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Musiktheater
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Elektra

Tragödie in einem Aufzug
Text von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss


in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 45' (keine Pause)

Premiere am 12. April 2026 im Opernhaus Düsseldorf


Homepage

Rheinoper
(Homepage)
Befreiung durch Gewalt?

Von Stefan Schmöe / Fotos von Sandra Then

Die Szenerie: Der Innenhof eines abgeschlossenen Wohnblocks. Beton und Klinker (oder Backstein?), gesichtslose Architektur, eine in einem trostlosen Rondell eingehegte Palme. Auch wenn das örtlich nicht genauer festgelegt ist, kann man sich ein solches Ambiente in Lateinamerika vorstellen, oder auch in Florida. Hier wohnt vermutlich der Mittelstand, abgeschottet von den Leuten - oder besser: gegen die Leute -, die man in solchen Kreisen als "Gesindel" bezeichnen würde. Elektra montiert im Overall an einem PKW herum, in dessen Kofferraum praktischerweise ein langstieliges Beil bereitliegt. Man weiß ja nie, wozu so etwas gut ist. Schwester Chrysothemis erscheint als adrette junge Frau, Mutter Klytämnestra als aufgetakelte Seniorin. Vollends zerrüttet erscheint das Mutter-Töchter-Verhältnis nicht. Aber so etwas täuscht ja oft.

Szenenfoto

Elektra

Eigentlich erwartet man in der Banalität dieses kleinbürgerlichen Milieus (Bühne: Katja Haß, Kostüme: Anja Rabes) keine Gewaltorgien. Andererseits wundert einen in Zeiten, in denen der Präsident der Vereinigten Staaten mal eben eine ganze Zivilisation auszulöschen droht, auch die Axt als Mittel zur Konfliktlösung im familiären Bereich nicht mehr sonderlich. Vielleicht möchte Regisseur Stephan Kimmig eben das zeigen: Der Ausbruch von unfassbarer Gewalt inmitten scheinbarer Alltagsnormalität. Um damit wirklich zu berühren, ist die Situation aber doch zu weit weg von Düsseldorfer oder Duisburger Realitäten, das Bild zu fremd. Zumal die Gewalt an sich ausgeblendet ist, wie Richard Strauss und Librettist Hugo von Hofmannsthal das konzipiert haben: Die Morde an Klytämnestra und Aegisth geschehen unsichtbar hinter der Bühne. Die hatten gemeinsam Agamemnon umgebracht, den Gatten Klytämnestras (und Vater von Elektra, Chrysothemis und Orest). Agamemnon turnt als Geist durch den Raum, und "turnt" ist hier durchaus wörtlich zu verstehen. Das allerdings bleibt ähnlich wirkungslos wie die Verdopplung Elektras durch eine Kamerafrau, die verfremdete Live-Bilder erzeugt, die auf einen Vorhang, eine Art Gardine, in der oberen Etage des unwirtlichen Wohnblocks projiziert werden.

Szenenfoto

Chrysothemis und Elektra

Auch die Personenregie bleibt allzu unbestimmt. Fahrt nimmt die Regie erst auf (und auch nur gebremst), wenn der totgeglaubte Orest zurückkehrt. Proaktiv greift er nach dem Beil, weshalb es doch verwundert, dass Elektra anschließend daran verzweifelt, ihm das Mordwerkzeug nicht in die Hand gedrückt zu haben. Sehr blutig kann es damit nicht zugegangen sein, denn die erschlagene Klytämnestra wird sauber (keine Spuren von Blut) im offenen Sarg hereingerollt und fast zärtlich von den eigentlich doch rachesüchtigen Kindern verabschiedet. Dann öffnet sich die Rückwand des Hofs und zeigt ihnen einen Ausweg. Zwar sollte Elektra gemäß dem Textbuch zusammenstürzen und starr am Boden liegen. Hier weist die Regie ihr und den Geschwistern nach getaner Mordtat den Weg in eine glückliche Zukunft. Gewalt, so kann man dieses Bild verstehen, ist eben doch manchmal eine Lösung. Insofern scheint dieses Bild doch einigermaßen missglückt. Das heftige Buh-Konzert für die alles in allem eher belanglose als provokative Regie verwundert dann aber doch.

Szenenfoto

Klytämnestra

Viel Beifall dagegen zollte das Premierenpublikum den Düsseldorfer Symphonikern und dem Dirigenten Vitali Alekseenok, wobei man da durchaus ein paar Einwände einbringen kann. Alekseenok interpretiert die Partitur extrem schroff und kantig. Aufblitzende Melodiebögen lässt er so schnell wie möglich abreißen. Er zeichnet erratische Klanglandschaften. Hier hört man den verstörenden Bürgerschreck Strauss, den Modernisierer und Neutöner. Die Musik befindet sich im permanenten Erregungszustand und eilt von einem Fortissimo-Höhepunkt zum nächsten - und unter diesem Gesichtspunkt spielt das Orchester eindrucksvoll und kann vor allem mit schneidendem Blech punkten. Aber dieser auf permanente Überwältigung ausgerichtete Interpretationsansatz ist eben auch schnell ermüdend. Alle 30 Sekunden ein neuer Höhepunkt, das ist dann doch etwas viel, auch weil eben vieles ähnlich klingt und dem Werk unter Dauerspannung der Spannungs- und Entwicklungsbogen verloren geht.

Szenenfoto

Elektra und Orest

Bravourös behauptet sich das singende Personal gegen diese Orchestergewalten. Für die erkrankte Magdalena Anna Hofmann sprang einige Tage vor der Premiere Ingela Brimberg als Elektra ein. Ihr dramatischer, warm glänzender Sopran klingt nie scharf und besitzt die notwendige Souveränität und Präsenz. Jubelnd leuchtend und ebenfalls sehr dramatisch singt Liana Aleksanyan die Chrysothemis. Und die in allen Wagner-Heroinen-Partien bewährte Linda Watson legt als Klytämnestra ebenfalls eine Glanzleistung hin. Der sonore, kraftvolle Orest von Richard Šveda verbindet elegante Linienführung mit stimmlicher Autorität (und profitiert davon, dass das Orchester in seinen getragenen Passagen tatsächlich etwas zurückgenommen wird). Cornel Frey liefert als scharf konturierter Aegisth mit durchdringendem Charaktertenor eine präzise Charakterstudie. Ausgezeichnet wird auch in den kleineren Partien gesungen. Mit den beeindruckenden Gesangsleistungen kann die Rheinoper in dieser Produktion wuchern - und es wäre doch schön, wenn die musikalische Disposition mehr Nuancierung erlaubt hätte.


FAZIT

Vor allem laut geht es zu am Hof der Atriden, die hier auf öde Bürgerlichkeit zurechtgestutzt werden. Tolle Sängerinnen und Sänger machen angesichts der mittelprächtigen Regie und der brachialen Orchesterbegleitung aber noch keinen großen Opernabend.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Vitali Alekseenok

Inszenierung
Stephan Kimmig

Bühne
Katja Haß

Kostüme
Anja Rabes

Live-Video
Ulrike Schild

Video-Art
Lisa Reutelsterz

Licht
Hendrik Möschler

Dramaturgie
Anna Melcher



Statisterie der Deutschen Oper am Rhein

Chor der Deutschen Oper am Rhein

Düsseldorfer Symphoniker


Solisten

Elektra
* Ingela Brimberg /
Magdalena Anna Hofmann

Chrysothemis
Liana Aleksanyan

Klytämnestra
Linda Watson

Aegisth
Cornel Frey

Orest
Richard Šveda

Der Vertraute des Orest
* Thorsten Grümbel /
Žilvinas Miškinis

Die Vertraute
* Mara Guseynova /
Eva Bauchmüller

Die Schleppträgerin
Charlotte Langner

Ein junger Diener
Jussi Myllys

Ein alter Diener
Martin Busen

Die Aufseherin
Romana Noack

1. Magd
Maria Polańska

2. Magd
* Ezgi Kutlu /
Annabel Kennedy

3. Magd
* Kimberley Boettger-Soller /
Sarah Ferede

4. Magd
* Maria Koroleva /
Lavinia Dames

5. Magd
* Heidi Elisabeth Meier /
Mara Guseynova

Agamemnon & Menelaos
* Aliaksei Liubezny /
Pascal Siffert



Weitere Informationen
erhalten Sie von der
Rheinoper
(Homepage)



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