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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
17.07.2025 - 27.07.2025


Un avvertimento ai gelosi
(Eine Warnung an die Eifersüchtigen)

Farsa giocosa in einem Akt (Opera da salotto per giovani cantanti)
Libretto von Giuseppe Foppa
Musik von Manuel del Pópulo Vicente García

In italienischer Sprache mit italienischen und deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 30' (keine Pause)

Produktion der Accademia di alto perfezionamento del Teatro Carlo Felice in Genua

Premiere im Königlichen Kurtheater am 20. Juli 2025

 

 

 

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Versteckspiel im Schrank

Von Thomas Molke / Fotos: © Rossini in Wildbad

Manuel del Pópulo Vicente García zählte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht nur zu den berühmtesten Tenören seiner Zeit und sang 1816 in der Uraufführung von Rossinis Il barbiere di Siviglia in Rom die Partie des Conte Almaviva mit so riesigem Erfolg, dass er sogar durchsetzen konnte, dass das Stück zunächst unter dem Titel Almaviva o sia L'inutile precauzione lief. Er ging auch als bedeutender spanischer Komponist in die Musikgeschichte ein, auch wenn sein Ruhm durch die Übermacht Rossinis schnell verblasste und in Vergessenheit geriet. Dabei soll Rossini Garcías kompositorische Fähigkeiten höher eingeschätzt haben als seine eigenen. Für den Barbiere übernahm er sogar für den Auftritt der Soldaten in Bartolos Haus eine Melodie, die aus Garcías wohl bedeutendster Opera buffa Il Califfo di Bagdad stammt, die drei Jahre zuvor in Neapel ihre Uraufführung erlebt hatte. Als Garcías Sänger-Karriere sich dem Ende neigte, betätigte er sich überwiegend als Gesangspädagoge in Paris. In diesem Rahmen entstanden mehrere Salonopern, die als Übung für seine Gesangsschülerinnen und Gesangsschüler gedacht waren und in privatem Rahmen aufgeführt wurden. Da diese Salonopern nur von einem Klavier begleitet werden, scheinen sie für das kleine Königliche Kurtheater in Bad Wildbad prädestiniert. So kamen hier im Rahmen des Festivals bereits Le cinesi und I tre gobbi zur Aufführung. Als im Sommer 2020 wegen der Corona-Pandemie im Bereich der Oper fast gar nichts lief, konnte man auf der Wildline auf dem Sommerberg in einem Mini-Festival immerhin seine Salonoper L'isola disabitata erleben.

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Sandrina (Martina Saviano) ist von ihrem eifersüchtigen Gatten Berto (Willingerd Giménez) genervt.

In Genua hat der Tenor Francesco Meli mit Sängerinnen und Sängern des Opernstudios des Teatro Carlo Felice eine weitere Klavieroper einstudiert, die nun als Gastspiel zum diesjährigen Festival nach Bad Wildbad kommt: Un avvertimento ai gelosi, nicht zu verwechseln mit der Salonoper I gelosi von Giuseppe Balducci, die hier 2006 auf dem Programm stand. Ob García Un avvertimento ai gelosi tatsächlich zu einer öffentlichen Aufführung gebracht hat, ist leider nicht überliefert. Auch weiß man nicht, für welche Gesangsschülerinnen und Gesangsschüler er dieses Werk komponiert hat. Belegt ist lediglich, dass das Werk 1831 entstand. Das Libretto von Giuseppe Foppa war erstmals 1803 von Stefano Pavesi als Farsa giocoso vertont worden. Eine weitere Bearbeitung stammt von dem irischen Sänger und Komponisten Michael Balfe, den man heutzutage vielleicht noch vom irischen Wexford Festival Opera kennt.

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Berto (Willingerd Giménez, links) und Menico (Davide Zaccherini, rechts) jagen Fabio (Ernesto de Nittis, Mitte) vom Hof.

Erzählt wird eine recht verworrene Geschichte um Liebe und Eifersucht. Der Bauer Berto ist mit der wesentlich jüngeren und hübschen Sandrina verheiratet und wird von ständiger Eifersucht geplagt, obwohl seine Frau ihm treu ist. Sandrina will ihm allerdings einen Denkzettel verpassen und ihn von seiner Eifersucht kurieren. Als der Conte di Ripaverde als Grundbesitzer des Hofes mit seinem Schreiber auftaucht und beide Sandrina recht eindeutige Avancen machen, lässt Sandrina sich zum Schein auf den Grafen ein. Insgeheim plant sie aber, ihn bei Nacht mit seiner Verlobten Ernesta, die ihm nachgereist ist, wieder zusammenzuführen und damit gleichzeitig ihrem Gatten ihre Treue  zu beweisen. Dieser hat sich nämlich heimlich in einem Schrank (?) im Garten versteckt, um seine Frau mit dem Grafen auf frischer Tat zu ertappen. Er ahnt natürlich nicht, dass Sandrina alle Lichter löschen lässt, damit Ernesta im Dunkeln Sandrinas Rolle an der Seite des Grafen einnehmen wird. Auf diese Weise kann sie sich als holde Unschuld präsentieren, wenn Berto Leute und Lichter herbeiruft und erkennen muss, dass der Graf seiner Verlobten ewige Treue geschworen hat und Sandrina ganz unbeteiligt im Anschluss auftaucht. So finden die richtigen Paare wieder zusammen, und Berto ist - zumindest für den Moment - von seiner Eifersucht geheilt.

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Berto (Willingerd Giménez, rechts) belauscht im Schrank den Grafen (Samuele Di Leo, links).

Jochen Schönleber bettet die Geschichte in seiner Inszenierung in eine Theatersituation ein. Menico, der als Gärtner im eigentlichen Stück nur eine kleine unbedeutende Rolle hat, wird zum Regisseur, der das ganze Stück arrangiert. Diese Lesart wird aber nicht durchgängig gehalten. Am Anfang sieht man die Schatten der Figuren vor einer grauen Rückwand im Hintergrund wie Scherenschnitte. Auf der Bühne stehen jede Menge Umzugskartons, deren Bedeutung sich nicht erschließt. Sie dienen nur zu einer Auseinandersetzung des Klavierspielers (Mattia Torriglia) mit dem "Regisseur", bei der Torriglia deutlich macht, dass er mit den Kartons vor dem Klavier die Ouvertüre nicht spielen könne. Nach einem heftigen Disput schleppt Menico die Kartons beiseite, und Torriglia beginnt mit der Ouvertüre, während sich die Figuren aus dem Hintergrund aus ihrer Erstarrung lösen und untereinander agieren. Sandrina und Berto streiten unentwegt, während der Graf und Ernesta ein Herz und eine Seele sind und sich verliebt zum Takt der Musik wiegen. Nachdem die Ouvertüre zu Ende ist, wird von Menico noch einmal unterbrochen, um das Klavier an die Seite zu schieben und die Bühne für die eigentliche Handlung freizumachen. Dann wird im weiteren Verlauf noch eine Musiknummer von ihm unterbrochen. Ansonsten läuft das Stück aber ohne Bezug zum "Theater im Theater" durch, so dass man auf diese Ergänzung auch hätte verzichten können.

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Glückliches Ende? von links: Menico (Davide Zaccherini), Ernesta (Eleonora Marras), Il conte (Samuele Di Leo), Berto (Willingerd Giménez), Sandrina (Martina Saviano) und Fabio (Ernesto de Nittis)

Fragen wirft auch die Personenregie bei Berto und dem Grafen auf. Willingerd Giménez ist als Berto nicht ansatzweise als alter Mann zurechtgemacht und wirkt wie ein jugendlicher Liebhaber, der bei seinem Aussehen die Konkurrenz eigentlich nicht zu fürchten braucht. Wieso er also Martina Saviano als Sandrina ständig Vorhaltungen macht, bleibt unklar. Stattdessen wird der Graf mit einem dicken Bauch ausstaffiert, um - so wird es im Programmheft beschrieben - ihn als lächerliche Figur darzustellen. Völlig unbegründet wirkt dadurch allerdings die Eifersucht Bertos. Sieht man von diesen Ungereimtheiten ab, wird die Geschichte allerdings mit großem Spielwitz umgesetzt. Interessant ist der Ansatz, einen Flirt zwischen Ernesta und dem Gärtner Menico einzubauen. Schließlich wird ja nicht ganz nachvollziehbar, wieso sie dem Grafen eigentlich hinterherläuft, wenn es nicht wegen des Geldes ist. Für die zärtlichen Stunden scheint ihr der Gärtner wesentlich geeigneter zu sein. Was der Schrank eigentlich im Garten soll, müsste man wohl den Librettisten und Komponisten fragen, wenn das noch möglich wäre. Schönleber nutzt ihn jedenfalls, um wie bei einer Slapstickkomödie Personen auftreten und verschwinden zu lassen. Besonders amüsant ist die Szene, in der der Schrank zu einem Bett umfunktioniert wird, während Berto sich darin versteckt.

Musikalisch wird deutlich, dass diese Salonoper als Übungsstück für junge Sängerinnen und Sänger gedacht ist. García fordert die jungen Stimmen mit schnellen Läufen und flexiblen Koloraturen, die an einigen Stellen von Rossinis Stil beeinflusst zu sein scheinen, schießt aber kompositorisch nicht über das Ziel hinaus. Die jungen Sängerinnen und Sänger überzeugen durch große Spielfreude und Komik. Martina Saviano hält als Sandrina mit leuchtendem Sopran die Fäden in der Hand und weiß genau, wie sie mit den Männern umzugehen hat, um ihren Willen durchzusetzen. So spielt sie mit dem balzenden Grafen, weist den skurrilen Schreiber Fabio in seine Schranken und zeigt ihrem Gatten, wer im Haus die Hosen anhat. In ihrer großen Arie vor dem Finale punktet sie mit strahlenden Koloraturen. Mit Willingerd Giménez als Berto liefert sie sich im Duett am Anfang einen herrlichen Schlagabtausch. Giménez legt die Partie mit kraftvollem Bariton an. Ernesto de Nittis zeichnet den Schreiber mit dunklem Bariton als absolut komische Rolle. Er lebt in seiner eigenen literarischen Welt und kann von keinem ernst genommen werden. Sandrina geht im Duett mit ihm allerdings recht schonend um. Samuele Di Leo verfügt als Conte über einen herrlich weichen Tenor, der der Figur einen gewissen Charme verleiht, die er durch seine herrlich dargestellte Aufdringlichkeit natürlich wieder verspielt. Eleonora Marras stattet seine Verlobte Ernesta mit sattem Mezzosopran aus. Ob die beiden am Ende wirklich glücklich zusammenfinden, lässt Schönleber in seiner Inszenierung offen. Davide Zaccherini rundet das Ensemble als Menico mit einem frischen Tenor überzeugend ab. Mattia Torriglia liefert am Klavier die passende Klangkulisse. Der Schluss des Finales wird dann schon für den Applaus genutzt, da sich die Sängerinnen und Sänger dabei bereits verbeugen.

FAZIT

Das Königliche Kurtheater zeigt sich erneut als prädestinierter Spielort für eine weitere Salonoper, die es erfreulicher Weise auch immer wieder beim Festival in Bad Wildbad zu entdecken gibt.

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Produktionsteam

Klavier
Carolina Benedettini /
*Mattia Torriglia

Regie, Bühnenbild und Licht
Jochen Schönleber

Regieassistenz Genua
Eleonora Calabrò
Romeo Gasparini

Kostüme
Olesja Maurer


Solistinnen und Solisten

Sandrina, Bäuerin
Martina Saviano

Berto, Sandrinas Ehemann
Willingerd Giménez

Il conte di Ripaverde, Grundbesitzer
Samuele Di Leo

Don Fabio, Vertrauter Schreiber des Grafen
Ernesto de Nittis

Ernesta, Verlobte des Grafen
Eleonora Marras

Menico, Gärtner des Grafen
Davide Zaccherini


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