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Musikfestspiele
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Tiroler Festspiele Erl Sommer

03.07.2025 - 27.07.2025


Rigoletto

Melodramma in drei Akten
Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Schauspiel Le Roi s'amuse von Victor Hugo
Musik von
Giuseppe Verdi

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Aufführungsdauer: ca. 2 h 40' (eine Pause)

Premiere der konzertanten Aufführung im Festspielhaus am 19. Juli 2025
(rezensierte Aufführung: 25.07.2025)

 

 

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Fest der Stimmen

Von Thomas Molke / Fotos: © Scheffold Media (TFE Presse)

Neben einer österreichischen Erstaufführung (Picture a Day Like This von George Benjamin) und Stücken fernab des gängigen Opernrepertoires (Bartóks Herzog Blaubarts Burg in Kombination mit La voix humaine von Francis Poulenc) bietet Jonas Kaufmann als neuer Intendant der Tiroler Festspiele  im Sommer fulminante Opernklassiker in konzertanter Form. In diesem Jahr ist die Wahl auf Verdis sogenannte "Trilogia popolare" gefallen. Mit Rigoletto, Il trovatore und La traviata endete für Verdi die Zeit, die er selbst als "Galeerenjahre" bezeichnete, in denen er aus finanzieller Not Opern gewissermaßen am Fließband komponieren musste. Mit den drei genannten Werken, die inhaltlich kaum unterschiedlicher sein können, gelangte er endgültig zu dem Weltruhm, der ihn bis heute zum bedeutendsten italienischen Komponisten macht. Nachdem die Reihe vor zwei Wochen mit La traviata, der letzten der drei Opern eröffnet worden ist (siehe auch unsere Rezension), gibt es am letzten Wochenende der diesjährigen Sommerfestspiele die drei Werke in der Reihenfolge ihres Entstehens.

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Schlussapplaus: von links: Monterone (Andrew Hamilton), Maddalena (Deniz Uzun), Sparafucile (Alexander Köpeczi), Rigoletto (Luca Salsi), Asher Fisch, Gilda (Julia Muzychenko), Il Duca (Iván Ayón Rivas), Giovanna / Gräfin Ceprano (Camilla Lehmeier), Borsa (Josip Švagelj), Ceprano (Lukas Enoch Lemcke) und Marullo (Jolyon Loy) mit dem Orchester der Tiroler Festspiele Erl

19 Texte sollen Giuseppe Verdi zur Auswahl gestanden haben, als er sich, ganz auf seinen Theaterinstinkt verlassend, für Victor Hugos knapp 20 Jahre zuvor uraufgeführtes Stück Le Roi s'amuse entschied. Dass damit Ärger vorprogrammiert war, musste ihm eigentlich schon direkt bei der Entscheidung klar geworden sein. Immerhin war das Theaterstück direkt nach der Uraufführung als absolut unmoralisch abgesetzt worden, da man es nicht zulassen konnte, einen Monarchen als gnadenlosen Frauenverführer und Wüstling auf der Bühne zu präsentieren. Auch mit einer buckeligen Titelfigur, die bei Hugo noch Triboulet hieß, was auf das lateinische Wort "tribulare" (quälen, plagen) anspielt und von Verdi zunächst in Tribuletto, dann in Rigoletto umgewandelt wurde, verstieß er gegen gängige Opernkonventionen. Um das Stück im Teatro la Fenice zur Uraufführung zu bringen, musste er einige Zugeständnisse machen. So setzte die Zensur durch, dass die Handlung an den Hof eines fiktiven Herzogs von Mantua verlegt wurde, der in der Vorlage auch nur Duca genannt wird. Der Kern der Handlung blieb so allerdings erhalten und entwickelte sich zu einem Welterfolg. Die berühmte Tenorarie "La donna è mobile" dürfte auch bei einem opernfernen Publikum heutzutage allein durch die Werbung einen relativ hohen Bekanntheitsgrad haben.

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"Bella figlia dell' amore": Rigoletto (Luca Salsi, rechts) führt Gilda (Julia Muzychenko, rechts) die Untreue des Herzogs (Iván Ayón Rivas, links mit Deniz Uzun als Maddalena) vor Augen.

Wie schon bei der konzertanten Aufführung von La traviata tritt auch hier lediglich der Chor mit Textbüchern hinter dem Orchester auf. Die Solistinnen und Solisten tragen ihre Partien an der Rampe frei vor und setzen auch ohne Regie auf einen spielerischen Ansatz mit Mimik und Gestik. Auch einige Requisiten kommen zum Einsatz. So wird Rigoletto von den Höflingen im zweiten Bild des ersten Aktes ein Schlüssel überreicht, mit dem die Höflinge angeblich in das Haus des Grafen Ceprano eindringen wollen, und der bedungene Mörder Sparafucile trägt den Dolch bei sich, mit dem er Gilda im dritten Akt ersticht. Gilda, die in jedem Akt in einem anderen Kleid auftritt, wird am Ende zwar nicht in einem Sack auf die Bühne getragen, verbirgt sich allerdings gebeugt unter einem schwarzen Tuch, so dass ihr Vater zunächst wirklich nicht sehen kann, dass es sich bei dem Opfer um seine Tochter handelt. So vermisst man bei dieser konzertanten Aufführung keine szenische Umsetzung, zumal sich die musikalische Gestaltung auf absolutem Top-Niveau bewegt. Asher Fisch führt das Orchester der Tiroler Festspiele Erl mit sicherer Hand durch die größtenteils schmissige Partitur und arbeitet auch das immer wiederkehrende Fluch-Thema absolut bedrohlich heraus.

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Rigoletto (Luca Salsi, rechts) verspottet Monterone (Andrew Hamilton, links).

Was die Riege der Solistinnen und Solisten betrifft, kann man von einem regelrechten Fest der Stimmen sprechen. Für die zweite Aufführung hat man für die Titelpartie den Bariton Luca Salsi engagiert, der an diesem Wochenende auch noch als Giorgio Germont in La traviata zu erleben ist. Eindrucksvoll gestaltet er die unterschiedlichen Seiten des Narren, der sich den Höflingen gegenüber absolut despektierlich und verletzend verhält, damit aber nur seine eigene Unsicherheit überspielt. Wenn die Höflinge an ihm Rache genommen und seine Tochter entführt haben, begegnet er ihnen absolut hilflos, so dass man großes Mitleid mit ihm bekommen kann. Regelrecht verzweifelt versucht er anschließend, seiner Tochter vor Augen zu führen, dass der Herzog ihre Liebe nicht verdient hat, und lässt sich voller Hass auf den Deal mit Sparafucile ein, den Herzog um Mitternacht zu ermorden. Dass seine Tochter seinen Plan durchkreuzt und selbst zum Opfer wird, zerstört ihn dann völlig und lässt ihn glauben, dass sich der Fluch des Monterone nun an ihm vollzogen hat. Dies alles untermalt Salsi mit einem grandiosen Bariton, der in der Tiefe enormes Volumen besitzt und in den Höhen über große Strahlkraft verfügt. Voller Verachtung schleudert er den Höflingen im zweiten Akt seine große Arie "Cortigiani" entgegen, bei der er in seiner Verzweiflung in einen klagenden Ton wechselt. Sein Duett "Si, vendetta, tremenda vendetta" mit seiner Tochter am  Ende des zweiten Aktes reißt das Publikum zu derartigen Begeisterungsstürmen hin, dass Salsi mit der Hand am Ohr ins Publikum lauscht und sich zu einer Wiederholung hinreißen lässt, wobei er mit Julia Muzychenko als Gilda bei der Wiederholung stimmlich noch zulegt, so dass sich das Publikum kaum beruhigen kann.

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Gilda (Julia Muzychenko) sucht Trost bei ihrem Vater (Luca Salsi).

Muzychenko begeistert als Gilda mit glockenklarem Sopran. Ihre berühmte Arie im zweiten Bild des ersten Aktes, "Caro nome", legt sie mit strahlenden Höhen und absolut verletzlich an. Ihr nimmt man die Unschuld des naiven Mädchens, das von ihrem Vater vor der bösen Welt versteckt wird und gerade deshalb auf einen Mann wie den Herzog hereinfällt, in jedem Moment ab. Umso verletzter präsentiert sie sich im zweiten Akt, auch wenn sie immer noch nicht einsehen will, dass der Herzog es nicht ernst mit ihr meint. Selbst als ihr Vater ihr im berühmten Quartett "Bella figlia dell' amore" die Untreue des Herzogs vor Augen führt, kommt sie nicht zur Einsicht. Bewegend gestaltet sie Gildas Entscheidung, sich selbst für den Herzog zu opfern, und entschwebt stimmlich wie ein Engel am Ende in den Armen ihres Vaters.

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Der Herzog (Iván Ayón Rivas) verführt Gilda (Julia Muzychenko).

Iván Ayón Rivas stattet die undankbare Partie des unmoralischen Herzogs mit einem Tenor aus, der nachvollziehbar macht, dass ihm die Frauenherzen zu Füßen liegen. Schon in der Auftrittskavatine "Questa o quella" glänzt Rivas mit sauber angesetzten Spitzentönen, die er mit scheinbarer Leichtigkeit ansetzt, so als ob alles nur ein Spiel sei. In seiner Szene mit Gilda macht er mit strahlenden Höhen glaubhaft, dass das unschuldige Mädchen seinen Beteuerungen vertraut. Wenn er im zweiten Akt von der Entführung seiner Geliebten hört, hat man in seiner großen Arie "Parmi veder le lagrime" einen Moment den Eindruck, dass er ernsthaft trauert. Da versprüht er leidenden tenoralen Glanz, wie man ihn eigentlich von seiner Stimmfarbe in der Oper kennt. Doch sobald er erfährt, dass die Höflinge sie ihm zugeführt haben, verfällt er in seine alte Überheblichkeit. Mit tenoralem Schmelz und sauber ausgesungenen Höhen legt er die berühmteste Tenorarie aus der Oper, "La donna è mobile", an und versprüht dabei eine gewisse Komik, wenn er sich zunächst bekreuzigt, bevor er den Spitzenton herausschmettert. Was ihm an körperlicher Größe im Zusammenspiel mit Maddalena fehlt, macht er durch stimmlichen Glanz wett, so dass auch sie seinem Charme erliegt und ihren Bruder bittet, den Herzog zu verschonen.

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Maddalena (Deniz Uzun) bittet ihren Bruder (Alexander Köpeczi), den Herzog zu verschonen.

Neben den drei großen Partien überzeugen auch die kleineren Partien in jeder Hinsicht. Alexander Köpeczi verfügt als Sparafucile in den Tiefen über eine Schwärze, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Diesem Sparafucile möchte man nicht allein im Dunkeln begegnen. Deniz Uzun stattet die Partie seiner Schwester Maddalena mit sattem Mezzosopran aus und begeistert im Zusammenspiel mit Rivas beim berühmten "Bella figlia dell'amore". Camilla Lehmeier übernimmt die beiden Partien der Giovanna und der Gräfin Ceprano und überzeugt mit warmem Mezzosopran. Andrew Hamilton hat als Monterone zwei Auftritte, die mit dunkler Stimmfärbung beim Fluch im Gedächtnis bleiben. Josip Švagelj, Lukas Enoch Lemcke und Jolyon Loy runden das Ensemble als Höflinge Borsa, Ceprano und Marullo wunderbar ab. Der von Olga Yanum einstudierte Herrenchor der Tiroler Festspiele begeistert als Höflinge durch homogenen, kraftvollen Klang, so dass es zu Recht frenetischen Beifall für alle Beteiligten gibt.

FAZIT

In dieser hervorragenden Besetzung wird nachvollziehbar, wieso Verdis Rigoletto ein Welterfolg geworden ist.

Weitere Rezensionen zu den Tiroler Festspielen Sommer 2025



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Produktionsteam

Musikalische Leitung
Asher Fisch

Musikalische Assistenz
Emanuele Lippi
Beomseok Yi

Korrepetition
Tommaso Lepore

Chorleitung
Olga Yanum

 

Orchester der Tiroler Festspiele Erl

Chor der Tiroler Festspiele Erl


Solistinnen und Solisten

*rezensierte Aufführung

Il Duca di Mantova
Iván Ayón Rivas

Rigoletto
Ludovic Tézier /
*Luca Salsi

Gilda
Julia Muzychenko

Sparafucile
Alexander Köpeczi

Maddalena
Deniz Uzun

Giovanna / La Contessa di Ceprano
Camilla Lehmeier

Il Conte di Monterone
Andrew Hamilton

Marullo
Jolyon Loy

Matteo Borsa
Josep Švagelj

Il Conte di Ceprano
Lukas Enoch Lemcke

Ein Gerichtsdiener
Aliaksandr Kanavalau (Chorsolist)

Ein Page
Viktoryia Padun (Chorsolistin)

 


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