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Musikfestspiele
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Festival Alte Musik Knechtsteden

19.09.2026 - 26.09.2026

Globe Baroque - Traumstoff

Eine Wort-Musik-Collage mit Sonetten und Monologen von William Shakespeare sowie freien Improvisationen, Instrumentalmusik und Lute Songs von John Dowland, Johann Sebastian Bach, Henry Purcell, Antonio Vivaldi u.  a.

in englischer und deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1 h 15' (keine Pause)

Aufführung im Globe Neuss am 24. September 2026

 

 

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Der Stoff aus dem die Träume sind

Von Thomas Molke / Fotos: © Michael Rathmann

Zweimal fand in Kooperation mit dem Festival Alte Musik Knechtsteden im Globe auf dem Gelände an der Rennbahn in Neuss die Sommeroper im Globe statt, zuletzt 2023. Dann stand die 1991 errichtete maßstabsgetreue Verkleinerung des Londoner Globe-Theaters, in dem jeden Sommer das Shakespeare Festival mit internationalen und nationalen Theatergruppen die Fans des Schwans von Stratford-upon-Avon nach Neuss lockt, wegen Renovierungsgründen nicht zur Verfügung. In diesem Jahr gibt es zwar keine Barockoper, aber Dorothee Oberlinger, Artist in Residence beim Festival Alte Musik Knechtsteden, hat beschlossen, im Rahmen des Festivals die pittoreske Bühne für eine Veranstaltung zu nutzen, die die Texte von Shakespeare mit Barock-Musik verbindet. Herausgekommen ist dabei eine "Wort-Musik-Collage" mit Texten von Shakespeare und Musik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Gemeinsam mit dem Schauspieler Matthias Brandt als Sprecher, dem Countertenor Andreas Scholl als Sänger und dem Lautenisten Edin Karamazov als Instrumentalisten lädt sie dabei zum Träumen ein.

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von links: Andreas Scholl, Edin Karamazov, Dorothee Oberlinger und Matthias Brandt

An einem großen, antik anmutenden Holztisch nehmen die vier auf der Bühne Platz und bieten ein abwechslungsreiches Programm, das bruchlos von gesprochenen Texten in Musik und oder Gesang übergeht. Eine Art Rahmen bildet Shakespeares letztes vollständiges Stück The Tempest (Der Sturm). Darin führt der zu Unrecht aus Mailand vertriebene Herzog Prospero mit Zauber und Musik seine ehemaligen Peiniger über eine geheimnisvolle Insel, auf der sie nach einem Sturm gelandet sind. Nachdem sich Brandt zunächst absolut bescheiden mit dem Sonett Nr. 23 als "unvollkommener Spieler" vorgestellt hat, schlüpft er in die Rolle des Caliban, eines Einheimischen auf der Insel, der aus Rache gegen seine Unterdrückung eigentlich nichts Gutes bei Shakespeare im Schilde führt. Die zitierte Passage stammt aus der Begegnung mit den beiden Trunkenbolden Stefano und Trinculo, von denen Caliban sich erhofft, dass sie die Herrschaft über die Insel übernehmen. Dazu versichert er ihnen, dass sie keine Angst vor den Geräuschen haben müssen, da die Insel "voller Klang" sei. Hier setzt Oberlinger mit leisen, etwas hektischen Tönen an der Blockflöte ein, um den gesprochenen Text zu untermalen.

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Andreas Scholl

Von der Einleitung geht es in Henry Purcells "Music for a while" über, das die Funktion der Musik damit beschreibt, den Menschen alle Sorgen zu nehmen. Mit weichem Countertenor setzt Scholl diesen Song an und wird dabei bewegend von Karamazov an der Laute begleitet. Damit werden die leicht unruhig flackernden Momente der Blockflöte vom Beginn relativiert. Oberlinger hat mehrere Blockflöten vor sich auf dem Tisch liegen, um für jeden musikalischen Beitrag genau die richtige Stimmung herauszufiltern. So wechseln sich zunächst gesprochene Texte von Brandt, der mit einer ausdrucksstarken Diktion begeistert, mit von Scholl mit weicher Stimmführung gesungenen Songs und Instrumentalstücken ab, in denen Oberlinger die diversen Blockflöten in einen herrlichen Dialog mit Karamazovs Laute führt. Das Publikum lauscht im Saal gebannt, bis es sich schließlich zum ersten Zwischenapplaus hinreißen lässt. In einem Auszug aus Shakespeares Twelfth Night (Was ihr wollt) finden nämlich alle vier zusammen. Die Worte des Narren "Als ich ein Bub war, ganz klein und noch dumm" sind von einem anonymen Komponisten des 16. Jahrhunderts vertont worden. Während Scholl den englischen Text begleitet von Karamazov und Oberlinger singt, liefert Brandt in gekonntem Sprechgesang die Übersetzung und sorgt mit der vorsichtigen Hinterfragung des Textes für eine enorme Komik.

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Matthias Brandt

Natürlich darf an diesem Abend auch der berühmte Monolog des Jaques aus As You Like It (Wie es euch gefällt) nicht fehlen. "Die ganze Welt ist Bühne" wird von Brandt sehr gekonnt mit viel Liebe zum Detail vorgetragen. So lässt er vor dem geistigen Auge des Publikums die verschiedenen Lebensstationen der "Spieler" erscheinen und erntet erneut verdienten Szenenapplaus. Danach wird die musikalische Barockzeit für einen kurzen Moment verlassen und Karamazov und Oberlinger springen ins 20. Jahrhundert. Was für Töne Oberlinger bei Luciano Berios Gesti aus der Blockflöte herausholt und welche Tempi sie dabei anschlägt, ist nahezu unglaublich. Man muss diese musikalische Passage nicht schön finden, aber kunstvoll ist sie auf jeden Fall. Teilweise hat man das Gefühl, das sich das Instrument selbst zur Wehr setzt und einen Kampf mit Oberlinger führt, den Oberlinger allerdings für sich entscheiden kann.

Mit dem sehr melancholischen "In darkness let me dwell" von John Dowland leitet Scholl den Lebensabend ein. Die trübe Stimmung wird von einem Auszug aus Antonio Vivaldis Le quattro stagioni - L'autunno (Der Herbst) unterbrochen. Wie Oberlinger mit der Blockflöte und Karamazov an der Laute quasi ein ganzes Orchester ersetzen und den Auszug voller Inbrunst interpretieren, ist ebenfalls bemerkenswert. Nach dem "Abendlied" von Adam Krieger beendet Brandt nun in der Rolle als Prospero das Spiel mit dem großen Abschlussmonolog. Danach wird noch einmal der Narr aus Twelth Night aufgegriffen. Dieses Mal singen alle vier gemeinsam die letzte Strophe des Liedes. Das Publikum bedankt sich mit großem Applaus.

FAZIT

Mit ansprechenden Texten und einer spannenden Musikauswahl zeigen Dorothee Oberlinger, Andreas Scholl, Matthias Brandt und Edin Karamazov, wie viel Musik in Shakespeares Texten steckt.


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Ausführende

Sprecher
Matthias Brandt

Countertenor
Andreas Scholl

Blockflöten
Dorothee Oberlinger

Laute
Edin Karamazov



 
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