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Von Mozart zu RossiniVon Thomas Molke / Fotos: © Rossini in Wildbad Unter den Konzerten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklassen beim Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad, die sich mittlerweile zu einem Geheimtipp des Festivals entwickelt haben, nimmt das letzte Konzert einen besonderen Stellenwert ein, da man hier nicht nur die potentiellen Stars von morgen erlebt, sondern auch der Internationale Belcanto-Preis verliehen wird, der unter anderem mit einem Rollenangebot bei einem der künftigen Festivals verbunden ist. Hinzu kommt die Verleihung des Inge-Borkh-Gedächtnispreises, der seit 2021 vergeben wird. Borkh, die sich in den 50er Jahren vor allem einen Namen als berühmte Wagner- und Strauss-Interpretin gemacht hat, in Bayreuth und Salzburg Erfolge feierte und in München den Titel "Bayerische Kammersängerin" erhielt, war zeit ihres Lebens dem Festival in Bad Wildbad so eng verbunden, dass sie einen Teil ihres Vermögens für einen Gedächtnispreis sowie ein Stipendium für Sopranistinnen stiftete. Aus dem Vermögen kann dieser Preis in diesem Jahr zum letzten Mal vergeben werden, aber Intendant Jochen Schönleber hofft, neue Sponsoren zu finden, die die Vergabe dieses Preises auch in den folgenden Jahren möglich machen werden. In diesem Jahr gehen sowohl der Internationale Belcanto-Preis als auch der Inge-Borkh-Gedächtnispreis an die Sopranistin Martina Saviano, die beim Festival unter anderem als Sandrina in Manuel Garcías Salonoper Un avvertimento ai gelosi mit strahlendem Sopran glänzte. Auch bei dem Konzert der Meisterklasse von Filippo Morace ließ sie mit der Kavatine der Leïla aus Bizets Les pêcheurs de perles mit strahlenden Höhen aufhorchen und begeistert in diesem Konzert als Fiordiligi aus Mozarts Così fan tutte. Dennoch verwundert es ein wenig, dass der Internationale Belcanto-Preis nicht wie in den Vorjahren geteilt wird, da von den acht Teilnehmerinnen und zehn Teilnehmern der Meisterklasse von Raúl Giménez sicherlich mehrere eine Auszeichnung verdient hätten, zumal sich ein Großteil von ihnen in teilweise sehr anspruchsvollen weiteren Partien des Festivals präsentiert hat. Zu nennen sind hier beispielsweise Xiangjie Liu, die als Isabella in L'inganno felice begeisterte, Anle Gou, der sich mit strahlendem Tenor in gleich zwei konzertanten Produktionen als Paolo Monti in Pierre de Médicis und Iago in Otello präsentierte oder Eugenio Maria Degiacomi, der mit variablem Bariton und großem Spielwitz in der Buffo-Partie des Batone in L'inganno felice glänzte. Auch Verena Kronbichler wäre mit ihrem satten Mezzosopran eine berechtigte Anwärterin auf die Auszeichnung gewesen. Aber vielleicht hätte man bei so vielen Kandidatinnen und Kandidaten den Preis dann auf mehr als zwei Personen aufteilen müssen, was nicht mehr möglich gewesen wäre, und so fiel die Wahl eben auf Martina Saviano. Raúl Giménez (Mitte) mit dem Preisträger des Publikumspreises Oleh Lebedyev (links) und Daria Akulova Neben dem Internationalen Belcanto-Preis und dem Inge-Borkh-Gedächtnispreis wird auch seit einigen Jahren ein nicht dotierter Publikumspreis vergeben, der laut Schönleber am Applaus für die einzelnen Beiträge gemessen wird. In diesem Jahr, sagt Schönleber, sei die Entscheidung für den Publikumspreis nicht schwer gewesen, da der Bariton Oleh Lebedyev mit seiner Interpretation der berühmten Arie des Figaro "Largo al factotum" aus Il barbiere di Siviglia eindeutig den meisten und längsten Beifall erhalten habe. Lebedyev, der nicht nur mit beweglichem und kraftvollem Bariton in der berühmten Arie begeistert, setzt die Nummer auch darstellerisch mit großem Spielwitz um, so dass man von ihm beim diesjährigen Festival gerne mehr gesehen und gehört hätte. An dem Konzert der Meisterklasse von Filippo Morace und an den Opernproduktionen war er leider nicht beteiligt. Doch auch die übrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen im Konzert, dass sich die Meisterklassen in Bad Wildbad auf sehr hohem Niveau bewegen. Raúl Giménez hat das Konzert in zwei Teile geteilt, wobei die erste Hälfte unter dem Titel "Mozartiana" Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet ist und es in der zweiten Hälfte unter dem Titel "Rossiniana" einen Querschnitt durch Rossinis Opernschaffen gibt. Nachdem Ernesto de Nittis mit der Arie des Figaro aus Le nozze di Figaro "Aprite un po' quegli occhi" mit flexiblem Bariton und großartiger Interpretation eröffnet hat, folgt ein großer Querschnitt durch Così fan tutte, bei dem unterschiedliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklasse in die Rollen von Fiordiligi, Dorabella, Ferrando und Don Alfonso schlüpfen. Lediglich die Partien von Guglielmo und Despina sind mit Carlos Reynoso und Katharina Holzapfel nur einmal besetzt. Ansonsten wechseln sich Daria Akulova und Martina Saviano als Fiordiligi, Verena Kronbichler, Eleonora Marras und Sicong Zhao als Dorabella, Paolo Mascari, Samuele Di Leo und Davide Zaccherini als Ferrando und Eugenio Maria Degiacomi und Willingerd Giménez als Don Alfonso ab und erzählen die Handlung vom Anfang, wenn Ferrando und Guglielmo mit Don Alfonso wetten, dass ihre Frauen ihnen treu bleiben werden, bis hin zum Treuebruch Fiordiligis mit Ferrando äußerst kurzweilig und musikalisch auf hohem Niveau. Begleitet werden sie am Klavier von Gianluca Ascheri, Carolina Benedittini und Mattia Torriglia, die sich allesamt als virtuose Begleiter präsentieren. Im Rossini-Block wird das Dreiergespann noch durch Andrés Jesús Gallucci ergänzt, der für Rossini am Klavier ebenfalls genau den richtigen Ton trifft. Nach der "Kurzfassung" von Mozarts Oper begeistern weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit äußerst anspruchsvollen Arien aus Rossinis Opernschaffen. Den Anfang macht hier Xiangjie Liu mit einer Alternativarie der Isabella aus L'inganno felice. Dass sie die Arie "Cielo, che mi chiedete" in der Fassung für Maddalena Cera ausgewählt hat, mag wohl der Tatsache geschuldet sein, dass sie die Partie auch szenisch in Bad Wildbad einstudiert hat. Wie in der Opernproduktion begeistert Liu mit strahlenden Höhen und großer Beweglichkeit in den Koloraturen. Anle Gou folgt auf hohem Niveau als Lindoro aus L'italiana in Algeri. Sein weicher flexibler Tenor ist für die Partie ebenfalls prädestiniert, zeigt aber auch, dass es einer starken und gewitzten Frau wie der Italienerin bedarf, um Lindoro aus seiner Stellung bei Mustafà zu befreien. Diese tritt anschließend in Gestalt von Eleonora Marras auf. Nachdem sie im ersten Konzert die Arie "Pensa alla patria" präsentiert hat, glänzt sie nun in der Kavatine "Cruda sorte" mit sattem Mezzosopran. Ellada Koller schlüpft in die Rolle der Palmira und präsentiert mit strahlendem Sopran das Gebet aus L'assedio di Corinto, der übersetzung der französischen Oper Le siège de Corinthe, die wiederum die französische Neufassung von Rossinis Maometto Secondo ist, aus der Willingerd Giménez zuvor eine Arie präsentiert hat. Koller wird bei dem Gebet von den übrigen Teilnehmerinnen als Frauenchor unterstützt. Den Abschluss bilden dann Edoardo Di Cecco als gewitzter Filippo aus La gazzetta und Verena Kronbichler mit dem berühmten Schluss-Rondo aus La donna del lago. Di Cecco empfiehlt sich dabei als prädestinierter Buffo-Bariton mit großem Spielwitz, während Kronbichler die halsbrecherischen Läufe der Elena mit beweglichem Mezzosopran ansetzt. Daria Akulova (vorne links) und Sicong Zhao (vorne rechts) beim "Katzen-Duett" (im Hintergrund von links: Ernesto de Nittis, Eugenio Maria Degiacomi, Paolo Mascari, Davide Zaccherini, Willingerd Giménez, Oleh Lebedyev Anle Gou, Ellada Koller, Katharina Holzapfel, Xiangjie Liu, Martina Saviano, Eleonora Marras und Verena Kronbichler, am Klavier von vorne nach hinten: Carolina Benedettini, Gianluca Ascheri, Andrés Jesús Gallucci und Mattia Torriglia) Beim zweiten Konzert muss auf Zugaben nicht verzichtet werden. Zunächst zicken sich Daria Akulova und Sicong Zhao in Rossinis "Katzen-Duett" mit großartigem Spiel wunderbar an. Anschließend präsentieren alle gemeinsam das erste Finale aus Rossinis Il barbiere di Siviglia. Schönleber dankt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihren großartigen Einsatz. Das Publikum spendet begeisterten Applaus. FAZIT Auch die Meisterklasse von Raúl Giménez bewegt sich auf hohem musikalischem und darstellerischem Niveau, so dass den jungen Sängerinnen und Sängern eine große Karriere zu wünschen ist. Weitere Rezensionen zu Rossini in Wildbad 2025 Programm des Konzertes Wolfgang Amadeus Mozart: Le nozze di Figaro: Arie des Figaro "Aprite un po' quegli occhi" (Ernesto de Nittis, Mattia Torriglia)
Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte: Gioachino Rossini: L'inganno felice: Arie der Isabella "Cielo, che mi chiedete" (Fassung für Maddalena Cera) (Xiangjie Liu, Andrés Jesús Gallucci) Gioachino Rossini: L'italiana in Algeri: Kavatine des Lindoro "Languir per una bella" (Anle Gou, Gianluca Ascheri) Gioachino Rossini: Maometto Secondo: Kavatine des Maometto "Sorgete, in sì bel giorno" (Willingerd Giménez, Mattia Torriglia) Gioachino Rossini: L'italiana in Algeri: Kavatine der Isabella "Cruda sorte, amor tiranno" (Eleonora Marras, Carolina Benedettini) Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia: Kavatine des Figaro "Largo al factotum" (Oleh Lebedyev, Gianluca Ascheri)
Gioachino Rossini: L'assedio di Corintho: Gebet der Pamira mit
Frauenchor* "Giusto ciel! in tal periglio" (Ellada Koller, Andrés Jesús Gallucci) Gioachino Rossini: La gazzetta: Arie des Filippo "Quando la fama altera" (Edoardo Di Cecco, Gianluca Ascheri) Gioachino Rossini: La donna del lago: Rondo der Elena "Tanti affetti in tal momento" (Verena Kronbichler, Gianluca Ascheri)
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AusführendeKlavier und Einstudierung Teilnehmer*innen der Masterclass
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