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Cityring Konzerte
05.09.2025 - 07.09.2025

Operngala

Nessun dorma! Keiner schlafe!

Aufführungsdauer: ca. 2 h 35' (eine Pause)

Aufführung auf dem Friedensplatz Dortmund am 7. September 2025, 19.00 Uhr

 



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Vielversprechender Ausblick auf die kommende Saison und einiges mehr

Von Thomas Molke / Fotos: © Stephan Schütze / Jan Heinze

Während die Cityring Konzerte in den vergangenen Jahren stets mit einer festlichen Operngala eröffnet wurden, die mit dem Ensemble der Oper Dortmund unter anderem einen Ausblick auf die kommende Spielzeit bot, bildet sie in diesem Jahr erstmals den krönenden Abschluss und lockt bei spätsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf den Friedensplatz. Tags zuvor konnten Dirk Rutenhofer, der Initiator und Vorsitzende der Cityring Konzerte, gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Westphal bei der Musical-Gala den 40.000 Gast seit Beginn der Cityring Konzerte begrüßen. Und auch bei der Operngala freut man sich über einen nahezu ausverkauften Platz. Da liefert die Oper ein absolut passendes Programm. Rutenhofer weist in diesem Zusammenhang nicht nur darauf hin, dass die Oper Dortmund für ihr Programm 2023 bei den Opera Awards zum "besten Opernhaus" gekürt worden sei und dass Intendant Heribert Germeshausen mit den beiden Sparten Oper und Tanz in der vergangenen Spielzeit eine Rekordauslastung erzielt habe. Er verkündet auch voller Stolz, dass die Oper Dortmund 2026 in Kooperation mit den Bayreuther Festspielen eine Uraufführung herausbringen werde, die nach Bayreuth in der kommenden Spielzeit auch in Dortmund zu sehen sei, und dass auch der neue Ring in der Bayreuther Jubiläumsspielzeit 2026 unter Dortmunder Beteiligung entstehe. Hinzu kommt mit Jordan de Souza ein neuer Generalmusikdirektor, der nicht nur am Pult der Dortmunder Philharmoniker auf höchstem Niveau begeistere, sondern auch optisch dem Kammersänger Morgan Moody den Ruf als "größter Womanizer" streitig machen könne.

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Intendant Heribert Germeshausen (rechts) mit dem neuen Generalmusikdirektor Jordan de Sousa (links)

Natürlich wird auch an diesem Abend zunächst in einer Schweigeminute des vor einer Woche plötzlich und unerwartet verstorbenen ehemaligen Generalmusikdirektors Gabriel Feltz gedacht, der in den vergangenen Jahren die Cityring Konzerte nachhaltig geprägt hat. Doch auch bei de Souza gewinnt man schnell den Eindruck, dass er voller Ideen für die Stadt steckt und dafür brennt, sie umzusetzen. Im Gegensatz zum Galakonzert ergreift er an diesem Abend das Wort und kommt zunächst aus dem Schwärmen für die Stadt, das Orchester und das Ensemble nicht heraus. Für ihn sei es wichtig, Musik gemeinsam zu entwickeln. Das könne man als Gastdirigent kaum, weil man da häufig nicht von Anfang an bei einer Produktion beteiligt sei und somit nur bemüht sein könne, nichts kaputt zu machen. Hier komme aber jeder mit eigenen Vorstellungen in eine Produktion und so könne man gerade in der Zusammenarbeit einen jeweils ganz neuen Zugang entdecken. Und entdecken wolle er viel in den folgenden Spielzeiten. Neben neuen Konzepten wie der Konzertreihe Deep Dive, bei der er mit dem Publikum tief in scheinbar bekannte Werke der klassischen Literatur eintauchen wolle, werde es auch Late-Night-Konzerte geben, in denen er die Nähe zum Publikum suchen wolle. Oder vielleicht treffe man sich auch einfach mal zufällig im Rewe-Markt um die Ecke. Im Opernhaus wird er die Eröffnungspremiere Le nozze di Figaro, den spartenübergreifenden Ballettabend Carmina burana im Oktober und die Wiederaufnahme von Puccinis Turandot Ende November musikalisch leiten.

Nach einem fulminanten Einstieg in den Abend mit der Ouvertüre aus Verdis Nabucco geht es mit einem ersten Block aus der Eröffnungspremiere los, bei der Germeshausen kräftig die Werbetrommel rührt. Unter anderem hebt er hervor, dass die Oper Dortmund mit Anna Sohn und Sooyeon Lee über zwei Sopranistinnen verfüge, die sich in gewisser Weise ähnlich sähen, was den Rollentausch von der Gräfin mit Susanna im letzten Akt für die Inszenierung wesentlich plausibler mache, als es bei anderen Inszenierungen häufig der Fall sei. Auch stimmlich begeistern Sohn als Gräfin und Lee als Susanna mit leuchtendem Sopran. Ein wenig störend sind dabei nur die zahlreichen Nebengeräusche auf dem Platz, aber das ist eben der Nachteil einer Open Air Veranstaltung inmitten der City. Da braust auch schon einmal ein Rettungswagen mit Sirene vorbei. Mandla Mndebele wirkt in seiner Arie als Graf Almaviva noch ein wenig nervös, was die Abstimmung in den Tempi mit dem Orchester betrifft, punktet aber durch kraftvoll fließenden Bariton. Auch Kammersänger Morgan Moody weckt als Figaro mit beweglichem Bassbariton die Vorfreude auf diese Produktion.

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Artyom Wasnetsov (links) und Sungho Kim (rechts) als Mephisto und Faust in Gounods Faust mit Jordan de Sousa (Mitte) und den Dortmunder Philharmonikern

Nachdem Sooyeon Lee mit strahlenden Koloraturen die Arie der Konstanze aus Mozarts Entführung aus dem Serail präsentiert hat, die im Mai 2026 in einer Fassung für junges Publikum wieder aufgenommen wird, folgt ein Block mit Vertonungen von Goethes Faust, die in einer festlichen Operngala unter dem Titel Mein lieber Schwan ab dem 29. März 2026 zu erleben sein wird. Nach dem ungarischen Marsch aus Berlioz' La damnation de Faust präsentiert Artyom Wasnetsov die Auftrittsarie des Mefistole aus Boitos gleichnamiger Oper, die Goethes Drama von allen Vertonungen wohl am nächsten kommt. Die Arie stand bereits im letzten Jahr auf dem Programm der Opern-Gala. Damals sang sie Kammersänger Morgan Moody, wobei er sich bei den Pfiffen des Teufels Unterstützung holte. Darauf verzichtet Wasnetsov und stimmt sie selbst an, was ihm mit beeindruckender Lautstärke gelingt. Sein schwarzer Bass lässt dem Publikum nahezu das Blut in den Adern gefrieren. Nur beim "No" könnte er noch etwas diabolischer und unberechenbarer seien. Den Abschluss bilden dann zwei Auszüge aus Gounods Faust. Anna Sohn glänzt als Marguerite in der berühmten Schmuckarie durch glasklare Koloraturen und jugendliche Frische. Wasnetsov verführt schließlich als Mephisto Sungho Kim als Faust in einem wunderbaren Duett.

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Schlussapplaus mit Sonnenblume: von links: Artyom Wasnetsov, Mandla Mndebele, Sungho Kim, Sooyeon Lee, Jordan de Sousa, Dirk Rutenhofer, Thomas Westphal, Heribert Germeshausen, Anna Sohn, Daegyun Jeong, Ruth Katharina Peeck und Ks. Morgan Moody

Nach der Pause geht es mit zwei Blöcken weiter, die nichts mit der kommenden Spielzeit zu tun haben, aber Stücke enthalten, die laut Germeshausen und de Souza ebenfalls unbedingt auf einer Operngala gespielt werden sollten. Die ersten drei Stücke haben im weitesten Sinn einen Bezug zu Spanien. Nach der Eröffnung mit dem Spanischen Tanz Nr. 1 aus Manuel de Fallas La vida breve folgt ein Paradestück für jeden Tenor: "Granada" von Agustín Lara. Wenn man einen Tenor wie Sungho Kim im Ensemble hat, sollte man auf diese Nummer nicht verzichten. Kim verfügt über den tenoralen Schmelz und die kraftvollen Höhen, um dieses Stück in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Die nächste Arie stammt zwar von einem französischen Komponisten, spielt aber in Spanien: Don Quichotte von Jules Massenet. Nach einem kurzen Ausflug mit Ruth Katharina Peeck in ein Stück aus Richard Strauss' Vorspiel zu Ariadne auf Naxos und der berühmten Bariton-Arie "Mein Sehnen, mein Wähnen" aus Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt mit Daegyun Jeong geht es dann zurück in die kommende Spielzeit. Zwei Auszüge aus Turandot, einer Produktion die Ende November 2025 wieder aufgenommen wird, werden von Anna Sohn als Liù und Sungho Kim als Calàf präsentiert. Beim "Nessun dorma" lässt Kim mit strahlenden Höhen die Herzen des Publikums noch einmal höher schlagen.

Natürlich lässt das Publikum das Ensemble nach den gut zweieinhalb Stunden nicht ohne Zugabe gehen. Dafür greift man dann auf die Eröffnungspremiere aus der letzten Spielzeit zurück und präsentiert das unverwüstliche "Brindisi" aus Verdis La traviata. Die erste Strophe teilen sich dabei Sungho Kim und Daegyun Jeon, während in der zweiten Strophe mit Anna Sohn und Sooyeon Lee beide Besetzungen der Titelpartie erneut in die Rolle schlüpfen. Das Publikum schwingt beseelt mit und bedankt sich mit großem Applaus für den kurzweiligen Abend, durch den Germeshausen gewohnt abwechslungsreich, unterhaltsam und mit vielen Informationen führt.

FAZIT

Der Abend weckt die Neugier und Lust auf die kommende Spielzeit in der Oper und im Konzerthaus mit dem neuen Generalmusikdirektor Jordan de Souza.

Programm des Konzertes

Giuseppe Verdi: Nabucco
Ouvertüre

Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro (Die Hochzeit des Figaro)
"Hai già vinta la causa" (Mandla Mndebele)
"Canzonetta sull' aria" (Anna Sohn, Sooyeon Lee)
"Tutto è disposto... Aprite un po' quegli occhi" (Ks. Morgan Moody)

Wolfgang Amadeus Mozart: Die Entführung aus dem Serail
"Martern aller Arten" (Sooyeon Lee)

Hector Berlioz: La damnation de Faust
Ungarischer Marsch

Arrigo Boito: Mefistofele
"Son lo spirito che nega" (Artyom Wasnetsov)

Charles Gounod: Faust
"Air des bijoux" (Anna Sohn)
"Me voici!" (Sungho Kim, Artyom Wasnetsov)

Manuel de Falla: La fida breve
Spanischer Tanz Nr. 1

Agustín Lara
"Granada" (Sungho Kim)

Jules Massenet: Don Quichotte
"Comment peut-on penser du bien" (Ks. Morgan Moody)

Richard Strauss: Ariadne auf Naxos
"Musik ist eine heilige Kunst" (Ruth Katharina Peeck)

Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt
"Mein Sehnen, mein Wähnen" (Daegyun Jeong)

Giacomo Puccini: Turandot
"Signore, ascolta!" (Anna Sohn)
"Nessun dorma" (Sungho Kim)


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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Jordan de Souza

Moderation
Heribert Germeshausen
Jordan de Souza

Dortmunder Philharmoniker

 

Solistinnen und Solisten

Sooyeon Lee, Sopran
Anna Sohn, Sopran
Ruth Katharina Peeck, Mezzosopran
Sungho Kim, Tenor
Daegyun Jeong, Bariton
Mandla Mndebele, Bariton
Ks. Morgan Moody, Bariton
Artyom Wasnetsov, Bass


Weitere Informationen
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Cityring Konzerte
(Homepage)



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