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Blaubart und seine FrauenVon Thomas Molke / Fotos: © Monika Rittershaus (TFE Presse)
Blaubart (Florian Boesch) führt Judith (Christel
Loetzsch) in seine Burg.
Guth arbeitet in seiner Inszenierung stark mit dem Kontrast von Licht und
Dunkel. So scheint während des Prologs zur Oper, der Unheil verkündend von Gergö
Kaszás eingesprochen wird, ein Scheinwerfer den geschlossenen Vorhang
abzusuchen, bis er auf der linken Seite Judith und Blaubart einfängt, die
ausgelassen mit einer Flasche Sekt in der Hand von der Hochzeit kommen, Judith
in hellem weißem Kleid, Blaubart in dunkelblauem Anzug. Wenn Blaubart den
Vorhang öffnet, um Judith den Weg in seine Burg zu weisen, sieht man zunächst
nichts. Einzig Judith bringt mit dem auf sie gerichteten Scheinwerfer etwas
Licht ins Dunkel. Auf die Türen verzichtet Guth im Großen und Ganzen. Stattdessen
setzt sich im weiteren Verlauf beim Öffnen der Türen ein Raum zusammen, in dem
sich auch die früheren Frauen Blaubarts befinden. So wird das Innere der Burg
eigentlich immer perfekter, bis dann mit dem letzten Bühnenelement wirklich eine
Tür erscheint.
Hinter der siebten Tür findet Judith (Christel
Loetzsch, rechts) Blaubarts (Florian Boesch) frühere Frauen (Evie Poaros, Sonja
Golubkowa und Mirjam Motzke).
An dieser Tür hängt ein rosafarbenes Kleid, das für Judith bestimmt ist. Die
Frauen, die sich bereits als warnende Geister durch die anderen Bilder bewegten,
treten nun alle in einem ähnlichen Kleid durch die Tür auf. Blaubart legt Judith das
Kleid an und reiht sie in seine "Frauensammlung" ein. Mit diesem Bild endet der
erste Teil. Martin Rajna malt mit dem Orchester der Tiroler Festspiele Erl die Räume
und Landschaften, die sich hinter den imaginären verschlossenen Türen befinden,
absolut lautmalerisch aus und gewährt so einen Einblick in Blaubarts Innenleben.
Nahezu gruselig erklingt eine Art Atemhauch, wenn die Burg in ihrem Gebälk zu
seufzen scheint. Die Kraft der Musik ist derart suggestiv, dass sie ausreicht,
um zu beschreiben, was Judith hinter den einzelnen Türen vorfindet, ohne dass
man dies auch auf der Bühne sieht. Christel Loetzsch begeistert als Judith mit
klangschönem, lyrisch geprägtem Mezzosopran, der in den Höhen zu kraftvollen
Ausbrüchen fähig ist. Wieso sie beim Öffnen einer Tür ihre Brüste entblößen
muss, erschließt sich allerdings nicht. Das hätte man der Sängerin durchaus
ersparen können. Vielleicht soll es Ausdruck ihrer immer wieder beschwörten Liebe sein,
mit der sie Blaubart zwingt, alle Türen zu öffnen und ihr somit alle seine
Geheimnisse zu offenbaren. Florian Boesch stattet die Partie des Blaubart mit
dunklem Bariton aus, der die Undurchdringlichkeit der Figur unterstreicht.
Um den Übergang zum zweiten Teil des Abends auch musikalisch fließend zu
gestalten, geht es nach der Pause mit der Elegia, dem dritten Satz aus Bartóks
Konzert für Orchester, weiter. Zunächst scheint man wieder am Anfang des ersten
Stückes zu sein. Judith und Blaubart treten wie im ersten Teil von der linken
Seite auf. Erneut erscheint die namenlose Frau aus Poulencs Oper und beobachtet
die beiden, wie sie hinter dem Vorhang in der Burg verschwinden. Barbara
Hannigan tritt als Femme in einem Trenchcoat mit Sonnenbrille und einem riesigen
Koffer auf. Man hat das Gefühl, sie wolle selbst in die Burg mit Blaubart
einziehen, muss aber nun erkennen, dass er eine andere Geliebte hat. Dies
erfährt die Frau während des Telefongesprächs in Poulencs Oper. So begibt sie
sich kurzerhand in ein Hotelzimmer, von dem aus sie ihren Geliebten anruft.
Dieser Anruf ist auch schon im ersten Teil kurz thematisiert worden, als
Blaubart in seiner Burg ans Telefon ging und ein kurzes Gespräch führte, während
Judith die Burg weiter erkundete.
Die Frau (Barbara Hannigan) telefoniert aus einem
Hotelzimmer mit ihrem Geliebten.
In diesem Hotelzimmer beginnt nun Poulencs Oper. Hannigan, die mit der Partie
aus mehreren Aufführungen sehr vertraut ist, taucht intensiv in die Gefühlswelt
der Frau ein, die verzweifelt am Telefon versucht, ihren Geliebten
zurückzugewinnen. In rund 40 Minuten hält sie am Telefon einen Monolog, bei dem
man nur erahnen kann, wie der Mann am anderen Ende reagiert. Dabei erlebt die
Frau ein Wechselbad der Gefühle. Mal zeigt sie sich zornig, dann verletzt, dann
wieder zärtlich liebend und gerät immer wieder in Panik, wenn das Gespräch
unterbrochen wird oder sich fremde Personen in der Leitung befinden. Ein
Großteil der Monooper spielt dabei vor dem Vorhang. Als Hotelzimmer wird ein
Bett vor den Vorhang geschoben, auf dessen Ablage ein rotes Telefon steht.
Hannigan hält den Hörer nicht permanent in der Hand, sondern bewegt sich auch
über die Bühne und spricht aus der Ferne. Wenn die Verbindung zu kippen droht,
werden an unterschiedlichen Stellen Telefonhörer durch den Vorhang gehalten, zu
denen Hannigan absolut hektisch eilt, um das Gespräch aufrecht zu erhalten.
Die Frau (Barbara Hannigan) mit Blaubart (Florian
Boesch)
Im Koffer der Frau befindet sich ein rosafarbenes Kleid, was dann den Bogen zum
ersten Teil spannt. Die Frau scheint also ebenfalls für Blaubart bestimmt zu
sein. So gelangt sie auch zum Ende des Gesprächs, wenn sie am Telefon ihre
Selbstmordgedanken äußert, in seine Burg. Der Vorhang öffnet sich, und man sieht
die Burg, die wieder bis zur Rampe vorgefahren wird. Blaubart sitzt auf einem
Stuhl, und auch die anderen vier Frauen erscheinen, um Hannigan in ihren Kreis
aufzunehmen. Es kommt zu einer zärtlichen Begegnung zwischen der Frau und
Blaubart, während sie schon einen Revolver aus der Handtasche gezogen hat. Dann
tötet sie sich allerdings nicht selbst, sondern erschießt Blaubart und setzt
damit dem Spuk ein Ende. Das Orchester der Tiroler Festspiele begeistert auch in
diesem Teil unter der Leitung von Martin Rajna mit intensivem Spiel, so dass es
am Ende verdienten und begeisterten Applaus für alle Beteiligten gibt.
FAZIT
Claus Guths Verknüpfung der beiden unterschiedlichen Operneinakter geht auf und
lässt das Publikum einen spannenden, nahezu an Hitchcock erinnernden Abend
erleben.
Weitere Rezensionen zu den Tiroler
Festspielen Sommer 2025 |
ProduktionsteamMusikalische LeitungMartin Rajna Regie Bühnenbild Kostüme Licht Choreographie Dramaturgie
Orchester der Tiroler Festspiele Erl
Solistinnen und SolistenHerzog Blaubarts Burg Herzog Blaubart Judith
Tänzerinnen / Schauspielerinnen Sprecher des Prologs
La voix humaine
La femme (Die Frau)
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