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"Auf Wiedersehen" heißt nicht "Leb wohl" Von Thomas Molke / Fotos: © Anne Orthen Zum Ende der Theatersaison heißt es häufig von Künstlerinnen und Künstlern Abschied zu nehmen. In Essen geht der langjährige Ballett-Intendant Ben Van Cauwenbergh nach 16 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Von der Deutschen Oper am Rhein brechen Ballettdirektor Demis Volpi und Generalmusikdirektor Axel Kober zu neuen Ufern auf. Dabei kann Kober mit 15 Jahren auf eine fast genauso lange Zeit als GMD an der Deutschen Oper am Rhein zurückblicken wie Van Cauwenbergh in Essen. 2009 kam er gemeinsam mit dem Intendanten Christoph Meyer an die Deutsche Oper am Rhein und setzte mit einem breiten Repertoire vom Barock bis zu wichtigen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts entscheidende Akzente, die ihn schnell zum Liebling des Publikums, des Ensembles und der beiden Orchester (Düsseldorfer Symphoniker und Duisburger Philharmoniker) avancieren ließ und auch überregional und international Aufmerksamkeit erregte. So ist er seit 2013 regelmäßiger Gast bei den Bayreuther Festspielen und dirigiert an den führenden Opernhäusern in Wien, Zürich, Mailand, Berlin, Dresden, Hamburg, Kopenhagen und Straßburg. Da ist es selbstverständlich, dass er mit einer großen Operngala verabschiedet wird, in dem die langjährige Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper am Rhein auch in zahlreichen Reden gewürdigt wird. Intendant Christoph Meyer (rechts) überreicht Axel Kober (links) die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Oper am Rhein. Kober selbst ergreift nur einmal kurz das Wort, um eine Änderung im Programm anzusagen und zu begründen, wieso er für das Konzert eine Auswahl getroffen habe, die sich in den Stücken sicherlich nicht gerade typisch für eine Operngala ist. Ihm sei es wichtig, das ganze großartige Ensemble der Deutschen Oper am Rhein zu präsentieren und nicht nur einzelne Solistinnen und Solisten in klassischen Schmankerln glänzen zu lassen. Diese Aussage zeigt neben einer gewissen Bescheidenheit, dass er ein absoluter Team-Player ist, und macht nachvollziehbar, wieso er vom ganzen Ensemble hoch geschätzt wird. Bevor es mit dem eigentlichen Konzert beginnt, gibt es jeweils eine Rede von der Kulturdezernentin Miriam Koch, die den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, vertritt - dieser sollte doch wohl nicht etwa wegen des zeitgleich stattfindenden Viertelfinalspiels der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Spanien verhindert gewesen sein? -, und von Kobers langjährigem Wegbegleiter, dem Intendanten der Deutschen Oper am Rhein, Christoph Meyer. Während Koch die herausragenden Leistungen Kobers würdigt und ihn ausdrücklich zur geplanten Eröffnung der neuen Spielstätte in zehn Jahren einlädt, findet Meyer sehr persönliche Worte und muss dabei häufig mit den Tränen kämpfen. Als Höhepunkt verleiht er Kober die höchste Auszeichnung des Hauses, die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Oper am Rhein. Des Weiteren haben die Werkstätten einen überdimensional großen Taktstock für Kober angefertigt, der ihm jedoch zum direkten Einsatz für das folgende Orchestervorspiel zu Wagners Lohengrin ein wenig zu schwer erscheint. Der scheidende Generalmusikdirektor Axel Kober mit den Düsseldorfer Symphonikern im Hintergrund Auch die weiteren Reden zeugen von der großen Wertschätzung, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses Kober in den vergangenen Jahren entgegengebracht haben. Der Vertreter des Orchestervorstands der Düsseldorfer Symphoniker, Tilman Bollhöfer, versäumt es dabei nicht, mit einer kurzen Bemerkung auf den zwischenzeitlichen Ausgleich der deutschen Fußballnationalmannschaft im Viertelfinalspiel hinzuweisen. So wird das Publikum auch in diesem Bereich auf dem Laufenden gehalten. Nach dem ausdrücklichen Dank für den Enthusiasmus und die Begeisterung, mit der Kober mit den beiden Orchestern die großen musikalischen Werke erarbeitet habe, überreicht Bollhöfer ihm ein riesiges Bild, das den GMD mit dem Orchester bei einer der zahlreichen Freilichtveranstaltungen zur Spielzeiteröffnung in Düsseldorf zeigt. Dass dieses Bild von den Orchestermitgliedern auf der Rückseite signiert ist, versteht sich von selbst. Auch Florian Simson findet als Vertreter des Ensembles sehr humorvolle, dabei aber bewegende Worte. Dafür analysiert er die drei Bestandteile des Wortes Generalmusikdirektor und kommt zu dem Schluss, dass die Musik bei Kober wie in dem Wort immer im Mittelpunkt gestanden habe, er weniger General als vielmehr Generalist gewesen sei und er das Ensemble zwar als Direktor geleitet habe, allen dabei aber stets auf Augenhöhe begegnet sei. So überreicht er ihm als Abschiedsgeschenk einen "Schlüssel zum Herzen des Ensembles". Auszug aus dem Rheingold: die Rheintöchter (von links: Anna Harvey, Maria Kataeva und Anke Krabbe) mit Alberich (Ks Stefan Heidemann) und Axel Kober am Pult der Düsseldorfer Symphoniker Die Vorsitzende des Freundeskreises der Deutschen Oper am Rhein, Monika Lehmhaus, hebt hervor, dass hinter einem erfolgreichen Mann auch meistens eine starke Frau stehe und dankt ausdrücklich Kobers Frau, die ihrem Gatten in den ganzen Jahren von Mannheim aus den Rücken frei gehalten habe. Da Kobers besonderes Interesse stets der Nachwuchsförderung gegolten habe, hat der Freundeskreis Spenden für das Opernstudio NRW gesammelt und dabei 11.175,00 Euro an privaten Spenden zusammenbekommen. Diese Reden werden von großartigen Auszügen aus Opern eingerahmt, die Kober in seinen 15 Jahren an der Deutschen Oper am Rhein geleitet hat. Den Anfang macht das Orchestervorspiel zum 1. Aufzug von Wagners Lohengrin, bei dem Kober mit den Düsseldorfer Symphonikern mit absoluter Präzision auch die leisen Töne herausarbeitet und das Publikum mit dem flatternden Sirren der Geigen zutiefst bewegt. Natürlich darf auch ein Auszug aus dem Ring des Nibelungen nicht fehlen, den Kober in den vergangenen Jahren in der Inszenierung von Dietrich Hilsdorf mit großem überregionalem Erfolg sowohl mit den Düsseldorfer Symphonikern als auch mit den Duisburger Philharmonikern erarbeitet hat. Die Wahl ist auf eine Szene aus dem Rheingold gefallen, in der der Nibelung Alberich den Rheintöchtern das Gold raubt, um daraus den Ring zu schmieden, der ihm unendliche Macht verleiht. Anke Krabbe, Maria Kataeva und Anna Harvey begeistern als Woglinde, Wellgunde und Floßhilde mit präziser Diktion und homogenem Klang. KS Stefan Heidemann verflucht mit kraftvollem Bariton die Liebe, was ihm den Raub des Goldes ermöglicht. Applaus zum Ende des ersten Teils: Falstaff-Ensemble: von links: Dr. Cajus (Johannes Preißinger), Quickly (Susan Maclean), Meg Page (Sarah Ferede), Nannetta (Lavinia Dames), Axel Kober, Alice (Sylvia Hamvasi), Fenton (Andrés Sulbarán), Falstaff (Günes Gürle), Bardolfo (Florian Simson), Pistola (Torben Jürgens) und Ford (Roman Hoza) mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein im Hintergrund Von den folgenden Auszügen des ersten Teils der Gala dürften noch am ehesten das Quartett aus Rigoletto und das Sextett aus Lucia di Lammermoor "typisches Material" für eine Operngala sein. Luiza Fatyol, Ramona Zaharia, Ovidiu Purcel und Richard Šveda lassen es sich beim Quartett "Bella figlia dell'amore" nicht nehmen, das Stück auch szenisch zu präsentieren. Während Purcel als treuloser Duca mit strahlendem Tenor Zaharia als Maddalena mit laszivem Mezzosopran verführt und auf der linken Bühnenseite steht, zwingt Šveda als Rigoletto Fatyol als Gilda auf der anderen Seite dem Treiben ihres Angebeteten zuzusehen. Fatyol leidet dabei herzergreifend mit leuchtendem Sopran, während Šveda mit hartem Bariton seinen Hass auf den Herzog mehr als deutlich macht. Auch das berühmte Sextett mit Purcel als Edgardo, Jorge Espino als Enrico und Sylvia Hamvasi als Lucia geht unter die Haut. Einen großen Anteil daran hat auch der Opernchor der Deutschen Oper am Rhein, der anschließend noch den berühmten Osterchor "Regina Cœli, lætare" aus Mascagnis Cavalleria rusticana präsentiert, bei dem Sarah Ferede als Santuzza mit dramatischem Mezzosopran Akzente setzt. Der Teil vor der Pause endet mit dem Finale aus Verdis Falstaff, was ebenfalls eine große Ensembleleistung ist. Die Frau ohne Schatten, 3. Aufzug: von links: Kaiser (Corby Welch), Kaiserin (Morenike Fadayomi), Barak (Bogdan Baciu), Amme (KS Linda Watson), Axel Kober, Färberin (Lise Lindström), Stimme von oben (Susan Maclean), Hüter der Schwelle (Heidi Elisabeth Meier) und Geisterbote (Torben Jürgens) mit den Düsseldorfer Symphonikern und dem Chor der Deutschen Oper am Rhein im Hintergrund Neben Richard Wagner haben auch die Werke von Richard Strauss in Kobers Amtszeit eine bedeutende Rolle gespielt. Ziemlich am Anfang stand dabei Die Frau ohne Schatten, deren Wiederaufnahme-Premiere Kober 2010 in seiner zweiten Amtszeit in Duisburg musikalisch leitete. Nach der Pause gibt es dann den kompletten dritten Aufzug der Oper. Besonders daran ist, dass mit Morenike Fadayomi, KS Linda Watson und Susan Maclean auch noch drei Sängerinnen beteiligt sind, die bereits 2010 in der Produktion mitwirkten. Fadayomi schlüpft erneut in die Rolle der Kaiserin, Watson, die damals als Färberin zu erleben war, übernimmt nun den Part der Amme, und Maclean, die 2010 die Amme sang, gibt die Stimme von oben. Am Ende des zweiten Aufzugs hat sich die Erde aufgetan und eine Wasserflut das Färberpaar verschlungen, nachdem die Kaiserin sich geweigert hat, den Schatten der Färberin an sich zu nehmen. Die Kaiserin ist mit ihrer Amme in einem Zauberkahn geflohen. Nun finden sich die Färberin und Barak in zwei getrennten Kammern wieder, während aus der Ferne die Stimmen ungeborener Kinder an ihr Ohr drängen. Lise Lindström, die die Partie der Färberin schon häufig interpretiert hat, begeistert mit dramatischen Höhen und intensivem Spiel, während Bogdan Baciu als Barak mit kraftvollem Bariton punktet, die Partie allerdings vom Blatt ablesen muss. Ohne Text treten Fadayomi und Watson als Kaiserin und Amme auf, wenn die Kaiserin erneut vor die Möglichkeit gestellt wird, den Schatten der Färberin zu erwerben. Als Warnung tritt Corby Welch als Kaiser auf, der mittlerweile fast völlig zu Stein geworden ist. Eindrucksvoll stellt Fadayomi den inneren Kampf der Kaiserin vor und glänzt mit zarten Höhen, während Watson als Amme mit dramatischen Höhen und intensiver Mimik versucht, den Willen der Geisterwelt durchzusetzen. Die Versteinerung fällt vom Kaiser ab, und Welch findet mit tenoralem Glanz erneut zu seiner Frau. Auch Barak und seine Frau versöhnen sich und so gibt es am Ende zwei glückliche Paare, was von Kober und den Düsseldorfer Symphonikern mit expressivem Spiel untermalt wird. Vielleicht hätte man diesen Teil allerdings übertiteln müssen, da die Geschichte relativ schwer nachvollziehbar ist, wenn man das Stück nicht kennt. Dem musikalischen Genuss tut das aber keinen Abbruch, und Kober wird mit stehenden Ovationen mit dem kompletten Ensemble, dem Chor und den Düsseldorfer Symphonikern gefeiert. Im Anschluss gibt es noch die Möglichkeit, im oberen Foyer im Rahmen einer Farewell-Party der Premiere eines Films beizuwohnen, den Jo Alex Berg im Auftrag der Deutschen Oper am Rhein zum Abschied Kobers gedreht hat und der in Gesprächen mit dem scheidenden Generalmusikdirektor und zahlreichen seiner Weggefährtinnen und Weggefährten, in Eindrücken von den Proben zur Neuproduktion von Jenůfa und anderen musikalischen Höhepunkten unter Kobers musikalischer Leitung Kobers 15-jähriges Engagement für die Deutsche Oper am Rhein Revue passieren lassen.
Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor:
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AusführendeMusikalische Leitung Chordirektor
Düsseldorfer Symphoniker Chor der Deutschen Oper am Rhein
Solistinnen und SolistenSopran
Mezzosopran
Tenor
Bariton
Bass
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