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Neuburger Kammeroper
26.07.2025 - 03.08.2025


Der Teufel von der Mühle
(Le diable au moulin)

Opéra comique in einem Akt
Libretto von Eugène Cormon und Michel Carré
Deutsche Übersetzung und Bearbeitung von Annette und Horst Vladar
Musik von François Auguste Gevaert

So eine Komödie!
(La comédie à la ville)

Komische Oper in einem Akt
Libretto von Victor Prilleux
Deutsche Übersetzung und Bearbeitung von Annette und Horst Vladar
Musik von François Auguste Gevaert

In deutscher Sprache

Aufführungsdauer: ca. 2 h 40' (eine Pause)

Premiere im Stadttheater am 26. Juli 2025
(rezensierte Aufführung: 01.08.2025)

 


 

 

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Doppelte Komödie zum Abschluss

Von Thomas Molke / Fotos: © NKO

Ziel der Komödie sei es, die Menschen zum Lachen zu bringen, auch wenn im Leben nicht immer alles zum Lachen sei. Mit ähnlichen, in Musik gesetzten Worten endet das letzte Programm der Neuburger Kammeroper und damit eine Ära in Neuburg an der Donau. Seit 1969 hat der in Neuburg aufgewachsene Horst Vladar es sich gemeinsam mit seiner Frau Annette zur Aufgabe gemacht, Opernraritäten, die selbst eingefleischten Opernbesucher*innen häufig unbekannt sind, im hübschen Biedermeier-Theater im Zentrum der historischen Altstadt zur Aufführung zu bringen und damit Opernfans von nah und fern in das kleine pittoreske Städtchen an der Donau zu locken. Dabei konnte man sich einer Sache stets gewiss sein. Man erlebte die längst vergessenen Werke des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts in einer liebevollen Inszenierung, die auf häufig unliebsame Verfremdungseffekte des modernen Regietheaters verzichtete. Doch auch ein solches Theatererlebnis lässt sich nicht allein aus Karteneinnahmen finanzieren, und da der Neuburger Stadtrat leider beschlossen hat, die dringend erforderlichen Zuschüsse nur noch alle zwei Jahre zu gewähren, und man damit den Spielbetrieb nicht aufrechterhalten kann, gibt es in diesem Jahr leider die letzte Produktion.

Doch auch damit weist man auf die überregionale und internationale Bedeutung des kleinen Festivals hin. So befindet sich im Programmheft ein Dankes-Grußwort des Botschafters des Königreichs Belgien in Deutschland, Piet Heirbaut, der mit der Auswahl des diesjährigen Komponisten der Neuburger Kammeroper "Raum für grenzüberschreitende Begegnungen, inspirierenden Austausch und ein Gefühl der kulturellen Verbundenheit" bescheinigt. Die Wahl ist nämlich in diesem Jahr auf François Auguste Gevaert gefallen, der die belgische Musikgeschichte nicht nur als Komponist prägte, sondern auch als großer Musiktheoretiker einen bleibenden Einfluss auf die Musikpädagogik in Belgien hatte. Nachdem er bereits in jungen Jahren mit seinen Kompositionen zahlreiche Preise erhalten hatte und als Klavierlehrer und Organist tätig war, ließ er sich in Paris nieder und wurde dort 1867 auf den Posten des Musikdirektors der Opéra berufen. 1871 trat er in Belgien die Nachfolge des Direktors des Conservatoire Royal de Musique in Brüssel an und machte das Institut in den nächsten 37 Jahren zu einer der ersten Musikanstalten der Welt. Bis ins hohe Alter war er Mitglied der Académie Royale des Sciences und leitete sie teilweise sogar als Präsident. Im Alter von 100 Jahren starb er am 24. Dezember 1908 in Brüssel.

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Noch wirkt alles harmonisch: Antoine (Karol Bettley, rechts) will Martha (Elisabeth Zeiler, links) heiraten (in der Mitte: Boniface (Stephan Hönig), dahinter Toinette (Sarah-Léna Winterberg) und Fargeau (Gabriel Goebel)).

Die Neuburger Kammeroper hat von Gevaert zwei Operneinakter ausgewählt, die im Abstand von 10 Jahren am Grand Théâtre in Gent und an der Opéra-Comique in Paris zur Uraufführung gelangten. Den Anfang macht Der Teufel von der Mühle (Le diable au moulin). Das Stück wurde am 13. Mai 1859 in Paris uraufgeführt und erzählt die Geschichte des reichen und äußerst launischen Müllers Antoine, der beschlossen hat zu heiraten. Das erweist sich allerdings als keineswegs so einfach, da nicht nur sein Personal unter ihm viel zu leiden hat, sondern ihn auch die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner als wütenden Rüpel fürchten und die heiratsfähigen Damen von dem als Teufel verschrienen Müller eher abgeschreckt werden. Nur Martha, die schöne Nichte des reichen Bauern Boniface, scheint keine Angst vor ihm zu haben und will ihn sogar heiraten. Dabei stellt sich heraus, dass Martha einen ebenfalls sehr aufbrausenden Charakter hat und Antoine dabei sogar noch übertrifft. Als Martha daraufhin beschließt, den Müller nicht heiraten zu können, kommt Antoine zur Gesinnung und sie versprechen sich, ihr Temperament gegenseitig im Zaum zu halten.

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Doch dann läuft alles aus dem Ruder: Boniface (Stephan Hönig, Mitte) versucht, den aufbrausenden Antoine (Karol Bettley, links) zu bremsen (rechts: Toinette (Sarah-Léna Winterberg) und Fargeau (Gabriel Goebel)).

Inhaltlich ist diese Geschichte sicherlich kein Meisterwerk, aber das Ensemble macht unter der Leitung von Vladar mit großem Spielwitz eine herzerfrischende Komödie daraus. Michele Lorenzini hat mit liebevoll bemalten Stellwänden und einigen Requisiten ein wunderbares Heim des Müllers entworfen, in dem es ziemlich hoch hergeht. Sarah-Léna Winterberg und Gabriel Goebel begeistern als Dienerpaar Toinette und Fargeau, die alles versuchen, den leicht aufbrausenden Müller bei Laune zu halten. Doch das gelingt ihnen nur bedingt. Immer wenn Fargeau abgeht, um dem Müller etwas zu bringen, kehrt er unter Prügeln zurück. Auch Toinette hat es nicht leicht, weil sie ihre Arbeit dem Müller nicht schnell genug erledigen kann. Als er sie dann auch noch fragt, ob sie ihn nicht heiraten wolle, weil er in der Stadt keine geeignete Heiratskandidatin gefunden habe, nimmt sie entsetzt Reißaus und beschließt gemeinsam mit Fargeau, den Müller zu verlassen. Winterberg punktet mit vollem Mezzosopran, und Goebel stattet den Müllerburschen Fargeau mit einem beweglichen Bariton aus.

Dass der launische Bauer von Gevaert für einen Tenor komponiert worden ist, mag ein wenig verwundern, weil man sich einen Bariton oder Bass viel besser für einen polternden Charakter hätte vorstellen können. Aber Karol Bettley meistert die Launenhaftigkeit des Müllers mit Bravour, auch wenn sie stimmlich bei seinem lieblichen Tenor vielleicht nicht so deutlich wird. Umso heftiger vollzieht dann Elisabeth Zeiler als Martha den Wandel von der lieben Nichte zur "Teufelin". Bei ihrem ersten Auftritt verzaubert sie noch alle mit weichem Sopran. Gemeinsam in der Küche mit Toinette wird sie allerdings zur Furie und lehrt alle im Haus das Fürchten, so dass ihr Onkel Boniface die geplante Hochzeit bereits wieder absagen möchte. Doch dann kommt wieder ihr zartes Gemüt zum Vorschein, und so gibt es dann doch noch ein Happy End für den Müller und auch für das Dienerpaar Toinette und Fargeau. Horst Vladar übernimmt die kleine Rolle des Dorfpolizisten Picard und begeistert mit großem Spielwitz, wenn er als Polizist Angst hat, dem Müller einen Strafzettel zu überreichen.

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Durosier (Stephan Hönig) möchte seine beiden Töchter Isabelle (Elisabeth Zeiler, rechts) und Angéline (Sarah-Léna Winterberg, links) verheiraten.

Als zweiten Einakter gibt es dann Gevaerts erste Oper, die 1849 in Gent uraufgeführt wurde: So eine Komödie! (La comédie à la ville). Darin beschließt der wohlhabende Bürger Durosier, seine beiden Töchter Isabelle und Angéline mit den Söhnen zweier vermögender Jugendfreunde zu verheiraten. Doch seine beiden Töchter haben sich in die beiden Schauspieler und Komödianten Flavigny und Grandval verliebt. Da Durosier die beiden als Schwiegersöhne ablehnt, überlegen sich die Männer eine List. Sie verkleiden sich als die beiden Söhne der Jugendfreunde und hinterlassen einen derart schlechten Eindruck bei Durosier, dass dieser unverzüglich seinen Jugendfreunden schreibt und die Hochzeiten absagt. Daraufhin geben sich die Komödianten zu erkennen und bitten erneut um die Hand der beiden Töchter. Nachdem Durosier zunächst sehr ungehalten über den Spaß gewesen ist, lenkt er schließlich ein, da die Briefe an seine Freunde nicht mehr abgefangen werden können. So können die beiden Mädchen schließlich doch die Männer heiraten, die sie lieben. Wie bei Mozarts Così fan tutte finden hier Sopran und Bariton bzw. Mezzosopran und Tenor zueinander.

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Durosier (Stephan Hönig, Mitte) kommen Zweifel, dass die vermeintlichen Söhne seiner Jugendfreunde (links: Gabriel Goebel als Grandval, rechts: Karol Bettley als Flavigny) die richtige Wahl für seine Töchter Isabelle (Elisabeth Zeiler, rechts) und Angéline (Sarah-Léna Winterberg, links) sind.

Auch dieser Einakter wird von Vladar mit einer liebevoll gestalteten Personenregie inszeniert und hat inhaltlich mehr Potenzial als das erste Stück. Als Bühnenbild hat Lorenzini dieses Mal einen pittoresken Garten entworfen, der von satten grünen Hecken auf mehreren Ebenen eingerahmt wird. Hier entfachen Karol Bettley und Gabriel Goebel als Flavigny und Grandval ein herrlich komödiantisches Spiel. Nachdem sie zunächst ganz selbstbewusst Durosier ihre Zuneigung zu seinen Töchtern gestehen und brüsk von ihm abgewiesen werden, greifen sie zur List. Bettley gibt den vermeintlichen Sohn des Jugendfreundes als eingebildeten Fatzken, der Durosier für den Diener des Hauses hält und ihn herrlich arrogant abfertigt, so dass Durosier zurecht entsetzt über sein Verhalten ist. Goebel tritt mit Perücke und dickem Bierbauch als der andere Sohn auf, der sich noch unverschämter verhält und dabei obendrein dem Alkohol so sehr zuspricht, dass Durosier berechtigte Zweifel kommen, ob dies die richtigen Männer für seine Töchter sind. Als die beiden sich dann auch noch auf der Bühne lautstark duellieren, platzt Durosier der Kragen, und er jagt die beiden davon.

Stephan Hönig gestaltet den Vater der beiden Mädchen mit autoritärem Bariton, der von seinen Töchtern absoluten Gehorsam seinen Plänen gegenüber einfordert, erweist sich dann aber doch als zärtlich liebender Papa, der seinen Kindern die beiden Rüpel, die ihm Flavigny und Grandval vorspielen, nicht zumuten möchte. Auch wenn die List am Ende aufgedeckt wird, lenkt er relativ schnell ein. Elisabeth Zeiler und Sarah-Léna Winterberg überzeugen als Isabelle und Angéline mit großem Spielwitz und lieblichem Sopran bzw. vollem Mezzosopran. Dabei gibt Winterberg die eher besorgte und zögerliche Tochter, während Zeiler von Anfang an überzeugt scheint, dass sie den Plan ihres Vaters verhindern können. Auch der Chor der Neuburger Kammeroper, der seit vielen Jahren aus ambitionierten Neuburger Bürgerinnen und Bürgern besteht, begeistert durch große Spielfreude und homogenen Klang. Für die musikalische Leitung der Mitglieder des Akademischen Orchesterverbandes München e. V. ist relativ kurzfristig Georg Hermansdorfer für Alois Rottenaicher eingesprungen, der in den Vorjahren die Produktionen immer musikalisch geleitet hat. Auch Hermansdorfer findet mit dem Orchester einen frischen Zugang zu Gevaerts eingängigen Melodien, so dass es am Ende großen Applaus für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

Auch im letzten Jahr begeistert die Neuburger Kammeroper mit ihrer Produktion von zwei unbekannten Operneinaktern auf ganzer Linie und scheint den Kulturverantwortlichen zuzurufen: "Seht mal, worauf ihr in den nächsten Jahren verzichtet!" Ob es noch ein Einlenken gibt?

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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Georg Hermansdorfer

Inszenierung
Horst Vladar

Bühnenbild
Michele Lorenzini

Licht
Bernhard Kugler
Mario Liesler

Choreinstudierung
Norbert Stork

 

Mitglieder des Akademischen
Orchesterverbandes München e. V.

Chor der NKO


Der Teufel von der Mühle

Solistinnen und Solisten

Antoine, Müller
Karol Bettley

Fargeau, ein Müllerbursche
Gabriel Goebel

Toinette, Gehilfin
Sarah-Léna Winterberg

Boniface, ein reicher Bauer
Stephan Hönig

Martha, Nichte von Boniface
Elisabeth Zeiler

Picard, ein Polizist
Horst Vladar

Dorfbewohnerinnen und Bauern
Chor

 

So eine Komödie!

Solistinnen und Solisten

Durosier, Bürger von Paris
Stephan Hönig

Flavigny, Schauspieler
Karol Bettley

Grandval, Schauspieler
Gabriel Goebel

Isabelle, Tochter von Durosier
Elisabeth Zeiler

Angéline, Tochter von Durosier
Sarah-Léna Winterberg

François, Diener bei Durosier
Horst Vladar

Nachbarn und Passanten
Chor


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