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Salzburger Festspiele 2025

Hotel Metamorphosis

Ein Pasticcio mit Musik von Antonio Vivaldi in zwei Akten
Texte von Ovid in der Übersetzung von Hermann Heiser und Gedichte von Rainer Maria Rilke
Fassung von Barrie Kosky und Olaf A. Schmitt

in italienischer, deutscher und lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 3h 30' (eine Pause)


Eine Produktion der Pfingstfestspiele 2025
Premiere der Wiederaufnahme am 31. Juli 2025
(rezensierte Aufführung: 5. August 2025)

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Salzburger Festspiele
(Homepage)

Wenn Hotelzimmer erzählen könnten

Von Joachim Lange / Fotos © Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus

Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten kennt jeder. Von seinen fast 50 Opern aber ist - anders als bei seinem Zeitgenossen Händel - kaum eine bekannt. Hotel Metamorphosis schon gar nicht. Geht auch nicht, denn diese Oper war nicht verschollen, es gab sie bis vor kurzem gar nicht. In Salzburg steht sie jetzt (nach der Premiere bei den Pfingstfestspielen) bei den Sommerfestspielen wieder auf dem Programm. Die singende, gerade bis 2031 verlängerte Intendantin der Pfingstfestspiele Cecilia Bartoli ist eh' in ihrem Drittberuf immer auch auf Entdeckungsreise und dabei nicht das erste Mal bei ihren Ausgrabungsarbeiten in den vom Vergessen überwachsenen barocken Fundamenten der heute gepflegten lebendigen Welt der Oper fündig geworden. Mit Barrie Kosky hat sie sich einen Regisseur an ihrer Seite geholt, der auch für jede Exkursion ins Unbekannte zu haben ist und obendrein auch ein Händchen für's Opulente hat. Letztlich auf die Ambitionen dieser beiden extrovertierten Bühnenmenschen geht diese Vivaldi-Novität zurück, die (gar nicht) schlicht und (sicher nicht) einfach ein Pasticcio aus 45 Musiknummern des großen Venezianers Antonio Vivaldi ist.

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Philippe Jaroussky als Pygmalion

Kosky und Dramaturg Olaf A. Schmitt haben dazu von Hermann Heiser übersetzte Texte von Ovid und Gedichte von Rainer Maria Rilke zur Grundlage für die in zwei Akte aufgeteilten fünf Szenen gemacht. Gesungen wird in Italienisch - verbindend und erklärend gesprochen wird Deutsch. Wobei auch der deutsche Muttersprachler gelegentlich einen Blick auf die englischen Übertitel wirft, weil der sprechende Orpheus von Angela Winkler nicht nur traumwandlerisch in Erscheinung tritt, sondern auch das eine oder andere Wort verschluckt. So wie das große Doppelbett, das Michael Levine ins Zentrum der Hotelsuite der gehobenen Preisklasse platziert hat, immer wieder mal die Helden der Geschichten verschluckt, die wir nacheinander miterleben.

Das bekannte Schicksal von Orpheus (Angela Winkler) und Eurydike (Cecilia Bartoli) bildet die Klammer. Orpheus trauert im Hotel Eurydike nach, die als erste effektvoll in dem Bett Richtung Unterwelt verschwindet. Danach erzählen Orpheus und sozusagen auch "das Hotelzimmer" nacheinander von jenen mythischen Verwandlungen, die dem imaginären Hotel und dem Pasticcio zu ihrem Namen verhelfen.

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Cecilia Bartolie als Arachne

In der ersten Episode erschafft sich der Bildhauer Pygmalion eine weibliche Schönheit aus Marmor, in die er sich verliebt. Hier führt die Verwandlung dazu, dass die künstliche Frau zu menschlichem Leben erwacht, was alle in Verzückung geraten lässt. Diese Liebesbeziehung mit Happy End, entgegen jeder Erwartung, entspinnt sich zwischen dem Counter Philippe Jaroussky und der federleicht trällernden Lea Desandre als Statua.

Für die nächste Zimmerbelegung kehrt Bartoli in der Rolle der so begabten wie hochmütigen Weberin Arachne zurück, hier allerdings im schicken Kleid als umtriebige Web-Designerin. Sie fordert Minerva auf eine Weise heraus, die dazu führt, dass Minerva Arachne vor Wut in eine Spinne verwandelt. Das wird zum puren szenischen Vergnügen, weil sich die Arachne Bartoli und die fabelhafte russisch-schweizerische Mezzosopranistin Nadezhda Karyazina als Minerva dabei nicht nur vokal handgreiflich werden, bis man am Ende eine Spinne im Video krabbeln und spinnen sieht.


Vergrößerung in neuem Fenster Die Geister der Unterwelt

Die dritte Episode ist ein weiteres Beispiel dafür, wie mythische Vorlagen auch heutige Psychothriller inspirieren. Myrrah (Lea Desandre, jungmädchenhaft spielend) begehrt ihren eigenen Vater (gespielt von Alessio Marchini) und schafft es mit Hilfe einer Freundin tatsächlich in sein Bett, ohne dass er weiß, mit wem er es zu tun hat. Als die Sache auffliegt, ist Myrrah so verzweifelt, dass sie sich bewusst in einen Baum verwandeln lässt, der sich dann aus der Minibar durchs Zimmer schlängelt.

Der als Pygmalyon vom Bett verschluckte Jaroussky taucht nach der Pause als Narcissus wieder auf. Er selbst sieht sein "Problem" immer von außen - gleich zwei sich aufs Haar gleichende Tänzer verkörpern das Narzissmus-Problem. In die Fänge dieses sich selbst liebenden Schönlings gerät die Nymphe Echo. Lea Desandre umspielt ihn zunächst sehr leichtfüßig, nervt aber Juno so sehr, dass sie von ihr in das Echo verwandelt wird, wie es kennen. Ohne Köper, nur als Stimme kann sie fortan immer nur letzte Worte wiederholen.

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So kann Lebensfreude à la Kosky zur Musik von Vivaldi aussehen

Am Ende gibt es sogar noch einen Blick in die Unterwelt. Da schwebt das Hotelzimmer in die Höhe und man sieht, wie Eurydike sich ins Dunkel der Unterwelt entfernt. Orpheus aber fällt den Bacchantinnen in die Hände und verliert im wahrsten Wortsinn seinen Kopf.

In bester Manier des bewährten Gespanns aus Barrie Kosky und seinem Choreographen Otto Pichler schießt immer wieder seine zwölfköpfige fabelhafte Tänzercrew zwischen die Zimmerbelegung. Immer zusammen mit dem von Jacopo Facchini einstudierten Chor Il Canto di Orfeo. Ausgestattet mit den prächtigen Kostümen von Klaus Bruns, dann mal als geheimnisvoll gesichtslose Seelen aus der Unterwelt oder in einer Explosion von purer (man könnte auch sagen: nackter) Lebenslust wie Blumenkinder im Paradies. Dieses Motiv ziert dann auch das werbewirksamen Festspielplakat für diese Oper der besonderen Art. Vor allem in diesen getanzten Nummern gehen Vivaldi-Spezialist Gianluca Capuano und sein Ensemble Le Musiciens du Prince-Monaco in die Vollen und lassen Vivaldis vibrierenden Barock rocken.


FAZIT

Barrie Kosky und Cecilia Bartoli gelingt mit ihrem Pasticcio Hotel Metamorphosis eine opulente Vivaldi-Oper, die es bisher nicht gab. Langweilig ist das in diesen dreieinhalb Stunden nie.






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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Gianluca Capuano

Inszenierung und Konzept
Barrie Kosky

Choreographie
Otto Pichler

Bühne
Michael Levine

Kostüme
Klaus Bruns

Licht
Franck Evin

Video
rocafilm

Chor
Jacopo Facchini

Dramaturgie und Konzept
Olaf A. Schmitt



Il Canto di Orfeo

Les Musiciens du Prince - Monaco


Solisten

Eurydice/ Arachne
Cecilia Bartoli

Statua/ Myrrha/ Echo
Lea Desandre

Minerva/ Nutrice/ Juno
Nadezhda Karyazina

Pygmalion/ Narcissus
Philippe Jaroussky

Orpheus
Angela Winkler

Tänzer*innen
Rachele Chinellato
Jia Bao Beate Chui
Martje de Mol
Fanny De-Ponti
Matt Emig
Claudia Greco
Alessio Marchini
Prince Mihai
Rouven Pabst
Teresa Royo
Felix Schnabel
Rens Stigter


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