Zur OMM-Homepage Zur OMM-Homepage Veranstaltungen & Kritiken
Musikfestspiele
Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum



Salzburger Festspiele 2025

Zaide oder Der Weg des Lichts

Ein Abend mit Ausschnitten aus
Zaide, Singspiel in zwei Akten KV 344 (Fragment, entstanden 1779/80)
mit Davide penitente, Kantate für Soli, Chor und Orchester KV 469 (1785),
Thamos, König in Ägypten, Bühnenmusik zum heroischen Drama von Tobias Philipp von Gebler KV 345 (1773/1780)
und weiteren Werken aus der Zeit 1779 — 1785
Musik von Wolfgang Amadeus Mozart

in deutscher und italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 1h 40' (keine Pause)


Premiere In der Felsenreitschule am 17. August 2025

Homepage

Salzburger Festspiele
(Homepage)

Die Überlebende

Von Joachim Lange / Fotos © Salzburger Festspiele / Marco Borelli

Den Verächtern des sogenannten Regietheaters mag es heuer eine Zusatzfreude sein: Die Salzburger Festspiele haben mit zwei halbszenischen Produktionen einhellig bejubelte Treffer beim Publikum gelandet. Mozarts Mitridate wurde bei der leider nur einzigen Aufführung im Haus für Mozart noch als semiszenisch annonciert. Und war dann ein mindestens dreiviertelszenisches Vergnügen. Im zweiten Fall verzichtete man ganz auf eine solche Kategorisierung. Zaide oder Der Weg des Lichts wurde als ein Pasticcio mit Musik von Wolfang Amadeus Mozart mit Sprechtexten des kanadisch-libanesischen Schriftstellers Wajdi Mouawad (*1968) in der Übersetzung von Uli Menke angekündigt und ist insgesamt dreimal in der Felsenreitschule zu erleben. Nun hat der Erfolg in beiden Fällen sicherlich vor allem mit dem Salzburger Genie zu tun, das bereits in den frühen Kompositionen schon durchschien. Man fragte sich schon bei Mitridate, ob Mozart überhaupt mal ein Kind war oder diese Lebensphase nicht einfach übersprungen hat.

Vergrößerung in neuem Fenster

Soliman (Daniel Behle) und Allazim (Johannes Martin Kränzle)

Bei Zaide handelt es sich um unvollendetes Werk, das 1780 ein Jahr vor dem Bruch mit dem Salzburger Erzbischof Colloredo entstand. Die Ähnlichkeit mit dem kurz darauf fertiggestellten Meisterwerk Die Entführung aus dem Serail ist überdeutlich - nur endet die Gefangenschaft des Christenpaares in den Händen des orientalischen Tyrannen hier noch tödlich. Allerdings bricht Mozarts Arbeit daran mit dem Versuch, den Tyrannen umzustimmen, ab. Von den Versuchen, das Fragment aufführbar zu komplementieren, um auch dieses Mozartwerk lebendig zu halten, ist sicher jener der israelischen Komponistin Chaya Czernowin vor zwanzig Jahren mit Zaïde/Adama der bislang ambitionierteste. Auftraggeber war damals Peter Ruzicka, der 2006 im großen Mozartjahr 2006 die Aufführung aller Opern des Komponisten an der Salzach spielen ließ.

Vergrößerung in neuem Fenster

Er steht für Konzept und leitet das Orchester: Raphaël Pichon

Der neuen Zaide-Anlauf ist jetzt Raphaël Pichon zu danken. Mit den so poetischen wie klug dosierten Sprechtexten von Wajdi Mouawad wird das Singspiel zu neuer Größe, besser eigentlich Tiefe komplettiert. Zu den Nummern des Singspiels kommt die Kantate für Soli, Chor und Orchester KV 469 (1785) mit dem Titel Davide Penitente, die Bühnenmusik zum heroischen Drama (1773/1780) Thamos, König in Ägypten von Tobias Philipp von Gebler KV 345 und weiteren Werken aus der Zeit zwischen 1779 und 1785. So wie Pichons Enseble Pygmalion mit Ronan Khalil am Hammerklavier intensiv und gefühlsstark, aber nicht pathetisch überhöht die Felsenreitschule füllt, wird daraus ein beeindruckendes Werk, dem jede Singspiel-Leichtigkeit abgeht. Es ist kein Zufall, dass man hin und wieder auch an Beethovens Fidelio erinnert wird. Die Macher gehen wohl zurecht davon aus, dass diese Ernsthaftigkeit eines Plädoyers für Menschlichkeit und den Kampf gegen Tyrannei, den Intentionen Mozarts ziemlich nahekommt.


Vergrößerung in neuem Fenster Das Liebespaar Zaide (Sabine Devieilhe) und ihr Gomatz (Julian Prégardien)

Die Geschichte hat jetzt jedenfalls einen Rahmen. Die Tochter, die Soleiman zusammen mit ihren Eltern nach ihrem gescheiterten Fluchtversuch ermorden lassen wollte, hat dank des Eingreifens des im Angesicht der Barbarei geläuterten Aufsehers Allazim überlebt und kehrt als junge Frau an den Ort der Gefangenschaft und des Todes ihrer Eltern zurück. Allazim ist jetzt vom willfährigen Aufseher und Handlanger des Tyrannen zum Museumswärter mutiert. Was seine Selbstreflexion ganz neben mit einer bemerkenswert aktuellen Note versieht.Die Geschichte hat jetzt jedenfalls einen Rahmen. Die Tochter, die Soleiman zusammen mit ihren Eltern nach ihrem gescheiterten Fluchtversuch ermorden lassen wollte, hat dank des Eingreifens des im Angesicht der Barbarei geläuterten Aufsehers Allazim überlebt und kehrt als junge Frau an den Ort der Gefangenschaft und des Todes ihrer Eltern zurück. Allazim ist jetzt vom willfährigen Aufseher und Handlanger des Tyrannen zum Museumswärter mutiert. Was seine Selbstreflexion ganz neben mit einer bemerkenswert aktuellen Note versieht.

Auf der Bühne von Bertrand Couderc, der auch für Licht und Kostüme verantwortlich ist, sind links Pichon und seine Musiker postiert - auf der rechten Seite ist der Raum für die exemplarische Begegnung mit der Vergangenheit, zu der die junge Frau auch den alten Mann animiert. Der Chor singt hier immer wieder bewegend reflektierend und die hinzugefügte Mozartmusik gerät in die Rolle eines kommentierenden antiken Chores. Meistens ist er auch ein von Evelin Facchini plastisch durchchoreografierter Mitspieler. Mal Gefangene, mal Flüchtende auf hoher See und ohne Aussicht auf Erfolg, mal dahin gemetzelte Tote. Dazu kommen Tommy Cattin und Sabrina Rocha als tanzende Einzelindividuen. Die martialische Anmutung der verschlossenen Arkaden der Felsenreitschule wird zu einem angemessenen Hintergrund für einen Raum, der Gefängnis und Gefängnismuseum ist und mit seiner martialischen Wucht die Wirkung der Musik verstärkt.

Vergrößerung in neuem Fenster

Persada (Lea Desandre) auf der Suche nach ihren Wurzeln und Allazim

Bei der Protagonisten ist das Comeback von Johannes Martin Kränzle (das Programm geht offensiv mit dessen Erkrankung um) ein Glücksfall. Mit ihm ist nicht nur die Gesangspartie von Allazim in bewährt sicherer Kehle, sondern er ist eben auch ein begnadeter Darsteller, dem man jeden Sprechtext nicht nur gefahrlos, sondern mit Gewinn anvertrauen kann. Daniel Behle muss bei seiner eingängig kanatablen Stimme für den Fiesling Soleiman innerlich regelrecht Haltung annehmen, was ihm bestens gelingt. Julian Prégardien als Gefangener Gomatz und Sabine Devieilhe als seine von Soleiman vergeblich begehrte Geliebte Zaide haben es in dieser Beziehung leichter und die Sympathien per se auf ihrer Seite. Vor allem Devieilhe glänzt mit betörend verhauchenden Spitzentönen. Aber nicht nur sie zieht die Zuhörer in den Bann. Das gelingt auch der mit ihrem sinnlichen Mezzo dazu kontrastierenden Lea Desandre in der Rolle der Tochter Persada, die von Allazim einfach wissen will, wie das einst mit ihren Eltern war. Am Ende steht die Möglichkeit des Verzeihens. Der Wechsel zwischen fragender Rahmenhandlung und erinnerter eigentlicher Geschichte ist so harmonisch miteinander verwoben, dass dieses Pasticcio unter der Hand mit dem Potenzial einer Novität selbst zum Original werden könnte.


FAZIT

Die Salzburger Festspiele glänzen mit dem halbszenischen, inhaltlich originell komplettierten Mozart-Fragment Zaide oder Der Weg des Lichts. Wie schon bei Mitridate gilt auch bei Zaide: von wegen halbszenisch!






Ihre Meinung ?
Schreiben Sie uns einen Leserbrief

Produktionsteam

Musikalische Leitung und Konzept
Raphaël Pichon

Licht und Kostüme
Bertrand Couderc

Dramaturgie
Eddy Garaudel

Choreographie
Evelin Facchini



Chor und Orchester Pygmalion


Solisten

Zaide
Sabine Devieilhe

Persada
Lea Desandre

Gomatz
Julian Prégardien

Soliman
Daniel Behle

Allazim
Johannes Martin Kränzle

Tänzer
Tommy Cattin
Sabrina Rocha


weitere Berichte von den
Salzburger Festspielen 2025


Zur Homepage der
Salzburger Festspiele




Da capo al Fine

Zur OMM-Homepage Zur Festspiel-Startseite E-Mail Impressum

© 2025 - Online Musik Magazin
http://www.omm.de

- Fine -