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Veranstaltungen & Kritiken Musikfestspiele |
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49. Tage Alter Musik in Herne13.11.2025 - 16.11.2025 Il Totila Dramma per musica in drei Akten Libretto von Matteo Noris Musik von Giovanni Legrenzi In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Aufführungsdauer: ca. 3 h 10' (eine Pause) Konzertante Aufführung im Kulturzentrum in Herne am 15. November 2025 |
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Frei erfundene Geschichtsstunde Von Thomas Molke / Fotos: © Thomas Kost / WDR Giovanni Legrenzi, der gleichermaßen in den Bereichen Kirchenmusik, Oper, Kammer- und Instrumentalmusik tätig war, zählt zu den heute eher weniger bekannten Komponisten des 17. Jahrhunderts. Dabei stellte er als Schüler von Claudio Monteverdi im Bereich der venezianischen Oper ein wichtiges Bindeglied zwischen Francesco Cavalli und Antonio Vivaldi dar und hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf die nachfolgende Generation. Unter seinem Œuvre befinden sich insgesamt 19 Opern, von denen allerdings nur sechs vollständig erhalten sind. Diese zeichnen sich durch bombastische Szenen mit aufwändigen Bühnenbildern aus und machen deutlich, was für ein Spektakel die Oper im 17. Jahrhundert gewesen sein muss. Bei den Tagen Alter Musik ist nun die konzertante moderne Erstaufführung seiner Oper Il Totila zu erleben, die 1677 am Teatro San Giovanni Grisostomo, einem der führenden Opernhäuser im damaligen Venedig, eine umjubelte Uraufführung feierte. Abgesehen von einer Wiederaufnahme 1696 in Palermo sind keine weiteren Aufführungen in der damaligen Zeit belegt. Wahrscheinlich war es zu aufwändig, einen brennenden Palast, Reiterschlachten, einen zerlegbaren Holz-Elefanten, einen Schiffbruch im tosenden Meer, einen Tanzbären und echte Pferde auf die Bühne zu bringen. Totila (Lucia Cirillo, rechts mit von links: Lepido (Charlotte Langner), Servio (Valentin Ruckebier) und Belisario (Luca Cervino)) Auch wenn die Oper von der Plünderung Roms durch den Ostgoten-König Totila im 6. Jahrhundert nach Christus handelt, hat sie mit den historischen Ereignissen nur sehr wenig zu tun. Da Totilas Widersacher Belisar (Belisario), der oströmische Heermeister des Kaisers Justinian, in der Oper ebenfalls vorkommt, spielt die Geschichte wahrscheinlich während der ersten Einnahme Roms durch Totila im Jahr 546, da den Römern unter Belisario die Rückeroberung der Stadt gelingt. Im Zentrum des Geschehens stehen aber vielmehr diverse Liebesverwicklungen. So verliebt sich Totila in Marzia, die Tochter des römischen Konsuls Servio, die er bei einem Sturz aus einem brennenden Haus auffängt. Doch auch Belisario und sein Hauptmann Lepido begehren die junge Frau. Lepido ist sogar bereit, seinen Vorgesetzten zu töten, um Marzia als Ehefrau zu bekommen, bereut sein Vorhaben allerdings sofort, als er durch einen Brief erfährt, dass Belisario ihm Marzia überlassen will. Da sich Marzia weigert, Lepido zu heiraten, weil sie sich trotz anfänglicher Abneigung in ihren Retter Totila verliebt hat, ist ein wichtiger Teil des Friedensschlusses am Ende, dass Totila Marzia zur Gattin nimmt und damit verspricht, Rom nicht erneut anzugreifen. Clelia (Raffaella Milanesi, links) und Publicola (Chiara Brunello, rechts) Ein weiterer Handlungsstrang dreht sich um den römischen Konsul Publicola und seine Gattin Clelia, der bei aller Dramatik sehr komische Züge annimmt. Weil Clelia die Stadt verloren glaubt, will sie ihren Sohn und sich töten, um nicht zur Beute der plündernden Ostgoten zu werden. Dabei verletzt sie sich allerdings nur mit einem Dolch und wird ohnmächtig. Ihr Gatte hält sie für tot und verfällt dem Wahnsinn, was sein Diener Desbo zu spüren bekommt. Zunächst beschimpft Publicola ihn und verprügelt ihn, weil er ihn für den Tod seiner Frau verantwortlich macht. Dann verwechselt er ihn mit dem mythologischen Schönling Narziss und macht ihm unverhohlen Avancen. Als Desbo flieht, verfolgt er ihn mit Pfeil und Bogen, trifft dabei aber auf Totila und verwundet diesen, was schließlich einen weiteren Anschlag Totilas auf Belisario vereitelt. Clelia wird währenddessen von Totilas General Vitige bedrängt, der sich in die Römerin verliebt hat und deshalb den Römern gegen seinen eigenen König helfen will. Da er von Belisario verschont wird, weigert er sich, Totila bei dem Versuch, Belisario zu töten, zu unterstützen. Schlussapplaus: von links: Luísa Tinoco (Desbo), Valentin Ruckebier (Servio), Luca Cervoni (Belisario), Charlotte Langner (Lepido), Lucia Cirillo (Totila), Luca Quintavalle, Raffaella Milanesi (Clelia), Roberta Invernizzi (Marzia), Chiara Brunello (Publicola), Verena Kronbichler (Vitige) und Olivier Bergeron (Cinna), dahinter Nuovo Aspetto Diese Verwicklungen werden von Legrenzi in einer bezaubernden musikalischen Sprache umgesetzt, die mit einer klareren Strukturierung von Rezitativen und Arien bereits den Weg zur Da-capo-Arie bei Vivaldi ebnet, auch wenn die Wiederholungen hier noch wesentlich kürzer gehalten sind. Auch das Orchester gewinnt hier an Bedeutung und begleitet nicht nur den Gesang, sondern führt die Themen motivisch weiter. Neben zwei Violinen und einer Basso-continuo-Gruppe verleihen hier vor allem das Salterio und die Harfe der Musik eine interessante Klangfarbe. Hervorzuheben ist auch der Einsatz der Barocktrompete, die in Verbindung mit Belisario oder Totila den kriegerischen Erfolg oder das Verlangen nach Rache unterstreicht. Dies alles wird von dem Ensemble Nuovo Aspetto unter der Leitung von Luca Quintavalle, der gleichzeitig auch noch das Cembalo spielt, eindrucksvoll umgesetzt. Dass nach der Pause ein paar Plätze im Saal frei bleiben, liegt weniger an der musikalischen Qualität des Abends als vielmehr daran, dass das Stück, wie in der Barockoper des 17. Jahrhunderts häufig, doch einige Längen aufweist. So würde man in einer szenischen Aufführung auch sicherlich auf das Turnier der vier Elemente am Ende verzichten, das aus heutiger Sicht absolut unnötig erscheint. Natürlich mag es für das damalige Publikum ein absolutes Spektakel für die Augen gewesen sein, wenn die Gottheiten Juno, Kybele, Pluto und Neptun in einem Turnier der vier Elemente gegeneinander antreten, bevor La Pace den wiedergewonnenen Frieden feiert. Für eine konzertante Aufführung birgt dieser Teil musikalisch aber kaum etwas Neues und zögert das Ende hinaus. Die 10 Sängerinnen und Sänger sitzen auf zwei Seiten hinter dem Orchester und übernehmen teilweise mehrere Partien. Den Anfang macht Raffaella Milanesi als Clelia mit rundem Sopran. Mit großer Dramatik transportiert sie die Verzweiflung der Mutter, die ihr Kind nicht töten kann und sich schließlich selbst das Leben nehmen will. Dabei punktet sie vor allem mit einer kraftvollen Mittellage. Absolut wehrhaft zeigt sie sich Vitige gegenüber, der von Verena Kronbichler mit warmem Mezzosopran interpretiert wird. Chiara Brunello verfügt als Clelias Gatte Publicola über einen wunderbar tiefen Alt, der in den Läufen große Beweglichkeit besitzt. Mit herrlichem Ausdruck präsentiert sie den Wahn des römischen Konsuls, der glaubt, dass seine Frau gestorben ist. Leider bleibt Luísa Tinoco als Diener Desbo in der Darstellung absolut blass. Ansonsten hätte zwischen den beiden die großartige Komik des Stückes wunderbar herausgearbeitet werden können. So verpuffen die Szenen zwischen Publicola und Desbo leider, da Brunello allein sie mit intensivem Spiel nicht retten kann. Roberta Invernizzi (links) als Marzia mit Chiara Brunello (rechts) als Publicola Roberta Invernizzi gestaltet die Partie der Marzia mit beweglichem Sopran in leuchtenden Farben, so dass nachvollziehbar wird, dass mehrere Männer sich nach ihr verzehren. Da ist zunächst die Titelfigur Totila, die von Lucia Cirillo mit flexiblem Mezzosopran interpretiert wird und den kämpferischen Charakter der Figur unterstreicht. Dabei changiert sie geschickt zwischen zarten Tönen im Zusammenspiel mit Invernizzi und kämpferischem Pathos, wenn Totila Belisario töten und Rom vernichten will. Luca Cervoni stattet den General Belisario mit hellem Tenor aus, der in den Höhen große Strahlkraft besitzt. Sehr melancholisch legt Charlotte Langner den dritten Verehrer um Marzias Gunst, Lepido, an. Mit weichen Bögen macht sie deutlich, dass Lepido für die Liebe Marzias eigentlich zu schwach ist. Nur wenn Lepido kurzfristig plant, Belisario zu töten, zeigt Langner, dass sie stimmlich auch andere Töne anschlagen kann. Valentin Ruckebier verleiht Marzias Vater einen sonoren Bass. Olivier Bergeron rundet das Ensemble in den kleinen Partien als Totilas Kapitän Teodato und Belisarios Hauptmann Cinna mit weichem Bariton ab. Im Nachspiel sind dann noch Langner als Juno, Ruckebier als Kybele, Kronbichler als Pluto und Bergeron als Neptun zu erleben, bevor dann alle im Chor mit Milanesi als La Pace den wiedergewonnenen Frieden feiern. FAZIT Die Wiederentdeckung von Legrenzis Il Totila bei den Tagen Alter Musik in Herne darf als durchaus spannend betrachtet werden. Für eine szenische Umsetzung empfiehlt sich das Stück allerdings weniger, da es ohne die heute nicht mehr umsetzbaren Bühneneffekte dramaturgisch einige Längen besitzt. |
AusführendeMusikalische Leitung und Cembalo Nuovo Aspetto
Solistinnen und SolistenTotila Clelia / La Pace
Marzia Belisario Servio / Cibellè Vitige / Pluton Publicola Lepido / Giunone Teodato / Cinna / Neptun Desbo
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