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Pressekonferenz zum
Wexford Festival Opera

17.10.2025 - 01.11.2025


Von Thomas Molke

Wie in den vorherigen Jahren hat die Italienerin Rosetta Cucchi, künstlerische Leiterin des Wexford Festival Opera seit 2020, am Vormittag der letzten Hauptpremiere eingeladen, um auf einer Pressekonferenz die Pläne für das kommende Jahr vorzustellen. Seit Cucchi die künstlerische Leitung übernommen hat, ist es Usus geworden, die Veranstaltungen unter ein Motto zu stellen, das Cucchi mit gewohnt fesselnder Art präsentiert. Nachdem sie in diesem Jahr mit "Theatre within Theatre" einen bisweilen bitterbösen Blick hinter "die Bretter, die die Welt bedeuten", geboten hat, wandelt sie im kommenden Jahr unter dem Thema "Myths & Legends" in wieder ganz anderen Sphären. Neben den drei Hauptproduktionen, die im nächsten Jahr einen Bogen vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert spannen, gibt es auch wieder eine Produktion der von Cucchi installierten "Wexford Factory", zwei "Pocket Operas", das sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Projekt "Community Opera", Konzerte, Recitals, zahlreiche Pop-Up-Events und vieles mehr. So wird auch 2025 in den 16 Tagen des Festivals keine Langeweile aufkommen.

Den Anfang macht das Werk eines Komponisten, das man auf den ersten Blick nicht bei einem Festival erwartet, das sich auf die Ausgrabung unbekannter Werke spezialisiert hat: Giuseppe Verdis Il trovatore. Aber in Wexford präsentiert man nicht die allseits bekannte italienische Fassung, sondern die äußerst selten aufgeführte französische Version Le Trouvère. Mehrmals hat Verdi Werke für die französische Oper umgewandelt und den Konventionen der Grand Opéra angepasst. So darf natürlich auch in Le Trouvère die obligatorische Balletteinlage nicht fehlen, doch auch ansonsten weist die Partitur zahlreiche Änderungen zu der italienischen Fassung auf, so dass eine Entdeckung absolut lohnenswert erscheint. Die musikalische Leitung übernimmt Verdi-Spezialist Marcus Bosch, der seit mehreren Jahren bei den Opernfestspielen Heidenheim mit einer Reihe für Aufsehen sorgt, die die frühen Verdi-Opern in chronologischer Reihenfolge herausbringt. In Wexford hat er 2021 die konzertante Aufführung von Goldmarks ein Wintermärchen geleitet, und Cucchi inszenierte im Sommer bei "seinem" Festival Puccinis Madama Butterfly. Die Regie übernimmt Ben Barnes. Die Partie der Leonore wird die vielversprechende US-amerikanische Sopranistin Lydia Grindatto interpretieren. In der Titelpartie ist Arseny Yakovlev zu erleben. Als weitere Besetzung sind Ludovico Filippo Ravizza als Comte de Lune und Xseniia Nikolaieva als Azucena zu nennen. Mit Jade Phoenix und Conor Prendiville kehren auch zwei ehemalige Studenten der Wexford Factory nach Wexford zurück.

Die zweite Produktion ist eine Kooperation mit den Internationalen Händel-Festspielen in Göttingen. In der Regie und unter der musikalischen Leitung des dortigen Festivalleiters George Petrou kommt Händels letzte Oper Deidamia zur Aufführung. Da die Begeisterung 1741 für die große italienische Opera seria in London vorbei war, widmete sich Händel anschließend nur noch dem englischsprachigen Oratorium, mit dem er dann an seine früheren Opernerfolge nahtlos anknüpfen konnte. Deidamia ist die Tochter des Lycomedes, der auf seiner Insel den als Mädchen verkleideten Achilles versteckt hält, damit dieser nicht in den Trojanischen Krieg ziehen muss. Doch Achilles' Verkleidung fliegt natürlich auf, zum einen, weil er sich in Deidamia verliebt, zum anderen weil Odysseus eine geschickte List anwendet. In der Titelpartie ist Sophie Junker zu erleben. Die Partie des Achilles wird von dem Starsopranisten Bruno de Sà interpretiert. Nicolò Balducci übernimmt die Partie des Odysseus, Sarah Gilford die Partie der Nerea, einer Vertrauten Deidamias.

Als dritte große Oper steht ein relativ unbekanntes Werk von Frederick Delius auf dem Programm: The Magic Fountain. Delius selbst konnte die Ende des 19. Jahrhunderts komponierte Oper über eine magische Quelle, die ewige Jugend verspricht, nicht mehr auf der Bühne erleben. Die Uraufführung fand erst posthum statt, konzertant 1977 und szenisch 1997. Nach A Village Romeo and Juliet  2012 widmet man sich 15 Jahre später also erneut dem englischen Komponisten. In den Hauptpartien sind Samuel Sakker als Solano, Axelle Saint Cirel als Watawa und Jonathan Lemalu als Wapanacki zu erleben. Die musikalische Leitung übernimmt Francesco Cilluffo. Regie führt Christopher Luscombe.

Als "Pocket Operas / Opera Beag" werden im nächsten Jahr ein bekanntes und ein relativ unbekanntes Werk präsentiert. Unter dem Titel La Tragédie de Carmen schuf Peter Brook 1981 eine gekürzte Fassung von Bizets Opernklassiker, in der er sich auf nur vier Charaktere konzentriert. Diese Version ist im Jerome Hynes Theatre zu erleben. Weniger bekannt dürfte Alexander Zemlinskys Operneinakter Der Zwerg sein, der als zweite Produktion im Jerome Hynes Theatre zu erleben ist.

Der Jahrgang der von Cucchi gegründeten "Wexford Factory" geht 2025 ins zweite und letzte Jahr. Über einen Zeitraum von jeweils zwei Jahren werden hier junge Künstlerinnen und Künstler auf ihren ersten Schritten in eine Musiktheaterkarriere begleitet und erarbeiten neben kleineren Partien in den anderen Produktionen und Auftritten bei den Pop-Up-Events auch jeweils eine eigene Oper. Dieses Jahr ist die Wahl auf ein Stück gefallen, das viele Jahre für unaufführbar galt, mittlerweile aber nicht nur durch die jährliche Produktion in Pesaro einen regelrechten Kultstatus genießt: Rossinis Il viaggio a Reims. Aufgrund ihrer persönlichen Verbundenheit zu Rossinis Geburtstadt lässt es Cucchi sich nicht nehmen, hierbei selbst Regie zu führen. Außerdem jährt sich die Uraufführung dieser "Gelegenheitskomposition" 2025 zum 200. Mal, was ein weiterer Grund für diese Wahl sein dürfte.

Fortgesetzt wird die 2023 als neues Projekt eingeführte "Community Opera", die Menschen der Gegend die Möglichkeit bietet, zusammen mit den Theaterleuten ein Stück zu entwickeln. Nach Puccinis Gianni Schicchi 2023 und einer gekürzten Fassung von Donizettis L'elisir d'amore 2024 folgt im Grain Store at Stonebridge im kommenden Jahr The Little Midsummer Night's Dream nach Benjamin Britten. Die musikalische Leitung übernimmt wie in den Vorjahren Luca Capoferri. Inszenieren wird Heather Hadrill in Zusammenarbeit mit Elizabeth Drwal. Als Artist in Residence hat Cucchi die irische Komponistin Ailís Ní Rían direkt für zwei Jahre verpflichtet. 2025 soll sie das Festival und seine Struktur näher kennenlernen, um 2026 für die "Community Opera" ein eigenes Werk zu kreieren.

Ergänzt wird das Programm von den beliebten Lunchtime Recitals in der St. Iberius Church, einem Gala- und einem Factory-Konzert, der Dr. Tom Walsh Lecture, den "Impossible Interviews", mehreren Late-Night-Veranstaltungen und zahlreichen Pop-Up-Events.

Weitere Informationen finden Sie unter www.wexfordopera.com.

Rezensionen zum Wexford Festival Opera 2024

 

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Rosetta Cucchi, die künstlerische Leiterin des Wexford Festival Opera seit 2020
(© Wexford Festival Opera)



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