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Die Hochzeit des FigaroKomische Oper in vier AktenText von Lorenzo da Ponte Deutsche Fassung von Nicolas Brieger, Friedemann Layer und Gudrun Sieber, überarbeitet von Paul Esterhazy Musik von Wolfgang Amadeus Mozart
Premiere an der Oper der Bundesstadt Bonn "Mozart käme wahrscheinlich wie ich mit dem Motorrad vorgefahren und würde uns ermutigen, frech zu sein."
Slapstick mit GartenzwergFrech sein also möchte Regisseur Andras Fricsay Kali Son, der diese Feststellung in einem Interview während der Proben traf . So hat er sich von Dieter Flimm eine postmoderne Villa auf die Bühne stellen lassen, in der sehr mondäne, sehr heutige und ziemlich bescheuerte Personen leben. Susanna, Dienstmädchen mit großer Schleife im Haar, erinnert an ein bekanntes Herrenmagazin, oder besser: Das gesamte Personal könnte der einst beliebten Fernsehserie "Klimbim" entsprungen sein, Inbegriff öffentlich-rechtlicher Erotik. Es geht also nicht um die großen Gefühle, es geht um Sex.
Nun ist der "Figaro" nicht nur Komödie, sondern erlaubt auch weitergehende Lesarten. Eine politische - immerhin streiten Graf und Diener - wird durch das überdrehte Konzept kaum ausgeführt, denn wo alle durchgedreht sind, ist das Machtgefüge kaum noch auszumachen. Problematisch bleibt in dieser Inszenierung die Figur der Gräfin, deren Musik Mozart zumindest in den Arien deutlich von der der anderen Personen abgesetzt hat: Wo bei Mozart echte Trauer über den Verlust von Liebe steht (was ja auch einen Gegenpol zum sonstigen Trubel darstellt), bleibt dem Regisseur nur die Flucht in die Parodie. Konsequent hätte man beide Arien streichen müssen, denn sie sind innerhalb dieser Aufführung nicht nur überflüssig, sondern sogar langweilig, zumal sie ohnehin musikalisch unausgereift gesungen wurden. Überhaupt mühen sich die Sänger zwar erfolgreich, das ideenreiche Spiel szenisch schwungvoll umzusetzen, kommen dabei musikalisch aber nicht über Mittelmaß hinaus. Homogen in den Ensembles, blaß in den Arien und korrekt, aber wenig charmant vom Orchester unter dem Dirigat von Peter Hirsch begleitet, fehlten der Aufführung die sängerischen Akzente. Vereinzelte Glanzlichter konnte Susann Végh als Cherubino setzen, ansonsten kommen Gesangsliebhaber derzeit etwa bei Titus in Wuppertal zu höheren Mozart-Genüssen. So bleibt der Eindruck der Premiere disparat: Angenehm frech war es ja, übrigens zur Freude des Publikums. Das Kunststück, mehr als frech zu sein, gelang indes nicht.
Echt geil, dieser Mozart: Überdrehte Slapstick-Komödie, der es allerdings an Tiefgang fehlt.
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Musikalische Leitung
Inszenierung
Bühne
Kostüme
Licht
Dramaturgie
Solisten
Graf Almaviva
Gräfin Almaviva
Susanna
Figaro
Cherubino
Marcellina
Bartolo
Basilio
Don Curzio
Barbarina
Antonio
zwei Mädchen
Tiina Sahrio
Mitglieder des
Orchester der
Weitere Aufführungen
leicht verärgert: Figaro (Hernan Iturraldo)
verschlossene Türen werden kurzerhand aufgesprengt; Susanna (Anna Korondi) staunt |