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Ein Abschiedskonzert mit Witz statt Wehmut
Von Stefan Schmöe / Fotos von Christian Palm
Die Frau hat Humor: Der Schlussakkord der letzten der Sieben Bagatellen von Beethoven ist noch nicht verklungen, da springt Imogen Cooper schon vom Klavierhocker auf, die Finger quasi noch auf den Tasten, und nimmt den Applaus entgegen. Kein Verharren nach dem letzten Ton, keim Moment des Innehaltens: Vorbei ist vorbei. Daraus spricht auch der Verzicht auf jegliches Pathos. Es sind eben Bagatellen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kleine Stücke, die nicht nach großer Bedeutung heischen, die aber in vielen unerwarteten Wendungen überraschen. Der eigentliche Humor der Interpretin besteht allerdings darin, mit wie viel Lust an der unkonventionellen Pointe sie diese Miniaturen angeht. Wobei sie dies nie explizit herausstellt; es ergibt sich einfach so aus dem Spiel heraus, bei dem vor allem die kleinen Phrasen beeindrucken, die flexiblen Wendungen, das elegante (oder mitunter auch bewusst abrupte) Ausklingen einer Phrase.
Imogen Cooper
Imogen Cooper, geboren 1949 und nach der pianistischen Ausbildung Meisterschülerin von Alfred Brendel (mit dem sie Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 im Rahmen von Brendels epochaler Gesamtaufnahme aller Mozart-Konzerte einspielte), gibt an diesem Abend ihr letztes Solo-Recital in Deutschland. Im nächsten Frühjahr soll endgültig Schluss sein mit öffentlichen Auftritten und Cooper will nur noch im privaten Rahmen spielen. Sie muss niemandem mehr etwas beweisen und es geht sicher auch nicht darum, hier endgültige Interpretationen zu hinterlassen. Es ist mehr die Freude am Spiel, die sorgsame, geschmackvolle Ausgestaltung im Detail. Und eben auch der Witz.
Imogen Cooper
Beethovens Bagatellen bilden das Verbindungsglied der beiden Konzerthälften - die ersten fünf spielt Cooper am Ende des ersten Teils, und die letzten beiden eröffnen nach der Pause den zweiten Block. Am Beginn und am Ende stehen jeweils vier Impromptus von Franz Schubert, die in op. 90 (D 899) zusammengefasste Gruppe aus dem Jahr 1827 im ersten, die ein paar Wochen später komponierten Werke aus op. 142 (D 935) im zweiten Teil. Bereits der Beginn des ersten Stücks in c-Moll legt die Richtung fest: Cooper spielt die kleine Melodie naiv wie einen spontanen Einfall, unentschlossen zwischen c-Moll und C-Dur pendelnd, als sei beides noch möglich, und gibt dem Werk eine Leichtigkeit - es geht ihr nicht um Melancholie und Weltschmerz, sondern mehr um den Reiz des Moments und um die kleine Form. Sie konkurriert nicht mit den Pianisten und Pianistinnen, die Schuberts Musik mit Bedeutung aufladen. Ihr Schubert ist noch nahe an der Wiener Klassik angesiedelt.
Den stärksten Eindruck hinterlässt dabei op. 142/3, Variationen über das Rosamunde-Thema. Cooper spielt ohne die etwas gefährliche Biedermeierlichkeit, die der Melodie anhaften kann. Sie gibt dem Werk eine fast kindliche Frische und das richtige Maß an Naivität, aber auch eine scherzhafte Note. Etwas vordergründig klingen dagegen die schnellen Läufe und Dreiklangsbrechungen in den populären Stücken op. 90/2 und op. 90/4 - ein wenig zu laut und nicht allzu ausgefeilt in der Klangfarbe. Als Zugabe gab es dann noch mehr Schubert (das Allegretto c-Moll D 915), und das ist dann doch etwas viel von diesem Komponisten, auch wenn es unprätentiös und geschmackvoll gestaltet ist. Ein Beethoven zum Abschluss wäre als Kontrast wohl reizvoller gewesen.
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Klavier-Festival Ruhr 2026 Düsseldorf, Robert-Schumann-Saal im Kunstpalast 22. Juni 2026 AusführendeImogen Cooper, KlavierProgrammFranz Schubert:Vier Impromptus D 899 Ludwig van Beethoven: Sieben Bagatellen op. 33 - Nr. 1 bis 5 - Pause - Ludwig van Beethoven: Sieben Bagatellen op. 33 - Nr. 6 und 7 Franz Schubert: Vier Impromptus D 935 Zugabe: Franz Schubert: Allegretto c-Moll D 915 Klavierfestival Ruhr 2026 - unsere Rezensionen im Überblick
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