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Musikfestspiele
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Osterfestspiele Baden-Baden 2026
28.03.2026 - 06.04.2026

Lohengrin

Romantische Oper in drei Akten
Dichtung und Musik von Richard Wagner

in deutscher Sprache mit deutschen und englischen Untertiteln

Dauer: ca 3 1/2 Stunden - zwei Pausen

Premiere im Festspielhaus Baden-Baden am 28. März 2026
(rezensierte Aufführung: 31. März 2026)

 

(Homepage)

 

 

Absturz aus dem siebenten Himmel

Von Christoph Wurzel / Fotos: © Martin Sigmund

Eine fahrbare Treppe, aufsteigend und von einem kreisrunden Spot beleuchtet, bildet das Hauptelement der Bühneninstallation. Lohengrin wird zwar nicht von einem Schwan nach Brabant gezogen, gleitet aber auf dieser Treppe wie in einem Kahn ans Ufer der Schelde. An den Schwan erinnern nur die weißen Federn, die von oben herabrieseln. Aber profan ist das Bild dennoch nicht, weil sich unter dem Ritter sanfte Wellen zu kräuseln scheinen. Ein ähnlicher Eindruck wiederholt sich im Brautgemach: Auf eben dieser Treppe sitzen Elsa und Lohengrin beim romantischen Dinner. Unter ihnen funkelt ein schier endloses Sternenzelt. Das (in diesem Moment noch) überglückliche Paar scheint über den Sternen zu schweben, gleichsam wie im siebenten Himmel.

Tausende von LED-Lämpchen zaubern hier vollendete Illusionen auf die Bühne. Virtuos und höchst eindrucksvoll hat das Produktionsteam um den Regisseur Johannes Erath (mit Herbert Murauer für die Bühne sowie Bibi Abel und Joachim Klein für Video und Licht) für diesen Lohengrin perfektes Illusionstheater geschaffen. Für eine Oper, in der eine Illusionen selbst das Thema ist: Elsas Traum von einem Retter. Als ein Märchen kommt Wagners romantische Oper in Baden-Baden auf die Bühne des Festspielhauses.

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3. Akt: "Elsa, ob glücklich du, das sei mir nun vertraut!"Rachel Willis-Sørensen (Elsa) und Piotr Beczała (Lohengrin)

Als ein Märchentraum freilich, in dem am Schluss all das erträumte Glück dahin ist. Nachdem Elsa die verbotene Frage gestellt hat, folgt der Sturz in die Wirklichkeit. Alle Bühnenillusionen lösen sich in eine gewöhnliche Realität auf. Vor dem Finale senkt sich zuerst der Eiserne Vorhang und wenn er sich wieder hebt, werden die Requisiten abgeräumt, eine Putzmaschine fährt über den Bühnenboden und macht, bis sich die alte aufgelöst hat, Platz für eine neue fantastische Geschichte, fast wie einen Sommernachtstraum. Das Operntheater scheint sich selbst zu bespiegeln, schließlich ist es seine vornehmste Aufgabe, Illusionen zu produzieren.

Von diesen Brechungen und ironischen Fingerzeigen gibt es in dieser Produktion noch mehr. Trotzdem bleibt Erath genau am Text, den er intelligent in vielfältige Bilder übersetzt. Elsas Traumwelt, ihre wundersame Rettung durch Lohengrin einerseits und der Zerstörungswille Ortruds und Telramunds andererseits bilden als Kontraste ganz klar die Koordinaten des Geschehens. Schwarz und weiß, gut und böse - der klare Antagonismus des Märchens zeigt sich bereits in den Kostümen.

Doch die Regie hat keine Klischees entworfen. Höchst differenziert lässt Erath die Sängerdarsteller ihre Rollen charakterisieren. Elsa ist die Träumerin; nicht naiv, aber unerschütterlich in ihrem Glauben an einen Retter, dem sie ohne Zweifel und unbedingt all das zu schenken bereit ist, "was ich bin". Rachel Willis-Sørensen gibt dieser Gestalt gestalterisch ein starkes Profil. Ihr heller Sopran strahlt dieses Vertrauen selbstbewusst und in aller Reinheit aus. Dass es aber blindes Vertrauen ist, welches Lohengrin von ihr verlangt, zeigt die Regie deutlich: Lohengrin hält ihr beim Frageverbot die Hände vor die Augen.

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2. Akt: "Der Rache Werk sei nun beschworen" Tanja Ariane Baumgartner (Ortrud) und Wolfgang Koch (Telramund)

Stark als Gegenspielerin ist Tanja Ariane Baumgartners Ortrud. Zeitweise deutet ihr Haarschmuck Frickas Widderhörner an, also die germanische Götterwelt, in der ihr hasserfülltes Handeln gründet. Christliches dagegen ist mit dem Betstuhl verbunden, vor dem Elsa ihren Retter erfleht. Zielsicher strebt diese dunkle Figur nach Elsas Vernichtung, schmiedet eiskalt die Intrige, heuchelt und schmeichelt sich bei ihr ein, vor allem aber manipuliert sie ihren schwachen Gatten und drängt ihn zur bösen Tat. Intensiv im Spiel vermag Baumgartner diese Facetten mit vokalen Unheilsfarben zu einem bezwingenden Portrait zu verdichten. Einen hoch emotionalen Telramund sehen und hören wir in Wolfgang Koch, der seine Mordanklage an Elsa herausstößt, am Boden zerstört und voller Hass nach seinem verlorenen Kampf; ein zynischer Loser voller Sarkasmus. Kochs starke Bühnenpräsenz schafft die großen Momente dieses Abends mit.

Piotr Beczałas Lohengrin, seine Gralserzählung, wird sicherlich zum größten dieser Einzelmomente. Strahlend schon im flauschig weißen Umhang überglänzt er auch stimmlich alles übrige Bühnengeschehen. Phänomenal, mit welcher Kondition er nun am Schluss von fast drei Stunden Oper seine Stimme fließen lässt, mit welch elegantem Legato, mit welch subtiler Wortausdeutung und mit welch technischer Souveränität er die Dynamik gestaltet, mit der er im plötzlichen Pianissimo der "Taube" ihre Wunderkraft verleiht.

Auch Kwangchul Youn als König (mit großer Wagner-Erfahrung) und Samuel Hasselhorn als Heerrufer (sehr schön lyrisch gesungen) setzen als Sängerdarsteller starke Akzente.

Großer Bühnenzauber also wird in dieser Produktion entzündet. Neben den magischen Momenten haben Ironie und Spiel mit dem Kitsch (Schwanengondeln beim Hochzeitsfest), subtile Kritik am Heil- und Hurra-Geschrei ebenso wie das subtile Kammerspiel (Ortrud und Telramund) ihren gleichberechtigten Platz. Es ist gerade die Vielfalt der theatralischen Mittel, welche diese Produktion szenisch so anregend macht.

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Vorspiel 3. Akt: Hochzeitsfest Ensemble

Zum Großereignis macht sie auch das Dirigat von Joana Mallwitz, die mit dem Mahler Chamber Orchestra nach spürbar intensiver Probenarbeit einen Wagnerklang voller Leichtigkeit und melodischer Schönheit in zugleich denkbar größter Pracht entwickelt. Höchste Transparenz zeichnet den Klang aus, die instrumentalen Solostimmen des MCO werden in großer Klarheit und schönster Spielkultur hörbar, nie werden die Sängerinnen und Sänger überdeckt. Auch wenn Mallwitz die Dynamik dämpft, bleibt der Klang rund und voll, den die Dirigentin in ganzer Bandbreite auskostet: vom federleichten Pianissimo des ersten Vorspiels bis zum ausgelassenen Trubel des Hochzeitsfests im dritten Vorspiel. Fantastisch auch die Chöre aus Brünn und Wien mit zarten Weisen im Brautgesang und martialischer Gewalt in den Volkschören. Weil Wagners romantische Oper auch von guten Chorleistungen abhängt, waren diese Chöre auch ein Glücksfall in dieser Produktion.

FAZIT

Hier passte alles. Musik und Szene wuchsen aufs Schönste zu einem Gesamtkunstwerk von höchster Qualität zusammen.

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Ausführende

Musikalische Leitung
Joana Mallwitz

Regie
Johannes Erath

Bühnenbild
Herbert Murauer

Kostümbild
Gesine Völlm

Licht
Joachim Klein

Video
Bibi Abel

 

Tschechischer Philharmonischer Chor Brünn
Einstudierung: Petr Fiala,
Eduard Kostelnik, Miriam Zuziaková

Philharmonischer Chor Wien
Einstudierung: Walter Zeh, Thomas Böttcher

Mahler Chamber Orchestra

Statisterie
Leitung: Angela Covelli

 

Solistinnen und Solisten

Lohengrin
Piotr Beczała

Elsa von Brabant
Rachel Willis-Sørensen

Friedrich von Telramund
Wolfgang Koch

Ortrud
Tanja Ariane Baumgartner

Heinrich der Vogler, deutscher König
Kwangchul Youn

Der Heerrufer des Königs
Samuel Hasselhorn

Vier brabantische Edle
Jan Kožnar
Vladislav Agamuradov
Filip Novotný
Václav Jeřábek

Vier Edeldamen
Lisa Barletta
Orsolya Gheorghita
Rotraut Geringer
Barbara Egger

Herzog Gottfried (stumme Rolle)
Anton Forcher /
Christian Beer

 


Weitere
Informationen

erhalten Sie unter
Festspielhaus Baden-Baden
(Homepage)



Da capo al Fine

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