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Götterdämmerung

Dritter Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen
Musik und Text von Richard Wagner

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 6 h (zwei Pausen)

Konzertante Aufführung in der Historischen Stadthalle Wuppertal am 22. März 2026


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Ring für den scheidenden GMD

Von Claudia Stockmann / Fotos: © Sinfonieorchester Wuppertal (Yannick Dietrich)

Was vor fünf Monaten mit dem Rheingold in der Historischen Stadthalle in Wuppertal begann, kommt nun mit dem letzten Ring-Teil, der Götterdämmerung, zu einem krönenden Abschluss. Man fragt sich, wer hier wem eigentlich das größere Geschenk gemacht hat, der zum Ende der Spielzeit scheidende Generalmusikdirektor Patrick Hahn mit einem Mammut-Projekt, das man fast 40 Jahre in seiner Gänze an der Wupper nicht mehr erlebt hat, oder das Publikum, das Hahn wie einen Superstar mit tosendem Applaus feiert. Symbolisch überreicht Catherine Foster beim Schlussapplaus Hahn den Ring, der natürlich nach dem Weltenbrand vom Fluch gereinigt sein dürfte. Aber nicht nur diese Geste geht über einen rein konzertanten Zyklus hinaus. Hahn hat mit dem Sinfonieorchester Wuppertal und einem großartigen Ensemble im Rahmen der Sinfoniekonzerte in der Historischen Stadthalle ein Mammut-Projekt entstehen lassen, das andernorts sicherlich bereits als halbszenisch bezeichnet würde. Dafür hat Hahn gemeinsam mit dem Dramaturgen und Produktionsleiter Fabio Rickenmann und dem Lichtdesigner Pascal Schüller ein Konzept entwickelt, das weit über eine rein konzertante Präsentation hinausgeht. Es wird nicht nur größtenteils auswendig gesungen, sondern auch der ganze Saal in der Stadthalle wird quasi bespielt.

Hinzu kommt ein ausgeklügeltes Lichtdesign in großartigen Farben, das mal die pittoreske bemalte Decke des Saals durchflutet, mal in den Farben Blau, Rot oder Grün Reminiszenzen an die vorherigen Ring-Teile liefert und wie diverse Leitthemen in der Musik funktioniert. Das wird direkt im Prolog in der Nornenszene deutlich. Wenn musikalisch Themen aus dem Rheingold aufgenommen werden, schimmert alles in Blau, während der von Feuer umgebene Walküre-Felsen in Rot leuchtet. Während sich die erste Norn umherblickend ihren Weg durch den Saal zur Rampe bahnt, treten die anderen beiden Nornen auf der linken und rechten Galerie auf, bevor sie sich alle schließlich zum Weitergeben des Seils an der Rampe vor dem Orchester zusammenfinden. Dabei tragen sie rote Tücher, die wie ein Seil benutzt werden und schließlich fallen gelassen werden, wenn das Seil reißt. Deniz Uzun, die bereits als Erda im Siegfried mit dunkel gefärbtem Mezzosopran, der fast schon in die Altlage reicht, begeisterte, glänzt auch als erste Norn mit sauberer Diktion. Edith Grossman und Sofia Fomina lassen gemeinsam mit Uzun diese Erzählung zum ersten musikalischen Höhepunkt der Vorstellung avancieren.

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Benjamin Bruns als Siegfried

Doch es geht direkt auf Spitzenniveau weiter im Prolog. Was man von Catherine Foster als Brünnhilde erwarten darf, hat man schon in zahlreichen Ring-Produktionen erleben dürfen. Benjamin Bruns hingegen debütiert in der Partie des Siegfried, und schon direkt von Anfang an wird klar, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, dass er sich dieser Partie widmen wird. Immerhin steht bereits fest, dass er im Ring an der Bayerischen Staatsoper in der kommenden Spielzeit den Siegfried übernehmen wird. Sein Heldentenor klingt absolut frisch und strahlend und zeichnet sich durch eine wunderbar deutliche Diktion aus. Da wird nicht forciert, sondern in sauberen Höhen zelebriert. Es stört auch nicht weiter, dass Bruns als einziger in der Produktion permanent mit Textbuch auftritt. Er bleibt trotzdem ein Held, wie ihn Wagner sich stimmlich vorgestellt haben dürfte. Zu Beginn treten er und Foster auf der Chorempore auf und nehmen feierlich dort Platz, wo Siegfried im vorherigen Teil Brünnhilde erweckt hat. Doch es drängt ihn nach neuen Abenteuern. Also schreitet er durch das Orchester zur Rampe, um von Brünnhilde leidenschaftlich Abschied zu nehmen. Foster glänzt mit strahlenden Höhen, die in dieser Passage beinahe lyrisch anmuten. Schließlich ist sie hier noch ganz die sanft liebende Frau, was sich im weiteren Verlauf ändern wird.

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Gunther (Joachim Goltz) und Gutrune (Sofia Fomina) (am Pult: Patrick Hahn)

Joachim Goltz übernimmt dieses Mal nicht nur wie in den vorherigen Teilen die Partie des Alberich, sondern begeistert auch als Gunther mit kraftvollem Bariton und großartiger Textverständlichkeit. Dabei spielt er den zunächst recht selbstverliebten Charakter der Figur glaubhaft aus. Ain Anger wirkt mit seinem schwarzen Bass als Gunthers Halbbruder Hagen von Anfang an undurchschaubar und zwielichtig. Großartig manipuliert er Gunther und dessen leicht naive Schwester Gutrune, die von Sofia Fomina mit warmem, lieblichem Sopran interpretiert wird. Auch wenn es dramaturgisch absolut undurchsichtig bleibt, wieso Gunther und Gutrune nicht mitbekommen sollen, dass Siegfried von Brünnhilde kommt, die er durch Gutrunes Trank vollkommen vergisst, wird auch diese Szene musikalisch großartig umgesetzt. Wenn Siegfried dann in Gestalt Gunthers Brünnhilde erobert, tritt Gunther auf der Chorempore auf, während Bruns von der Galerie singt. Dabei legt er seinen Tenor in diesem Teil deutlich dunkler an, so dass er fast schon baritonal klingt, was die Täuschung auch musikalisch nachvollziehbarer macht.

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Brünnhilde (Catherine Foster, rechts) und Waltraute (Karen Cargill, links)

Zuvor hat Foster allerdings noch eine großartige Szene mit Karen Cargill als Waltraute. Cargill schleicht durch den Saal zu ihrer Schwester, und zunächst gibt es ein freudiges Wiedersehen zwischen den beiden, was Foster und Cargill sehr glaubhaft zelebrieren. Mit absolut klarer Diktion präsentiert Cargill dann die Erzählung der Waltraute, die Brünnhilde dazu bewegen soll, den Ring an die Rheintöchter zu geben. Doch noch will Brünnhilde nichts davon wissen, und so kommt es zum Streit zwischen den beiden, so dass Waltraute schließlich unverrichteter Dinge von dannen ziehen muss.

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Hagen (Ain Anger)

Zu Beginn des zweiten Aufzugs hat Goltz dann einen großartigen Auftritt als Alberich, der seinem Sohn Hagen im Traum erscheint. Anger sitzt als Hagen schlafend auf einem Stuhl an der Rampe, während sich Alberich auf der Chorempore heranschleicht, aber in einer gewissen Entfernung bleibt, um die Traumerscheinung deutlich zu machen. Anger scheint im Gespräch mit seinem Vater gegen seine eigenen Dämonen zu kämpfen, während Goltz seinen Sohn nur für seine eigenen Zwecke benutzen will. Musikalisch und darstellerisch geht die Szene zwischen Goltz und Anger unter die Haut, bis Anger sich schließlich befreit und seinem Vater klar macht, dass er seine eigenen Ziele verfolgen wird. Da helfen auch Alberichs letzte Worte "Sei treu!" nichts mehr. Der Herrenchor der Wuppertaler Bühnen wird in der folgenden Szene von der Kartäuserkantorei Köln unterstützt und begeistert wie auch später im dritten Aufzug durch fulminanten Klang und große Textverständlichkeit. Foster vollzieht dann im zweiten Aufzug einen Wandel zu einer rasenden Furie. Hat es zunächst noch komische Züge, wenn sie Gunther in seine Schranken weist, lässt das Terzett zwischen Foster, Anger und Goltz, in dem Brünnhilde, Hagen und Gunther Siegfrieds Tod beschließen, einen regelrechten Schauer über den Rücken laufen. Foster durchlebt als Brünnhilde die Szene mit jeder Faser ihres Körpers und glänzt durch harte Höhen. Anger hat mit schwarzem Bass noch das Gefühl, als Hagen die Zügel in der Hand zu halten, während Goltz als Gunther allmählich unsicher wird, ob wirklich für sein Recht gestritten wird.

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"Starke Scheite schichtet mir dort": Brünnhilde (Catherine Foster

Juliana Zara, Edith Grossman und Marta Herman kennt man als Rheintöchter schon aus dem Rheingold. Auch in der Götterdämmerung überzeugen sie durch homogenen Klang und nahezu einlullenden Gesang. Doch ihr Charme verfängt nicht bei Siegfried. In der folgenden Waldvogelerzählung glänzt Bruns durch helle Höhen, die absolut unangestrengt klingen, bis die Erinnerung dann zurückkommt und Hagen Siegfried hinterrücks ersticht. "Siegfrieds Tod" ist dann ein absolutes Glanzstück des Sinfonieorchesters Wuppertal, das Hahn mit dramatischer Wucht durch die Passage führt. Es kommt zum anschließenden Showdown, bei dem Hagen Gunther tötet und Gutrune am Leichnam ihres Gatten zusammenbricht, bevor Brünnhilde erscheint und dem Treiben Einhalt gebietet. Mit großer Variation präsentiert Foster den Schlussgesang Brünnhildes und changiert zwischen zarten Tönen und dramatischen Höhen. Beim Weltenbrand zieht Hahn mit dem Orchester noch einmal alle Register, was durch zahlreiche Lichteffekte im Saal und an der Decke unterstützt wird. Hagen versucht von der Galerie noch den in den Fluten untergehenden Ring zu erhaschen, doch die Rheintöchter ziehen ihn von der Galerie. So mündet alles in der Hoffnung auf eine bessere Welt, die mit den emotionalen Klängen des Orchesters zu Tränen rührt. Die Begeisterung des Publikums entlädt sich in tosendem Applaus.

FAZIT

Patrick Hahn und dieses Ring-Projekt wird an der Wupper wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist nur schade, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis gehandelt hat.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung und Lichtdesign
Patrick Hahn

Dramaturgie, Produktionsleitung und
Lichtdesign
Fabio Rickenmann

Lichtdesign
Pascal Schüller

Einstudierung Opernchor
Ulrich Zippelius

Einstudierung Kartäuserkantorei
Paul Krämer

 

Sinfonieorchester Wuppertal

Opernchor der
Wuppertaler Bühnen

Kartäuserkantorei Köln


Solistinnen und Solisten

Brünnhilde
Catherine Foster

Siegfried
Benjamin Bruns

Hagen
Ain Anger

Gunther / Alberich
Joachim Goltz

Gutrune / Dritte Norn
Sofia Fomina

Waltraute
Karen Cargill

Erste Norn
Deniz Uzun

Zweite Norn / Wellgunde
Edith Grossman

Woglinde
Juliana Zara

Floßhilde
Marta Herman

 

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



Da capo al Fine

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