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Awakening

Oper in vier Akten
Dramatische Dichtung von David Rudkin
Musik von Param Vir


in englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 10' (eine Pause)

Auftragswerk des Theaters Bonn
Uraufführung im Opernhaus Bonn am 1. März 2026
(rezensierte Aufführung: 17. April 2026)


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Theater Bonn
(Homepage)

Ein Buddha in Zeiten des Krieges

Von Stefan Schmöe / Fotos von Max Borchardt

Buddhismus für Anfänger? Das könnte man bei dieser Oper denken, denn Awakening erzählt in vielen kurzen Episoden die Lebensgeschichte von Siddhartha Gautama, dem "historischen Buddha" und Begründer des Buddhismus. Gautama hat im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gelebt, nach anderen Quellen im 4. und 3. Jahrhundert. Schriften von ihm sind nicht überliefert. Er entstammte einer nordindischen Adelsfamilie, verließ mit 29 Jahren Frau und Kind auf der Suche nach dem wahren Leben, hatte eine Erleuchtungserfahrung und wirkte darauf hin als Lehrer. Auf ihn gehen die "vier edlen Wahrheiten" zurück und die Lehre vom "edlen achtfachen Pfad", symbolisiert in den acht Speichen eines Rades. All dies wird gezeigt, und dennoch handelt es sich, woran auch die Regie ihren gehörigen Anteil hat, nicht primär um ein Werk über den Buddhismus.

Vergrößerung in neuem Fenster Bewahrung einer bedrohten Kultur: Eine Theatertruppe spielt das Leben des Siddharta Gautama nach

Dem 1962 in Dehli geborenen Komponisten Param Vir und seinem 1936 in London geborenen Librettisten David Rudkin war schnell klar, dass eine unmittelbare Darstellung Buddhas auf der Bühne unmöglich sein würde. So stellen sie eine Gruppe von Schauspielern in den Mittelpunkt, eine kleine Wanderbühne, die in einer Art Improvisationstheater mit einfachen Mitteln das Leben Gautamas vorführt. Dadurch wird die Handlung um Gautama ständig gebrochen. Die Geschichte erhält noch eine weitere Dimension: Die Kompagnie muss in einem Land im Kriegszustand im Verborgenen spielen, denn dieses Land ist besetzt von einer ausländischen Macht, die Sprache und Kultur unterdrückt. Damit wird das Theater auf dem Theater zum Akt der Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes. Jenseits der buddhistischen Lehre, um die es natürlich auch geht (wenn auch letztendlich eher am Rande), bekommt die Aufführung eine eminent politische Ausprägung. Die Pläne für Awakening trugen Vir und Rudkin seit den 1990er-Jahren mit sich herum; realisiert werden konnte das Werk jetzt im Auftrag der Oper Bonn.

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Der Darsteller des Buddha verschmilzt mehr und mehr mit seiner Rolle

Der russische Regisseur Vasily Barkhatov, der schon in Düsseldorf und Duisburg den Fliegenden Holländer und in Frankfurt Ligetis Le Grand Macabre in unsere Alltagsgegenwart versetzt hat, siedelt die Geschichte an einem unbestimmten Ort an, einem Hafenbecken oder einer Schleuse mit zwei riesigen Toren (Bühne: Zinovy Margolin), was für sich schon die Assoziation eines Bunkers hervorruft. Wenn sich die Tore im Verlauf des Stückes nacheinander öffnen, spiegelt sich darin das Erreichen einer höheren Erkenntnisstufe im Leben des Buddha. So schwingt die spirituell-philosophische Ebene geschickt mit. Konkrete Anspielungen auf den Krieg in der Ukraine sind nicht zu erkennen, kyrillische Zeichen etwa sucht man vergebens - und trotzdem steht diese Assoziation natürlich im Raum. In einer Szene sieht man eine schnelle Bildfolge mit Fotos von Kriegsverbrechen, gefolgt von Bildern, die im Kontrast dazu Mitmenschlichkeit zeigen. Barkhatovs Regie ist eine Anklage gegen jeden Krieg und gegen jede Gewalt, und auch damit verschieben sich die Akzente weg von einem Buddhismus weg von der individuellen Suche nach Erkenntnis und Befreiung von individuellem Leid hin zu einer Utopie von einem gewaltfreien Miteinander. In den gleichnishaften Reden des Buddha gibt es viele Wiedererkennungsmomente zur christlichen Erzählung von Jesus Christus. Es geht um eine universelle, nicht an eine bestimmte Religion oder Philosophie gebundene Botschaft.

Vergrößerung in neuem Fenster Buddha in Trümmerlandschaft

Die Inszenierung pendelt sich, und das ist ihre große Stärke, auf einen Schwebezustand zwischen konkret politischer Interpretation und religionsphilosophischer Sicht ein. Der Chor, der in erster Linie das Publikum für das Spiel im Spiel darstellt und einmal mehr ungeheuer nuanciert und klangschön singt (Einstudierung: André Kellinghaus), wechselt allmählich sein Aussehen: Die anfangs düster grauschwarze Kleidung wird von Elementen safranfarbener Mönchsgewänder ergänzt (Kostüme: Olga Shaishmelashvili mit Unterstützung von Arina Slobodianik). Damit wird optisch eindrucksvoll visualisiert, dass sich die Elemente buddhistischer Lehre verbreiten. Klanglich steuert der Kinder- und Jugendchor des Theaters (Einstudierung: Ekaterina Klewitz) schöne Farben bei, auch in einigen kleineren solistischen Partien, wie überhaupt das musikalische Niveau mit glänzenden Gesangsleistungen und einem überaus zuverlässigen Orchester unter der Leitung von Daniel Johannes Mayr hoch ist.

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Das Spiel vom Leben des Buddha endet im Bombenangriff

Die Komposition schafft für die recht kurzen Szenen vibrierende Klangflächen. Dramatische oder gar melodiöse Entwicklungen gibt es kaum, was das Hören ungeachtet des oft faszinierend schönen Klangs für das Publikum herausfordernd macht, zumal die vom Theater Bonn angekündigte Spieldauer um eine halbe Stunde auf über drei Stunden erhöht ist. Man muss sich einhören in und einlassen auf diese um tonale Zentren kreisende Musik. Über dem brodelnden Orchestersatz hat Vir weit ausschwingende Gesangslinien komponiert. Dominiert wird die Musik dadurch von den Stimmen, die vom Orchester getragen werden und ohne große Intervallsprünge lyrisch strömen dürfen. Hier und da wirken lautmalerische Effekte recht plakativ, in der Summe aber bietet Awakening faszinierendes und berührendes Musiktheater. Cody Quattlebaum beeindruckt in der Riesenpartie des Gautama und Buddha mit warm timbriertem, elegant geführtem und bei Bedarf auch strahlkräftigem Bariton. Mark Morouse gibt mit großer Souveränität den Leiter der Theatertruppe. Yannick-Muriel Noah glänzt mit dunkel grundiertem, vollem Sopran als Lady Gautami, Katerina von Bennigsen mit jugendlich leuchtender Stimme als Gattin Gautamas und später als junge, um ihr totes Kind trauernde Mutter, um nur einige aus dem ausgezeichneten Ensemble herauszuheben.

Die Oper endet düster: Nach einem Bombenangriff gibt es fast keine Überlebenden. Dennoch bleibt neben der Forderung, sich einem Kreislauf der Gewalt zu widersetzen, ein tröstliches Element in der dann eben doch buddhistisch geprägten Gelassenheit trotz des Leides ringsumher.


FAZIT

Mit Awakening ist dem Komponisten Param Vir, dem Librettisten David Rudkin und dem Regieteam um Vasily Barkhatov im Zusammenspiel mit einem tollen Bonner Ensemble ein bewegendes, vielschichtiges Gesamtkunstwerk zwischen buddhistischer Gedankenwelt und politischer Anklage gegen Krieg und Gewalt gelungen.




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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Daniel Johannes Mayr

Inszenierung
Vasily Barkhatov

Bühne
Zinovy Margolin

Kostüme
Olga Shaishmelashvili

Co-Kostümbild
Arina Slobodianik

Licht
Olaf Winter
Jorge Delgadillo

Choreographie
Sommer Ulrickson

Choreinstudierung
André Kellinghaus

Einstudierung Kinder- und Jugendchor
Ekaterina Klewitz


Chor des Theaters Bonn

Beethoven Orchester Bonn


Solisten

Director / Anand
Mark Morouse

Prince Gautam, later The Buddha
Cody Quattlebaum

Kanthak, his horse / The Celestial /
An agnostic philosopher
Ralf Rachbauer

Messenger of Age / Mara / A Ploughman /
An amoralist philosopher
Martin Tzonev

Messenger of Sickness / A fiery priest
Giorgos Kanaris

Messenger of Death / A Sister
Susanne Blattert

Channa / Angulimala / A Warrior King
Christopher Jähnig

Lady Gautami, Later Sister Gautami
Yannick-Muriel Noah

Princess Yasodhara / Young Mother
Katerina von Bennigsen

A Boy from the Company /
Rahul / A new born Child
* Noah Werfel
Konstantin Möllenkamp
Maxim Patapenka

A Young Actor, Later Sunita / A fatalist philosopher
Tae Hwan Yun

An Extreme Asketic / A Vexed Monk
Johannes Mertes

A Girl Player
Ida Rausche /
* Eliana Craciun

A Girl / A Child Refugee 1
Brooke Joy Di Pede /
* Elisabeth Kravchenko

A Boy / A Child Refugee 2
Clara Teschner /
* Elisabeth Stroganova

A Priest in White
Miljan Milovic

A Randomist Philosopher
Nicholas Probst

Tänzerinnen und Tänzer
Natsuki Katori
Andras Sousa
Davide Degano
Jule Niekamp
Francesca Merolla



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