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Veranstaltungen & Kritiken Musiktheater |
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CarmenOper in vier AktenMusik von Georges Bizet Libretto nach einer Novelle des Prosper Mérimée von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Carmen liebt und stirbt im Revier
Detailreich und milleusicher stattete Johannes Leiacker das Gelsenkirchener Lokal aus: Vergilbte hohe Räume, eine hochgeschossene, trostlos verstaubte Pflanze, und immer läuft der Fernseher. Die Übertragung geht auch beim Personal auf: Arbeiterinnen und Wachmänner der Firma halten sich in ihrer Mittagspause und nach Feierabend in der nahegelegenen Gaststätte auf. Einige Male zeigen sich auch deutsche Polizisten, sie kontrollieren das Lokal wegen nicht unbegründetem Verdacht des Zigarettenschmuggels. Die ganze Geschichte spielt in dem großen Raum der Gaststätte. Nachts gibt es eine einfache wie wirkungsvolle Verwandlung: Das kitschige Bild vom heimischen Hafen, das nicht fehlen darf in einem solchen Lokal, entpuppt sich als falsche Wand, ein Hinterzimmer mit Billardtisch wird aufgemacht. Witzig: als die Polizei des nachts kontrollieren kommt, wird schnell die Pappwand wieder vorgeschoben und die Schmuggler formieren sich zur angeblichen Chorprobe, da paßt der Gesang der Bande auf hintergründige Weise. Die Liebes- und Eifersuchtsszenen zwischen Carmen und Don José werden dem großen Trubel im Lokal gegenübergestellt. Sie sind sehr einfach aber konzentriert gearbeitet; durch die starke Bühnenwirkung der beiden Hauptdarsteller Milena Kitic als Carmen und Mikhail Dawidoff als Don José werden sie mühelos getragen. Kitic gestaltet ihre Partie mit großer, sinnlich erklingender Stimme, und sie verkörpert unglaublich stark den Stolz der Carmen. Dawidoff gibt überzeugend den braven Mann, der eine Stelle hat und seine Pflicht erfüllen will, um eben diese Arbeit als Wachmann zu behalten. Er hat jedoch in dieser Geschichte bekanntlich keine Chance, solch ein unbescholtener Bürger zu bleiben. In der letzten Szene wird schließlich noch mal aus dem vollen geschöpft. Hilsdorf malt wieder eine große, mit Bildern gesättigte und turbulente Episode. Gezeigt wird ein Kostümfest, aber auch verstreute und verlorene Elemente des Osterfestes finden sich dazu ein - eine Büßergestalt von der Osterprozession trinkt sich noch einen an der Theke. Der Stierkampf wird gefeiert und von den ausgelassenen Gästen in Kostümen und mit improvisierter Ausstattung nachgestellt. Carmens neuer Geliebter gibt den siegreichen Tolero auf diesem Fest ab und genießt es, gemeinsam mit Carmen im Mittelpunkt zu stehen. Die Szene verdichtet sich immer weiter, nicht gerade Weniges weist bereits auf den Tod voraus, von dem alle Gäste wissen, daß er Carmen droht. Als der Tod dann aber tatsächlich herbeigeführt wird, nimmt erstmal keiner die erwartete Katastrophe wahr. Dramatisch und blutreich stirbt die Gelsenkirchener Carmen - Milena Kitic weiß auch in dieser Sterbeszene den trotz der tödlichen Verletzung ungebrochenen Stolz der Carmen auf der Bühne flackern zu lassen. Die Sängerdarsteller von Carmen und Don José geben ein vortreffliches Paar ab, sie erweisen sich auch stimmlich als anspruchsvoll und überzeugend. Dagegen bleibt Károly Szilágyi als Escamillo etwas zurück. Das Orchester musiziert zupackend mit rauschendem Spaniencolorit. Dirigent Stefan Soltesz versäumt dabei aber keineswegs, die feine Instrumentation des Werkes, die Erzählkraft der einzelnen Instrumentalstimmen, zur Geltung kommen zu lassen. So entwickelt sich unter seiner Leitung die ganze Farbigkeit und Intensität der Partitur.
Da läuft einem Carmen in Gelsenkirchen über den Weg...
Galina Simkina als Micaela Francesco Petrozzi als José und Milena Kitic als Carmen
Gefährliche Begegnung auf dem Fest - Don José und Carmen |
Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühnenbild und Kostüme
Choreinstudierung
Dramaturgie
Choreographie
Solisten
Lillas Pastia, Wirt
Inez, seine Tochter, Kellnerin
Isabella, ihre Schwester, Kellnerin
Frasquita, Köchin
Mercédès, Köchin
Carmen
Don José
Micaela
Zuniga, Wachmann
Moralès, Wachmann
Dancairo, Schmuggler
Remendado, Schmuggler
Escamillo, genannt "Torero"
Weitere Aufführungen
Francesco Petrozzi als José Milena Kitic als Carmen und Marcel Rosca als Zuniga
Im Vordergrund: Milena Kitic als Carmen und Marcel Rosca als Zuniga |