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Meisterwerk meisterhaft umgesetzt Von Thomas Molke / Fotos: © Julia Unkel Die festliche Saisoneröffnung im Konzerthaus Dortmund hatte man sich sicherlich anders vorgestellt. Doch die Vorfreude auf die neue Spielzeit wurde überschattet vom plötzlichen Tod des ehemaligen Generalmusikdirektors der Oper Dortmund Gabriel Feltz, der zum Ende der vergangenen Spielzeit an die Oper Kiel gewechselt war. Intendant Raphael von Hoensbroech würdigte seine kulturellen Verdienste in und um Dortmund und bezeichnete das Konzerthaus als Feltz' "zweites Wohnzimmer", in dem er an zahlreichen Abenden mit den Dortmunder Philharmonikern nachhaltige Erinnerungen hinterlassen habe. Auch Kulturministerin Ina Brandes und Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal gaben zu, bei dieser Nachricht eigentlich nicht in der Stimmung für einen großen Opernabend gewesen zu sein. Doch dann hätten sie sich überlegt, dass man einen Menschen, der wie Feltz für die Musik gelebt habe, kaum besser würdigen könne als mit einem großartigen Opernabend. Und der war mit der halbszenischen Aufführung von Mozarts Zauberflöte in einer hochkarätigen Besetzung in jeder Hinsicht garantiert. Nicht verwunderlich war es daher, dass das Konzert bereits Wochen im Voraus ausverkauft war. Tarmo Peltokoski mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Dafür dürfte nicht allein Mozarts Meisterwerk der Grund gewesen sein, das zu den am meisten gespielten Werken des Musiktheaters zählt, sich mit seinen eingängigen Melodien bei Jung und Alt großer Beliebtheit erfreut und gerne als prädestinierter Einstieg in die Welt der Oper betrachtet wird. Auch die Besetzung dürfte als Publikumsmagnet fungiert haben, allen voran der junge aufstrebende finnische Dirigent Tarmo Peltokoski, den man sich als Exklusivkünstler für die nächsten drei Spielzeiten ans Konzerthaus geholt hat, wo er neben weiteren Konzerten auch als Gesprächspartner im "Salon" und als Kammermusiker am Klavier zu erleben sein wird. Was er mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen aus Mozarts Partitur herausholt, sucht seinesgleichen. Selten hat man den Wechsel in der Ouvertüre von den getragenen Tönen der Bläser zum leichten Lauf der Streichinstrumente so differenziert gehört wie an diesem Abend. Dabei lässt sich Peltokoski zunächst viel Zeit, um den hehren Klang von Sarastros Bruderschaft getragen hervorzuheben, und wechselt dann in ein leichtfüßiges Spiel, das die Welt Papagenos charakterisiert. Aber Peltokoski gelingt es nicht nur, mit dem Orchester die musikalisch unterschiedlichen Sphären des Stückes lautmalerisch herauszuarbeiten. Er wird auch selbst Teil der Inszenierung, wenn er beispielsweise die drei Damen der Königin in ihre Schranken weist, wenn sie sich zu sehr zum schönen Prinzen Tamino hingezogen fühlen. Auch Papagenos Glockenspiel, das von einer Orchestermusikerin nahezu personifiziert dargestellt wird, weist er auf ihren Posten, nachdem er selbst das Instrument einen kurzen Moment gespielt hat. Das sind nur ein paar der humorvollen Einfälle, die Romain Gilbert für seine halbszenische Umsetzung der Oper hat und die dem Stück vielleicht inhaltlich näher kommt als manche Aufführung des modernen Regietheaters. Dafür benötigt man weder eine große Bühne mit Bühnenbild noch aufwändige Kostüme, um die Geschichte hautnah erleben zu lassen. Als Schlange lässt Gilbert die drei Knaben mit einer weißen Maske und einem großen Spiegel auftreten. So scheint Tamino gewissermaßen vor sich selbst zu fliehen. Mit Wolfsmasken treten die drei Knaben dann auch am Ende wieder auf, wenn sie die Königin der Nacht, ihre drei Damen und Monostatos aus dem Tempel der Weisheit jagen, den diese zu zerstören versuchen. Als Requisiten reichen die Zauberflöte, ein Bildnis Paminas, ein Dolch und ein Stuhl, auf den sich Papageno kurz vor Ende stellt, um sich in seiner Verzweiflung zu erhängen. Dies alles wird durch eine ausgefeilte Lichtregie von Hervé Gary unterstützt, die mit unterschiedlichen Farben vor allem bei den zu bestehenden Prüfungen arbeitet und die Scheinwerfer geschickt auf der Bühne verteilt hat. So vermisst man bei dieser halbszenischen Aufführung wirklich nichts. Tamino (Mauro Peter, links) trifft auf Papageno (Äneas Humm, rechts). Die Sängerinnen und Sänger beweisen in diesem Ambiente nicht nur absolute Spielfreude, sondern bewegen sich auch musikalisch auf Top-Niveau. Mauro Peter ist ein wunderbarer Prinz Tamino mit einem lyrisch fließenden Tenor, der in den Höhen bezaubernd weich klingt. Schon bei seinem ersten Auftritt begeistert er mit klaren Tönen und großartiger Textverständlichkeit. So wird auch seine Arie "Dies Bildnis ist bezaubernd schön" zu einer Glanznummer des Abends, bei der die Sehnsucht nach Pamina offensichtlich wird. Einen wunderbaren Kontrast zu diesem hehren Prinzen bietet Äneas Humm als Papageno. Er punktet mit spielerischem Buffo-Bariton und hat den Schalk im Nacken, wenn er in herrliches Schweizerdeutsch verfällt, mit einer Dame im Publikum flirtet oder mal kurz "The Sound of Silence" anstimmt. Mit großer Leichtigkeit und lebhaftem Spiel präsentiert er sich in seiner Auftrittsarie "Der Vogelfänger bin ich ja". Mit Miriam Kutrowatz als Papagena hat er eine kongeniale Partnerin, die zunächst mit Maske als alte Frau auftritt und sich dann als wunderschönes Mädchen entpuppt. Im Duett "Pa-Pa-Pa" finden die beiden wunderbar zueinander. Die Königin der Nacht (Kathryn Lewek, rechts) setzt ihre Tochter Pamina (Elsa Dreisig, links) unter Druck. Elsa Dreisig verfügt als Pamina über einen warmen Sopran, der die Güte der Tochter der Königin der Nacht unterstreicht. Das Duett mit Humm, "Bei Männern, welche Liebe fühlen", avanciert in der innigen Interpretation der beiden zu einem weiteren musikalischen Höhepunkt des Abends. Große Verzweiflung lässt sie spüren, wenn ihre Mutter sie zum Mord an Sarastro zwingen will. Ihre Arie "Ach, ich fühl's" geht mit samtenen Höhen unter die Haut. Einen großen Kontrast dazu bietet Kathryn Lewek als Königin der Nacht. Die Koloraturen setzt sie messerscharf und auf den Punkt an. Dabei schraubt sie sich mit enormer Kraft in exorbitante Höhen empor. In "Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen" klingt jede einzelne Koloratur wie ein Stich, den ihre Tochter Sarastro versetzen soll. Da verwundert es nicht, dass Lewek in den vergangenen Jahren diese Partie mehr als 300 Mal an führenden Häusern weltweit gesungen hat. Auch in ihrer ersten Arie "Zum Leiden bin ich auserkoren" lässt sie in den Höhen anklingen, dass die Königin der Nacht nicht die positive Figur ist, als die sie zunächst wahrgenommen wird. Silja Aalto, Iris van Wijnen und Marie Seidler glänzen als drei Damen der Königin mit sehr unterschiedlichen Stimmfarben und komödiantischem Spiel. Andreas Conrad gibt mit hellem Tenor einen durch und durch bösen Monostatos. Manuel Winckhler gestaltet den Sarastro mit profunden Tiefen sehr milde. Die drei St. Florianer Sängerknaben überzeugen nicht nur durch herrliche Harmonie in den jungen Stimmen, sondern verleihen den drei Knaben darstellerisch etwas Modernes und Freches, was sie als durchaus gegenwärtige Figuren ausweist. Marcell Bakonyi, Martin Logar und Maximilian Fieth runden das Ensemble als Priester und Geharnischte mit klarer Diktion ab, so dass man in den meisten Fällen die Übertitel gar nicht benötigt hätte. Die Sängerinnen und Sänger des Chorwerk Ruhr überzeugen als Priester und Eingeweihte des Tempels mit homogenem Klang und dürfen auch ein wenig Komik versprühen, wenn Papageno sie als wilde Tiere zu seinem Glockenspiel tanzen lässt. So gibt es am Ende großen Jubel und stehende Ovationen für eine meisterhafte Umsetzung eines Werkes, und der Abend kann auch als verdiente Hommage an den viel zu früh verstorbenen Gabriel Feltz verstanden werden. FAZIT Die halbszenische Aufführung der Zauberflöte kommt dem Stück näher als manche szenische Produktion der Oper und begeistert musikalisch durch ein großartiges Ensemble.
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Ausführende
Musikalische Leitung
Regie
Lichtdesign
Die Deutsche
Chorwerk Ruhr
St. Florianer Sängerknaben
Tamino Pamina Königin der Nacht Papagena Papageno Monostatos Sarastro Erste Dame Zweite Dame Dritte Dame Erster Geharnischter Sprecher / Zweiter Geharnischter Zweiter Priester Erster Knabe Zweiter Knabe Dritter Knabe
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