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Musikfestspiele
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Salzburger Festspiele 2026

Ariadne auf Naxos

Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel
Libretto von Hugo von Hofmannsthal
Musik von Richard Strauss

in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2h 45' (eine Pause)


Premiere am 2. August 2026 im Haus für Mozart Salzburg
(rezensierte Aufführung: 7. August 2026)

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Salzburger Festspiele
(Homepage)

Und danach eine Explosion ...

Von Joachim Lange / Fotos © Salzburger Festspiele / Thomas Aurin

Bei den Salzburger Festspielen gehört Ariadne auf Naxos quasi zum Kernrepertoire. Nicht nur weil hier mit Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal gleich zwei zentrale Künstler der Festspiele am Werk waren. Wohl auch, weil die Mischung aus anspruchsvoller Heiterkeit und augenzwinkernden Pathos dieses Opernmischlings bestens ins Anspruchsprofil der Festspielgäste an der Salzach passt. In der einer der Vorgänger-Inszenierungen hatten Jossi Wieler und Anna Viebrock vor 25 Jahren das Foyer des Festspielhauses selbst zum Teil ihrer Bühne gemacht. In der aktuellen Inszenierung hat sich Ersan Mondtag rein räumlich galaktisch weit davon entfernt. Er hat obendrein der Komödie im Stück noch einen Prolog und einen Epilog im Umfeld hinzugefügt. Dass Elīna Garanča ihre vorgesehene Mitwirkung zurückgegeben hat, weil sie keinen Zugang zur Rolle gefunden hat, mag ihr gutes Recht sein. Dass der Regisseur nach dem Buhsturm für ihn bei der Premiere danach zurückgebolzt hat, war dagegen schon etwas apart. Gerade für jemanden, der in Bayreuth für den Parsifal, in Wien gar für den Ring auf der Agenda steht.

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Auch auf dem Mars gilt es, zwei Stücke auf einmal zu bringen

Im Haus für Mozart hat der selbstbewusste Gesamtkunstwerker, Regisseur und Ausstatter in einem, das Stück kurzerhand auf den Mars verlegt. Der reichste Mann von Wien brauchte in der Geschichte keinen Namen, der reichste Mann der Welt hat einen. Und die Hybris-Flause einer Reise zum Mars im Kopf. Was gar keine so schlechte Idee ist, weil die Welt dann ein mächtiges Problemgroßmaul los wäre. Kann gut sein, dass die heftige Ablehnung der Inszenierung durch das Premierenpublikum vor allem an dieser Schauplatzverlegung gelegen hat.

Aber eine so exemplarische Bruchlandung wie die von Doris Dörrie in München mit ihrem Rigoletto auf dem Planeten der Affen war diese Mars-Expedition nicht. Das Konzept denkt nur nicht von jenem Anfang her, bei dem die Komödie im Wiener Ambiente ihren Charme entfaltet. Hier ist das Ganze eher von der tragischen Oper im Stück her gedacht, wo ja tatsächlich zigmal von Göttern, Sternen und sonderbaren Reisen jenseits irdischer Alltäglichkeit die Rede ist. Und wenn es Götter gäbe und die auf Reisen gingen, wären heute wohl diverse Science-Fiction-Kreationen die angemesseneren Schiffe bzw. Fluggeräte. Ein paar eindrucksvolle Exemplare davon fliegen am Fenster der Lounge auf dem Mars vorbei, in der die Oper aufgeführt werden soll. Also so ganz aus der Luft bzw. den unendlichen, luftleeren Weiten gegriffen ist diese Metaphorik nicht. Wobei man sich dann aber doch ein paarmal fragt, ob der Blick nach draußen nicht doch mehr ein Fake für die drinnen ist. Da wechselt nämlich der Blick auf den Flugverkehr mit dem auf flatternden Vögeln in kitschig schönen Landschaften.

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Ariadne und die personifizierten Facetten ihrer Persönlichkeit

Immerhin lässt Mondtag die Struktur des Stückes intakt. Da, wo er eingreift, macht es sogar Sinn. Bei Zerbinettas Flirt mit dem jungen Komponisten etwa. Während die Vorstellung der Oper im Stück schon läuft, und dabei immer noch von vielen Seiten eingegriffen und daran heruminszeniert wird, agiert der Komponist (stumm) in der Rolle Ariadnes. Zerbinetta meint aber wahrscheinlich eh den jungen Mann. Der sich hier freilich - ganz zeitgeistig - sichtbar als Frau entpuppt. Der Mars und Mondtag machen möglich. Und völlig unsinnig ist das auch nicht.

Ansonsten bleiben der Rahmen kosmisch verfremdet und die tragische Oper über die trauende Frau, die den Tod erwartet und einen Liebhaber trifft, das, was sie ist. Vor allem ein grandioses Aneinandervorbei-Reden. Wobei das tanzende und sich miteinander vergnügende Zusatzpersonal und die martialisch dreinblickende Mars-Security dazu neigen, des Aktionistischen zu viel zu tun. Wegen der permanenten Tanzeinlagen können sich Zerbinettas Liebhaber (und Kollegen) bei ihrem Auftritt auch mal wie die Sänger von Kraftwerk - jeder hinter einem Designerpult - an der Rampe postieren und sich Leon Košavić (Harlekin), Michael Porter (Scaramuccio), Lukas Enoch Lemcke (Truffaldin) und Theodore Browne (Brighella) mit vokaler Verve in Szene setzen.


Vergrößerung in neuem Fenster Der Gott als Raumfahrer

Nach allerlei zappelndem und erotischem Gewusel haben Ariadne (Christina Nilsson) und der raumfahrtgerecht uniformierte Bacchus (Eric Cutler) die Bühne für ihren großen Auftritt für sich und nutzen ihn für effektvoll mitreißendes stimmliches Ausufern im Strauss-Quadranten des Opernuniversums. Der Raum ähnelt einer sängerfreundlichen Konzertmuschel mit kleiner Showtreppe in der Mitte, Bögen und Galerien. Der Clou ist das Panoramafenster im Hintergrund, das, je nach Bedarf, den Blick auf die Marsoberfläche oder ins All freigibt. Wenn dann am Ende der Haushofmeister (Johannes Silberschneider) mit diabolischer Freude anstelle des Feuerwerks jenes Raumschiff explodieren lässt, in dem Bacchus und Ariadne gerade gestartet sind, und daraus ein glühender Feuerball wird, dann hebt die Inszenierung doch noch ab. Man darf da ruhig an die abgründigen Machtfantasien des Möchtegern-Mars-Aussiedlers denken …

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Eine Reise ins Ungewisse

Musikalisch bleiben Manfred Honeck und die Wiener Philharmoniker aber in irdischen Gefilden. Und zwar so, dass die Sänger weder mit ihrem Parlando im kammermusikalischen Klangblumenmeer noch beim großen Aneinander-Vorbeireden von Ariadne und Bacchus in den aufrauschenden Orchesterwogen untergehen. Ziyi Dai bekommt für ihre Zerbinetta-Koloraturen den obligaten Szenenapplaus. Kate Lindsey vermag es, den Komponisten nicht nur szenisch, sondern auch mit der stimmlichen Präsenz herauszustellen. Bei Jasmin Delfs, Anja Mittermüller und Marlene Metzger als Najade, Dryade und Echo kommen zu ihren Gesangspartien noch besonders fantasievolle Kostüme. Christoph Pohl und Jonas Hacker als Musiklehrer und Tanzmeister überzeugen als vernünftige Pragmatiker, auch auf dem Mars. Alle Akteure wurden bejubelt. Der Buhsturm für's Regieteam hing nur noch wie ein imaginäres Echo im Zuschauerraum, bzw. hallte in den Pausengesprächen wider.


FAZIT

Mit Ariadne auf Naxos ging ein musikalisches Schmuckstück mit szenische Blessuren durchs Ziel. Seine musikalische Seite wurde gefeiert.






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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Manfred Honeck

Regie, Bühne, Kostüme
Ersan Mondtag

Licht
Franck Evin

Video
Alexander Pannier

Choreographie
Ashley Alexandra Wright

Dramaturgie
Till Briegleb



Wiener Philharmoniker


Solisten

Der Komponist
Kate Lindsey

Primadonna / Ariadne
Christina Nilsson

Der Tenor / Bacchus
Eric Cutler

Zerbinetta
Ziyi Dai

Der Haushofmeister
Johannes Silberschneider

Ein Musiklehrer
Christoph Pohl

Ein Tanzmeister
Jonas Hacker

Ein Perückenmacher
Blaž Stajnko

Ein Lakai
Fabian-Jakob Balkhausen

Harlekin
Leon Košavić

Scaramuccio
Michael Porter

Truffaldin
Lukas Enoch Lemcke

Brighella
Theodore Browne

Najade
Jasmin Delfs

Dryade
Anja Mittermüller

Echo
Marlene Metzger

Ein Offizier
Fabio Dorizzi


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