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Vom italienischen zum slawischen BelcantoVon Thomas Molke / Fotos: © Studio Amati Bacciardi (Rossini Opera Festival)
Marko Mimica mit Marcos Madrigal am Pianoforte
Zunächst schlüpft Mimica in die Rolle des Grafen Rodolfo aus Bellinis Oper La
sonnambula. Diese Partie hat er zuletzt szenisch an der Opéra Royal de
Wallonie in Liège verkörpert. In der großen Kavatine des ersten Aktes "Vi
ravviso, o luoghi ameni" zeigt er sich voller sentimentaler Erinnerungen, als
Rodolfo
nach langer Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt, dort auf die mittellose Amina trifft und mit seiner Schmeichelei die Eifersucht ihres Bräutigams Elvino
auslöst. Mimica legt die Nummer mit samtig fließenden Bögen an. Es folgt die
große Arie des Alidoro "Là del ciel nell' arcano profondo", die Rossini bei
späteren Aufführungen gegen eine frühere Arie austauschte, die ein Kollege für
Rossini komponiert hatte. Auch hier begeistert Mimica mit sauberer Stimmführung
und markant angesetzten Spitzentönen.
Nach einem kurzen Auszug aus Rossinis Péchés de vieillesse, bei dem
Marcos Madrigal am Pianoforte unter Beweis stellt, dass er nicht nur Mimica hervorragend begleiten kann und der Mimica eine erste kurze
Verschnaufpause bietet, präsentiert Mimica vier Chansons des französischen
Komponisten Jacques Ibert. Neben einigen Opern hat Ibert auch in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts annähernd 60 Filmmusiken komponiert, unter anderem
1933 Don Quichotte für den russischen Bass Fjodor Shaljapin in der
Titelpartie. Mimica arbeitet die Melancholie der Figur sehr eindringlich heraus.
Schlussapplaus: Marko Mimica (rechts) und Marcos
Madrigal (links)
Anschließend wendet er sich dem slawischen Repertoire zu, zu dem er auch in der
Diktion eine
besondere Affinität zeigt. Zunächst präsentiert er vier biblische Lieder von Antonín Dvořák, die dieser am Ende des 19. Jahrhunderts komponiert
hat und begeistert mit einfühlsamer Interpretation und weicher Stimmführung.
Dann folgen vier Nummern aus Modest Musorgskijs Liederzyklus Lieder und Tänze
des Todes, mit deren Interpretation Mimica das Publikum ganz besonders
begeistert. Den Abschluss bildet dann die Kavatine des Aleko aus der
gleichnamigen Oper von Sergej Rachmaninov, "Ves' tabor spit". Auch sie legt
Mimica in einer sehr intensiven Interpretation mit weicher Stimmführung an, so
dass es vom Publikum großen Applaus gibt. Dazwischen zeigt Madrigal mit "Hachis
romantique" aus Rossinis Péchés de vieillesse noch einmal sein
großartiges Talent am Pianoforte und schwebt dabei regelrecht über die Tasten.
FAZIT
Mimica zeigt in diesem Belcanto-Konzert seine Vielseitigkeit, die vor allem im
slawischen Bereich mit enormer Ausdruckskraft überzeugt.
Weitere Rezensionen zu dem
Rossini Opera Festival 2025 |
AusführendeMarko Mimica, Bass Marcos Madrigal, Pianoforte
WerkeVincenzo Bellini Gioachino Rossini Péchés de vieillesse,
Vol. VI Jacques Ibert Antonín Dvořák Gioachino Rossini Modest Musorgskij Sergej Rachmaninov
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