Diese "Erleichterung" als Schlange zu bezeichnen, die Tamino bedroht, übersteigt schon sehr die Grenzen des guten Geschmacks, auch wenn dabei vielleicht nachvollziehbar wird, wieso Tamino zu Beginn das Bewusstsein verliert.

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Sarastro (Philipp Kranjc, auf dem Pferd) mit seinem Gefolge

Die Welt des Sarastro wirkt mit ihren ausladenden roten und blauen Kostümen, mit dem opulenten Kopfschmuck und den Masken mit langen Pinocchio-Nasen eher wie ein lächerlicher Karnevals-Verein als ein bedrohlicher Männerbund. Sarastro wird als glänzender Ritter auf einem weißen Ross hereingefahren und thront größtenteils abgehoben über dem Rest. Wieso er die Macht über das große Schallplatten-Label und die Opernfiguren haben soll, erschließt sich nicht wirklich. Philipp Kranjc legt die Partie mit etwas zu weichem Bass an, dem es an Autorität für diese Figur fehlt. Auch ist unklar, wieso der Herrenchor mit "O Isis, o Osiris" bereits direkt nach der Ouvertüre auftritt und majestätisch über die Bühne an anmutig winkenden Marktfrauen vorbeizieht, bevor Tamino auftritt. Vielleicht ist es als Einstieg in das Computerspiel gedacht, das Tamino nun als Spieler beginnt, um gewisse Levels zu erreichen, auch wenn er damit zu Beginn nicht sehr erfolgreich ist. Auch sonst werden mehrere Eingriffe in die Reihenfolge der Musiknummern vorgenommen, die durch die gesprochenen Zwischentexte in einer neuen Dialogfassung von Krahl flexibler gestaltet werden können.

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Papageno (Sebastian Schiller) mit der "alten Papagena" (Birgit Klemp)

Fragwürdig ist auch Papagenos Verwandlung in eine Taube. Im zweiten Teil trifft er zunächst auf Papagena als alte Frau, die in Krahls Inszenierung mit einer anderen Darstellerin (Birgit Klemp) besetzt ist. Sie beobachtet Papageno beim Taubenfüttern. Wieso das Glockenspiel plötzlich Taubenfutter enthält, ist ein weiterer Regie-Einfall, der sich nicht erschließt. Doch statt mit dem Gedanken zu spielen, sich das Leben zu nehmen, kostet Papageno, bedrängt von der alten Frau, vom Taubenfutter und verwandelt sich. Im Duett "Pa-Pa-Pa" springt er dann mit Tamina Biber als Papagena in zwei märchenhaften Taubenkostümen über die Bühne, was zwar lustig sein mag, aber an der Aussage des Stückes leider vollkommen vorbeigeht. Aber in einem Computerspiel ist eben alles möglich. So versinkt auch am Ende Sarastros Welt in der Tiefe, während Pamina, die sich als einzige aus dem Spiel befreit hat, zu dem weißen Ross emporsteigt und mit den übrigen Opernfiguren einer neuen Zeit entgegenreitet. Das alles wird von einem flexiblen Bühnenbild von Moitk eingerahmt, das neben zahlreichen ägyptisch anmutenden Prospekten auch durch digitale Technik des Mir.LAB unterstützt wird. Hier werden mit modernsten Tracking-Technologien auf Grundlage KI-gestützter Bewegbilder auf einem eigens entwickelten LED-Vorhang generiert und gesteuert, die zwar beeindruckend anzusehen sind, die Geschichte allerdings nicht weiterbringen.

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Die Königin der Nacht (Ylva Sofia Stenberg, links) verlangt von ihrer Tochter Pamina (Heejin Kim, rechts), Sarastro zu töten.

Zum Glück bleibt die großartige Musik Mozarts, die von der Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Johannes Klumpp sehr frisch und zupackend umgesetzt wird. Auch das Ensemble wird einhellig vom Publikum gefeiert. Für die Regie kann es ja nichts. Khanyiso Gwenxane begeistert als Tamino mit herrlich fließendem Tenor, wobei es schon eine gewissen Komik aufweist, wenn er das "bezaubernd schöne Bildnis" Paminas nur von hinten sehen kann. Heejin Kim verfügt als Pamina über einen in den Höhen strahlenden und sehr warmen Sopran, der die Stärke der Figur unterstreicht. Von daher ist es konsequent, sie am Ende als die eigentliche Heldin des Stückes zu zeigen. In ihrer großen Arie im zweiten Akt bewegt Kim mit klagendem Tonfall. Ylva Sofia Stenberg legt die beiden großen Arien der Königin der Nacht mit sauberen Koloraturen an, die eine große Beweglichkeit in den Höhen zeigen. Martin Homrich lässt die unsympathische Figur des Monostatos zumindest stimmlich mit kraftvollem Tenor glänzen. Optisch hat man ihm eine Maske verpasst, die aus einem Gruselkabinett stammen könnte. Die drei Knaben (Anastasia Kolabanova, Luísa Tinoco und Laura Kriese) sind in den drei Pharaonen-Figuren, die von grünen Männchen über die Bühne gezogen werden, kaum zu erkennen, punkten stimmlich aber durch harmonischen Dreiklang. Die grünen Männchen sollen wohl eine humorvolle Anspielung darauf sein, dass es den Irrglauben gibt, dass Außerirdische an dem Bau der antiken ägyptischen Monumente beteiligt gewesen sein sollen, was ähnlich abstrus wie die Inszenierung ist.

FAZIT

Musikalisch überzeugt Mozarts Meisterwerk in Gelsenkirchen. Szenisch kann auch ein digitaler Einsatz in beeindruckender Technik das Regie-Konzept nicht retten.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Johannes Klumpp

Inszenierung
Nora Krahl

Bühne und Kostüme
Martin Miotk

Choreographie
Tenald Zace

Choreinstudierung
Alexander Eberle

Licht
Patrick Fuchs

Leitung Digital Arts
Bariş Pekçağliyan

3d-Artists
Lex Rütten
Darius Tödtmann

AI-Artists
Balkan Karişman
Felix Meermann

Creative Coder
Daniel Molnar

Dramaturgie
Larissa Wieczorek

 

Neue Philharmonie Westfalen

Opernchor des MiR

Statisterie des MiR

 

Solistinnen und Solisten

*Premierenbesetzung

Papageno
Sebastian Schiller

Pamina
Heejin Kim

Tamino
*Khanyiso Gwenxane /
Adam Temple-Smith

Königin der Nacht
*Ylva Sofia Stenberg /
Yeeun Yeo

Sarastro
*Philipp Kranjc /
Yevhen Rakhmanin

1. Dame / Dirigent
Rebecca Davis

2. Dame / Dirigent
Lina Edlin

3. Dame / Dirigent
Almuth Herbst

1. Knabe / Wesen
*Anastasia Kolabanova /
Lea Ostgathe

2. Knabe / Wesen
Valentina Jurju /
*Luísa Tinoco

3. Knabe / Wesen
Alexandra Kodes /
*Laura Kriese

Monostatos
Martin Homrich

Papagena
*Tamina Biber /
Sonja Hebestadt

Sprecher
Urban Malmberg /
*Simon Stricker

1. Geharnischter
Khanyiso Gwenxane /
*Adam Temple-Smith

2. Geharnischter
*Yevhen Rakhmanin /
Simon Stricker

Alte Frau
Birgit Klemp

 



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