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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
17.07.2025 - 27.07.2025


L
'inganno felice
(Die glückliche Täuschung)

Farsa per musica in einem Akt
Libretto von Giuseppe Foppa
Musik von Gioachino Rossini

In italienischer Sprache mit italienischen und deutschen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1 h 55' (eine Pause)

Produktion der Neueinstudierung von Rossini in Wildbad  2015 und von Passionart und Akademie Belcanto für Royal Opera Festival Krakau-Lusławice

Premiere im Königlichen Kurtheater am 19. Juli 2025

 

 

 

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Alle 10 Jahre wieder

Von Thomas Molke / Fotos: © Patrick Pfeiffer

Rossinis zweite Farsa L'inganno felice hat sowohl für den Komponisten als auch für das Belcanto-Festival Rossini in Wildbad eine besondere Bedeutung. Für Rossini stellte die Oper den ersten großen Erfolg dar, der zum einen dazu führte, dass der damalige Impresario des Teatro San Moisè in Venedig, Antonio Cera, ihn direkt für die Komposition drei weiterer Farse verpflichtete, und zum anderen Rossini mehrere Kompositionsaufträge von anderen, bedeutenderen Opernhäusern in Italien einbrachte. In Bad Wildbad feierte man 2005 mit diesem Werk die Wiedereröffnung des Königlichen Kurtheaters. Dabei dirigierte kein geringerer als Alberto Zedda höchstpersönlich, allerdings nur eine konzertante Aufführung, obwohl der Intendant Jochen Schönleber eigentlich eine szenische Umsetzung geplant hatte. Diese folgte zehn Jahre später im Kurtheater, das zwischenzeitlich wieder für einige Jahre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Schönlebers Inszenierung mit dem Jeep und einer riesigen Barke auf der Bühne wurde ein sehr großer Erfolg (siehe auch unsere Rezension), so dass die Produktion als DVD erschien. Jetzt sind wieder 10 Jahre vergangen und Schönleber hat das Stück für das Royal Opera Festival in Krakau-Lusławice neu einstudiert. Diese Produktion bringt er mit einem Großteil des Ensembles aus Krakau jetzt auch im Königlichen Kurtheater in Bad Wildbad zur Aufführung.

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Tarabotto (Francesco Bossi) versteckt die verstoßene Herzogin Isabella (Xiangjie Liu) als seine Nichte Nisa.

Die Handlung basiert auf einer ganzen Reihe von Geschichten, in denen eine junge Frau zu Unrecht der Untreue beschuldigt wird, da sie die unsittlichen Avancen eines Mannes zurückgewiesen hat, daraufhin verstoßen wird und - in den meisten Fällen - auf wundersame gerettet und rehabilitiert wird. Bei Rossinis Librettisten Giuseppe Foppa, der diesen Stoff gleich mehrfach verarbeitet hat, ist es in L'inganno felice Isabella, die Frau des Herzogs Bertrando, die von Ormondo, einem Vertrauten des Herzogs, begehrt wird, diesen allerdings abgewiesen hat. Aus Rache bezichtigt dieser sie der Untreue und überzeugt den Herzog, sie auf einem Boot auf dem Meer auszusetzen. Anders als erwartet kentert das Boot aber nicht, sondern strandet an der benachbarten Küste, wo der Vorarbeiter einer Eisenmine, Tarabotto, die junge Frau rettet und als seine Nichte "Nisa" aufnimmt. Zehn Jahre später gelangt der Herzog an diese Küste und trifft auf Isabella, die sich allerdings nicht sofort zu erkennen gibt. Fatalerweise ist auch Orrmondo im Gefolge des Herzogs. Da er fürchtet, dass sein Betrug von damals auffliegen könne, befiehlt er seinem Diener Batone, die junge Frau zu entführen und zu töten. Tarabotto hat allerdings die Szene belauscht und bittet den Herzog um Schutz für seine Nichte. Der Herzog erkennt auf diesem Weg, dass er seine Frau zu Unrecht verurteilt hat und will sich verzweifelt das Leben nehmen. Jetzt gibt sich Nisa als Isabella zu erkennen und verzeiht ihrem Gatten. Batone wird begnadigt, Ormondo hingegen verdammt.

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Tarabotto (Francesco Bossi, 2. von links) begrüßt den Herzog (Paolo Mascari, links) mit seinem Gefolge (Mitte hinten: Batone (Eugenio Maria Degiacomi) rechts: Ormondo (hier: Edoardo Di Cecco)).

Wie 2015 begeistert auch die Neueinstudierung von Jochen Schönleber, der die geringen Möglichkeiten, die die kleine Bühne im Königlichen Kurtheater für das Bühnenbild bietet, geschickt ausnutzt. Graue Stellwände deuten die Eisenmine an, in der die Handlung spielt. Blickfang sind immer noch der Jeep, mit dem der Herzog zu seiner Auftrittskavatine auf die Bühne gefahren wird und der den Teil bis zur eingefügten Pause nach dem Terzett dominiert. Nach der Pause sieht man dann eine riesige Barke auf der Bühne, die daran erinnert, dass Isabella einst mit einem Boot auf dem Meer ausgesetzt worden ist. Am Ende wird darin der überführte Ormondo gefesselt. Vielleicht wird er nun das Schicksal auf dem Meer erleiden, das er einst für Isabella vorgesehen hatte. Die Kostüme sind relativ modern gehalten, wobei die Oberteile grau eingefärbt sind, um den Staub der Eisenmine anzudeuten. Die weiß geschminkten Gesichter sollen die Figuren vielleicht ein wenig älter erscheinen lassen, da ja zwischen der Vorgeschichte und der eigentlichen Handlung zehn Jahre vergangen sind. Isabella, die sich optisch ihrem Retter Tarabotto ein wenig angepasst hat, tritt am Ende wieder in dem Kleid auf, in dem sie einst auf dem Meer ausgesetzt worden ist.

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Tarabotto (Francesco Bossi, im Hintergrund) beobachtet das Gespräch zwischen dem Herzog (Paolo Mascari) und der vermeintlichen Nisa (Xiangjie Liu).

Wie bereits vor zehn Jahren entfachen auch die Solistinnen und Solisten der Neueinstudierung ein musikalisches Feuerwerk und begeistern darstellerisch mit punktgenauer Komik. Besucherinnen und Besucher, die die damalige Inszenierung noch in guter Erinnerung haben oder vielleicht die DVD-Aufnahme kennen, mögen vielleicht Sorge gehabt haben, ob ein anderer Sängerdarsteller Lorenzo Regazzo, dem damaligen Tarabotto, das Wasser reichen kann. Aber mit Francesco Bossi, der vor zwei Jahren in Bad Wildbad "entdeckt" worden ist, hat man einen Vollblutkomödianten für die Partie gewonnen, der auch ohne komplette eigene Arie mit enormer Bühnenpräsenz und punktgenauer Komik als Drahtzieher die ganze Handlung beherrscht. Mit großartiger Mimik avanciert er wie einst Regazzo zum Publikumsliebling des Abends. Ein musikalischer Höhepunkt ist wieder das Buffo-Duett mit Batone, in dem Tarabotto und Ormondos Handlanger versuchen, sich gegenseitig auszuhorchen und die Motive des anderen zu ergründen, dabei beide allerdings nicht weiterkommen und stattdessen erkennen müssen, dass ihr Gegenüber genauso gewitzt ist wie sie selbst. Bossi begeistert dabei mit einem wunderbaren Parlando-Ton und hält mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit das hohe Tempo, das Antonino Fogliani am Pult des Philharmonischen Orchesters Krakau vorgibt.

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Happy End für den Herzog (Paolo Mascari, links) und die Herzogin (Xiangjie Liu) (rechts: Tarabotto (Francesco Bossi), links am Boot: Batone (Eugenio Maria Degiacomi), im Boot: Ormondo (hier: Edoardo Di Cecco))

Eugenio Maria Degiacomi bewegt sich als Batone im großen Buffo-Duett nicht nur absolut auf Augenhöhe mit Bossi. Er besitzt auch die gleiche Spielfreude und Komik, so dass man ihm, obwohl er ja einst die Herzogin den Fluten des Meeres überlassen hat, eigentlich nicht böse sein kann. Stimmlich begeistert Degiacomi mit beweglichem Bassbariton und markanten Tiefen. Im Gegensatz zu Tarabotto ist Batone eine eigene Arie vergönnt, wenn er auf Nisa trifft und rätselt, ob eventuell die tot geglaubte Herzogin vor ihm steht. Rossini hatte diese Arie damals für den großen Bassbariton Filippo Galli komponiert, und auch Degiacomi legt sie mit großer Flexibilität an, so dass man nachvollziehen kann, dass unter anderem auch diese Nummer ein Grund für den damaligen großen Erfolg der Oper gewesen ist. Von diesem Moment an wird Batone von derart großen Schuldgefühlen übermannt, dass er, wenn auch nicht ganz freiwillig, schließlich die Entführung Nisas durch Ormondo verhindert. Carlos Reynoso gibt den Bösewicht nicht nur mit diabolischer Schwärze in der Stimme, sondern besitzt dazu auch noch eine Mimik, die einen das Fürchten lehren kann. Selbst bei seiner Verurteilung zeigt er nicht einen Moment der Reue und bleibt eiskalt.

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Tarabotto (Francesco Bossi) will Isabella (Xiangjie Liu) helfen, ihren Gatten zurückzugewinnen.

Xiangjie Liu punktet als verstoßene Herzogin Isabella mit großer Dramatik in den Höhen und changiert mit ihrem flexiblem Sopran zwischen zarten ängstlich anmutenden Tönen und einer gewissen Entschlossenheit, mit der sie am Ende ihren Feinden entgegentritt. Ihre große Arie vor dem Finale gestaltet sie mit glasklaren Koloraturen und enormer Beweglichkeit in den Läufen. Für die Auftrittskavatine des Herzogs lässt Schönleber erneut einen Flötisten aus dem Orchester im Jeep mit auf die Bühne fahren. Aleksander Olszewski leitet die Kavatine mit klarem, sauberem Spiel ein. Paolo Mascari legt die Partie des Herzogs mit einem sehr hellen Tenor an, der in den Höhen ein wenig näselnd klingt, setzt aber auch die hohen Töne sauber an. Dass die eigentlichen Helden der Geschichte Tarabotto und Isabella sind, ist aber weniger Mascari als vielmehr dem Libretto anzulasten. Antonino Fogliani führt das Philharmonische Orchester Krakau mit sicherer Hand und großer Liebe zum Detail durch die Partitur, so dass es für alle Beteiligten verdienten Beifall gibt.

FAZIT

Jochen Schönlebers Inszenierung hat auch in der Neueinstudierung nach zehn Jahren nichts von ihrem Charme eingebüßt und macht mit einer großartigen Besetzung nachvollziehbar, wieso diese Farsa damals Rossinis Durchbruch als Komponist bedeutet hat. Bitte spätestens in zehn Jahren wieder!

Weitere Rezensionen zu Rossini in Wildbad 2025



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
*Antonino Fogliani /
Claudia Patanè

Regie und Bühne nach Robert Schrag
Jochen Schönleber

Regieassistenz
Eleonora Calabrò
Romeo Gasparini

Kostüme
Claudia Möbius

Licht
Mareike Neumann

 

Philharmonisches Orchester Krakau
(Leitung: Alexander Humala)

Musikalische Assistenz und Tafelklavier
Andrés Jesús Gallucci


Solistinnen und Solisten

*Premierenbesetzung

Bertrando, Herzog
Paolo Mascari

Isabella, seine Gattin
Xiangjie Liu

Ormondo, Vertrauter des Herzogs
Edoardo Di Cecco /
*Carlos Reynoso

Batone, Vertrauter Ormondos
Eugenio Maria Degiacomi

Tarabotto, Anführer der Bergarbeiter
Francesco Bossi

Bergarbeiter und Soldaten (stumme Rollen)
Eleonora Calabrò
Romeo Gasparini
Moussé Dior Thiam

Flötensolo
Aleksander Olszewski

 


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