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Fest der StimmenVon Thomas Molke / Fotos: © Scheffold Media (TFE Presse)
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Schlussapplaus: von links: Monterone (Andrew
Hamilton), Maddalena (Deniz Uzun), Sparafucile (Alexander Köpeczi), Rigoletto
(Luca Salsi), Asher Fisch, Gilda (Julia Muzychenko), Il Duca (Iván Ayón Rivas),
Giovanna / Gräfin Ceprano (Camilla Lehmeier), Borsa (Josip Švagelj),
Ceprano (Lukas Enoch Lemcke) und Marullo (Jolyon Loy) mit dem Orchester der
Tiroler Festspiele Erl
19 Texte sollen Giuseppe Verdi zur Auswahl gestanden haben, als er sich, ganz
auf seinen Theaterinstinkt verlassend, für Victor Hugos knapp 20 Jahre zuvor
uraufgeführtes Stück Le Roi s'amuse entschied. Dass damit Ärger
vorprogrammiert war, musste ihm eigentlich schon direkt bei der Entscheidung
klar geworden sein. Immerhin war das Theaterstück direkt nach der Uraufführung
als absolut unmoralisch abgesetzt worden, da man es nicht zulassen konnte, einen
Monarchen als gnadenlosen Frauenverführer und Wüstling auf der Bühne zu
präsentieren. Auch mit einer buckeligen Titelfigur, die bei Hugo noch Triboulet
hieß, was auf das lateinische Wort "tribulare" (quälen, plagen) anspielt und von
Verdi zunächst in Tribuletto, dann in Rigoletto umgewandelt wurde, verstieß er
gegen gängige Opernkonventionen. Um das Stück im Teatro la Fenice zur
Uraufführung zu bringen, musste er einige Zugeständnisse machen. So setzte die
Zensur durch, dass die Handlung an den Hof eines fiktiven Herzogs von Mantua
verlegt wurde, der in der Vorlage auch nur Duca genannt wird. Der Kern der
Handlung blieb so allerdings erhalten und entwickelte sich zu einem Welterfolg.
Die berühmte Tenorarie "La donna è mobile" dürfte auch bei einem opernfernen
Publikum heutzutage allein durch die Werbung einen relativ hohen
Bekanntheitsgrad haben.
"Bella figlia dell' amore": Rigoletto (Luca Salsi,
rechts) führt Gilda (Julia Muzychenko, rechts) die Untreue des Herzogs (Iván
Ayón Rivas, links mit Deniz Uzun als Maddalena) vor Augen.
Wie schon bei der konzertanten Aufführung von La traviata tritt auch hier lediglich der Chor mit
Textbüchern hinter dem Orchester auf. Die Solistinnen und Solisten tragen ihre
Partien an der Rampe frei vor und setzen auch ohne Regie auf einen spielerischen
Ansatz mit Mimik und Gestik. Auch einige Requisiten kommen zum Einsatz. So wird
Rigoletto von den Höflingen im zweiten Bild des ersten Aktes ein Schlüssel
überreicht, mit dem die Höflinge angeblich in das Haus des Grafen Ceprano
eindringen wollen, und der bedungene Mörder Sparafucile trägt den Dolch bei
sich, mit dem er Gilda im dritten Akt ersticht. Gilda, die in jedem Akt in einem
anderen Kleid auftritt, wird am Ende zwar nicht in einem Sack auf die Bühne
getragen, verbirgt sich allerdings gebeugt unter einem schwarzen Tuch, so dass
ihr Vater zunächst wirklich nicht sehen kann, dass es sich bei dem Opfer um
seine Tochter handelt. So vermisst man bei dieser konzertanten Aufführung keine
szenische Umsetzung, zumal sich die musikalische Gestaltung auf absolutem Top-Niveau
bewegt. Asher Fisch führt das Orchester der Tiroler Festspiele Erl mit sicherer
Hand durch die größtenteils schmissige Partitur und arbeitet auch das immer
wiederkehrende Fluch-Thema absolut bedrohlich heraus.
Rigoletto (Luca Salsi, rechts) verspottet
Monterone (Andrew Hamilton, links).
Was die Riege der Solistinnen und Solisten betrifft, kann man von einem
regelrechten Fest der Stimmen sprechen. Für die zweite Aufführung hat man für
die Titelpartie den Bariton Luca Salsi engagiert, der an diesem Wochenende auch
noch als Giorgio Germont in La traviata zu erleben ist. Eindrucksvoll
gestaltet er die unterschiedlichen Seiten des Narren, der sich den Höflingen
gegenüber absolut despektierlich und verletzend verhält, damit aber nur seine
eigene Unsicherheit überspielt. Wenn die Höflinge an ihm Rache genommen und seine
Tochter entführt haben, begegnet er ihnen absolut hilflos, so dass man großes
Mitleid mit ihm bekommen kann. Regelrecht verzweifelt versucht er anschließend,
seiner Tochter vor Augen zu führen, dass der Herzog ihre Liebe nicht verdient
hat, und lässt sich voller Hass auf den Deal mit Sparafucile ein, den Herzog um
Mitternacht zu ermorden. Dass seine Tochter seinen Plan durchkreuzt und selbst
zum Opfer wird, zerstört ihn dann völlig und lässt ihn glauben, dass sich der
Fluch des Monterone nun an ihm vollzogen hat. Dies alles untermalt Salsi mit
einem grandiosen Bariton, der in der Tiefe enormes Volumen besitzt und in den
Höhen über große Strahlkraft verfügt. Voller Verachtung schleudert er den
Höflingen im zweiten Akt seine große Arie "Cortigiani" entgegen, bei der er in
seiner Verzweiflung in einen klagenden Ton wechselt. Sein Duett "Si, vendetta,
tremenda vendetta" mit seiner Tochter am Ende des zweiten Aktes reißt das
Publikum zu derartigen Begeisterungsstürmen hin, dass Salsi mit der Hand am Ohr
ins Publikum lauscht und sich zu einer Wiederholung hinreißen lässt, wobei er
mit Julia Muzychenko als Gilda bei der Wiederholung stimmlich noch zulegt, so
dass sich das Publikum kaum beruhigen kann.
Gilda (Julia Muzychenko) sucht Trost bei ihrem
Vater (Luca Salsi).
Muzychenko begeistert als Gilda mit glockenklarem Sopran. Ihre berühmte Arie im
zweiten Bild des ersten Aktes, "Caro nome", legt sie mit strahlenden Höhen und
absolut verletzlich an. Ihr nimmt man die Unschuld des naiven Mädchens, das von
ihrem Vater vor der bösen Welt versteckt wird und gerade deshalb auf einen Mann
wie den Herzog hereinfällt, in jedem Moment ab. Umso verletzter präsentiert sie
sich im zweiten Akt, auch wenn sie immer noch nicht einsehen will, dass der
Herzog es nicht ernst mit ihr meint. Selbst als ihr Vater ihr im berühmten
Quartett "Bella figlia dell' amore" die Untreue des Herzogs vor Augen führt,
kommt sie nicht zur Einsicht. Bewegend gestaltet sie Gildas Entscheidung, sich
selbst für den Herzog zu opfern, und entschwebt stimmlich wie ein Engel am Ende
in den Armen ihres Vaters.
Der Herzog (Iván Ayón Rivas) verführt Gilda
(Julia Muzychenko).
Iván Ayón Rivas stattet die undankbare Partie des unmoralischen Herzogs mit
einem Tenor aus, der nachvollziehbar macht, dass ihm die Frauenherzen zu Füßen
liegen. Schon in der Auftrittskavatine "Questa o quella" glänzt Rivas mit sauber
angesetzten Spitzentönen, die er mit scheinbarer Leichtigkeit ansetzt, so als ob
alles nur ein Spiel sei. In seiner Szene mit Gilda macht er mit
strahlenden Höhen glaubhaft, dass das unschuldige Mädchen seinen Beteuerungen
vertraut. Wenn er im zweiten Akt von der Entführung seiner Geliebten hört, hat
man in seiner großen Arie "Parmi veder le lagrime" einen Moment den Eindruck,
dass er ernsthaft trauert. Da versprüht er leidenden tenoralen Glanz, wie man
ihn eigentlich von seiner Stimmfarbe in der Oper kennt. Doch sobald er erfährt
Maddalena (Deniz Uzun) bittet ihren Bruder
(Alexander Köpeczi), den Herzog zu verschonen.
FAZIT
In dieser hervorragenden Besetzung wird nachvollziehbar, wieso Verdis
Rigoletto ein Welterfolg geworden ist.
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Festspielen Sommer 2025 |
ProduktionsteamMusikalische LeitungAsher Fisch Musikalische Assistenz Korrepetition Chorleitung
Orchester der Tiroler Festspiele Erl Chor der Tiroler Festspiele Erl
Solistinnen und Solisten*rezensierte Aufführung Il Duca di Mantova Rigoletto
Gilda
Sparafucile Maddalena
Giovanna / La Contessa di Ceprano
Il Conte di Monterone
Marullo Matteo Borsa Il Conte di Ceprano Ein Gerichtsdiener Ein Page
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