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Rossini in Wildbad
Belcanto Opera Festival
18.07.2024 - 28.07.2024


Rossini & Co. II
Belcanto geistlich und weltlich

Konzert der Teilnehmer der Masterclass von Raúl Giménez

In lateinischer, italienischer und französischer Sprache

Aufführungsdauer: ca. 1 h 55' (keine Pause)

Aufführung im Königlichen Kurtheater am 27. Juli 2024

 

 

 

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Von geistlichem zu weltlichem Belcanto

Von Thomas Molke / Fotos: © Karin Ferenbach

Unter den Konzerten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Meisterklassen beim Belcanto Opera Festival Rossini in Wildbad, die sich mittlerweile zu einem Geheimtipp des Festivals entwickelt haben, nimmt das letzte Konzert einen besonderen Stellenwert ein, da man hier nicht nur die potentiellen Stars von morgen erlebt, sondern auch der Internationale Belcanto-Preis verliehen wird, der unter anderem mit einem Rollenangebot bei einem der künftigen Festivals verbunden ist. Obwohl es die Meisterklassen in institutionalisierter Form erst seit 2004 gibt, wurde dieser Preis bereits erstmals beim Festival 1999 vergeben. Die damalige Preisträgerin war die Mezzosopranistin Agata Bienkowska, die seitdem nicht nur auf eine große internationale Karriere zurückblicken kann, sondern mittlerweile auch am Konservatorium in Pesaro eine Gesangsklasse leitet, aus der mittlerweile auch Schülerinnen für die Meisterklasse vermittelt wurden, die ebenfalls beim Festival mit dem Belcanto-Preis ausgezeichnet worden sind. Festspiel-Intendant erinnert zu Beginn des Konzertes an die Mezzosopranistin Mara Gaudenzi im Jahr 2021. Auch in diesem Jahr ist es erneut eine Schülerin Bienkowskas, die mit dem Preis ausgezeichnet wird: Polina Anikina. Anikina hat nicht nur beim diesjährigen Festival in der Titelpartie von Rossinis L'italiana in Algeri im Königlichen Kurtheater das Publikum mit ihrem kraftvollen Mezzosopran und ihrem komödiantischen Spiel begeistert, sondern ist auch noch bei dem Ersatzkonzert mit der Auftrittskavatine des Tancredi und als Rosina in Rossinis Barbiere eingesprungen. An diesem Vormittag gibt sie zum Ende des Konzertes die große Arie der Leonora aus Donizettis La favorita, "Oh mio Fernando!", zum besten. Dabei punktet sie mit stupenden Läufen und dramatischen Höhen.

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Raúl Giménez (2. von rechts) mit den diesjährigen Preisträgern: von links: Dogukan Özkan, Polina Anikina und Sabrina Sanza

Wie im vergangenen Jahr wird der Internationale Belcanto-Preis erneut ex aequo geteilt, weil es laut Schönleber einen weiteren Kandidaten gibt, der die Auszeichnung genauso verdient hat: Dogukan Özkan. Auch er hat wie Anikina bereits in diesem Jahr beim Festival sein Rollen-Debüt gegeben, und Schönleber hofft, dass der junge Bass im nächsten Jahr Zeit findet, wieder für das Festival zur Verfügung zu stehen. Mit großartiger Komik hat er in Rossinis L'italiana in Algeri die Partie des Mustafà interpretiert und dabei mit flexiblem, dunklem Bass begeistert. Im Konzert empfiehlt er sich für eine Partie, die eventuell sogar im nächsten Jahr beim Festival benötigt werden könnte. Özkan präsentiert die Arie des Assur aus Rossinis Semiramide und stellt mit profunden Tiefen und großer Beweglichkeit in der Stimme unter Beweis, dass er nicht nur das komische Fach in der Italiana beherrscht, sondern auch den Wahnsinn, der in dieser Arie aus dem zweiten Akt zum Vorschein kommt, eindrucksvoll umsetzen kann.

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Die Meisterklasse von Raúl Giménez: von links: Sabrina Sanza, Oksana Vakula, Despina Krango, Yo Otahara, Laura Coll, Polina Anikina, Francesco Palmieri, Lana Maletić, Dogukan Özkan, Natalia Darkowska, Luis Magallanes, Luiza Tietze, Massimo Frigato, Juan José Medina und Biao Ma

Neben dem Internationalen Belcanto-Preis wird auch seit einigen Jahren ein nicht dotierter Publikumspreis vergeben, der laut Schönleber am Applaus für die einzelnen Beiträge gemessen wird. Auch in diesem Jahr, gesteht Schönleber ein, sei es wieder sehr schwierig zu entscheiden gewesen, da das Niveau der beiden Meisterklassen sehr hoch gewesen sei. Eigentlich hätten den Publikumspreis nach seiner Messung eine Teilnehmerin und ein Teilnehmer verdient. Da der Teilnehmer, Özkan, aber bereits mit dem Belcanto-Preis ausgezeichnet werde, erhält den diesjährigen Publikumspreis die Sopranistin Sabrina Sanza, die im ersten Konzert eine Woche zuvor mit großartigen Koloraturen als Amina in Bellinis La sonnambula glänzte und beim zweiten Konzert in der Arie der Fannì aus Rossinis erster Farsa La cambiale di matrimonio mit stupenden Höhen und beweglichen Läufen das Publikum begeistert.

Doch auch ansonsten hält das Konzert mit den neun Teilnehmerinnen und sechs Teilnehmern der Meisterklasse von Raúl Giménez, der dem Festival seit 2003 eng verbunden ist, einige Überraschungen bereit. Während im ersten Konzert die einzelnen Stücke mit einem durchgängigen Faden verbunden wurden, schlägt die Meisterklasse von Giménez einen Bogen von geistlichem zu weltlichem Belcanto. Wenn sich der Vorhang öffnet, sitzen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Bühne und beginnen mit Auszügen aus Rossinis geistlichen Werken. Den Anfang machen Yo Otahara und Polina Anikina mit dem Duett aus dem zweiten Teil, Gloria, der Petite messe solennelle. Anikinas Mezzosopran und Otaharas dunkel gefärbter voller Sopran finden dabei zu einer wunderbaren Einheit, die das "Qui tollis peccata mundi" in ganz neuem Licht erscheinen lassen. Danach folgen fünf Auszüge aus Rossinis Stabat mater, das in seiner Erstfassung von Rossinis Schüler Giovanni Tadolini für die Uraufführung in Madrid vervollständigt wurde, und für eine Aufführung im Théâtre Italien rund 10 Jahre später von Rossini revidiert wurde, indem er die Teile Tadolinis durch eigene neue Kompositionen ersetzte. Gianluca Ascheri und Andrés Jesús Gallucci arbeiten abwechselnd in der Begleitung am Klavier sorgfältig heraus, wieso diese geistliche Musik trotzdem mit ihrem leichten Fluss in ein Belcanto-Konzert passt. Beendet wird dieser Teil mit der Chorarie "Inflammatus et accensus". Dafür erheben sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer und begleiten mit fulminantem Klang Oksana Vakula, die den Solo-Sopran dabei mit kraftvollen Höhen übernimmt.

Der restliche Ablauf des Konzertes verläuft dann so, wie man es aus den Vorjahren kennt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer präsentieren sich jeweils mit einer Belcanto-Perle, die sie in der Meisterklasse gemeinsam mit Giménez erarbeitet haben. Natürlich darf auch in diesem Jahr Mozarts Così fan tutte nicht fehlen. Aus dieser Oper wählt Giménez jedes Jahr unterschiedliche Nummern aus. Massimo Frigato hatte eine Woche zuvor zumindest schon in den beiden kleinen Szenen aus Così den Ferrando auf der Bühne gespielt. Nun präsentiert er die beliebte Arie "Un' aura amorosa" mit tenoraler Leidenschaft und weichen Bögen. Despina Krango bietet nach kurzer Unterbrechung durch Mozarts La clemenza di Tito die Arie der Despina "Una donna a quindici anni" mit keckem Spiel, bevor Otahara dann als Fiordiligi mit der großen Arie "Come scoglio" den Block mit kraftvollem Sopran abschließt, der dunkler und teilweise voller klingt, als man es sonst in der Partie gewohnt ist. Lana Maletić hat eine Arie der Dorabella bereits im ersten Konzert interpretiert und lässt nun mit dunklem Mezzo als Romeo in Bellinis I Capuleti e i Montecchi aufhorchen. Passend dazu folgt Giulia, allerdings nicht aus Bellinis Oper sondern aus Rossinis La scala di seta. Die junge Sopranistin Laura Coll stellt dabei unter Beweis, wie viel Feuer und Temperament Rossinis Frauenrollen besitzen können. Juan José Medina bekommt dann in der Canzone des Almaviva "Se il mio nome saper voi bramate" Unterstützung von Anikina, die von der Seite die Einwürfe Rosinas liefert, und von Giménez, der aus dem Orchestergraben die weiteren Tipps Figaros ergänzt.

Zum Abschluss wird es dann wieder geistlich mit dem 9. Satz aus Rossinis Stabat mater. A cappella präsentieren die Sängerinnen und Sänger eindrucksvoll "Quando corpus morietur". In dem Text wird darum gebeten, dass nach dem Tod des Körpers der Seele Eingang ins Paradies gewährt wird. Für das Konzert trifft es auf jeden Fall zu, da das Publikum in nahezu paradiesischem Zustand den Saal verlässt.

FAZIT

Das Konzert der Meisterklasse stellt unter Beweis, dass auch geistliche Musik äußerst belcanto-tauglich sein kann. Die Präsentation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewegt sich erneut auf sehr gutem Niveau.

Weitere Rezensionen zu Rossini in Wildbad 2024

Programm des Konzertes

Gioachino Rossini: Petite messe solennelle: Duett "Qui tollis peccata mundi" (Yo Otahara, Polina Anikina)

Gioachino Rossini: Stabat mater:
Arie "Cuius animam" (Luis Magallanes)
Duett "Quis est homo, qui non fleret" (Oksana Vakula, Luzia Tietze)
Arie "Pro peccatis" (Francesco Palmieri)
Kavatine "Fac ut portem" (Natalia Darkowska)
Arie mit Chor "Inflammatus et accensus" (Oksana Vakula)

Gioachino Rossini: La cambiale di matrimonio: Rezitativ und Arie der Fannì "Come tacer - Vorrei spiegarvi il giubilo" (Sabrina Sanza)

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte: Rezitativ und Arie des Ferrando "Cosa serve? - Un'aura amorosa" (Massimo Frigato)

Wolfgang Amadeus Mozart: La clemenza di Tito: Arie des Annio "Torna di Tito al lato" (Luzia Tietze)

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte:
Arie der Despina "Una donna a quindici anni" (Despina Krango)
Rezitativ und Arie der Fiordiligi "Temerari - Come scoglio" (Yo Otahara)

Gaetano Donizetti: La fille du régiment: Arie des Tonio "Pour mon âme quel destin" (Biao Ma)

Vincenzo Bellini: I Capuleti e i Montecchi: Arie des Romeo "Se Romeo t'uccise un figlio" (Lana Maletić)

Gioachino Rossini: La scala di seta: Rezitativ und Arie der Giulia "Ma se mai - Il mio ben sospiro e chiamo" (Laura Coll)

Gioachino Rossini: Il barbiere di Siviglia: Canzone des Almaviva "Se il mio nome saper voi bramate" (Juan José Medina)

Gaetano Donizetti: La favorita: Rezitativ und Arie der Leonora "Fia dunque vero - Oh mio Fernando!" (Polina Anikina)

Gioachino Rossini: Semiramide: Arie des Assur "Deh! ti ferma, ti placa, perdona" (Dogukan Özkan)

Gioachino Rossini: Stabat mater: Chor "Quando corpus morietur" (Ensemble)


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Ausführende

Klavier und Einstudierung
Gianluca Ascheri
Andrés Jesús Gallucci

Teilnehmerinnen und Teilnehmer
der Masterclass
Polina Anikina, Mezzosopran
Laura Coll, Sopran
Natalia Darkowska, Mezzosopran
Massimo Frigato, Tenor
Despina Krango, Sopran
Biao Ma, Tenor
Luis Magallanes, Tenor
Lana Maletić, Mezzosopran
Juan José Medina, Tenor
Yo Otahara, Sopran
Dogukan Özkan, Bass
Francesco Palmieri, Bass
Sabrina Sanza, Sopran
Luzia Tietze, Mezzosopran
Oksana Vakula, Sopran
 

 


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