Rossini Opera Festival
Pesaro
11.08.2026 - 23.08.2026
Von Thomas Molke
Zum 47. Mal findet in diesem Jahr in dem kleinen beschaulichen Pesaro an der
Adria das Rossini Opera Festival statt, mit dem die Stadt jedes Jahr
im August ihren wohl berühmtesten Bürger feiert. Gewidmet ist das Festival
den bekannten und unbekannten Werken des Pesaresen.
Als Spielort dient zum einen das Teatro Rossini im Zentrum der Altstadt, das
1673 als Teatro del Sole gebaut wurde. 1818 wurde es in seiner jetzigen Form
neu errichtet und erhielt 1855 seinen Namen. 1980 wurde das Theater
restauriert und bietet nach einer weiteren Renovierung in den vergangenen
Jahren mittlerweile bis zu 800 Personen Platz. Zum anderen wurde 2024 das ehemalige "Palazzetto" als Auditorium Scavolini nach
vielen Jahren wiedereröffnet und ersetzt die in den letzten Jahren
genutzte, außerhalb der Stadt gelegene Vitifrigo Arena. Während die moderne
Mehrzweckhalle ca. 1200 Personen für Opernaufführungen aufnehmen konnte,
bietet das Auditorium Scavolini bis zu 1500 Besucherinnen und Besuchern
Platz.

Das Auditorium Scavolini
Die Eröffnungspremiere findet in diesem Jahr am
11.
August 2026 um 19.00 Uhr im Auditorium Scavolini
statt. Auf dem Programm steht eine Neuproduktion der Tragédie lyrique
Le Siège de Corinthe, die in Pesaro
zuletzt 2017 in einer Inszenierung der katalanischen Theatergruppe La Fura
dels Baus zu sehen
war.
Bei dem 1826 in Paris uraufgeführten Stück handelt es sich um die
Überarbeitung von Rossinis 1820 erschienenen ernsten Oper Maometto II für
die französische Oper. Dabei änderte er nicht nur die Musik komplett
um und passte sie der französischen Prosodie an, sondern verlegte auch die Handlung von der venezianischen Kolonie Negroponte
auf Euböa im Jahr 1470 nach Korinth. Die französische Fassung erfreute sich
so großer Beliebtheit, dass sie in den Folgejahren auch unter dem Titel
L'assedio di Corinto in Italien mit großem Erfolg lief.
Die Partie des osmanischen Sultans und Eroberers Mahomet II übernimmt der Bass
Adrian Sâmpetrean. Als von Mahomet II geliebte Pamyra kehrt Vasilisa
Berzhanskaya zurück. Ihr Vater Cléomène und ihr Verlobter Néoclès werden von
Matteo Roma und Maxim Mironov interpretiert. Für die Regie zeichnet Davide
Livermore verantwortlich, der auch das Bühnenbild mitgestaltet.
Musikalisch begleitet wird der Abend vom Orchestra del Teatro Communale di
Bologna unter der Leitung von Carlo Rizzi. (Weitere Aufführungen:
14., 17. und 21. August 2026 jeweils um 19.00 Uhr)

Das Teatro Rossini von außen
Als Wiederaufnahme folgt am 12. August 2026 um
20.00 Uhr im Teatro Rossini die Farsa
L'occasione fa il ladro,
die Jean-Pierre Ponnelle 1987 ein Jahr vor
seinem Tod für das Festival in einer Inszenierung einrichtete, die
mittlerweile Kultstatus genießt und zuletzt 2013 in Pesaro zu erleben war
(siehe auch
unsere
Rezension). Für die Einstudierung zeichnet Sonja Frisell
verantwortlich. Die beiden
Buffo-Partien des Don Parmenione, der aufgrund des vertauschten Koffers
beschließt, sich als Berenices Bräutigam Alberto auszugeben, und
seines Dieners Martino werden von Matteo Mancini und Giuseppe Toia
übernommen. Als pfiffige Berenice wird Damiana Mizzi den beiden Herren die
Suppe gehörig versalzen. Den jugendlichen Liebhaber Alberto gibt der Tenor
Dave Monaco. Als Ernestina, die mit Berenice die Rollen tauscht, ist
Martiniana Antonie zu erleben.
Musikalisch begleitet
wird die Produktion vom Orchestra Sinfonica G. Rossini unter der Leitung
von Alessandro Bonato. (Weitere Aufführungen: 15. und 20. August 2026 jeweils um 20.00 Uhr
und am 18. August 2026 um 12.00 Uhr)
Als weitere Wiederaufnahme gibt es dann im Teatro Rossini am 13. August 2026
um 20.00 Uhr Rossinis Farsa La scala di seta, die
in der Inszenierung von Damiano Michieletto 2009 erfolgreich Premiere
feierte und
2011 wieder aufgenommen wurde (siehe auch
unsere
Rezension). Paolo Bordogna übernimmt wie schon bereits 2011 die
Buffo-Partie des Dieners Germano. Die Partie der Giulia, die jede Nacht
ihren heimlichen Ehemann Dorvil über eine seidene Leiter in ihrem Zimmer
empfängt, wird von Hasmik Torosyan interpretiert. Alasdair Kent ist als
Dorvil zu erleben, während sich Iurii Samoilov als Blansac weiter Hoffnungen
auf eine lukrative Ehe mit Giulia macht, stattdessen aber mit Mara Gaudenzi
als Giulias Kusine Lucilla verkuppelt werden soll. Die
musikalische Leitung des Orchestra del Teatro Communale di Bologna liegt in
den Händen von Iván López-Reynoso. (Weitere Aufführungen: 16., 19. und 22. August 2026 jeweils um 20.00 Uhr)
Natürlich dürfen auch die beiden Vormittagsaufführungen von
Il viaggio a Reims nicht fehlen, die im
Teatro Rossini stattfinden und von Sängerinnen und Sängern der Accademia Rossiniana bestritten werden, die
im Juli in einem Wettbewerb ausgewählt worden sind. (Termine: 16. und
19.
August 2026 jeweils um 11.00 Uhr)
Juan Diego Flórez feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum mit einer
großen Gala am 18. August 2026 um 20.00 Uhr im Auditorium Scavolini. Zu
hören sind Werke von Rossini, Gounod, Massenet, Offenbach und Donizetti.
Musikalisch begleitet wird der Abend vom Orchestra del Teatro Communale di
Bologna unter der Leitung von Guillermo García Calvo.
Ergänzt wird das
Festival außerdem um weitere Konzerte und Recitals im Teatro Rossini,
unter anderem mit
Matteo Mancini
und Giuseppe Toia, Dave Monaco, Adrian Sâmpetrean sowie Simón Orfila. Zum Abschluss gibt es dann am 23.
August 2026 um 20.30 Uhr im Auditorium Scavolini Rossinis Stabat mater
unter der musikalischen Leitung von Domingo Hindoyan. Die Aufführung wird wieder per Livestream auf die
Piazza del Popolo übertragen.
Weitere Informationen finden Sie unter
www.rossinioperafestival.it.