Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Konzerte
Zur Homepage Zur Konzert-Startseite E-mail Impressum




Cityring Konzerte
05.09.2025 - 07.09.2025

Galakonzert

Aus der Neuen Welt

Aufführungsdauer: ca. 2 h 05' (eine Pause)

Aufführung auf dem Friedensplatz Dortmund am 5. September 2025, 20.00 Uhr

 



Homepage

Jazzige Rhythmen und ein Hauch vom legendären Amerika

Von Thomas Molke / Fotos: © Stephan Schütze

Bild zum Vergrößern

Dirk Rutenhofer (rechts) und Oberbürgermeister Thomas Westphal (links) eröffnen die Cityring Konzerte.

Es sollte ein Start voller Optimismus für den neuen Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker, Jordan de Souza, bei den Cityring Konzerten werden. Doch dann kam vor einer Woche die erschütternde Nachricht vom plötzlichen und unerwarteten Tod seines Vorgängers Gabriel Feltz. Kaum jemand hat in den vergangenen Jahren die Cityring Konzerte so geprägt wie Feltz. Erinnert sei beispielsweise an seine leidenschaftliche Moderation der Filmmusik-Gala zum Abschluss der Cityring Konzerte im vergangenen Jahr, bei der er das Publikum mit seiner Leidenschaft für große Filmmusik infizierte und beinahe zu wahren Cineasten machte. Oberbürgermeister Thomas Westphal würdigte ihn bei der Eröffnung in einer kurzen Laudatio als "einen von uns", der sich wie kaum ein anderer für die Kultur in und um Dortmund eingesetzt habe. Auch Dirk Rutenhofer, dem Initiator und Vorsitzenden der Cityring Konzerte, fiel es schwer, unter diesen Bedingungen den Bogen zu einem Neuanfang zu schlagen. Aber beide waren sich einig, dass es sicherlich in Feltz' Interesse gewesen wäre, dass die Kultur in Dortmund weiterhin genauso leidenschaftlich gepflegt werden müsse. Den neuen Generalmusikdirektor de Souza kündigt Rutenhofer als "wahre Granate" an, den er erstmals vor sechs Jahren bei einer Aufführung von Rossinis Barbiere di Siviglia an der Komischen Oper Berlin erlebt habe. Nun sei er mächtig stolz, dass dieser hochtalentierte Kosmopolit, der obendrein ein hervorragendes Deutsch spreche, die Leitung der Dortmunder Philharmoniker übernommen habe. De Souza sagt an diesem Abend nichts, präsentiert sich eher zurückhaltend und ein wenig schüchtern. Es bleibt abzuwarten, wie er ab der kommenden Spielzeit auf das Publikum zugehen wird und ob er eine ähnliche Bindung aufbauen kann, wie es Feltz gelungen ist.

Bild zum Vergrößern

Der neue Generalmusikdirektor der Dortmunder Philharmoniker Jordan de Souza

Als ersten Schritt hat de Souza bei den Cityring Konzerten die Reihenfolge umgestellt und startet nicht mehr am Freitag mit einer großen Operngala, in der es unter anderem einen Vorgeschmack auf die kommende Saison der Oper Dortmund mit Ensemblemitgliedern und unter der Moderation des Intendanten Heribert Germeshausen gibt, sondern mit einem Galakonzert der Dortmunder Philharmoniker, bei dem ganz der Klangkörper, der die Cityring Konzerte begleitet, im Mittelpunkt steht. Als Gäste hat er das Frank Dupree Trio eingeladen, das aus dem Pianisten Frank Dupree, dem Schlagzeuger Meinhard "Obi" Jenne und dem Kontrabassisten Jakob Krupp besteht und mit einer frischen Kombination aus klassischem Repertoire und Jazz das Publikum auf zahlreichen Bühnen Deutschlands regelmäßig zu Begeisterungsstürmen hinreißt. In den letzten Jahren hat sich Dupree auf Kompositionen des 2020 verstorbenen ukrainisch-russischen Komponisten Nikolai Kapustin spezialisiert, der als begeisterter Jazz-Fan und virtuoser Pianist eine einzigartige Stilmelange geschaffen hat.

Eröffnet wird der Abend mit der Ouvertüre aus Leonard Bernsteins Candide. Die Handlung dieser Comic Operetta basiert auf dem 1759 erschienenen Erfolgsromans Candide oder Der Optimismus des französischen Philosophen Voltaire, den dieser unter dem Eindruck des großen Erdbebens von Lissabon im Jahr 1755 niedergeschrieben hat und der die Frage aller Fragen aufwirft, ob es angesichts des unermesslichen Elends in der Welt überhaupt einen Gott gibt. Eine Meinung dazu soll die Geschichte des Optimisten Candide liefern, der zahlreiche Schicksalsschläge auf seiner Reise durch die ganze Welt erleidet und sich am Ende gemeinsam mit seiner Geliebten Cunegonde resigniert aufs Land zurückzieht, um "seinen Garten zu bestellen". In einem bunten Stilmix klingen die unterschiedlichen Stationen der Reise in der Ouvertüre bereits an und deuten mit teils heftigen Tempi-Wechseln die durch und durch verworrene Handlung an. Mit feinem Gespür führt de Souza die Dortmunder Philharmoniker durch die Klippen ständiger Stilwechsel und gibt dem Publikum damit eine gewisse Orientierung in dem Wirrwarr der Handlung.

Bild zum Vergrößern

Das Frank Dupree Trio (von links: Frank Dupree am Klavier, Jakob Krupp am Jazz-Kontrabass und Meinhard "Obi" Jenne am Schlagzeug), Jordan de Souza (Mitte) und die Dortmunder Philharmoniker

Es folgt das Frank Dupree Trio mit der Concert Rhapsody für Klavier und Orchester op. 25, die Kasputin 1976 komponierte und Dupree für das Trio und die Dortmunder Philharmoniker neu arrangiert hat. Während Kasputin das Werk für eine Jazz-Band kreiert hat, hat Dupree eine neue Fassung für ein klassisches Orchester erstellt. Das Stück beginnt mit einem Solo-Part am Klavier, in den der Jazz-Kontrabass und das Schlagzeug einsteigen. Nach dem rein jazzigen Anfang kommt das Orchester hinzu und tritt mit dem Klavier gewissermaßen in einen Dialog. Dupree zelebriert am Klavier die schnellen Läufe mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit und Leichtigkeit und setzt auch humorvolle Akzente. De Souza nimmt sich mit dem Orchester sehr zurück und überlässt dem Trio den Großteil der Bühne.

Pate hat für Duprees Arrangement George Gershwins berühmte Rhapsody in Blue aus dem Jahr 1924 gestanden, die auf kongeniale Weise Jazz und Blues mit großer Sinfonik verbindet. De Souza entwickelt mit den Dortmunder Philharmonikern spannende Tempi, die man so aus zahlreichen CD-Aufnahmen nicht kennt und das Werk daher in einem völlig neuen Anstrich erscheinen lassen. Auch Dupree trägt mit seinem Trio zu diesem frischen Klang einiges bei, so dass es im Anschluss tosenden Applaus des Publikums gibt. Nach der Pause fällt das Konzert allerdings ein wenig ab. De Souza hat inhaltlich passend Dvořáks 9. und letzte Sinfonie Aus der neuen Welt ausgewählt, die ähnlich "amerikanisch" klingt wie Bernstein und Gershwin. Vielleicht ist aber die Open-Air-Atmosphäre nicht geeignet für diese Sinfonie, die bisweilen sehr leise Töne anschlägt, bevor sie zu fulminantem Klang aufbraust. Um den Friedensplatz herum gibt es leider nach der Pause enorm viele Störgeräusche von lärmenden Passantinnen und Passanten, die den musikalischen Genuss schmälern. Auch weisen die vier Sätze bei aller musikalischer Schönheit einige Längen auf, die man bei den schnellen Abläufen im ersten Teil des Abends so nicht empfunden hat. Vielleicht wäre hierfür das Konzerthaus als Aufführungsort geeigneter gewesen.

Aber de Souza hat vielleicht gerade dieses Werk ausgewählt, um auch ein nicht klassik-affines  Publikum anzusprechen, da Dvořáks Musik an vielen Stellen schon beinahe Blockbuster-Charakter von legendären Westernfilmen hat. Die Dortmunder Philharmoniker begeistern auch bei Dvořáks Sinfonie durch punktgenaues Spiel und harmonieren mit de Souza als neuem Generalmusikdirektor wunderbar, so dass de Souzas Einstieg trotz belastender Ereignisse als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus.

FAZIT

Jordan de Souza setzt im ersten Galakonzert im Rahmen der Cityring Konzerte bewusst andere Akzente. Wie diese vom Publikum auf lange Sicht angenommen werden, bleibt abzuwarten.


Ihre Meinung
Schreiben Sie uns einen Leserbrief
(Veröffentlichung vorbehalten)

Ausführende

Musikalische Leitung
Jordan de Souza

Klavier
Frank Dupree

Drum Set
Meinhard "Obi" Jenne

Jazz-Kontrabass
Jakob Krupp

Dortmunder Philharmoniker

 

Werke

Leonard Bernstein
Ouvertüre zu Candide

Nikolai Kapustin
Concert Rhapsody für Klavier
und Orchester op. 25

George Gershwin
Rhapsody in Blue

Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95
Aus der Neuen Welt
I. Adagio - Allegro molto
II. Largo
III. Scherzo. Molto vivace
IV. Allegro con fuoco



Weitere Informationen
erhalten Sie unter
Cityring Konzerte
(Homepage)



Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Konzert-Startseite E-Mail Impressum
© 2025 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de
E-Mail: konzerte@omm.de

- Fine -