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Tristan und IsoldeHandlung in drei AufzügenMusik von Richard Wagner Dichtung vom Komponisten
Premiere im Opernhaus der Stadt Köln Tristan-ElendTristan ist ein nicht mehr ganz junger Mann im schwarzen Rollkragenpullover; kein Held, Ritter schon gar nicht. Isolde ist ebenfalls in unauffälliges Schwarz gekleidet, mehr Sekretärin als Königstochter. Um sie herum liegen auf der gesamten Bühne verteilt leblose Körper, Puppen, die in schwarze Anzüge gekleidet sind. Günter Krämer verlegt das Drama in einen abstrakten Raum, der aber unserer Zeit zuzuordnen ist. Inmitten einer erstarrten Gesellschaft, die stets präsent ist, vollzieht sich die Liebe zwischen Tristan und Isolde als Ausbruch aus (heutigen) bürgerlichen Konventionen. Krämer entmythologisiert das Werk und holt es in die Alltagswelt zurück.
Vielleicht kann man über die Inszenierung erst dann gerecht urteilen, wenn sie musikalisch adäquat umgesetzt wird. Die Premiere geriet zum Zitterspiel mit bösem Ausgang. Zuerst verschlug es Hanna Schwarz als Brangäne, im ersten Aufzug von einer plötzlichen Indisposition überrascht, die Stimme; so daß sie nur noch markieren konnte. Ihre „Habt acht“-Rufe wurden, ein Kuriosum, von der überragenden Gabriele Schnaut (Isolde) mitgesungen. Siegfried Jerusalem stürzte das Publikum in ein Wechselbad der Gefühle. Auf klangschön und intelligent gesungene Passagen folgten immer wieder Kiekser, durch abenteuerliche Intonation wollte Jerusalem sich hin und wieder die ganz hohen Töne ersparen, und der letzte Aufzug endete in bellendem Sprechgesang. Aage Haugland war ein sehr menschlicher, aber auch leicht heiserer Marke, Jürgen Freier ein sehr solider Kurwenal.
Wie es denn hätte werden können deutete sich beim Liebestod an (den Krämer als solchen verweigert). Isoldes Abgesang endet nicht in Verklärung, sondern Resignation. Sie setzt sich an den Tisch, dem toten Tristan gegenüber, den Kopf auf die Arme gestützt. Die bürgerliche Ordnung ist wiederhergestellt, Brangäne räumt auf. Man kann über dieses Bild streiten, aber es ist prägnant, und musikalisch paßt hier endlich einmal alles zusammen. Eben diese Prägnanz ist es, die an so vielen anderen Stellen fehlt.
Gerade noch junger Gott, und im nächsten Atemzug bleibt ihm der Ton im Halse stecken: Siegfried Jerusalem und eine irgendwie verkorkste Produktion stürzen das Publikum in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Weltklasse und Provinzposse. Den Überblick behält nur Gabriele Schnaut.
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Musikalische Leitung Donald Runnicles
Inszenierung
Bühne und Kostüme
Chor
Licht
Mitarbeiter Regie
Dramaturgie
SolistenIsoldeGabriele Schnaut
Brangäne
Tristan
König Marke
Kurwenal
Melot
Ein Hirt
Ein Steuermann
Junger Seemann
Gürzenich-Orchester
Opernchor der Bühnen
Weitere Aufführungen
Aage Haugland (König Marke) und Gabriele Schnaut (Isolde)
Siegfried Jerusalem (Tristan) und Jürgen Freier (Kurwenal) |