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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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Klangvokal 2026 Musikfestival Dortmund 15.05.2026 - 13.06.2026
La Favorite in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln Aufführungsdauer: ca. 3 h 15' (eine Pause) Aufführung im Konzerthaus Dortmund am 7. Juni 2026, 18.00 Uhr |
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Belcanto-Glanz zwischen Glauben und Liebe Von Thomas Molke / Fotos: © Oliver Hitzegrad Gaetano Donizetti beherrschte nach Rossinis Rückzug von der Opernbühne und Bellinis frühem Tod Ende der 1830er Jahre die Bühnen in ganz Europa. Dennoch hatte er es zunächst im Opernzentrum Paris nicht so leicht wie sein Vorgänger Rossini oder sein Nachfolger Verdi, da er zunächst teilweise als Vielschreiber belächelt wurde. Immerhin hat er in rund 25 Jahren über 70 Opern komponiert. Erst Lucia di Lammermoor brachte ihm 1837 am Théâtre-Italien in der Seine-Metropole den Durchbruch und öffnete ihm schließlich 1840 auch die Tür für die Grand Opéra. Da aber der zur Verfügung stehende Zeitraum von gerade einmal zwei Monaten selbst für einen Komponisten wie Donizetti relativ knapp war, fiel seine Wahl auf ein Werk, das er bereits im Vorjahr unter dem Titel L'Ange de Nisida komponiert hatte, das allerdings durch die Schließung des Theaters unaufgeführt geblieben war. Mit viel künstlerischem Geschick wandelte er das ursprünglich auf drei Akte angelegte Stück zu einer vieraktigen Grand opéra mit obligatorischer Balletteinlage um, ergänzte einige Arien und Teile des Finales und brachte das Werk unter dem neuen Titel La Favorite am 2. Dezember 1840 mit großem Erfolg an der Pariser Opéra heraus. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde die Oper 650 Mal an der Opéra gespielt und 1912 sogar als eine der ersten Opern auf Schallplatte aufgenommen, bevor es bis zur Belcanto-Renaissance ab den 1950er Jahren in Vergessenheit geriet. Außerhalb Frankreichs wurde die italienische Fassung La favorita bevorzugt, die in Mailand 1843 in einer textlich und musikalisch stark veränderten Version herauskam. Erst seit den letzten Jahren ist die französische Originalfassung wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt. Auch beim Klangvokal Musikfestival widmet man sich nun mit einer hochkarätigen Besetzung im Konzerthaus Dortmund dieser Originalfassung. Historischer Hintergrund der Oper ist die Liebesbeziehung zwischen Léonor de Gusmán, einer kastilischen Adeligen, und König Alphonse XI von Kastilien im 14. Jahrhundert. Léonor war jahrelang die Mätresse des Königs, bevor er seine rechtmäßige Gattin, Maria von Portugal, verließ, mit Léonor zusammenlebte und insgesamt sogar zehn Kinder zeugte, bevor sich die gedemütigte Ehefrau des Königs nach seinem Tod an der Geliebten rächte und sie hinrichten ließ. In der Oper verhindert Balthazar, der Prior des Klosters in Santiago de Compostela, dass der König seine Ehefrau zugunsten der Favoritin verlässt, indem er ihm mit Exkommunikation droht. Da kommt dem König der junge und unbedarfte Fernand gerade recht. Dieser hatte sich ursprünglich als Novize für das Klosterleben entschieden, war jedoch am Weihwasserbecken Léonor begegnet und hatte sich unsterblich in sie verliebt, so dass er das Kloster verließ und für den König in den Krieg gegen die Mauren zog. Nach seiner siegreichen Rückkehr wird er vom König in den Adelsstand erhoben und erhält auf seinen Wunsch auch noch Léonor zur Frau. Léonor will Fernand vor der Hochzeit mittels ihrer Vertrauten Inès über ihre Vergangenheit als königliche Favoritin aufklären, um ihn dann selbst entscheiden zu lassen, ob er sie trotz dieses Makels noch lieben kann. Doch Inès wird auf dem Weg zu Fernand verhaftet. So erfährt Fernand erst nach der Hochzeit durch den Spott der Hofleute, wen er geheiratet hat, stößt Léonor verletzt von sich und begibt sich unter dem Schutz seines ehemaligen Mentors Balthazar zurück ins Kloster. Nachdem er die Weihen zum Priester empfangen hat, kommt es zu einer letzten Aussprache mit Léonor, in der sie ihn von ihren wahren Gefühlen überzeugen kann. Doch für eine gemeinsame Zukunft ist es zu spät. Léonor stirbt in Fernands Armen. Fernand (Kang Wang) himmelt Léonor (Varduhi Abrahamyan) an. Musikalisch erweist sich Donizetti hier als absoluter Meister des Belcanto, so dass sich ein Glanzpunkt an den nächsten reiht. Schon in der Ouvertüre lässt Donizetti die unterschiedlichen Welten aufeinanderprallen, was vom WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Belcanto-Spezialist Antonino Fogliani großartig umgesetzt wird. In starkem orchestralem Kontrast werden hier die düstere Welt des Klosters und die Lebensfreude am königlichen Hof in Kastilien einander gegenübergestellt. Das anschließende "Pieux monastère", das die Herren des WDR Rundfunkchors mit Bogdan Taloş als Prior Balthazar anstimmen, nimmt schon die Stimmung des Klosters San Yuste in Verdis späterem Don Carlos vorweg. In dieser Umgebung ist ein lyrischer Tenor wie Fernand natürlich völlig fehl am Platz. Kang Wang setzt bereits in seiner ersten Romanze "Une ange, une femme inconnue" besondere Akzente. Mit weichem, warmem Tenor schraubt er sich scheinbar ohne jegliche Anstrengung in strahlende Höhen empor und klingt dabei absolut unschuldig und rein. Es folgt ein bewegendes Duett mit Taloş, in dem Balthazar Fernand vor seinem Entschluss, das Kloster zu verlassen, warnt, ihn aber nicht aufhalten kann. Das zweite Bild des ersten Aktes führt dann an den Königshof, der musikalisch in viel helleren und heitereren Farben gezeichnet wird. Hier begegnet man zunächst mit einem Frauenchor Léonors Vertrauter Inès, die in einer wunderschönen Arie die Vorzüge des Königshofs besingt. Suzanne Jerosme punktet hier mit leuchtendem Sopran. Dort trifft Fernand anschließend auf seinen "Engel" Léonor. Interessant ist, dass Donizetti die Partie für einen Mezzosopran komponiert hat, sie also wesentlich tiefer anlegt als einen Großteil der Heroinen in seinen übrigen Opern. Dadurch erhält sie einerseits stimmlich eine gewisse Erdung und ist Fernand ein wenig näher. Andererseits schimmert hier bereits eine Färbung durch, die von späteren Komponisten zur Femme fatale ausgeweitet wurde. Varduhi Abrahamyan darf wie Wang als Idealbesetzung für die Titelpartie bezeichnet werden. Ihr Mezzospran besitzt ebenfalls eine enorme Wärme und harmoniert im Duett wunderbar mit Wang. Stimmlich scheinen die beiden füreinander bestimmt zu sein, und ihrem Glück dürfte nichts im Wege stehen. Aber das sieht in der Oper natürlich anders aus. Léonor entzieht sich Fernands innigem Werben, so dass er den einzigen Ausweg darin sieht, für den König in den Krieg zu ziehen, da er glaubt, ansonsten Léonor nicht ebenbürtig zu sein. Eklat am Königshof: von links: Léonor (Varduhi Abrahamyan), Alphonse XI (Vito Priante), Antonino Fogliani, Balthazar (Bogdan Taloş), Inèz (Suzanne Jerosme) und Don Gasparo (Ángel Macías), dahinter das WDR Funkhausorchester und oben der WDR Rundfunkchor Im zweiten Akt erscheint dann der König. Ursprünglich war Germán Enrique Alcántara für diese Partie in Dortmund vorgesehen, der hier beim Klangvokal Musikfestival schon in zahlreichen Partien begeistert hat. Allerdings musste er kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Vito Priante, der mit der Partie bestens vertraut ist, konnte als "Ersatz" gewonnen werden. Er stattet den König mit kraftvollem Bariton aus, der die unterschiedlichen Facetten der Figur stimmlich wunderbar herausarbeitet. Zunächst ist er in seiner Auftrittsarie mit romantischem Tonfall ein leidenschaftlicher Liebhaber, der aber sehr misstrauisch wird, als Léonor sich seinem Werben entzieht. Nach der obligatorischen Balletteinlage, die vom Orchester mit großem Farbenreichtum präsentiert wird, kommt es dann vor der Pause zum Eklat, weil ein Brief an Léonor abgefangen worden ist und Léonor ihm gesteht, einen anderen Mann zu lieben. Das kann der König natürlich nicht auf sich sitzen lassen und will Léonor stattdessen zur Königin erheben. Es kommt zum musikalischen Showdown, bei dem sich Taloş und Priante einen stimmlich großartigen Schlagabtausch liefern und Abrahamyan nahezu hilflos zwischen allen Stühlen sitzt. Léonor (Varduhi Abrahamyan) zwischen Fernand (Kang Wang, links) und dem König (Vito Priante, rechts) Der dritte Akt beginnt zunächst wieder sehr optimistisch. Fernand ist siegreich aus der Schlacht zurückgekehrt. In einem großen Trio bittet er den König um die Hand Léonors, die dieser ihm gewähren will. Nun folgt Léonors große Arie "O mon Fernand", in der sie inständig hofft, dass der Geliebte über ihre Vergangenheit hinwegkommen kann. Abrahamyan legt die Arie mit innigen, dramatischen Ausbrüchen an und überzeugt durch große Verletzlichkeit. Doch die Katastrophe lässt sich nicht mehr verhindern. Inès konnte nicht zu Fernand gelangen, und so wird Fernand vor dem gesamten Hofstaat gedemütigt. Wang setzt sein Entsetzen stimmlich mit kraftvollen Höhen um und verstößt Léonor, um sich ins Kloster zurückzuziehen. Im letzten Akt ist man dann wieder im Kloster angekommen. Hier will sich Fernand endgültig von der Geliebten lossagen und besingt sie erneut mit einer großartigen Tenorarie, "Ange si pur", die Donizetti aus seiner unvollendeten Oper Le Duc d'Albe eingefügt hat. Wang begeistert erneut durch grandiose Spitzentöne, in denen er eine unglaubliche Flexibilität und Geschmeidigkeit beweist. Das abschließende Duett mit Abrahamyan geht in der Interpretation der beiden unter die Haut. So haucht Léonor ihr Leben in den Armen des Geliebten aus. Das Publikum feiert das Ensemble, den Chor und das Orchester unter der Leitung von Fogliani mit großem Jubel. FAZIT Diese Oper möchte man gerne häufiger hören. Wer diesen Abend im Konzerthaus verpasst hat, hat die Möglichkeit sich am 4. Juli 2026 um 20.00 Uhr auf WDR 3 und weiteren Sendern der ARD von den Qualitäten des Werkes und dieser Besetzung zu überzeugen. Weitere Rezensionen zum Klangvokal Festival Dortmund 2026
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AusführendeMusikalische Leitung
WDR Funkhausorchester WDR Rundfunkchor
Solistinnen und Solisten
Léonor de Gusman, Favoritin des Königs
Fernand, Novize des Klosters San Giacomo
Alphonse XI, König von Kastilien
Balthazar, Prior des Klosters San Giacomo
Inès, Léonors Vertraute
Don Gasparo, königlicher Offizier
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