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Musikalische Perlen von "Rossini & Co."Von Thomas Molke / Fotos: © Rossini in Wildbad Die Konzerte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklassen haben sich seit einigen Jahren zu einem Geheimtipp beim Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad entwickelt, da man hier vielversprechende Nachwuchstalente erleben kann, bevor sie auf den Bühnen der Welt Erfolge feiern und auch gerne in größeren Partien zum Festival zurückkehren. Erinnert sei an dieser Stelle beispielsweise an Diana Haller, die vor drei Jahren zusätzlich mit dem Inge-Borkh-Gedächtnispreis ausgezeichnet wurde, und in diesem Jahr als Desdemona in der konzertanten Aufführung von Rossinis Otello zurückkehrt. Auch Polina Anikina und Dogukan Özkan, die im vergangenen Jahr mit dem Internationalen Belcanto-Preis ausgezeichnet worden sind und als Isabella und Mustafà in der szenischen Produktion von L'italiana in Algeri begeisterten, kehren in diesem Jahr als Angelina und Alidoro in Cenerentola zurück. Francesco Bossi, der vor zwei Jahren mit dem Internationalen Belcanto Preis ausgezeichnet worden ist, ist in diesem Jahr in einer Neuinszenierung von L'inganno felice als Tarabotto zu erleben und schlüpft dabei in die Fußstapfen des großen Lorenzo Regazzo, der das Festival viele Jahre lang mit Meisterklassen begleitet hat. Die Karriere von Patrick Kabongo hat ebenfalls hier ihren Anfang genommen, und auch in diesem Jahr kehrt er wieder in gleich zwei zentralen Partien als Don Ramiro und Pierre de Médicis nach Bad Wildbad zurück. Die Meisterklasse von Filippo Morace: von links: Carlos Reynoso, Samuele Di Leo, Paolo Mascari, Davide Zaccherini, Edoardo Di Cecco, Ernesto de Nittis, Willingerd Giménez, Sara Maria Zito, Filippo Morace, Eleonora Marras, Verena Kronbichler, Ellada Koller, Martina Saviano, Andrés Jesús Gallucci, Eugenio Maria Degiacomi, Gianluca Ascheri, Xiangjie Liu und Anle Gou Finanziell möglich gemacht wird vieles durch großzügige Zuwendungen von Privatleuten und dem 2005 gegründeten Freundeskreis ROSSINI IN WILDBAD e. V. Ausgewählten jungen Künstlerinnen und Künstlern dieser Konzerte kann so ein Stipendium angeboten werden, das neben der Teilnahme an den Meisterklassen auch ein Rollenangebot für eine Opernaufführung in Bad Wildbad enthält. Da das Festival seit 2022 auf einen Zeitraum von 10 Tagen verdichtet werden musste, gibt es wie in den früheren Jahren wieder nur zwei Meisterklassen mit zwei Abschlusskonzerten. Geleitet werden die Meisterklassen wie in den vergangenen Jahren von Filippo Morace und Raúl Giménez, der dem Festival in Bad Wildbad schon viele Jahre verbunden ist. Im ersten dieser beiden Konzerte präsentieren sich in diesem Jahr sechs Sängerinnen und neun Sänger, was das Geschlechterungleichgewicht der vergangenen Jahre ein wenig umkehrt. Vielleicht hat sich unter jungen Sängern herumgesprochen, wie viele großartige Partien der Belcanto auch für Männerstimmen bereithält. Geleitet wird die erste Meisterklasse von Filippo Morace, der in diesem Jahr in Bad Wildbad auch als Don Magnifico in La Cenerentola zu erleben ist. Intendant Jochen Schönleber dankt ihm vor Beginn des Konzertes dafür, dass er es trotz des zeitlichen Engpasses und der Proben für die Oper möglich gemacht hat, diese Meisterklasse zu leiten. Ein paar der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind ebenfalls an der Cenerentola-Produktion beteiligt und so gibt es im Rahmen des Konzertes auch einen Auszug aus der Oper, was ja normalerweise bei den Konzerten vermieden wird. Hierbei handelt es sich aber um eine von Luca Agolini nachträglich komponierte Arie für die Stiefschwester Clorinda, die bei Aufführungen in der Regel weggelassen wird, weil sie die beiden Stiefschwestern musikalisch in ein Ungleichgewicht setzt und Clorinda mit der Nummer fast der Titelfigur in ihrem Schlussrondo Konkurrenz macht. Ellada Koller, die auch in der szenischen Produktion von Cenerentola die Partie der Clorinda übernimmt, macht mit kokettem Spiel und beweglichen Koloraturen deutlich, dass es eigentlich schade ist, dass bei der Oper meistens auf diese Nummer verzichtet wird. Der Großteil der Musiknummern setzt sich in diesem Jahr wirklich aus Kompositionen von Rossini zusammen. Das hat man in früheren Jahren schon anders erlebt, so dass das Konzert dieses Mal zu Recht den Titel "Rossini & Co." trägt. Während es zu Beginn einen bunten Streifzug durch Rossinis Opernschaffen gibt, folgen am Ende zwei größere Blöcke zu L'italiana in Algeri und Il barbiere di Siviglia. Den Anfang macht dabei Willingerd Giménez und schlüpft mit profundem Bariton und großer Beweglichkeit in die Rolle des Mustafà, bevor Eleonora Marras mit vollem Mezzosopran, flexiblen Koloraturen und großer Strahlkraft in den Höhen "Pensa alla patria" schmettert. Ernesto de Nittis fällt anschließend als Isabellas Begleiter Taddeo nicht nur durch einen ausgefallenen Anzug auf, sondern präsentiert Taddeos Arie "Ho un gran peso sulla testa" mit kraftvollem Bariton und komödiantischem Spiel. Großartige Komik kann man auch Eugenio Maria Degiacomi als Dottore Bartolo in dessen Arie aus dem Barbiere bescheinigen. Dabei kostet er die Tiefen mit autoritärem Bassbariton aus und lässt im rasenden Parlando-Stil den Atem des Publikums stocken. Als kecke Rosina präsentiert sich im Anschluss die Mezzosopranistin Verena Kronbichler mit der berühmten Arie "Una voce poco fa". Mit perlenden Koloraturen zeichnet sie die Launenhaftigkeit der jungen Frau, die sich in eine giftige Viper verwandeln kann, wenn ihr etwas nicht passt. Mit dieser Stimme hätte sie in der diesjährigen Produktion von Cenerentola bestimmt auch schon die Titelpartie übernehmen können. So ist sie immerhin als Tisbe zu erleben. Abgeschlossen wird der Block mit einer Bravour-Arie für Manuel García, dem ersten Almaviva, die ebenfalls häufig in szenischen Produktionen gestrichen wird, da sie einerseits extrem anspruchsvoll ist, andererseits wie die gleiche Melodie in Cenerentola im Gegensatz zu Angelinas Rondo keinen inhaltlichen Zweck erfüllt. Anle Gou meistert die Höhen und die schnellen Läufe mit kraftvollem Tenor. Zwischen diesen beiden Teilen lässt Martina Saviano mit der Kavatine der Leïla aus Bizets Les pêcheurs de perles aufhorchen, bei der Savianos Sopran geschmeidig fließt und mit großer Wärme die Höhen ausmalt. Natürlich darf auch der obligatorische Mozartblock nicht fehlen. Carlos Reynoso präsentiert mit kraftvollem Bariton eine Arie des Guglielmo, die häufig durch "Non siate ritrosi" ersetzt wird. Sara Maria Zito, Edoardo Di Cecco und Paolo Mascari bieten im Anschluss daran noch einen kleinen Block aus Don Giovanni, wobei Di Cecco in die Rolle des Verführers schlüpft, dem sich Zito als Donna Anna zu widersetzen versucht. Die berühmte Arie "Or sai chi l'onore" setzt sie mit leichten Schärfen an, die dem widerspenstigen Charakter der Donna Anna gerecht werden. Mascari macht anschließend mit weichem Tenor in der Arie des Ottavio deutlich, dass er als Verführer Don Giovanni nicht das Wasser reichen kann. Die Meisterklasse beim Finale von Guillaume Tell: von links: Martina Saviano, Xiangjie Liu, Sara Maria Zito, Ellada Koller, Eleonora Marras, Verena Kronbichler, Davide Zaccherini, Paolo Mascari, Samuele Di Leo, Anle Gou, Edoardo Di Cecco, Carlos Reynoso, Eugenio Maria Degiacomi, Willingerd Giménez und Ernesto de Nittis, am Klavier von links: Andrés Jesús Gallucci und Gianluca Ascheri Eingerahmt wird der Mozartblock von zwei Arien von Donizetti. Davide Zaccherini gibt mit lyrischem Tenor den Liebhaber der Linda die Chamounix, Carlo. Xiangjie Liu lässt als Lucia di Lammermoor mit der großen Arie "Regnava nel silenzio" mit sauber angesetzten Höhen aufhorchen. Als Abschluss präsentieren dann alle das große Finale aus dem 4. Akt von Rossinis Guillaume Tell. Musikalisch begleitet wird das Konzert mit großer Souveränität von Gianluca Ascheri und Andrés Jesús Gallucci, die die einzelnen Nummern im Wechsel mit großer Präzision begleiten und für jede Nummer genau die richtige Stimmung finden. So gibt es großen und verdienten Applaus im leider nicht ganz ausverkauften Kurtheater. Eine Zugabe lassen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Masterclass leider nicht entlocken. FAZIT Das Konzert bewegt sich musikalisch auf sehr hohem Niveau und lässt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklasse auf eine große zukünftige Karriere hoffen.. Weitere Rezensionen zu Rossini in Wildbad 2025 Programm des Konzertes Gioachino Rossini: Tancredi: Rezitativ und Arie des Argirio "Della patria ogni nemico - Pensa che sei mia figlia" (Samuele Di Leo, Gianluca Ascheri) Gioachino Rossini: La scala di seta: Arie des Germano "Amore dolcemente" (Edoardo Di Cecco, Andrés Jesús Gallucci) Luca Agolini (Gioachino Rossini): La Cenerentola: Arie der Clorinda "Sventurata! mi credea" (Ellada Koller, Andrés Jesús Gallucci) Gaetano Donizetti: Linda di Chamounix: Rezitativ und Arie des Carlo "Linda! si ritirò, povera Linda! - Se tanto in ira agli uomini" (Davide Zaccherini, Gianluca Ascheri) Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte: Arie des Guglielmo "Rivolgete a lui lo sguardo" (Carlos Reynoso, Andrés Jesús Gallucci)
Wolfgang Amadeus Mozart: Don Giovanni: Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor: Kavatine der Lucia "Regnava nel silenzio" (Xiangjie Liu, Andrés Jesús Gallucci)
Gioachino Rossini: L'italiana in Algeri: Georges Bizet: Les pêcheurs de perles: Rezitativ und Kavatine der Leïla "Me voilà seule dans la nuit - Comme autrefois" (Martina Saviano, Gianluca Ascheri)
Giaochino Rossini: Il barbiere di Siviglia: Gioachino Rossini: Guillaume Tell: Finale 4. Akt "Tout change et grandit en ces lieux" (Alle, Gianluca Ascheri)
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AusführendeKlavier Einstudierung Teilnehmer*innen der Masterclass
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