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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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Irgendwo zwischen Gestern und MorgenVon Ralf-Jochen Ehresmann / Foto von Karl Forster
Die Essener Oper scheint in bislang einmaliger Weise eine Folge phänomenaler Ausnahmeleistungen vorgelegt zu
haben, wenn es um Richard Strauss geht. Dass "Ariadne" als vorläufig letzte Blume eines herrlich bunten Straußes
dabei nicht unbedingt Rang 1 erringt, sagt nichts darüber aus, dass es sich hierbei nicht um eine mindestens gute
Aufführung gehandelt hat, die dennoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass sie nicht völlig an die Erfolge von
Elektra, Frau ohne Schatten oder Daphne anzuknüpfen vermag.
Foto links:Musiklehrer und Komponist im Disput
Klangbeispiel:
Stella Kleindienst (Komponist) und Victoria Loukianetz (Zerbinetta)(MP3-Datei)
Angesichts einer weit unterdurchschnittlichen Textverständlichkeit, blieb daher auch die Wirkung dramatisch so
wichtiger Szenen wie die Annäherung von Komponist und Zerbinetta als Vertretern zweier grundverschiedener
Welt- und Kunstverständnisse stark eingeschränkt, derweil die - wie wir meinen - keineswegs rein akzidentelle
sondern vielmehr essentielle Aura des Wienerischen nicht sich einstellt, wo der Haushofmeister anscheinend nicht
am Haus des "reichsten Manne Wiens" dient sondern am Krupp-Bungalow oder an der Villa Hügel und sicher
genauso gut an einem preußischen Herrenhause aufgehoben wäre.
Foto rechts:
Klangbeispiel:
Victoria Loukianetz (Zerbinetta)(MP3-Datei)
Die geöffnete Bühne gibt den Blick frei für 3 schwarze Holzkästen, die sich nach ihrer sukzessiven Öffnung als Probenräume der Primadonna und ihrer Compagnie herausstellen und dabei bestens die weltferne Abschottung vom wirklichen Leben des elitären Kunstbetriebs darstellen. Dieses bricht sich allerdings kurz vor Ende des Vorspiels auf der Bühne Bahn, wenn besagte schwarze Guckkästen sich zu Projektionsflächen umwandeln, auf welchen das betrachtende Opernpublikum sich selbst beim sektglasschwenkenden Pausenmarsch durchs Foyer des Theaters zuschauen kann. Ariadnes wüste Insel ist ein von dunkelblauen Leuchtstoffröhren umrandetes Viereck; dort zusammengezogen als ein Knäuel unter einem Tuch kauert sie selbst , die, wenn sie endlich heraustritt, sich als wahrhaftige Primadonnengestalt im Walkürenformat präsentiert; und wenn sie bei "Es gibt ein Reich" endlich so richtig aufdreht, weiß man wieder, dass man bei Strauss in Essen sitzt.
Foto links:Ariadne will sich in den Tod trauern
Klangbeispiel:
Mariana Zvetkova (Ariadne) und Albert Bonnema (Bacchus)(MP3-Datei)
Auf ihren einzig verlautbarten Wunsch zu sterben, nimmt Zerbinettas Männerballett Bezug durch die Vorführung verschiedener Arten sich umzubringen. Nicht schlüssig ist's, was Ariadne tut, während um sie herum die Tanzshow tobt, bis sie endlich, endlich damit beginnt, sich quasi als Vorbereitung ihrer Selbstbeerdigung - wenn's schon kein anderer macht - Löcher zu buddeln, derweil Najade und Dryade sich offenbar stärker von Zerbinettas Sicht der Dinge überzeugen ließen und bereits mit männlicher Begleitung verschwunden sind. Doch genau jenes Warten Ariadnes außerhalb ihrer Gesangspassagen blieb unschlüssig und richtungslos, was wiederum trefflich dazu passt, dass sie sich zuletzt dann doch von dem nicht eben göttlichen Bacchus wie verständnislos abschleppen lässt, war er doch auf dem Rang auch nicht zu verstehen.
Foto rechts: Rein musikalisch gilt das oben Gesagte entsprechend: Rundum gut und keinerlei Totalausfälle, aber auch eben keine Glanzlichter. Erwähnenswert der Tanzmeister, der glaubhaft zum Komponisten zu reden vermag und dessen Kompromissbereitschaft gewinnt, obwohl sich bislang keine Kommunikationsebene zwischen den Vertretern dieser ganz unterschiedlichen Genres gezeigt hatte. Zerbinetta bewältigt ihre stimmlichen Anforderungen souverän und unverkrampft und trifft mit ihrem sonstigen Gehabe genau den zu ihrer Gestalt gehörigen Ausdruck. Einzig die Interaktion zur Tanzgruppe hätte noch etwas origineller sein können.
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Produktionsteam
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Licht
Dramaturgie
Choreographie
SolistenDer HaushofmeisterHans Schulze
Ein Musiklehrer
Der Komponist
Zerbinetta
Primadonna/Ariadne
Tenor/Bacchus
Harlekin
Scaramuccio
Truffaldin
Brighella
Ein Tanzmeister
Najade
Dryade
Echo
Ein Lakai
Ein Perückenmacher
Ein Offizier
Eine Bediente Zerbinettas
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