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Rossini Opera Festival

Pesaro
10.08.2025 - 22.08.2025


Soirées musicales

Version für Stimmen und Orchester
Musik von Gioachino Rossini (Orchesterfassung von Fabio Maestri)
La cambiale di matrimonio

Farsa comica in einem Akt
Libretto von Gaetano Rossi
Musik von Gioachino Rossini

In italienischer Sprache mit italienischen und englischen Übertiteln (im zweiten Teil)

Aufführungsdauer: ca. 2 h 45' (eine Pause)

Wiederaufnahme-Premiere im Teatro Rossini in Pesaro am 11. August 2025
(rezensierte zweite Aufführung: 15. August 2025)


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Rossini Opera Festival

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Merkwürdige Kombination zweier unterschiedlicher Werke

Von Thomas Molke / Fotos: © Studio Amati Bacciardi (Rossini Opera Festival)

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie 2020 wurden nahezu alle Festspiele abgesagt. Wenn trotz allem gespielt wurde - beispielsweise bei der Neuburger Kammeroper oder dem Mini-Festival Rossini in Wildbad im September auf der Hängebrücke -, konnten diese Veranstaltungen nur sehr eingeschränkt mit Publikumsbeteiligung stattfinden, falls sie nicht lediglich als Online-Stream gezeigt wurden wie beispielsweise in Wexford. Das Rossini Opera Festival hat in dem Jahr eine Neuproduktion von Rossinis erster Farsa La cambiale di matrimonio in einer Inszenierung von Laurence Dale herausgebracht, die fünf Jahre später nun als Wiederaufnahme im Teatro Rossini unter "normalen" Umständen präsentiert werden kann. Weil das Werk allerdings für eine komplette Abendveranstaltung ein wenig kurz erscheint, kombiniert man den Einakter mit Rossinis Soirées musicales, die erst entstanden, als Rossini seine aktive Karriere als Opernkomponist bereits beendet hatte. Dabei versucht man nicht, einen Zusammenhang zwischen den beiden Teilen zu kreieren, was wahrscheinlich auch schwierig bis unmöglich gewesen wäre.

Die 12 Lieder der Soirées musicales entstanden wahrscheinlich zwischen 1830 und 1835 und wurden 1835 auf Anraten des Pariser Verlegers Troupenas als Sammlung für vier Stimmen und Pianoforte gleich in mehreren Städten herausgegeben. Diese acht Sologesänge und vier Duette hatte Rossini als Salonmusik für die verschiedensten Anlässe in Paris geschaffen, um die gehobene Gesellschaft häufig mit eigener Klavierbegleitung zu unterhalten. Die vertonten Texte stammen von Pietro Metastasio und Carlo Pepoli, und stellen eine lose Sammlung ohne inneren Zusammenhang dar. Fabio Maestri hat die Klavierbegleitung auf ein Kammermusikorchester erweitert. In dieser Fassung werden die Lieder nun als erster Teil des Opernabends von der Sopranistin Vittoriana De Amicis, dem Tenor Paolo Nevi, der Mezzosopranistin Andrea Niño und dem Bariton Gurgen Baveyan vor einem riesigen Theaterprospekt an der Bühnenrampe wie in einem regulären Konzert präsentiert. Begleitet werden sie dabei vom Orchester Filarmonica Gioachino Rossini unter der Leitung von Christopher Franklin.

Die acht Solo-Gesänge teilen De Amicis und Nevi untereinander auf, während die ersten beiden Duette von De Amicis und Niño, das dritte Duett von De Amicis und Nevi und das letzte Duett von den beiden Männern Nevi und Baveyan interpretiert werden. De Amicis punktet bei dem ersten Lied "La promessa" mit klaren Höhen und entfacht bei dem fünften Lied, dem Bolero "L'invito", stimmlich flammende Leidenschaft. Im sechsten Lied "La pastorella delle Alpi" spürt man in der Melodieführung die pittoreske Natur der Alpen, während sie die relativ bekannte achte Nummer, die Tarantella "La danza", mit großem Tempo absolut feurig präsentiert. Nevi präsentiert die Lieder Nr. 2, 3 und 4, "Il rimprovero", "La partenza" und "L'orgia" mit leicht fließendem Tenor und weich geführten Höhen. Besonders lautmalerisch gelingt ihm gemeinsam mit dem Orchester das siebte Lied, "La gita in gondola", bei dem man die Wellenbewegungen des Bootes regelrecht nachfühlen kann. Sehr unterschiedlich gestaltet sind die beiden Duette für Sopran und Mezzosopran. Bei "La regata veneziana" sieht man De Amicis und Niño darstellerisch regelrecht an, wie sie aufgeregt die Regatta ihrer Liebsten verfolgen. Im zweiten Duett "La pesca" finden die beiden Frauenstimmen zu einer betörenden Einheit zusammen. Es folgt eine Art Liebeslied, "La serenata", bei dem De Amicis' Sopran und Nevis Tenor wunderbar miteinander harmonieren. Von einem ganz anderen Kaliber ist die letzte Nummer "Li marinari", bei der sich Nevi und Baveyan als zwei Matrosen einem heftigen Sturm auf See ausgesetzt sehen, der im wilden Klang des Orchesters tobt. Es verwundert nicht, dass Richard Wagner sich besonders für diese Nummer erwärmen konnte und vielleicht auch ein wenig Inspiration für seinen Holländer daraus gezogen haben könnte.

Leider werden die Lieder nicht übertitelt, so dass man, wenn man des Italienischen nicht mächtig ist, den Text ohne das Programmheft nicht verfolgen kann. Warum hier nicht wie im zweiten Teil des Abends die Gesangstexte eingeblendet werden, bleibt fraglich. So hat bei aller Schönheit der Musik der erste Teil des Abends mit seinen rund 50 Minuten einige Längen, die einige Zuschauerinnen und Zuschauer zum Ärger anderer Besucherinnen und Besucher verleiten, das Mobiltelefon zu zücken, was auf Bitten des Theaters eigentlich in der Vorstellung auszustellen ist.

Nach der Pause geht es dann mit Rossinis erster Farsa La cambiale di matrimonio weiter, die am 3. November 1810 im Teatro San Moisè in Venedig zur Uraufführung gelangte und den Beginn seiner großen Karriere einleitete. Dass der junge Komponist hier bereits im zarten Alter von 18 Jahren seine Karriere starten konnte, war mehreren Zufällen zu verdanken. Das Sängerehepaar Giovanni und Rosa Morandi, das zur Herbstspielzeit 1810 nach Venedig gegangen war, war mit Rossinis Eltern gut befreundet und hatte bereits in Bologna das Talent des jungen Rossini kennengelernt. Zu dieser Zeit konnte er nämlich an zahlreichen kleinen Theatern in der Provinz seine außerordentliche Begabung als Maestro di Cembalo und Komponist unter Beweis stellen. Als dann für die Herbstsaison 1810 in Venedig ein Komponist für ein Auftragswerk ausfiel, benötigte der Impresario Antonio Cera dringend einen möglichst günstigen Ersatz. Da kam ihm Rosa Morandis Vorschlag, den jungen Rossini in Venedig debütieren zu lassen, gerade recht, zumal Cera so die Gage relativ niedrig halten konnte. So kam es gewissermaßen durch einen "Komponistenwechsel" ("cambiale di compositore") zur gefeierten Uraufführung des "Heiratswechsels" ("cambiale di matrimonio"), die Cera veranlasste, Rossini sofort für die kommende Spielzeit erneut zu verpflichten.

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Tobia Mill (Pietro Spagnoli, links) will seine Tochter Fannì (Paolo Leoci) mit dem Kanadier Slook verheiraten. Sie liebt allerdings Edoardo (Jack Swanson, rechts), den Norton (Ramiro Maturana, Mitte) als neuen Buchhalter einführt.

Mit "Wechsel" ist in der Oper allerdings ein Schuldschein gemeint, den der kanadische Kaufmann Slook seinem englischen Kollegen Tobia Mill ausgestellt hat. Slook will nun nach England kommen, um diesen Wechsel persönlich einzulösen. Seine Idee ist es, in Kanada ein "Eheunternehmen" zu gründen. Dafür benötigt er eine Ehefrau. Mill will ihm seine Tochter Fannì anbieten. Diese ist allerdings bereits in den mittellosen Edoardo verliebt und will natürlich keinesfalls mit Slook nach Kanada gehen. Gemeinsam mit dem Buchhalter Norton und der Zofe Clarina überlegen Edoardo und Fannì, wie sie diese Hochzeit verhindern können. Fannì zeigt sich Slook gegenüber zunächst sehr kämpferisch und droht, ihm die Augen auszukratzen, wenn er nicht auf die Einlösung des Wechsels verzichten wolle. Auch Edoardo, den Norton als seinen Buchhalter-Kollegen ausgegeben hat, fordert Slook auf, ohne Fannì nach Kanada zurückzukehren. Slook zeigt sich über die Sitten der Europäer sehr verwirrt. Da warnt ihn Norton, dass Fannì vielleicht mit einer "Hypothek" belegt sein könne. Als Slook diese Anspielung versteht, ist er bereit, auf Fannì zu verzichten. Das will aber wiederum Mill nicht akzeptieren und fordert Slook zum Duell heraus. Edoardo und Fannì bieten dem verzweifelten Slook ihre Hilfe an, so dass Slook kurzerhand den Wechsel auf Edoardo überschreibt und ihn als seinen Erben einsetzt. Als Edoardo bei Mill nun die Einlösung des "Heiratswechsels" verlangt, fühlt dieser sich verraten und will nicht vom bevorstehenden Duell ablassen. Doch als er erfährt, dass Edoardo ein Ehrenmann ist, der nicht nur einen reichen Onkel hat, sondern auch Slook beerben wird, lenkt er ein und ist bereit, seine Tochter Fannì Edoardo zur Ehefrau zu geben.

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Ankunft Slook (Mattia Olivieri, Mitte) mit Bär (Statist) (links: Tobia (Pietro Spagnoli), Mitte hinten: Norton (Ramiro Maturana), auf der rechten Seite: Edoardo (Jack Swanson) und FannĚ (Paola Leoci))

Mit Tobia Mill und Slook weist diese Farsa eigentlich zwei komische Buffo-Partien auf, die auf ihre Weise ähnlich skurril sind. Das Regie-Team um Laurence Dale scheint allerdings mehr auf die Gegensätzlichkeit der beiden Figuren zu setzen und beraubt auf diese Weise Slook seiner Buffo-Komik. So ist er im Kostüm von Gary McCann wie ein rauer Cowboy aus dem Wilden Westen gekleidet, der sich wohl weder von Fannìs Drohungen, ihm die Augen auskratzen zu wollen, noch von einem bevorstehenden Duell mit Mill einschüchtern lassen würde. Da nützt es auch nichts, dass er einen wilden Braunbär aus Kanada mitgebracht hat, der zunächst die feine englische Gesellschaft erschreckt, sich dann aber als Bäcker der Hochzeitstorte und Koch im Hause Mills als äußerst domestiziert zeigt. Wenn auch das Kostüm optisch sehr unterhaltend ist, bringt es die eigentliche Komik des Stückes nicht weiter. Genauso albern ist es, dass sich Mill und Slook am Ende mit zwei Tabakpfeifen duellieren.

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Duell mit Tabakpfeifen: von links: Tobia (Pietro Spagnoli), Clarina (Inés Lorans), Norton (Ramiro Maturana), Slook (Mattia Olivieri) und Fannì (Paolo Leoci)

Während McCann beim Bühnenbild auf eine wunderbare englische Hausfront in mehreren Etagen setzt, die als Vorhang für das dahinter in mehreren Ebenen befindliche schicke Interieur des Hauses des englischen Kaufmanns dient, und die Kostüme des Personals und des Liebespaars Edoardo und Fannì absolut passend und klassisch gehalten sind, passt Mill mit seinem weiß geschminkten Gesicht und seinem beinahe orientalisch anmutenden Turban kaum in dieses Ambiente und wirkt hier wie ein merkwürdiger Fremdkörper, was ebenfalls nicht zur Komik des eigentlichen Stückes beiträgt. So werden bei aller Opulenz zahlreiche Möglichkeiten verschenkt, dem Werk als Farsa wirklich nahe zu kommen. Stattdessen wird auf eine alberne und recht platte Komik gesetzt.

Musikalisch bewegt sich die Aufführung auf gutem Niveau. Pietro Spagnoli legt die Partie des Kaufmanns Tobia Mill mit kraftvollem Buffo-Bariton und komödiantischem Spiel an. Mattia Olivieri hält als Slook mit virilem Bariton dagegen, wäre optisch in seiner Erscheinung aber fast die bessere Partie für Fannì, so dass man sich in der Inszenierung wundert, wieso Fannì sich gegen ihn entscheiden sollte. Paola Leoci punktet als gewitzte Tochter Fannì mit strahlenden Höhen und leuchtendem Sopran. Ein Höhepunkt ist ihre große Arie kurz vor Ende der Oper. Jack Swanson gestaltet die Partie des mittellosen Edoardo, der in seinem Kostüm gar nicht so arm aussieht, mit hellem Tenor und sauber ausgesungenen Höhen. Ramiro Maturana und Inés Lorans runden das Dienerpaar Norton und Clarina überzeugend ab, auch wenn sie im Parlando-Teil der Introduzione noch leichte Abstimmungsprobleme in den Tempi mit dem Orchester haben. Christopher Franklin führt auch im zweiten Teil des Abends die Filarmonica Gioachino Rossini mit leichter Hand durch die beschwingte Partitur, so dass es am Ende großen Beifall für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Die Aufführung wirft im Grunde zwei Fragen auf: Warum werden zwei unterschiedliche Werke wie die Soirées musicales und La cambiale di matrimonio überhaupt kombiniert, und wieso vertraut das Regie-Team nicht auf die in der Farsa enthaltene Komik und bläht das Stück mit einem Braunbär unnötig auf?

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Christopher Franklin

 

Filarmonica Gioachino Rossini

Soirées musicales

Solistinnen und Solisten

Vittoriana De Amicis, Sopran

Andrea Niño, Mezzosopran

Paolo Nevi, Tenor

Gurgen Baveyan, Bariton

 

La cambiale di matrimonio

Regie
Laurence Dale

Bühnenbild und Kostüme
Gary McCann

Licht
Ralph Kopp

Statisterie

Solistinnen und Solisten

Tobia Mill
Pietro Spagnoli

Fannì
Paola Leoci

Edoardo Milfort
Jack Swanson

Slook
Mattia Olivieri

Norton
Ramiro Maturana

Clarina
Inés Lorans

 


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