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Siegfried

Zweiter Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen
Musik und Text von Richard Wagner

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 5 h 30' (keine Pause)

Konzertante Aufführung in der Historischen Stadthalle Wuppertal am 22. Februar 2026


Wuppertaler Bühnen
(Homepage)
Stimmgewaltiges "Intermezzo"

Von Claudia Stockmann / Fotos: © Sinfonieorchester Wuppertal (Yannick Dietrich)

Zwischen dem Rheingold und der Walküre vergeht inhaltlich ein ähnlich langer Zeitraum wie zwischen der Walküre und Siegfried. Zunächst muss Wotan nach dem ersten Teil der Tetralogie die Wälsungen zeugen, die ein tragisches Schicksal erleiden. Dann wird nach dem zweiten Teil Siegfried geboren und wächst elternlos im Wald bei dem missgünstigen Nibelungen Mime zu einem furchtlosen jungen Mann heran, bevor der dritte Teil beginnt. Was die Entstehung der Komposition betrifft, dauerte es ebenfalls fast 20 Jahre, bis Wagner die Partitur zum Siegfried abgeschlossen hatte und die Oper im Rahmen eines Zyklus zur Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele 1876 zur Uraufführung gelangte. 1857 hatte er nämlich nach dem Abschluss des zweiten Aufzugs die Arbeit am Siegfried abgebrochen, um sich "leichter" zu realisierenden Werken wie Tristan und Isolde sowie den Meistersingern von Nürnberg zu widmen. Als sein größter Förderer, der bayerische König Ludwig II. schließlich den Bau des Festspielhauses in Bayreuth zusicherte, nahm Wagner die Arbeit an der Komposition wieder auf und hatte eigentlich die Hoffnung, dass sein Siegfried als populärstes Ring-Stück am ehesten ein Eigenleben führen werde. Doch der scherzohafte Ton in der Musik und der märchenhafte Charakter mit seinen teilweise recht komischen Elementen führte dazu, dass Cosima Wagner das Werk in ihren Tagebüchern nur als "eine Art Intermezzo" bezeichnete, das einen starken Kontrast zu den beiden weitaus dramatischeren Teilen Die Walküre und Götterdämmerung bildet. In der Historischen Stadthalle in Wuppertal muss man nur einen Monat warten, bis Siegfried zum jugendlichen furchtlosen Helden herangewachsen ist und der dritte Teil im Rahmen der Sinfoniekonzerte unter der Leitung des  scheidenden Generalmusikdirektors Patrick Hahn präsentiert wird.

Um nicht eine rein konzertante Aufführung zu präsentieren, hat Hahn neben Fabio Rickenmann für die Dramaturgie, Produktionsleitung und besonderen Lichteffekte noch Amanda Haberpeuntner und Pascal Schüller ins Boot geholt, die neben dem musikalischen Genuss die Produktion durch szenische Elemente erweitern sollen. Wie schon in den vorangegangenen beiden Teilen wird eindrucksvoll demonstriert, wie viel mit einem geschickten Lichtdesign "gezaubert" werden kann. Als Amboss in Mimes Schmiede fungiert außerdem ein ausrangiertes Stück Schiene der Wuppertaler Schwebebahn, um der Aufführung auch noch einen lokalen Bezug zu geben. Als "Bühne" werden neben der Rampe wieder die Chorempore hinter dem Orchester, die Galerien und der ganze Saal im Parkett für Auftritte der Sängerinnen und Sänger genutzt. Beim Waldvogel, der von der oberen Galerie zu Siegfried "herabzwitschert", passt das genauso gut wie bei Brünnhilde, die auf der Chorempore dort erwacht, wo ihr Göttervater Wotan sie in der Walküre in tiefen Schlaf versetzt hat. Wieso Erda zu Beginn des dritten Aufzugs ebenfalls in der oberen Galerie auftritt, bleibt hingegen ein Rätsel, weil der Wanderer / Wotan sie ja schließlich aus tiefster Erde heraufruft. Da wäre ein direkter Auftritt vor dem Orchester passender gewesen, was den musikalischen Genuss des Abends aber keineswegs stört.

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Siegfried (Corby Welch, rechts) und Mime (Christian Elsner, links) haben Streit.

Hahn macht mit dem Sinfonieorchester Wuppertal direkt vom ersten Ton an deutlich, welch hohes Niveau hier aufgefahren wird. Das Vorspiel wird so schwarz und düster vom Orchester angesetzt, dass man im Gegensatz zu Siegfried direkt das Fürchten lernt. Da wird auch auf faszinierende Lichtspiele an der pittoresken Decke des Saals verzichtet. Hier bleibt alles dunkel und kalt. Stattdessen gibt es Lichteffekte auf der Chorempore. So erstrahlen die Pfeifen der gewaltigen Orgel in kaltem Silber, das sich mit feuerrotem Schein an der Rückwand abwechselt: Man meint, in der Schmiede des Nibelungen Mime zu sein, und spürt in dem Lichtspiel seine Mühe, ein Schwert zu schmieden, mit dem Siegfried den Drachen Fafner besiegen kann. Christian Elsner ist relativ kurzfristig für den erkrankten Cornel Frey als Mime eingesprungen, weswegen er vielleicht ein wenig häufiger einen Blick in das Libretto auf einem Notenpult wirft als die übrigen Darsteller. Sein Tenor ist weniger schneidend und näselnd, als man es bisweilen von einem Mime-Darsteller gewohnt ist, sondern klingt durchaus etwas härter, was den Zwerg als ernstzunehmenden und gefährlichen Gegner charakterisiert. Dabei bleibt er der ungezügelten Kraft eines Siegfried allerdings in jedem Moment unterlegen, was Corby Welch in der Titelpartie direkt beim ersten Auftritt mit kraftvollem Heldentenor klarstellt. Welch hat stimmlich das Potenzial für den ungehobelten Jüngling, der seinen Weg noch nicht gefunden hat und gegen seinen Ziehvater heftig rebelliert.

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Michael Kupfer-Radecky als Wanderer

Michael Kupfer-Radecky fügt seinen zahlreichen Wotan-Darstellungen nun auch die Partie des Wanderers hinzu und begeistert mit klarer Diktion und dunkler Stimmfärbung. Wie aus dem Nichts taucht er durch den Saal auf und beginnt die Fragerunde mit Mime. Sowohl bei Kupfer-Radecky als auch bei Elsner ist in dieser Szene die großartige Textverständlichkeit zu rühmen. Auch wenn man dieses Frage-Quiz dramaturgisch als absolut unnötig betrachten kann, wird es musikalisch von den beiden glanzvoll umgesetzt. Mit Lichteffekten wird versucht, in diese Szene noch ein wenig Abwechslung zu bringen. In der anschließenden Schmiedeszene laufen Elsner und Welch dann stimmlich zur Höchstform auf. Welch versucht den Prozess, auch ohne Requisiten darstellerisch anzudeuten. Sein Tenor lässt in dieser anstrengenden Szene keinerlei Schwäche erkennen, bis ein imaginäres neu geschmiedetes Schwert Nothung schließlich erstrahlt, mit dem die beiden von der Bühne in den Wald eilen, was vom Publikum mit frenetischem Applaus gefeiert wird.

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Siegfried (Corby Welch) versucht, mit dem Waldvogel in Kontakt zu treten.

Der zweite Aufzug beginnt dann bereits vor dem eigentlichen Stück. Joachim Goltz durchwandert als Alberich die Chorempore. Er befindet sich folglich schon vor dem eigentlichen Anfang des Aufzuges vor Fafners Höhle und bewacht sie. Als der Wanderer auftritt, kommt Alberich durch das Orchester nach vorne, weil er fürchtet, Wotan werde sich nicht an die von ihm selbst aufgestellten Gesetze halten. Goltz und Kupfer-Radecky liefern sich hier mit dunklem Bariton einen großartigen Schlagabtausch. Kurt Rydl tritt als Fafner hier nicht auf, sondern singt verstärkt aus dem Off mit großem Hall, was dem gewaltigen Riesenwurm noch mehr Ausdruck verleiht. Wie bei Alberichs Verwandlung im Rheingold wird durch Lichteffekte auf der Orgel eine Fratze erzeugt, die den Kopf des Riesenwurms andeutet. Beim anschließenden Waldweben verteilt sich ein grüner Lichtteppich, der zunächst nur die Chorempore angestrahlt hat, über die Decke des Saals und lässt in ein wunderbares Idyll eintauchen. Hier hört Siegfried zum ersten Mal den Waldvogel, den er mit einer aus einem Rohr geschnitzten Flöte zu imitieren versucht. Als Rohr dient ein Blasinstrument, das er vom Dirigentenpult holt. Mit großartiger Komik sucht er den Kontakt zum Waldvogel, wobei das Englischhorn im Orchester wirklich sein Bestes gibt, keinen Ton sauber zu treffen, so dass Siegfried schließlich nur das Horn bleibt. Ein Hornist tritt in der Chorempore auf und lässt mit sauberem Klang sein Instrument erschallen, was schließlich den Drachen Fafner anlockt.

Auf einen Kampf wird verzichtet. Durch das Drachenblut kann Siegfried aber anschließend die Sprache des Waldvogels verstehen. Hier hat man in Wuppertal eine fragwürdige Entscheidung getroffen und die Partie des Waldvogels mit einem Knabensopran von der Chorakademie Dortmund besetzt. Cornelius Park verfügt über einen jugendlich frischen und für sein Alter sehr kraftvollen Sopran, der für einen der drei Knaben in der Zauberflöte sicherlich grandios wäre. Bei den schnellen Läufen des Waldvogels ist er allerdings ein wenig überfordert und bleibt in der Diktion ein wenig undeutlich. Dennoch begeistert er mit keckem Spiel und zeigt sich sehr willensstark, wenn er Siegfried den Weg zum Walkürenfelsen weisen will und Siegfried immer wieder der Meinung ist, in eine andere Richtung laufen zu müssen.

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Brünnhilde (Stéphanie Müther) erwacht.

Der dritte Aufzug beginnt dann mit einem weiteren musikalischen Höhepunkt, der Szene zwischen Erda und dem Wanderer. Deniz Uzun verfügt über einen satten Mezzosopran, der in der fortschreitenden Auseinandersetzung mit Kupfer-Radecky immer mehr an Schärfe gewinnt. Kupfer-Radecky macht mit hartem Bariton deutlich, dass sich der Wanderer nicht von Erda kritisieren lässt und weist sie barsch in ihre Schranken. Das alles wird vom kämpferischen Klang des Sinfonieorchesters großartig untermalt. Während es Wotan gelingt, Erda wieder in die Tiefe zu verbannen, ist er bei seinem Enkel weniger erfolgreich. So muss er schließlich frustriert abtreten, während sich Siegfried den Weg zur schlafenden Brünnhilde bahnt. Welch verfügt auch nach knappen fünf Stunden immer noch über enorme stimmliche Reserven in den Spitzentönen. Nur bei den leiseren Tönen wirkt seine Stimme stellenweise angestrengt. Stéphanie Müther erwacht dann als Brünnhilde mit strahlendem Sopran und vollen Höhen aus ihrem jahrelangen Schlaf. Glücklich wandelt sie durch das Orchester zur Rampe, um sich dort mit Siegfried einen musikalisch großartigen Schlagabtausch zu liefern, bis die beiden sich endlich bei "leuchtender Liebe" und "lachendem Tod" glücklich in den Armen liegen. Da bricht dann auch das Publikum wie nach den beiden vorherigen Auszügen in großen Jubel aus.

FAZIT

Auch dieser Siegfried wird in Wuppertal mit einem großartigen Ensemble und einem hervorragend aufgelegten Orchester klanggewaltig umgesetzt.


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Produktionsteam

Musikalische Leitung und Lichtdesign
Patrick Hahn

Dramaturgie, Produktionsleitung und
Lichtdesign
Fabio Rickenmann
Amanda Haberpeuntner

Lichtdesign
Pascal Schüller

 

Sinfonieorchester Wuppertal


Solistinnen und Solisten

Siegfried
Corby Welch

Mime
Christian Elsner

Wanderer / Wotan
Michael Kupfer-Radecky

Brünnhilde
Stéphanie Müther

Alberich
Joachim Goltz

Fafner
Kurt Rydl

Erda
Deniz Uzun

Waldvogel
Cornelius Park
(Chorakademie Dortmund)

 

 


Weitere Informationen
erhalten Sie von den
Wuppertaler Bühnen
(Homepage)



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