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Ein Buddha in Zeiten des Krieges
Von Stefan Schmöe /
Fotos von Max Borchardt
Buddhismus für Anfänger? Das könnte man bei dieser Oper denken, denn Awakening erzählt in vielen kurzen Episoden die Lebensgeschichte von Siddhartha Gautama, dem "historischen Buddha" und Begründer des Buddhismus. Gautama hat im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gelebt, nach anderen Quellen im 4. und 3. Jahrhundert. Schriften von ihm sind nicht überliefert. Er entstammte einer nordindischen Adelsfamilie, verließ mit 29 Jahren Frau und Kind auf der Suche nach dem wahren Leben, hatte eine Erleuchtungserfahrung und wirkte darauf hin als Lehrer. Auf ihn gehen die "vier edlen Wahrheiten" zurück und die Lehre vom "edlen achtfachen Pfad", symbolisiert in den acht Speichen eines Rades. All dies wird gezeigt, und dennoch handelt es sich, woran auch die Regie ihren gehörigen Anteil hat, nicht primär um ein Werk über den Buddhismus.
Dem 1962 in Dehli geborenen Komponisten Param Vir und seinem 1936 in London geborenen Librettisten David Rudkin war schnell klar, dass eine unmittelbare Darstellung Buddhas auf der Bühne unmöglich sein würde. So stellen sie eine Gruppe von Schauspielern in den Mittelpunkt, eine kleine Wanderbühne, die in einer Art Improvisationstheater mit einfachen Mitteln das Leben Gautamas vorführt. Dadurch wird die Handlung um Gautama ständig gebrochen. Die Geschichte erhält noch eine weitere Dimension: Die Kompagnie muss in einem Land im Kriegszustand im Verborgenen spielen, denn dieses Land ist besetzt von einer ausländischen Macht, die Sprache und Kultur unterdrückt. Damit wird das Theater auf dem Theater zum Akt der Bewahrung und Weitergabe des kulturellen Erbes. Jenseits der buddhistischen Lehre, um die es natürlich auch geht (wenn auch letztendlich eher am Rande), bekommt die Aufführung eine eminent politische Ausprägung. Die Pläne für Awakening trugen Vir und Rudkin seit den 1990er-Jahren mit sich herum; realisiert werden konnte das Werk jetzt im Auftrag der Oper Bonn.
Der Darsteller des Buddha verschmilzt mehr und mehr mit seiner Rolle
Der russische Regisseur Vasily Barkhatov, der schon in Düsseldorf und Duisburg den Fliegenden Holländer und in Frankfurt Ligetis Le Grand Macabre in unsere Alltagsgegenwart versetzt hat, siedelt die Geschichte an einem unbestimmten Ort an, einem Hafenbecken oder einer Schleuse mit zwei riesigen Toren (Bühne: Zinovy Margolin), was für sich schon die Assoziation eines Bunkers hervorruft. Wenn sich die Tore im Verlauf des Stückes nacheinander öffnen, spiegelt sich darin das Erreichen einer höheren Erkenntnisstufe im Leben des Buddha. So schwingt die spirituell-philosophische Ebene geschickt mit. Konkrete Anspielungen auf den Krieg in der Ukraine sind nicht zu erkennen, kyrillische Zeichen etwa sucht man vergebens - und trotzdem steht diese Assoziation natürlich im Raum. In einer Szene sieht man eine schnelle Bildfolge mit Fotos von Kriegsverbrechen, gefolgt von Bildern, die im Kontrast dazu Mitmenschlichkeit zeigen. Barkhatovs Regie ist eine Anklage gegen jeden Krieg und gegen jede Gewalt, und auch damit verschieben sich die Akzente weg von einem Buddhismus weg von der individuellen Suche nach Erkenntnis und Befreiung von individuellem Leid hin zu einer Utopie von einem gewaltfreien Miteinander. In den gleichnishaften Reden des Buddha gibt es viele Wiedererkennungsmomente zur christlichen Erzählung von Jesus Christus. Es geht um eine universelle, nicht an eine bestimmte Religion oder Philosophie gebundene Botschaft.
Die Inszenierung pendelt sich, und das ist ihre große Stärke, auf einen Schwebezustand zwischen konkret politischer Interpretation und religionsphilosophischer Sicht ein. Der Chor, der in erster Linie das Publikum für das Spiel im Spiel darstellt und einmal mehr ungeheuer nuanciert und klangschön singt (Einstudierung: André Kellinghaus), wechselt allmählich sein Aussehen: Die anfangs düster grauschwarze Kleidung wird von Elementen safranfarbener Mönchsgewänder ergänzt (Kostüme: Olga Shaishmelashvili mit Unterstützung von Arina Slobodianik). Damit wird optisch eindrucksvoll visualisiert, dass sich die Elemente buddhistischer Lehre verbreiten. Klanglich steuert der Kinder- und Jugendchor des Theaters (Einstudierung: Ekaterina Klewitz) schöne Farben bei, auch in einigen kleineren solistischen Partien, wie überhaupt das musikalische Niveau mit glänzenden Gesangsleistungen und einem überaus zuverlässigen Orchester unter der Leitung von Daniel Johannes Mayr hoch ist.
Das Spiel vom Leben des Buddha endet im Bombenangriff
Die Komposition schafft für die recht kurzen Szenen vibrierende Klangflächen. Dramatische oder gar melodiöse Entwicklungen gibt es kaum, was das Hören ungeachtet des oft faszinierend schönen Klangs für das Publikum herausfordernd macht, zumal die vom Theater Bonn angekündigte Spieldauer um eine halbe Stunde auf über drei Stunden erhöht ist. Man muss sich einhören in und einlassen auf diese um tonale Zentren kreisende Musik. Über dem brodelnden Orchestersatz hat Vir weit ausschwingende Gesangslinien komponiert. Dominiert wird die Musik dadurch von den Stimmen, die vom Orchester getragen werden und ohne große Intervallsprünge lyrisch strömen dürfen. Hier und da wirken lautmalerische Effekte recht plakativ, in der Summe aber bietet Awakening faszinierendes und berührendes Musiktheater. Cody Quattlebaum beeindruckt in der Riesenpartie des Gautama und Buddha mit warm timbriertem, elegant geführtem und bei Bedarf auch strahlkräftigem Bariton. Mark Morouse gibt mit großer Souveränität den Leiter der Theatertruppe. Yannick-Muriel Noah glänzt mit dunkel grundiertem, vollem Sopran als Lady Gautami, Katerina von Bennigsen mit jugendlich leuchtender Stimme als Gattin Gautamas und später als junge, um ihr totes Kind trauernde Mutter, um nur einige aus dem ausgezeichneten Ensemble herauszuheben.
Die Oper endet düster: Nach einem Bombenangriff gibt es fast keine Überlebenden. Dennoch bleibt neben der Forderung, sich einem Kreislauf der Gewalt zu widersetzen, ein tröstliches Element in der dann eben doch buddhistisch geprägten Gelassenheit trotz des Leides ringsumher.
Mit Awakening ist dem Komponisten Param Vir, dem Librettisten David Rudkin und dem Regieteam um Vasily Barkhatov im Zusammenspiel mit einem tollen Bonner Ensemble ein bewegendes, vielschichtiges Gesamtkunstwerk zwischen buddhistischer Gedankenwelt und politischer Anklage gegen Krieg und Gewalt gelungen.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Co-Kostümbild
Licht
Choreographie
Choreinstudierung
Einstudierung Kinder- und Jugendchor
Solisten
Director / Anand
Prince Gautam, later The Buddha
Kanthak, his horse / The Celestial /
Messenger of Age / Mara / A Ploughman /
Messenger of Sickness / A fiery priest
Messenger of Death / A Sister
Channa / Angulimala / A Warrior King
Lady Gautami, Later Sister Gautami
Princess Yasodhara / Young Mother
A Boy from the Company /
A Young Actor, Later Sunita / A fatalist philosopher
An Extreme Asketic / A Vexed Monk
A Girl Player
A Girl / A Child Refugee 1
A Boy / A Child Refugee 2
A Priest in White
A Randomist Philosopher
Tänzerinnen und Tänzer
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